Jahrgangsbericht

Diejenigen Winzer gilt es zu schätzen, welche ehrlicherweise nicht jeden Jahrgang als den grössten je bezeichnen. Nach 14 (wunderbar klassischer Jahrgang auf vernünftigem Preisniveau) und den «années exceptionnelles» 15 und 16 zeigt sich 2017 als überaus spannender, heterogener und völlig einmaliger Jahrgang, den man kaum vergleichen kann. Die Spanne ist enorm sowohl in qualitativer wie in quantitativer Hinsicht. Schuld ist in erster Linie der für Frankreichs Jahrgang 2017 legendäre April-Frost.

Auf die grossen Schlagzeilen reduziert sieht 2017 folgendermassen aus:

  • im Süden (Sauternes, Léognan) und im nördlichen Libournais gibt es Frostverluste bis zum Totalausfall. Stephan Neipperg aus St-Emilion hat ausser bei Mondotte enorme Verluste.
  • Der Frost hat sehr lokal zugeschlagen, in schlangenförmigen Bahnen, da konnte es innerhalb weniger Meter den einen erwischen und den anderen nicht. Keine Schäden haben die Appellationen bzw die Weingüter, welche auf die temperierende Gironde-Mündung schauen, also zb fast das ganze Médoc.
  • 2017 ist eindeutig ein Cabernet-Jahr mit damit verbunden einem Vorteil fürs Médoc.
  • Die Weine dürften schon jung angenehm offen sein, Lagerpotential: klassisch, im mittleren Bereich.
  • «Année précoce». 2017 ist eines der frühesten Jahre je, vergleichbar 2011. Didier Cuveliers’ Bilanz für seinen Léoville-Poyferré: 2017 ist eine Mischung aus 2012 (Charme), 2015 (Eleganz) und Kraft (2014).
  • Einher geht ganz generell, dass die 17er leichter sind als die grossen Jahre wie etwa 16 und 15, im Schnitt so um minus 0.5 bis 0.8 Grad Alkohol. Das macht sie attraktiv für Liebhaber, denen Eleganz wichtiger ist als Gewicht. Die Weine sind zum Teil unwiderstehlich gut und dürften speziell für den jüngeren Konsum speziell attraktiv sein. Die besten zeichnen sich durch hohe Präzision, Frische und Balance sowie herrlich typische, klassische, reife Frucht aus, letztere weniger schwarz als in den heissen Jahren. Die Mittelmässigen werden etwas vegetale Aromatik nicht verbergen können.

Ein Jahrgang wie 2017 macht für eine Subskription Sinn, wenn einerseits die Preise gesenkt werden, was die Weisen auch umgesetzt haben. Andererseits lohnt es sich, ganz gezielt und punktuell nur auf die besten Weine zu setzen und auf seine besonderen Lieblinge. Genauso gehen auch wir vor und bieten Ihnen ein kleines Angebot mit unseren Favoriten – so wir sie in diesen Tagen zu guten Konditionen einkaufen können. Als Beispiele führen wir hier auf: exzellente Premiers von Mouton bis Haut-Brion, die superben zwei Pichons, der energetische Pontet-Canet, der perfekte Montrose, Calon-Ségur (eine Ode an den Cabernet Sauvignon), Léoville-Barton und Poyferré, die wunderbar lasziven Mitjavile-Weine Roc de Cambes und Tertre Roteboeuf.