Unterwegs im Rebberg

Servus Österreich. Beeindruckende Winzerbesuche.

Christine Schmidhauser | 08.07.2019 | Lesezeit ca. 6 Min. Servus Österreich. Beeindruckende Winzerbesuche.

Weingut Johann Donabaum

In einem Seitental der Wachau in Spitz, in einem kleinen Weinbaudorf im Spitzergraben, liegt das Familienweingut Johann Donabaum. Seine 8ha Weissweinreben liegen auf 27 verschiedenen Parzellen. Da sind sehr steile, karge Hänge, wie Offenberg, mit Schiefer-Marmorboden, wo Riesling Reben angepflanzt werden. Oder Kirchweg im Nachbardorf Wösendorf, wo Grüne Veltliner Reben am Bergfuss mit Sedimentationsgestein, Löss und Lehm gedeihen. Eindrücklich – alle Weine von Johann sind präzise, elegant und wiederspiegeln perfekt ihre Herkunft, die Erde aus der sie geboren wurden.

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Johann Donabaum

Weingut Bründlmayer

Ein Besuch beim Traditionsbetrieb Bründlmayer ist eine eindrückliche Sache und der Winzerkoryphäe Willi Bründlmayer zu begegnen immer eine Bereicherung. Bei der Kellerbesichtigung zeigt sich die hohe Qualität, welche da seit Jahren in die Flasche kommt. Ein Weingut, das sich auch nach Jahren erfolgreichen Schaffens stetig weiterentwickelt. Als Beispiel: die Glasflaschen werden vor dem Füllen mit Wein gespült, damit kein Fremdgeschmack etwas am edlen Inhalt verändert. Besondere Berühmtheit hat auch der Sekt von Bründlmayer. Da seine Frau aus Paris stammt, liegt das Vorbild Champagner auf der Hand. Die Grünen Veltliner wie Kamptaler Terrassen, Berg Vogelsang und Lamm wirken glasklar und nie überladen. Es sind Weine mit Charakter und Eigenständigkeit.

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Willi Bründlmayer

Weingut Mayer am Pfarrplatz

In der Stadt Wien wird auf 662ha Weinbau betrieben. Zum Abschluss des Tages dürfen wir die traumhafte Aussicht vom Nussberg auf die Weltstadt Wien geniessen. Paul Kiefer vom traditionsreichen Weingut Mayer am Pfarrplatz, welche seit 1683 Wiener Wein keltern, führt uns durch die Rebgärten hoch über der City. Erste Priorität der Wiener Winzer, die eigentliche Spezialität, ist der Gemischte Satz. Dieser macht bei Mayer 60% der Produktion aus. Er beinhaltet mindestens drei Rebsorten, keine Sorte darf über 50% ausmachen, alle müssen gemeinsam in den Weingärten stehen, gelesen, gepresst und vergoren werden. Die Weine zeigen Frucht, belebende Säure und Mineralität. Perfekt, um sie sofort zu geniessen und speziell zum Wiener Schnitzel.

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Selfie mit Paul Kiefer

Weingut Heike und Gernot Heinrich

Wir fahren ins Burgenland zum Weingut Heike und Gernot Heinrich. Auf diesen Besuch sind wir besonders gespannt, da das Winzerpaar sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Spezialisten für Wein aus biodynamischem Anbau entwickelt hat. Ein topmoderner Betrieb, vereint mit dem Reichtum der Natur – 50 Schafe weiden im Winter zwischen den Reben. Kräutermischungen zur Bodenvielfalt werden gepflanzt – das ist Bio-Demeter-Weinbau vom Feinsten.

Die Kellerführung von Gernot begeistert uns. Wir lernen viele Zusammenhänge der Weinherstellung kennen. Vom Traubenmost, über die Vergärung und Hefelagerung bis hin zum Ausbau und dem Sauerstoff. Bei der anschliessenden Degustation reicht die Palette von seinen Weinen ohne Schwefel, die Freyheit-Linie, bis hin zu einem der kultigsten Weine Österreichs dem Salzberg. Alle Weine zeigen eigenständigen Charakter, sind puristisch, tief mit Frische und Struktur. Sehr eindrücklich auch, auf dem Leithagebirge bei Winden zu stehen und die gesunden Reben in voller Pracht zu betrachten.

