Martel schenkt ein

Amarone – Amore aus dem grössten Holzfass der Welt

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Amarone – Amore aus dem grössten Holzfass der Welt

Venetien, die Lokomotive des italienischen Weinexports, wird massgeblich von der wichtigsten Säule der Region angetrieben, der Valpolicella. Die Region erstreckt sich zwischen dem Gardasee und Verona, die Stadt der Liebenden Romeo & Julia. Kein Wunder, denn die Landschaft bietet das ideale Setting für eine kitschige Romanze. Die auf den Hügeln angebauten Weinberge und Rebzeilen werden von jahrhundertealten Trockenmauern umfasst. Sie leisten einen ganz entscheidenden Beitrag zur Schönheit der Region.

Bepflanzt werden diese Weinberge mit den roten Rebsorten Corvina, Rondinella, Corvinone, Molinara, Croatina und Oseleta. Sie erwecken zusammen mit den für die Regionen spezifischen, seit Jahrzehnten etablierten Techniken die weltbekannten Weine wie Amarone, Valpolicella, Ripasso und Recioto zum Leben.

Die (fiktive?) Entstehungsgeschichte

Amarone entstand aus der Entwicklung von Recioto, dem süssen, samtigen Wein aus der Valpolicella. Die etwas fiktive Geschichte erzählt, dass ein Kellermeister vergessen hatte, ein Fass Recioto umzufüllen. Obschon er überzeugt war, dass er ihn wegwerfen musste, probierte er den Wein und entdeckte, dass ein ausgezeichneter trockener und robuster Wein entstanden war. Dank der Gärung wurde der Zucker des süssen Recioto-Weins in Alkohol umgewandelt, wodurch ein neuer etwas bitterer aber sehr geschmackvoller Wein entstand, der Amarone.

Die Professionalisierung des Herstellungsprozesses

Die Geburt solch edler Weine beginnt bereits im Weinberg mit der Auswahl der Trauben. Diese findet rigoros per Handlese zwischen Ende September und der ersten Oktoberwoche statt. Das Traubengut wird nach der Ernte sorgfältig auf entweder Bambusregalen (Weingut Tommasi) oder in Plastikkisten (Weingut Roccolo Grassi) in den sog. Fruttai, den Trocknungsräumen, gelagert. Bei dieser Form des drei- bis viermonatigen Welkens spricht man von der sogenannten Appassimento-Methode. Die gute Belüftung der Fruttai ist essentiell für die gesunde Konservierung der Trauben.

Nach dem Appassimento haben die Trauben etwa die Hälfte ihres ursprünglichen Gewichts verloren. Dadurch wird die Zuckerkonzentration begünstigt und es entstehen Aromen und Farben, die im Glas einzigartige und unvergleichliche Empfindungen entstehen lassen.

In den Wintermonaten gärt der Most dann zwei Monate lang, einschliesslich Kontakt mit den Schalen. Anschliessend gelangt der Amarone zur Reifung in Eichenfässer, die je nach Qualifikation mindestens zwei Jahre dauert.

Entscheidend ist die Amarone-Philosophie

Je nach Philosophie des Winzers werden unterschiedliche Grössen von Eichenfässern genutzt.  In der Regel sind es aber Fässer um die 3’500 Liter, wie z.B. bei Tommasi. Zudem wird bei diesem Weingut ein Teil der Jahresernte in der Magnifica gereift. Das ist das grösste noch in Benutzung befindliche Holzfass der Welt, mit einer Kapazität von 33’300 Liter – 44’400 Flaschen Amarone Valpolicella Classico können daraus entstehen.

So stellt sich abschliessend die Frage nach meiner Philosophie: Schmorbraten oder Risotto? Tommasi oder Roccolo Grassi? Meine Wahl fällt auf den Schmorbraten, begleitet vom Tommasi Amarone 2016. Ein gehaltvoll-barocker, würzig-aromenreicher Rotwein für den sinnlichen Genuss. Egal wie man sich entscheidet: Wichtig ist, dieses Handwerk bewusst zu geniessen – nur so hat man die Chance, tief in die Region einzutauchen und sich in den Wein genauso intensiv zu verlieben wie Romeo in Julia.