Martel schenkt ein

Blinddegustation – Weine blind verstehen

Martin Schwarz | 22.02.2022 | Lesezeit ca. 3 Min. Blinddegustation – Weine blind verstehen

Haben Sie auch schon mal Weine blind probiert? Vielleicht nicht, weil Sie bis jetzt dachten, eine Blinddegustation sei nur etwas für den geschulten Gaumen und eine bierernste Angelegenheit? Ein Vorurteil, denn man muss kein Profi sein, um Wein verdeckt zu degustieren. Zudem kann eine Blinddegustation richtig Spass machen und lehrreich sein. Wir nehmen Wein objektiver war und lassen uns nicht von klingenden Namen oder von besonders schönen Etiketts beeindrucken. Oft schätzen wir die Qualität des Weines unbewusst besser ein, wenn das Etikett gefällt, der Wein in eine schwere Flasche gefüllt ist oder wenn er einen berühmten Namen trägt. Umgekehrt schätzen wir einen billig aufgemachten Wein wohl eher schlechter ein. So erklärt es sich, warum sich Weine mit einem gut gestalteten Etikett in der Regel besser verkaufen.

Alle Sinne sind gefordert

Vielleicht machen Sie gleich die Probe aufs Exempel und geben ein und denselben Wein einmal in einer Flasche mit aufwendigem Etikett zu probieren und einmal in einer Flasche, die vielleicht nur ein handgeschriebenes Etikett trägt. Wird einer der beiden Weine besser abschneiden? Wer findet heraus, dass es zweimal der gleiche Wein ist? Weine blind zu probieren ist eine Herausforderung für die Sinne.

Weinetiketten wecken Emotionen

Es gibt auch Nachteile, wenn man Weine blind verkostet. Vielleicht gehen Emotionen wie Vorfreude verloren. Oder man läuft Gefahr, laute, vordergründige Weine zu bevorzugen. Solche Weine wollen, dass man sie auf Anhieb mag. Im Gegensatz dazu sind wertvolle Weine oft erst etwas zurückhaltend. Grossen Weinen in einer Blinddegustation gerecht zu werden, ist schwierig. Selbst Experten scheitern manchmal daran und unterschätzen die Qualität.

Tipps für die eigene Weindegustation

Mit ein paar einfachen Regeln wird ein solcher Abend im Freundeskreis ein Erfolg:

  • Vier verschiedene Flaschen Wein genügen.
  • Bestimmen Sie ein Thema und stellen Sie Fragen. Beispielsweise: Vier Rotweine der gleichen Traubensorte aus vier Regionen. Nenne Sorte und Region.
  • Sorgen Sie für gutes Licht.
  • Achten Sie darauf, dass keine Fremdgerüche wie Küchenduft oder Parfums stören.
  • Giessen Sie die Weine in gut gespülte, neutrale Flaschen oder Karaffen, damit man die Weine nicht an der Flaschenform erkennen kann. Oder entfernen Sie mindestens die Kapsel und wickeln Sie die Flaschen vollständig ein (z.B. mit Zeitungspapier). In beiden Fällen das Nummerieren nicht vergessen. Am besten auch die Gläser mit Nummern versehen.
  • Alle Teilnehmer sollen mit dem gleichen Typ Gläsern probieren.
  • Sinnvoll ist es, die Gläser zu avinieren, um Fremdgerüchte zu vermeiden.
  • Besprechen Sie die Weine zuerst blind. Decken Sie dann auf, probieren erneut und führen das Gespräch fort.

So geht’s besser: Raten Sie nicht blindlings drauflos, sondern umkreisen Sie einen Wein im Ausschlussverfahren. Nutzen Sie Ihre Weinerfahrung und Ihr Wissen aus unseren Weinkursen.

Ist bei einem Wein zum Beispiel die Säure tief und mild, handelt es sich wohl nicht um Riesling oder Grüner Veltliner. Oder ein tiefroter, dunkler Wein kann kaum Pinot Noir oder Nebbiolo sein. So ist bereits ein erster Schritt gemacht. Eine solche Weinprobe schärft die Sinne und wird zum ganz speziellen Erlebnis. Wir wünschen viel Spass dabei!