Winzerbesuche - Burgund 2015

Frohe Nachrichten direkt aus den Kellern unserer Winzer-Koryphäen aus dem Burgund: der Jahrgang 2014 steht zur Probe bereit, wir konnten ihn auf Herz und Nieren, also Nase und Gaumen testen, bevor wir Ihnen die 2014er Palette im Juni 2016 offerieren können. 

Gerne präsentieren wir Ihnen vorweg die Schlagzeilen. Wir nehmen uns die ebenso anspruchsvollen wie bescheidenen und grundehrlichen Winzer zum Vorbild. Sie verstecken ihre Freude oder gar Begeisterung nicht, bleiben aber immer auf dem Boden und hüten sich vor superlativen Exzessen. Sie wissen genau, dass Ausnahmejahrgänge so heissen, weil es eben tatsächlich Ausnahmen sind. Und Ihnen als Weinliebhaber werden wir wohl kaum dienen, wenn wir neun von 10 Weine als unübertrefflich bewerten und neuneinhalb von 10 die Maximalnote geben. Der phänomenale Winzer und Gevrey-Chambertin-Spezialist Jean-Marie Fourrier sagt seine Meinung klar: «Die Journalisten degustieren stundenlang bei mir, aber was soll eine Notenskala, welche gleichzeitig einem einfachen Bourgogne und einem Grand Cru gerecht werden soll? Ich kann doch nicht einen Kleinwagen und einen Luxus-Rennwagen in der gleichen Kategorie vergleichen.» 

Grundsätzlich bewerten wir Weine nicht mit Zahlen, weil solche einem Wein nie gerecht werden können. Und was wir Ihnen anbieten, haben wir sicher auch nicht selbst zu benoten: wir können Sie nur überzeugen, wenn alles, nämlich Qualität, Charakter und Preis unserer Weine stimmt, und zwar konstant.

Et voilà notre résumée:

  • Die 2014er Rotweine unserer Winzer erfreuen durchwegs mit frischer, klarer, typischer Aromatik und Frucht. Sie sind heitere Weine, harmonisch, appetitanregend. Sie sind «saftig» in mehreren Sinnen: in der Bedeutung von «juteux», also dem jus de raisin, aber auch von «sèveux», vom kraftvollen «im vollen Saft Sein» des Rebstockes. 

  • Sind die Roten gut bis sehr gut, haben die Weissen vielleicht sogar noch die Nase vorn. 

  • Der Jahrgangsqualität abträglich war ein miserabler Sommer inklusive eines grässlichen Hagelsturms am 28. Juni und Suzukii-Essigfliegen. Der herrliche Frühling sorgte für einen positiven Start und schlussendlich vor allem markierte exzellentes Wetter im Frühherbst die Wende zum Guten. 

  • Das heiss-trockene Jahr 2015 löst bereits jetzt Hysterie aus. Obwohl man die Weine in ihrer Jugendlichkeit noch gar nicht bewerten kann, glauben viele der viel zu simplen Gleichung: heisses Jahr = gut, obwohl das insbesondere im Burgund oft eben genau NICHT stimmt. Pinot Noir und Chardonnay sind Balance-Weine, denen übermässige Konzentration und oder Alkohol eben genau nicht gut tun. Und übermässige Hitze bedeutet für die Reben Stress und Entwicklungsblockaden, die Reifung wird blockiert, nicht gefördert. Der Logik entsprechend dürften sich 14 und 15 folgendermassen ergänzen: die 14er trotz ausgezeichnetem Potential dank ihrer offenen Art zum jung Trinken, die 15er dürften mit der Intensität und Konzentration eines Hitzejahres Geduld erfordern. 

  • Da die Mengen im 2015 durch das Klima beträchtlich gesenkt wurden, wären Preiserhöhungen nächstes Jahr alles andere als überraschend. Umso mehr dürfte es sich lohnen, sich mit den überaus attraktiven 2014ern einzudecken, die sowohl jung angenehm zu geniessen sind, als auch problemlos 5 bis 15+ Jahre lagern können, mit entscheidend ist hier wie immer die Qualitätsstufe (also zB ob Gemeindewein oder Grand Cru) sowie die persönlichen Vorlieben (für junge, frische Aromatik und/oder für sanft-komplexe Reifenoten). Die verfügbaren Mengen sind ausser bei den vom fürchterlichen Hagelsturm (am 28. Juni 2014 zwischen Meursault und Aloxe-Corton) Betroffenen erfreulich, so dass ähnliche Preise wie 2013 zu erwarten sind. 

  • In der allgemeinen 5er-Jahrgangsskala liegt das Niveau bei den Spitzenwinzern bei 3+ bis 4+. Die Weissweine gelten als die besten seit dem Spitzenjahrgang 2010, sie liegen auf Stufe 4+.


Unsere Winzerpersönlichkeiten sind ebenso einmalige Charaktere, wie sich ihre Weine in ihrer Stilistik unterscheiden. Gibt es eine spannendere Weinkultur als diejenige des Burgunds? Wir meinen nein, und deshalb sind wir so gerne «Im Burgund zuhause». Die folgenden Umschreibungen der Winzer geben den Stil des Jahrgangs 2014 wieder, freuen Sie sich mit uns auf ihn: «Année séduisante» («verführerisch»; Jacques Devauges, Clos de Tart); «Année romantique» (François Millet, Comte de Vogüé); «Einer meiner Lieblingsjahrgänge, die Trauben glichen meinen 99ern aufs Haar» (Jean-Marie Fourrier). «Année très classique» (Michel Coutoux, Domaine Niellon).