Unterwegs im Rebberg

Autour du Rhône

Alen Boulter | 29.05.2019 | Lesezeit ca. 6 Min. Autour du Rhône

Mounir Saouma

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Diesem Ratschlag folgend, machen wir uns schon um 6 Uhr morgens auf den Weg Richtung Châteauneuf-du-Pape. Unser erster Besuch führt uns nach Orange zu Mounir Saouma. Bekannt auch unter dem Pseudonym Lucien Le Moine im Burgund, keltert er hier in der Appellation Châteauneuf-du-Pape Weine aus eigenen Reben. Grenache, Mourvèdre, Syrah, Cincault und weitere Rebsorten wachsen auf besten Parzellen. Es ist eine wahre Freude Mounirs Enthusiasmus zu spüren. Seinen, mit viel Schalk und Humor gespickten Ausführungen zu zuhören macht richtig Spass. Kompromisslos folgt er der Philosophie, das Terroir, die Rebsorte sowie das Klima in den Weinen zu reflektieren. Nach alter Tradition und entgegen der üblichen Vorgehensweise, lässt er seine Weine unberührt bis zur Abfüllung. Das heisst eine ungewohnt lange Lagerung in den Fässern, ohne Schwefelzugabe, ohne Aufrühren des Hefesatzes und ohne Filtration. Begeistert verkosten wir seine Weine direkt aus den Fässern. Es ist wahrlich ein Genuss, diese tiefgründigen und vielschichtigen Preziosen zu ergründen.

Mounir Saouma Fabiano Di Bacco
Mounir Saouma mit Fabiano Di Bacco
Rhone Mounir Saouma Rebberg
Die Rebberge von Mounir Saouma

Domaine du Vieux Télégraphe

Eine kurze Fahrt bringt uns zur Domaine du Vieux Télégraphe. Frédéric Brunier empfängt uns auf dem traditionsreichen Familienweingut der Spitzenklasse. Bereits in 5. Generation widmen sich die Bruniers dem Rebbau im Châteauneuf-du-Pape sowie im Gigondas. Das Klima – der Mistral pfeifft uns hier gehörig um die Ohren – sowie die Bodenbeschaffenheit sind Grundpfeiler des Charakters dieser aussergewöhnlichen Weine. Gemeinsam besuchen wir das legendäre Hochplateau «La Crau». Hier ist der Boden übersät mit grossen, runden Steinen, den sogenannten Galets. Sie speichern die Wärme und geben diese den Reben wieder ab. In der anschliessenden Degustation wird eindrücklich klar, dass sich die Weine auch für eine lange Lagerung bestens eignen. Wir sind hingerissen von der Eigenständigkeit dieser wunderbaren Terroirweine.

Châteauneur-du-Pape Vieux Télégraphe Rebberg Steine
Das Hochplateau «La Crau» mit den imposanten Galets.

Château des Sarrins

Unser Ziel am folgenden Tag liegt weiter südlich in der Provence. Mit dem Weingut Château des Sarrins hat sich der bekannte Champagnerproduzent Bruno Paillard in der Provence ein kleines Schmuckstück geschaffen. Hier werden nach biodynamischen Richtlinien Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cabernet Sauvignon sowie Carignan angebaut. Dazu gesellt sich die weisse ortsansässige Rebsorte Rolle. Das Hauptaugenmerk gilt der Herstellung von Rosé. Während der Degustation lassen wir uns durch seine Frische, Finesse und sein blumig-fruchtiger Chrakater bezaubern. Fast magisch, wie in diesem Moment die Sonne durch die Wolken drückt. Als Schönwetterwein macht der Château des Sarrins Rosé seinem Namen alle Ehre. Da darf der Sommer ruhig kommen!

Provence Château des Sarrins
Was für eine Aussicht! Château des Sarrins.