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Gernot Heinrich mit dem Martel Team

Weingut Heidi Schröck

Eine kurze Weiterfahrt zu den Söhnen von Heidi Schröck, Johannes und Georg, welche das Weingut gemeinsam mit ihrer Mutter führen.

Empfangen werden wir mit einem gekühlten Glas Furmint, einer faszinierenden Kostbarkeit, welche die Schröcks mit viel Hingabe hegen und pflegen. Auf einem Aussichtspunkt hoch über dem hübschen Städtchen Rust, ist dieser Wein ein besonderer Genuss. Was will man mehr…

Zurück im kühlen Keller degustieren wir das Werk von Johannes direkt ab Fass, der junge Winzer keltert die Weine auf dem schmucken Hof seit 2017. Natürlich fehlten auch die Süssweine nicht, die Ruster Spezialiät und Paradedisziplin der Schröcks. Wir kommen in den Genuss einer beeindruckenden Kollektion und eines faszinierenden reiferen Jahrganges des Ruster Ausbruch.

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Gruppenbild mit Johannes und Georg Schröck

Weingut Kollwentz

In Grosshöflein besuchen wir das Weingut Kollwentz. Andreas Kollwentz führt das Weingut in der 5. Familiengeneration. Wir bestaunen den renovierten Kellerbau, wo noch weitere Investitionen geplant sind. Die Ordnung und Sauberkeit in diesem Betrieb sind eine Freude. Andi erklärt uns die verschiedenen Bodenstrukturbilder der Weine, anhand der unterschiedlichen Parzellen. Anschliessend dürfen wir eine grossartige Degustation geniessen – wie vielschichtig diese Weine sind! Kraft, Würze und Klarheit wiederspiegeln das Terroir perfekt. Zum Abschluss noch die gereifte Variante des legendären Steinzeilers. Ein Langstreckenläufer – Bravo.

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Andi Kollwentz

Weingut Neumeister

In Eisenstadt im Vulkanland (Steiermark), nimmt uns Christoph Neumeister, der frischgebackene Falstaff Winzer des Jahres 2019, in Empfang.

Nach kurzer Fahrt zu den Reben – alle bio-zertifiziert – bestaunen wir die Einzellage Klausen mit 65% Steigung. Das ist pure Handarbeit, Knochenarbeit. Eindrückliche Bilder, die haften bleiben. Bei der anschliessenden Kellerbesichtigung sehen wir das Schwerkraftsystem, ähnlich wie bei anderen Winzerkollegen. Tief unten im Keller stehen grosse Fässer gefüllt mit Sauvignon Blanc auf der Hefe ruhend, der viel Ruhe und Zeit braucht um der Sorte die würzigen Aromen zu entlocken. Neumeister interessiert sich mehr für das Tiefgründige im Wein und weniger die vordergründigen kurzlebigen Fruchtaromen. Bei der Degustation zeigt sich die herrliche Finesse und klar definierte Säurestruktur. Bei den reifen Jahrgängen gefällt die Eleganz mit Frische und Mineralität. Neumeisters haben sich ein Paradies geschaffen. Hier gibt es nicht nur faszinierende Weine zu entdecken. Mit dem angeschlossenen Gourmetlokal und dem «Schlafgut Saziani» lässt es sich hier sehr gut aushalten.

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Christoph Neumeister

Weingut Moric

In Lutzmannsburg besuchen wir unseren Blaufränkisch-Spezialist Roland Velich auf dem Weingut Moric. Bei der Fahrt dahin, fragt man sich zuerst, ob hier überhaupt Reben wachsen. Am Waldhang hinter dem Dorf sieht man nur einige winzige Parzellen aufblitzen. Oben auf dem Hochplateau angekommen, stehen wir mitten im Rebenmeer. Von hier aus bietet sich ein spektakulärer Weitblick. Roland Velich’s Philosophie «Ich will Originale schaffen, welche die Herkunft ausdrücken», können wir hier eindrücklich nachvollziehen. Diese Blaufränkisch-Originale gelingen ihm mit viel Handarbeit, Zeit und Rebstock-Liebe (denn pro ha erntet er nur gerade 1000 kg Trauben). Seine Weine zeigen tiefgründige Würze, faszinierende burgundische Eleganz, klare Fruchtaromen, perfekte Reife und Vielschichtigkeit.

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Roland Velich