Unterwegs im Rebberg

Mein Herz schlägt für Bordeaux mit Herz

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Mein Herz schlägt für Bordeaux mit Herz

Hallo Bordeaux, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Im Mai waren sechs Martel-Mitarbeiter im Bordeaux unterwegs und haben dort viel erlebt: Besuche bei kleinen Weingütern und bei den ganz grossen Bordeaux-Namen. Nico Matern, Leiter Marketing bei Martel, erzählt:

«Die Reise kam mir vor wie ein Besuch bei Freunden. Bereits beim ersten Weingut wurden wir bei sommerlichen Temperaturen so herzlich wie alte Bekannte empfangen – mit kaltem, süssem Wein. Wir waren ja schliesslich auf Château Doisy-Védrines, das Süsswein produziert. Meine Erkenntnis: Kalter Süsswein passt perfekt zu heissen Tagen. Ich merke mir das für diesen Sommer. Trotz Sonnenschein und süssem Wein wurde die Diskussion bald ernst. Das Weingut erlitt wegen des Frosts im Frühling 2021 einen totalen Ernteausfall. Man stelle sich vor: ein Jahr lang keinen Ertrag. Bewundernswert, wie gelassen die Besitzer von Doisy-Védrines mit dem Verlust umgehen. Keine Klage war zu hören, die Winzer sind sich des Risikos bewusst, mit dem sie leben. Einmal mehr wird mir klar, welche Leistung Weinproduzenten erbringen und wie stark sie den Launen der Natur ausgesetzt sind.

Château Doisy-Védrines

Frost als grosses Problem

Das Thema Frostschäden begleitete uns während der ganzen Reise. Wir erfuhren, wie unterschiedlich die einzelnen Weingüter betroffen waren – und auf welche Art und Weise sie auf die Gefahr reagierten. Bei Doisy-Védrines war nichts zu machen, die Domaine de Chevalier und Château Lafleur behalfen sich mit Windmühlen und Kerzen. Château Belle-Vue brannte Heuballen ab. Château Lafite-Rothschild setzte standesgemäss Helikopter ein, um die kalte Luft wegzuwirbeln.

Top-Wein aus Stadtlage

Bei unserem anschliessenden Besuch auf der Domaine de Chevalier werden wir von den zwei Hunden des Weinguts empfangen – und vom gutgelaunten Adrien Bernard aus der Besitzerfamilie. Gemeinsam mit seinem Bruder führt Adrien das renommierte Weingut in Pessac-Léognan. Die Lage des Weinguts ist eindrücklich. Es liegt praktisch in einem Vorort der Stadt Bordeaux. Auf der Terrasse der Domaine wird uns ein Apéro gereicht – und dann werden wir zum Dinner im Esszimmer der Familie geladen. Die Bewirtung – mit Butler – ist fürstlich und die Atmosphäre gleichzeitig entspannt und freundschaftlich, familiär und humorvoll. Was für ein Abend!

Domaine de Chevalier

Mittendrin in der Welt der Bordeaux-Topweine

Diese Reise ruft in Erinnerung, auf welch hohem Niveau wir uns bewegen. Wir handeln mit den Weinen des obersten Segments, sind in Kontakt mit den besten Winzerinnen und Winzern und trinken die allerfeinsten Weine. Zum Beispiel die von Château Lafleur, dem sagenumwobenen Spitzenweingut im Pomerol. Die Weinhandlung Martel führt diese Weine übrigens erst seit ein paar Jahren im Programm. Und bereits in dieser kurzen Zeit entstand eine wunderbare Freundschaft mit grossem gegenseitigem Respekt und Vertrauen.

Das Weingut liegt nur 100 Meter Luftlinie neben Château Pétrus, an erstklassigster Lage also. Trotz weltweitem Renommée und Erfolg ist die Besitzerfamilie Guinaudeau bodenständig geblieben. Mich berührt die Demut, mit der die Familie dem Wein begegnet. Beim Spaziergang durch die Weinberge begeistern die sehr unterschiedlichen Lafleur-Terroirs, die mit blossen Augen zu sehen sind. Und es gehört zum Grössten, die Weine von Lafleur auf dem Château zu verkosten. Weine wie von einem anderen Stern. Das ist unglaublich gut und bleibt unvergessen.

Château Lafleur

Nicht nur Namedropping

Die Weinreise führt uns in diesen Tagen zu weiteren grossartigen Weingütern. Château Figeac liegt ganz in der Nähe von Château Lafleur und ist auf ganz andere Weise beeindruckend. Der Betrieb ist gewaltig, es gibt einen neuen, hypermodernen Keller. Alles riesig und teuer. Die Hausherrin ist eine französische Grande Dame wie aus dem Bilderbuch.

Natürlich machte mir auch der spätere kurze Besuch auf Château Lafite-Rothschild am linken Gironde-Ufer Eindruck. Die Barrique-Keller sind enorm gross. Hier liegen Millionen rum. Das Schloss ist wunderschön, im Weinkeller hängen Kronleuchter. Auch die Anlage rund ums Château ist bezaubernd schön. Je nach Blickwinkel scheint es, als wüchsen die Reben auf dem Lafite-Hügel in den blauen Himmel hinein. Nicht weit von Lafite entfernt präsentiert sich Château Léoville-Poyferré bei unserem Besuch als Weingut mit einem spannenden Mix von modern und klassisch.

Château Figeac

Bordeaux mit Herz

Dass im Bordeauxgebiet auch tolle Weine zu vernünftigen Preisen hergestellt werden, sehen wir auf Château de Chambrun/Moncets. Den Betriebsleiter Julien Noël kenne ich bereits von seinen Besuchen bei Martel in St.Gallen und Zürich. Er ist aktiver Rugby-Spieler und ein Bär von einem Mann. Mit Stolz zeigt er uns seinen neuen, hochmodernen Traktor. Julien produziert mit seinem Team auf 25 Hektaren tolle Weine für (fast) jeden Tag. Mir gefällt, wenn hohe Qualität erschwinglich bleibt.

Das gilt auch für das Weingut Château Belle-Vue, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatten. Wir sind beeindruckt von diesen tatsächlich ausserordentlich guten Cru bourgois exceptionnels. In diesem kleinen Weingut wird Bordeaux mit Herz und Hingabe gemacht. Ich liebe das. Deshalb gefällt mir auch der letzte Besuch der Reise so gut, bei dem wir auf Henri Lurton treffen, den Besitzer und Winemaker von Château Brane-Cantenac. Er ist ein ruhiger, zurückhaltender und humorvoller Mann. Ich denke mir: ein Charmeur und Genie zu gleichen Teilen. Und wie schmecken mir Henri Lurtons Weine? Sie allein sind die Reise wert. Auf Wiedersehen, Bordeaux!»

Château de Chambrun/Moncets

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