Subskription Bordeaux 2020

Auch im zweiten Jahr der Pandemie ist im traditionellen Primeur-Geschäft in Bordeaux vieles anders: So wurden die normalerweise Ende März in Bordeaux organisierten Verkostungen zuerst verschoben und dann abgesagt. Auch eine organisierte Degustation für Fachpublikum in Zürich musste schliesslich annulliert werden. Ein paar wenige Weinhändler in der Schweiz, unter anderem Martel, erhielten schlussendlich von der Grand Cru Vereinigung (UGCB) mehr als 120 (!) Fassmuster. So konnten wir uns trotzdem zusammen mit vielen weiteren Proben, ein äusserst gutes Bild von der Qualität des Jahrgangs und der einzelnen Weine machen. 

Eines vorneweg: Ein weiterer grossartiger Jahrgang kann besonders bei den Rotweinen erwartet werden. Aus unserer Sicht klar besser als 2018 kämpft der aktuelle Jahrgang mit 2019 um den Sieg. Letztendlich ist es aber eine Frage des persönlichen Geschmacks, welche Jahrgangsstilistik mehr zusagt. Vielleicht ist in diesem Jahr die Qualität etwas heterogener (vor allem im Médoc). So gibt es neben ganz grossen Weltklasseweinen auch einige Enttäuschungen. Darum ist eine Selektion sicher erforderlich. Hilfestellung dabei soll Ihnen dieser kleine Jahrgangsbericht bieten.

Preisentwicklung

Generell steigen die Preise gegenüber dem Vorjahr marginal, in den meisten Fällen bleiben sie aber sogar stabil. Nur bei wenigen Châteaux steigen sie um über 10%. Bei einigen wenigen registrieren wir sogar sinkende Preise. In Anbetracht der Qualität und der letztjährigen Preisreduktion von 20% bis 35% kann beim Jahrgang 2020 – wie schon letztes Jahr – von absolut fairen Preisen gesprochen werden.

Rotweine

Generell besitzen die Rotweine eine mächtige Struktur mit einer aussergewöhnlichen Gerbstoffqualität. Diese wird dank Fülle und gleichzeitig Frische in eine schöne Balance gebracht. Sowohl am linken wie auch am rechten Ufer gibt es grandiose Weine.

Von den Appellationen im Médoc ist uns besonders St. Julien und ferner auch Pauillac positiv aufgefallen, wo hingegen Margaux eher etwas schwankend ist. Nichtsdestotrotz haben wir auch hier fantastische Weine verkosten dürfen. Neben den 1er Crus und Super Seconds finden Sie darum nachfolgend noch eine Auswahl an weiteren noch bezahlbareren Grand Cru Classés:

  • Margaux: Giscours, Issan, Marquis de Terme und Brane Cantenac
  • St. Julien: Ducru Beaucaillou, Gruaud Larose, Langoa Barton sowie Léoville Barton (fülligerer Stil als in anderen Jahren) und Léoville Poyferré
  • Pauillac: Haut Batailley, Clerc Milon und Lynch Bages
  • St. Estèphe: Lafon Rochet (nach einem Durchhänger letztes Jahr), Ormes de Pez und Montrose
  • Pessac-Léognan: Lespault Martillac (ein aufstrebendes Weingut, sehr empfehlenswert), Domaine de Chevalier und Pape Clément (gross in diesem Jahr)

Die Merlots vom Libournais haben uns äusserst positiv überrascht, allen voran St. Emilion. Die besten Weine verbinden Kraft, Konzentration, Spannung, Tiefe, Eleganz und Harmonie. Die Zeit der aufgepumpten, überextrahierten und überreifen Fruchtbomben ist glücklicherweise definitiv vorbei:

  • St. Emilion: Pavie Macquin (exzellent dieses Jahr), Pavie, Canon-la-Gaffelière, Troplong-Mondot, Tertre Rôteboeuf, Figeac sowie die köstlichen Best-Buys La Dominique und Tour Figeac
  • Pomerol: Petit Village (zum ersten Mal in unserer Selektion), Clinet, Vieux Château Certan und das «Schnäppchen» Beauregard

Weissweine

Trotz warmem Sommer sind die Weissweine in Pessac-Léognan dank einer saftigen Säure erstaunlich frisch. Gleichzeitig besitzen sie eine reife Frucht, Kraft und viel Konzentration. Neben dem Blue Chip Domaine de Chevalier, der sich auch dieses Jahr von seiner besten Seite zeigt, haben wir zum ersten Mal auch den weissen Pape Clément selektioniert – grossartig dieser Druck und sein Tiefgang. Als wahrer Best-Buy mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis können wir Lespault Martillac Blanc empfehlen.

Süssweine Sauternes/Barsac

Mengenmässig ein kleines Jahr hat uns auch die Qualität bei vielen Schlössern nicht überzeugt, da es vielen Süssweinen an Säure und infolge fehlender Edelfäule an Komplexität mangelt. Zwei Weine können wir Ihnen aber uneingeschränkt empfehlen: unser «Haus»-Sauternes Doisy-Védrines und der konzentrierte sowie gleichzeitig frische und spannungsgeladene 1er Cru Château Coutet.

Zu den 2020er Bordeaux-Weinen

Stéphane Derenoncourt von der Domaine de l'A über den Jahrgang 2020