Kalifornien schreibt ein neues, begeisterndes Kapitel Weingeschichte

Martel

Bald 50 Jahre erleben wir nun zusammen mit unseren kalifornischen Weingütern bewegende Weinkultur. Anfangs waren wir (teilweise belächelte) Pioniere für den Import dieser Überseeweine, dann steckte die Begeisterung an, und die generösen, brillant gemachten Cabernets und Co. heimsten grosse Erfolge ein. Dann in den 90er Jahren kam viel Bewegung in die Szene, Koryphäen erzielten fabelhafte Preise, auf der anderen Seite zeigte Europa aber auch Reaktion und holte dank Innovation und Ehrgeiz viel verlorenes Terrain zurück.

So wurde es betreffend der Nachfrage nach Überseeweinen bei uns etwas ruhiger. In den USA aber ist Weinkultur längst nicht so in der Breite verwurzelt, hier lässt sich noch ein grosses Potential an Neuinteressenten ausschöpfen mit entsprechenden Absatzsteigerungen. Aber auch qualitativ ruhten sich die besten Weingüter keineswegs auf den Lorbeeren aus. Wir wollten es also wieder einmal genau wissen und «inspizierten» all unsere bewährten Winzer, von den Best-Buy-Produzenten bis zu den Kultwineries.

Und erlebten wahrlich eine «Neue Welt». Offensichtlich hat sich die Welt nämlich gedreht. Einerseits von der Haltung her, die sich weltweit immer mehr durchsetzt: Eleganz statt schiere Wucht hat sich zur Tugend Nummer eins gemausert. Aber auch das Klima scheint heute in Kalifornien diesem Trend zu huldigen, und die Winzer gaben ihrem Erstaunen freien Lauf, dass Bordeaux heute von der Hitze beeinflusst wird, mit allen angenehmen und unangenehmen Folgen, während das Napa Valley sich seit drei-vier Jahren auf kühle Verhältnisse einstellen musste.

Wie zeigt sich dies degustativ? Die Balance ist wieder zum Zauberwort geworden. Herrliche Frucht, subtile Struktur, für grosse Weine relativ moderate Alkoholwerte um die 13 bis 14 Grad prägen klassische Spitzenweine.

Die Good News unserer California-Top-Ten in Schlagzeilen:

  • Araujo: Traumweingut mit einer der legendärsten Single-Lagen, dem Eisele Vineyard. Die Familie Araujo setzt auf Finessen, Ausgewogenheit und biologisch-dynamischen Anbau.
  • Corison: vielleicht das unterschätzteste Weingut im Mekka Napa Valley. Neu werden wir auch wieder den Kronos Vineyard führen, basierend auf uralten St-George-Rebstöcken, welche die Reblauskrise der Achtziger-Jahre schadlos überstanden.
  • Cuvaison: Musterweingut und perfekte Weine in sehr vernünftiger Preisklasse. Typisch burgundische Tugenden.
  • Harlan/Bond: wie von einem anderen Stern. Perfektion und Weinkultur, welche auf der grossen Historie und dem Terroir-Gedanken der legendärsten Burgunder-Weingüter aufbaut, allerdings mit Bordeaux-Rebsorten. Wein-Ikonen.
  • Heitz: fabelhafte Weine, unverwechselbar wie der Martha’s Vineyard, dessen umsäumende Eukalytusbäume ihre Duftnote im Wein hinterlassen. Der Rebberg zeigte sich in herrlichem erstem Frühlingsgrün.
  • Kistler: in Sonoma und deshalb auf Burgunder Sorten spezialisiert. Und ohne Frage auch Burgunder Grand Cru Niveau.
  • McManis: Ron McManis ist ein erfrischendes Weinbauer-Original, die Bescheidenheit in Person, gleichzeitig unbestechlich nur auf Qualitätsarbeit fixiert. Musterweingut für Hausweine aus den Klassiker-Weinsorten.
  • Phelps / Freestone: alles in Perfektion, von den Sonoma-Rebbergen von Freestone mit den Burgundersorten bis zum Napa-Flaggschiff Insignia, ein Cabernet-Sauvignon-Blend von betörendem Schmelz
  • Ridge: Paul Draper ist weiterhin und trotz seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters in Höchstform. Monte Bello und Lytton Springs mit den schon fast «prähistorischen» Urreben sind die magischen Rebberge dieses Weinguts.
  • Shafer: Doug weiss das Erbe seines Vaters John Shafer bestens zu hegen und zu pflegen – und weiterzuentwickeln.Phänomenale Weine bis hinauf zur Legende Hillside Select.

California war nie weg, ist aber definitiv back!