Martel schenkt ein

Musik im Weinkeller – ein neuer Trend

Vito Corrado | 20.01.2021 | Lesezeit ca. 3 Min. Musik im Weinkeller – ein neuer Trend

Musik ist in unserem Leben stets präsent. Von Klassik über Pop bis Rock. Aber warum hören wir Musik und was macht Musik mit uns?

Musik kann uns zum Weinen bringen. Sie kann uns beim Sport zu Höchstleistungen antreiben. Sie beruhigt uns, macht uns glücklich oder ängstlich. Nur eines tut Musik nie: Sie lässt uns niemals kalt. Die gleiche Eigenschaft wird auch dem Wein nachgesagt.

Musik und Wein

Kann die Musik auch Wein beeinflussen? Einige Winzer sind davon überzeugt.

So zum Beispiel Mounir Saouma, der Produzent und Gutsleiter von Lucien Le Moine im Burgund und Rotem & Mounir Saouma in Châteauneuf-du-Pape. Bei meinem ersten Besuch im Burgund konnte ich in seinem Weinkeller in Beaune vorbeischauen.

Kaum öffnete sich das Weinkeller-Tor, wurde ich von einer Bach-Arie berieselt. So fragte ich ihn neugierig, während wir die ersten Weine degustierten, warum im Hintergrund die ganze Zeit klassische Musik laufe.

«Der Wein wird rund um die Uhr beschallt», erklärte mir Mounir. «Durch die Musik während des Reifeprozesses wird er harmonischer und ausgeglichener.» Der Winzer ist überzeugt, dass man den Wein während der Reifung in den Pièces, so wenig wie möglich «stören» (Bâtonnage) soll.

Bâtonnage mit Musik

Die Bâtonnage soll die klassische Musik mit ihren Schallwellen übernehmen. Die Schallwellen sind Schwingungen, die sich nicht nur durch die Luft, sondern auch in Flüssigkeiten, wie z.B. Wein in Holzfässern, ausbreiten können. Sie sollen helfen, die Hefen in der Schwebe zu halten. Somit haben sie eine Wirkung auf die Reifung des Weines. So jedenfalls lautet seine Hypothese.

Die Wirkung von Musik

Die Wirkung von Musik auf biologische Systeme ist kein Novum. Musik ist ein sehr intensives und emotionales Kommunikationsmittel. Als solches findet sie auch in der Humanmedizin Anwendung, z.B. in der Musiktherapie.

Sie wird auch in einem bestimmten Umfang bei Tieren angewendet. So ist die Beschallung von Milchkühen mit Musik zur Steigerung der Milchproduktion bekannt. Während man bei den Hefen und Bakterien davon ausgehen kann, dass sie kein Gehör haben, ist das bei Kühen natürlich anders.

Was sich da allerdings auf molekularer Ebene tut, ist völlig unbekannt und Gegenstand der Forschung. Vielleicht geben ja so einfache Systeme wie Gärhefen oder -bakterien (z.B. malolaktische Gärung) eines Tages wichtige Aufschlüsse über den Effekt der Musik in der Biologie.

Ein neuer Trend

Es gibt sogar Winzer, die noch einen Schritt weiter gehen und Lautsprecher direkt in den Reifebehälter anbringen.

Produzenten in Italien, Frankreich, Österreich und Südafrika lassen ihre Weinberge mit klassischer Musik beschallen. Dies soll die Pflanzen stärken und das Traubengut früher reifen lassen. Zudem bräuchten sie weniger Schutzmittel gegen Schädlinge und Krankheiten.

Leider muss ich die Liebhaber von Hardrock und Elektro Musik enttäuschen – praktische Versuche haben gezeigt, dass vor allem die klassische Musik für die Beschallung von Weinbergen und Weinkeller geeignet ist. Als Alternative liesse sich noch am ehesten Jazz anwenden.

Ob mit oder ohne Musik – am Ende entscheidet der ganz persönliche Geschmack. Meiner ist von der Erstklassigkeit der Saouma Weine überzeugt.