Unterwegs im Rebberg

Giro d’Italia in Sachen Wein

Silvia Zuberbühler | Lesezeit ca. 5 Min. Giro d’Italia in Sachen Wein

Hallo Italien, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Mitte Juni waren fünf Martel-Mitarbeitende kreuz und quer durch Mittel- und Süditalien unterwegs und erlebten dort viel. Weinberaterin Silvia Zuberbühler erzählt von ihrer Weinreise:

Unseren «Giro d’Italia» starten wir im Chianti Classico. Eine umwerfend schöne Gegend. Francesco vom Weingut La Massa in Panzano zeigt uns die moderne Cantina. Alles topmodern, schön – und praktisch. Ich habe eine feine Nase und staune: Hier riecht’s wirklich sauber, kein Anflug von muffigem Kellergeruch. La Massa ist bekannt für seine Bordeaux-Cuvées. Wir probieren den neuen Jahrgang 2019 – und sind überrascht. Obwohl 2019 ein Hitzejahr war, zeigt sich der Wein elegant.

La Massa

Verpflegungsstopp beim Kult-Metzger

Im Dorf Panzano ist auch der berühmteste Metzger Italiens zuhause. Dario Cecchini wurde weltbekannt für Bistecca Fiorentina und seine unkonventionelle Art. Wir kaufen bei Cecchini dick gefüllte Panini für unterwegs: molto buono!

Kurztripp ans Meer

Mare, mare – wir fahren ins Bolgheri-Gebiet zu Caccia al Piano. Ein Rebberg des Weinguts liegt auf einem ansonsten voll bewaldeten Hügel – mit einem überwältigenden Blick aufs nahe Meer. Einen ähnlich angelegten Rebberg sehen wir schräg gegenüber: Sassicaia. Die erhöhte Lage der Reben bringt Frische in den Wein. Wir überzeugen uns davon bei der Degustation des neuen Jahrgangs in der Cantina von Caccia al Piano im Tal. Tatsächlich riechen und schmecken wir im Bolgheri-Wein die Düfte der Toskana und den Einfluss des Meeres. Einfach herrlich.

Quer durch die Toskana

Unser Etappenziel: Montalcino. Auf dem Weingut Ridolfi empfängt uns Gianni Maccari. Der Gutsleiter ist ein überlegter, intelligenter Mann und Perfektionist. Im Keller degustieren wir den neuen Brunello-Jahrgang, der in unterschiedlichen Fässern ausgebaut wird. Mal in Fässern von Küfereien aus Bordeaux, mal kommen die Fässer aus dem Burgund, mal ist das Holz aus slawonischer Eiche. Aus den Weinen der verschiedenen Fässer entsteht später ein vielschichtiger Blend. Das Weingut Ridolfi gibt es erst seit elf Jahren. Hier wird alles hinterfragt und neu gedacht. Das grosse Potential dieses Brunello-Weinguts ist spürbar. Toll, dass wir Ridolfi nun im Martel-Sortiment führen und in den nächsten Jahren begleiten können.

Ridolfi

Weiter geht’s in Richtung Montepulciano. Rund 45 Minuten Autofahrt später werden wir im Zentrum des Städtchens im Palazzo der Familie Contucci erwartet. Nobel, nobel. Der heutige, sehr sympathische Besitzer Andrea Contucci (43. Generation!) zeigt uns den Familiensitz und lädt uns ein, die Weine zu degustieren. Der Vino Nobile di Montepulciano ist hervorragend und gefällt mir, weil er durch die alten Fässer nicht so geschliffen wirkt. Wir essen zusammen Pranzo: Superfeine Pasta mit einem grossen Gemüseknoblauch. Buonissimo!

Contucci

Zwischenspurt mit frischem Weisswein

Am Nachmittag fahren wir zwei Stunden über den Gebirgszug Appenin in die Region Marken. Die Gegend im Hinterland der Adria wirkt weniger geschniegelt als die Toskana, auch das hat seinen Charme. Wir sind zu Gast bei Vignamato, einem Betrieb, der von der Familie Ceci geführt wird. Das Weingut konzentriert sich ganz auf die Herstellung von Verdicchio dei Castelli di Jesi. Feingliedrige und frische Weissweine, im Zementtank ausgebaut. Diese Weine reifen erstaunlich gut. Beim Abendessen im Kreise der ganzen Familie Ceci probieren wir auch reifere Jahrgänge, die länger auf der Hefe lagen. Echt gut.

Vignamato

Unsere Königsetappe

Ein grosser Moment. Der bevorstehende Besuch beim Weingut Emidio Pepe macht uns ein wenig nervös. Diese Weine sind Monumente. Rar und kostbar. Umso erstaunlicher, wie bodenständig die Familie Pepe geblieben ist. Der Empfang ist herzlich, die Atmosphäre familiär, unsere Anspannung legt sich schnell. Aktuell engagieren sich zwei Generationen Frauen der Familie Pepe fürs Weingut. Dessen Gründer, Emidio Pepe – ein echter Pionier, der gerne als «König der Abruzzen» bezeichnet wird, zog sich altershalber weitgehend zurück. Er setzte schon früh auf Biodynamie und höchste Qualität und brachte Weine aus den Abruzzen an die Weltspitze. Seine Töchter und Enkelinnen halten am hohen Anspruch fest und keltern weiterhin grosse Weine für die Ewigkeit. Auf dem Hof wird auch Bio-Getreide angebaut. Daraus produzieren die Pepes eigene Pasta. Wir geniessen diese gemeinsam mit der Familie und heben das Glas mit dem köstlichen Wein auf Emidio Pepe, der mit uns am Tisch sitzt.

Emidio Pepe

Giro-Finale in Kampanien

Südlich von Neapel erwartet uns Silvia Imparato auf ihrem Weingut Montevetrano. Die Frau hat Drive. Dank ihres Engagements gehört Montevetrano zu den Fixsternen des süditalienischen Weinbaus. Silvias Tochter Gaia versprüht nicht weniger Elan. Lange Jahre machte sie Karriere in der Modebranche in Milano. Nun ist Gaia zurück auf dem Weingut und folgt ihrer Mutter nach.

Montevetrano

Unser Giro d’Italia geht hier in Kampanien zu Ende. 1’200 Kilometer in drei Tagen.
Wir kommen wieder. Arrivederci, Italia!

Zu den Weinen der Reise