Rückblick

Jahrgangsbericht Bordeaux 2019

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Jahrgangsbericht Bordeaux 2019

Wir haben es geschafft: Trotz Corona-bedingter Einreisebeschränkungen konnten wir Anfang Juni nach Bordeaux reisen. Nicht wie üblich mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto. Die Mühen haben sich aber dessen ungeachtet gelohnt. Wir sind von der Qualität des Jahrgangs 2019 schlicht begeistert. Auch wenn wir bereits mit recht grossen Erwartungen nach Bordeaux gereist sind, wurden diese sogar übertroffen – umso mehr als sich die Preise äusserst positiv entwickelt haben.

Preisentwicklung

Was bereits vor dem Start der Primeur-Kampagne gemunkelt wurde, ist eingetroffen: Gerade speziell bei den Cru Classés sind die Preise gegenüber 2018 meist um 20% bis 35% gesunken. Eine solche Preissenkung ist bei einem so hervorragenden Jahrgang absolut aussergewöhnlich und lässt die Weinherzen höher schlagen.

Rotweine

Bei den Grands Châteaux kann unisono von einem grossartigen Jahrgang gesprochen werden. Dies sowohl im Médoc als auch auf der rechten Seite der Gironde, im Libournais. Was besonders auffällt, ist die Balance zwischen reiffruchtigen Aromen und einer belebenden Frische. Mit anderen Worten: Nicht wenige Weine besitzen kühlende Noten von Minze und Menthol.

Die Weine der Grands Châteaux zeigen durchs Band eine hervorragende Gerbstoffqualität und keine Spur von Unreife oder Rustikalität. Bei den Petits Châteaux ist die Qualität etwas heterogener. Aber auch hier gibt es viele geniale Weine zu einem vernünftigen Preis.

Darüber hinaus zeichnen sich viele Crus Classés durch eine grosse Spannung und Tiefe aus und haben uns dementsprechend emotional berührt. Dazu gehören im Médoc sicherlich

  • Montrose in St. Estèphe
  • Mouton-Rothschild, Pichon Baron und Pontet-Canet in Pauillac
  • Léoville-Barton, Léoville-Poyferré und Gruaud-Larose in St. Julien
  • Margaux, Rauzan-Ségla und Brane-Cantenac in Margaux

Fast auf gleichem Niveau aber zu günstigeren Preisen können wir Clerc-Milon, Talbot und Malescot St. Exupéry, La Lagune, Sociando-Mallet und Belle-Vue wärmstens empfehlen.

Etwas überraschend war die hohe Qualität in den «Merlot-lastigen» Appellationen St. Emilion und Pomerol. In den letzten Jahrgängen zeigten diese Weine häufig marmeladige, ja gar überreife Aromen mit einer etwas ermüdenden Opulenz. 2019 hingegen wurden wir von ernsthafteren, klassischen Weinen mit stützenden, gleichsam fast seidigen Gerbstoffen in den Bann gezogen, die aber ihre Herkunft nicht verbergen. So werden Sie in diesem Jahr mehrere zusätzliche Angebote aus dem Libournais finden. Ganz toll degustiert haben wir

  • Canon, Canon-la-Gaffelière, la Mondotte, Quintus und Troplong-Mondot aus St.Emilion
  • Gazin und Beauregard aus Pomerol

In Pessac-Léognan schliesslich hat uns bei den Rotweinen neben den ganz grossen Namen Haut-Brion und Mission-Haut-Brion vor allem Domaine de Chevalier begeistert.

Weissweine

Nur selten sind im Bordeaux grosse Rotweinjahre auch sehr gute Weissweinjahre. Die Weissweine aus Pessac-Léognan besitzen 2019 eine saftige, fein ziselierte Säure, ein vielschichtiges, ausdrucksstarkes Aromenbild und gut integriertes Holz. Neben dem äusserst konstanten Domaine de Chevalier und dem raren Mission-Haut-Brion ist uns der Best-Buy Larrivet-Haut-Brion positiv aufgefallen.

Süssweine

Während im Vorfeld der Primeur-Kampagne über mangelnde Botrytis bei den Süssweinen moniert wurde, erlebten wir mit Sauternes und Barsac demgegenüber eine weitere Überraschung. Dank mehr Säure sind die Weine frisch und lebendig. Sie machen nach dem ersten Schluck richtig Lust auf mehr. Besonders aufgefallen ist uns, neben Doisy-Védrines, der grossartige Suduiraut, dem mit wohldosierter Süsse, toller Balance und einer beeindruckenden Spannung ein grosser Wurf gelungen ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir total begeistert sind und die Weine wärmstens empfehlen können. Sie sind voller Energie und werden grosse Trinkfreude bereiten. Santé.

Zum Angebot

Bordeaux 2019
Jan Martel und Philippe Gallusser beim Degustieren der Bordeaux Primeurs 2019
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