Winzerbesuche - Argentinien 2013

Die Erweiterung des Weinhorizontes ist ein permanentes, spannendes Erleben und Erfahren. Und Kontraste machen das Ganze würzig und eindrücklich. Alles erlebt man in extremis in Argentinien.

In the middle of nowhere ist die richtige Bezeichnung für das unvergleichliche Erlebnis eines Weingutbesuches bei Tacuil. Schon die Hauptstadt der Weinregion, Salta, liegt für uns (fast) am Ende der Welt.

Doch was dann kommt, ist eine Grenzerfahrung: nicht weniger als fünf Stunden dauert die Autofahrt in Weiten und Höhen des Calchaqui-Tales. Die erste Stunde bis zum Eintritt ins Vor-Andengebirge lässt noch nichts ahnen von dem, was kommt: mit zunehmender Höhe und immer grösser werdenden Kandelaber-Kakteen – die mächtigsten erreichen über 10 Meter und erinnern an Wild-West-Romantik und Lucky-Luke-Romane – verabschiedet sich der gewohnte Standard einer asphaltierten Strasse.

Eine staubige Rumpelpiste mit wellblechartigen Rippen versetzt die Karosse in ein permanentes Vibrieren. Man geniesst diesen Luxus angesichts der Tatsache, dass in den Regenzeiten Strassen zu Flussbetten werden, insbesondere wenn sie gleich in solchen angelegt wurden. Nach drei Stunden ohne die beruhigende Wirkung auch nur einer einzigen Gaststätte oder Tankstelle landen wir im abgelegenen Molinos. Auf der Passfahrt hierher überquert man den Piedra del Molino auf 3457m, die Welt hier ist von berückender Schönheit, die Wüste lebt (tatsächlich).

Molinos ist ein kleines, ruhiges, bescheidenes Dorf indianischen Ursprungs, wie eine Art Fussgängerzone ohne Einkaufsmöglichkeiten, der einzige Ort auf der seit Salta markierten und beschilderten «Ruta del vino», knapp unter 2000m über Meer. Einen Rebstock sieht man auch hier nicht. Immerhin aber beglückt einen eine wunderbare Gaststätte vis-à-vis der hübschen Kirche: die Hacienda de Molinos und ihre phantastische lokale Küche. Eine wundersame Oase gleichsam, entstanden aus einer ehemaligen spanischen Residenz.

Eine weitere Stunde führt einen endgültig ins diesseitige Jenseits oder ins jenseitige Diesseits. In Abwesenheit jeglicher zivilisatorischen Selbstläufer wie Strom oder Telefon und nach einer Runde Irrfahrt (weil der letzte Wegweiser beim letzten Regen weggespült wurde!) führt uns eine steile Rampe in einen völlig isolierten Talkessel: wer sich vor der Welt verstecken will, hier müsste es sein! Der verrückteste Ort der Welt, um Wein zu machen, und inoffiziell der höchste der Welt auf über 2597 m.ü.M. ! Die Spanier haben die Weinkultur hier in diesem Hochland begründet, 1850 wurde hier der erste Malbec aus Frankreich eingeführt und Raúl Dávalos und seine Verwandten haben den hiesigen Weinbau zu einer grossen Passion entwickelt. Nur mit Leidenschaft kann man denn auch diese «Verrücktheit» am Ende der Welt erklären. Das gleiche lässt sich natürlich auch von uns sagen, die wir den Tacuil-Wein bis in die Schweiz importieren! Begeisternder, charaktervoller Malbec aus dem Kaktusland.

Auf der Rückfahrt geniessen wir das nahe Bergschauspiel mit den 6- bis 7-Tausendern der Anden, welche auch die Kulisse von Mendoza prägen, der Weinhauptstadt Argentiniens. Szenenwechsel also 1000km südlich: Eine Millionenstadt und ihre sie umgebenden Weinberge, vergleichbar Bordeaux, nur dass die Region hier eine Wüste ist, mit heissen Tagen und kühlen Nächten. Dank einem bereits von den Ureinwohnern entwickelten, fein verästelten Bewässerungs- und Kanalsystem werden Stadt und Weinberge zu einer grünen Insel, natürlich alimentiert aus den klaren Bergflüssen, welche aus den nahen Anden durch die Region fliessen.

Drei Trümpfe können wir hier ausspielen mit unsern drei Spitzenadressen:

Achaval-Ferrer war das erste argentinische Weingut in unserem Sortiment. Es war und ist eine Art Rolls Royce aus Mendoza und ein qualitatives Vorbild, mitgeprägt vom enthusiastischen italienischen Önologen Roberto Cipresso. Das Weingut strahlt heute die Aura einer Edelwinery des Napa Valley aus. In der Stilistik geht man eigene Wege mit einmaliger Frische und Eleganz. Da die Mendoza-Weine zu hohem Alkoholgehalt neigen, werden die Erntemengen extrem tief gehalten, sodass die Trauben bedeutend früher reifen und so eine viel frühere Ernte ermöglichen. Reife, aber nicht zu zuckerhaltige Trauben. Die Krone der Palette und wohl auch der argentinischen Weinkultur bilden die Spitzenlagen der Bodega, Bella Vista und Altamira. Weltklasse.

Altocedro ist das Werk des engagierten und visionären Winemakers Karim Mussi Saffie, der mit seinen Partner-Investoren aus der Schweiz und einem wunderbaren Fundus an alten Rebstöcken phantastische Qualitäten erreicht. Erst kürzlich hat Karim ein wunderschönes historisches Weingut im Unterbereich Maipu übernehmen können, wo nun ihre Malbecs & Co. vinifiziert werden. Wir erleben ein spannendes Tasting und freuen uns auf die neuen Gewächse.

Huarpe! Eines unserer erfolgreichsten Weingüter überhaupt und regelmässiger Bestseller an unserer Tour des Vins. Entscheidend mitverantwortlich ist der warmherzige, sympathische José Toso, der mit seiner Fachkompetenz und seiner Erfahrung unsere Kunden in bestem Deutsch (José studierte in Deutschland) begeistert.

José und seine Frau Anna zeigen uns die herrlichen Rebberge aus dem Erbe der italienisch-stämmigen Toso-Familie, im Hintergrund glänzt die Schneehaube des mächtigen, fast 7000m hohen Aconcagua-Massivs unter der Sonne... das Wort Weinparadies ist wahrlich kein Übertreibung. Eine Guayquil-Vertikale zum Grillabend bildet dann das Tüpfchen auf dem i und den Schluss(höhe)punkt einer intensiven Argentinien-Tour.