Château de Pibarnon

Eine gute Stunde entfernt befindet sich der nächste Halt auf unserer Weinreise. Château de Pibarnon liegt in der kleinen Appellation Bandol am Rande des Mittelmeers. Das einzigartige Mikroklima, die fantastische Lage und das Gespür für die Rebsorte Mourvèdre machen die Weine hier zu Spitzenprodukten. Auf spektakulären Terrassen baut Eric de Saint Victor die Rebsorte auf über 50 Hektaren an. Über 3000 Sonnenstunden pro Jahr sind die Grundlage für die ideale Entwicklung dieser spätreifenden Rebsorte. Sowohl die Roséweine, wie auch die Rotweine bestechen durch Ihre Eleganz, Vielschichtigkeit und Länge. Zweifellos Weine, die uns alle schwer beeindrucken. Wir werden es nicht missen wollen uns ein paar dieser Tropfen zu sichern.

Château de Pibarnon Eric de Saint Victor Martel Team
Das Martel-Team mit Eric de Saint Victor

Jean-Louis Chave

Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg zu einem absoluten Highlight unserer kleinen Tour des Vins. In Mauves, an der nördlichen Rhône gelegen, empfängt uns Jean-Louis Chave zu einem Besuch auf seiner Domaine. Hinter einer unscheinbaren Häuserfassade verbirgt sich das Zuhause einer der ältesten Weinbaufamilien Frankreichs. Die Kellergewölbe riechen nach Geschichte und lassen uns ehrfürchtig staunen. Hier wurden im Krieg noch Weine eingemauert und so vor der Besatzung in Sicherheit gebracht. Jean-Louis Chave ist detailversessen; er kennt jeden Stein und jede Pflanze auf seinen Parzellen. Eindrücklich zeigt er uns wie sich die Rebsorten Syrah, Marsanne und Roussanne auf unterschiedlichsten Böden ausdrücken können. Schlicht überwältigend und brillant! Seine Hermitage Weine gehören nicht umsonst zu den grössten Errungenschaften der Weinwelt. Hier will man nicht mehr gehen müssen. Dennoch sind wir alle mehr als glücklich mit der Zeit, die sich Jean-Louis Chave für uns nimmt. Auch im Wissen einen wahren Schatz in unserem Sortiment haben zu dürfen, verabschieden wir uns dankbar und begeistert.

Jean-Louis Chave Martel Team Keller
«Die Kellergewölbe riechen nach Geschichte und lassen uns ehrfürchtig staunen.»
Jean-Louis Chave Erin Chave
Ein tolles Team. Jean-Louis und Erin Chave.

Emanuel Darnaud

In der Nachbarsgemeinde La Roche-de-Glun befindet sich gleich der nächste Stopp auf unsere Reise. Emanuel Darnaud empfängt, uns während drinnen im Weinkeller gerade ein neuer Stahltank verschweisst wird. Kurzerhand wird ein Fass vor die Hallen gerollt und dient uns fortan als improvisierter Degustationstisch. Emanuel hat sich vor allem der Rebsorte Syrah verpflichtet. Er baut diese in den Appellationen Crozes-Hermitage und Saint Joseph an. Hier dürfen wir ebenfalls alle seine Weine direkt aus den Fässern probieren. Bemerkenswert wie sich auch hier die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit sowie das Klima im Wein reflektiert. Aussergewöhnlich tiefsinnig, elegant und mit einer frischen Säure brillieren Emanuels Weine. Sie lassen jede Mahlzeit zu einem Festessen werden und sollten auf keiner Tafel fehlen.

Emanuel Darnaud
Emanuel Darnaud

René Rostaing

Wie sich Syrah ganz anders zeigen kann, erleben wir eine Stunde nördlich auf der Domaine von René Rostaing. In der nördlichsten Appellation des Rhonetals, der Côte-Rotie, werden wir vom Kultwinzer auf seinem Weingut empfangen. Mit über 70 Jahren ist René Rostaing immer noch voller Tatendrang und Hingabe. Wir erfahren eindrücklich wie die Besonderheit dieses Weingebietes zustande kommt. Extreme Steillagen, ein warmes Klima und vor allem Schiefer im Boden unterscheiden diese Weine deutlich von allen bisher gekosteten. René Rostaings Côte Blonde, La Landonne und Ampodium sind traumhafte Weine die ihresgleichen suchen. Mit überragender Präzision, Vielschichtigkeit und Länge betören sie unsere Sinne. Chapeau!

Rebberge René Rostaing
Die steilen Rebberge…
René Rostaing
… von René Rostaing