Unterwegs im Rebberg

Weinreise rund um Barcelona: olé!

Isabel Graf, Edith Meyenberger, Vito Corrado | 18.10.2022 | Lesezeit ca. 6 Min. Weinreise rund um Barcelona: olé!

Hola Spanien, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Im September waren sechs Martel-Mitarbeitende in den Weingebieten rund um Barcelona unterwegs und erlebten dort viel. Isabel Graf, Edith Meyenberger und Vito Corrado erzählen von ihrer Weinreise:

¡Cava!

«Was für ein prickelnder Empfang in Spanien! Wir starten unsere Reise gleich mit einem Highlight, dem Besuch auf dem Cava-Weingut Vins El Cep unweit von Barcelona. Hier, in der mit Abstand wichtigsten Cava-Region Penedès, führt Maite Esteve das Bioweingut Vins el Cep. Es wurde 1980 gegründet und ist eine Zusammenarbeit von vier Familien, die Ihre Weinanbauwurzeln im 15./16.Jahrhuntert haben. Alle vier Familien zusammen bewirtschaften rund 200 Hektaren, sind seit 2001 Bio und seit 2003 biodynamisch zertifiziert.

Ihr Betrieb ist einer der wenigen Cava-Hersteller, die aus ihren eigenen Trauben selber Schaumwein produzieren. Vins El Cep produziert mit 16 Mitarbeitenden und rund 300’000 Flaschen pro Jahr, weil sie aus Qualitätsgründen nur die bessere erste Hälfte des Mostes für ihre Weine benutzen. Der restliche Most wird verkauft. Qualität steht über allem. Uns fällt auf, wie sorgfältig hier gearbeitet wird.

Die Gegend ist erstaunlich wild, wir fahren mit zwei Autos wie durch einen Dschungel zu den Rebbergen und werden auf den holprigen Wegen ordentlich durchgerüttelt. Da bei unserem Besuch die Ernte im Gang ist, können wir noch etwas mithelfen bei der Weinlese. Ein eindrückliches Erlebnis. Das Wimmen macht Spass.

Später verkosten wir bei der Degustation im blitzblanken Keller die hervorragenden Cavas von Vins El Cep: unseren Gilmas, den MIM Nature und den Mim Blanc de Noirs. Klare, straffe und mineralische Weine, die den Gaumen mit feinem Perlage erfrischen. Zusätzlich konnten wir auch die Stillweine des Weinguts probieren. Vor allem die Weissweine aus der lokalen Traubensorte Xarel-lo sind von ausgezeichneter Qualität. Eine Überraschung und Entdeckung!

Vins El Cep

¡Garnacha!

Auf dem Weg zur nächsten Bodega legen wir eine Pause ein, um Glacé und Getränke für unterwegs zu kaufen. Als wir im Shop stehen, müssen wir lachen: Es ist ein Fischladen. Zum Glück finden wir dort trotzdem, was wir brauchen und erreichen gestärkt das Weingut Edetària. Es liegt ziemlich abgelegen auf einem Hochplateau in der Weinegion Terra Alta, westlich von Tarragona. Uns fallen die vielen Windräder in der Gegend auf. Viel Wind ist auch perfekt für die Belüftung der Reben – und vor allem sorgt er hier für Abkühlung.

Der charismatische Weingutsbesitzer und Önologe Joan Lliberia erwartet uns vor dem topmodernen Weinkeller. Er ist ein unkonventioneller Denker und Visionär. Joan führt uns direkt in die Rebberge. Rund 50 Hektaren Rebberge bewirtschaftet er. Angekommen in den Reben stellt uns Joan die verschiedene Reberziehungsarten vor. Vom doppelten Guyot zu der Buscherziehung: Je nach Traubensorte, Alter der Reben und Terroirs passt das Weingut die Erziehung an.

Wir können von den Trauben probieren und schmecken, wie säurebetont gut beschattete Trauben bleiben – und wir fruchtig-süss sie werden, wenn sie der Sonne direkt ausgesetzt sind. Faszinierend. Hier wächst vor allem Garnacha Blanca, Garnacha Fina und Garnacha Peluda, auf diese Rebsorte ist Joan besonders stolz. Sie ist eine natürliche Mutation von der Fina. Auf der Unterseite der Blätter wachsen kleine Härchen, daher stammt der Name die Peluda (behaart). Zudem können die Blätter dank der feinen Haare mehr Wasser speichern. Daneben kultiviert Joan auch noch Macabeo, Viognier, Syrah und Cariñena.

Alle Edetària-Weine haben eine klare Linie. Sie sind frisch und elegant, obwohl Garnacha eine Rebsorte ist, die alkoholreiche Weine hervorbringen kann. Alle Weine von Edetària sind hervorragende Speisebegleiter. Wir konnten dies mit Joan beim gemeinsamen Essen testen. Acht Gänge mit je zwei Weinen. Foodpairing vom Feinsten.

Edetaria

¡Samsò!

Weiter geht’s mit einer kurvenreichen Autofahrt ins Priorat. Hier sind wir in einer berühmten, kleinen und hochfeinen Weingegend. Die gebirgige Landschaft beeindruckt uns. Von den 40 Hektaren Fläche der Bodega Cal Grau kann das Weingut nur knapp die Hälfte für den Rebbau nutzen, der Rest ist zu steil und steinig. Die Reben schlagen ihre Wurzeln durch das Schiefergestein und zerbrechen dieses auf der Suche nach Wasser. An diesen Hängen fühlen sich vor allem Samsò (katalanische Name für Cariñena) und Garnacha wohl.

Dichte, mineralische und würzige Weine sind das Resultat, wie der Baccadeli, den wir im Sortiment führen. Eine maschinelle Ernte in diesen Steillagen ist unmöglich. Einmal mehr wird uns bewusst, welche Anstrengungen die Winzer auf sich nehmen, um unter herausfordernden Bedingungen allerbeste Weine zu produzieren. Der Besuch auf Cal Grau bleibt in Erinnerung. Auch wegen der abenteuerlichen Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups durch die steilen, steinigen Rebberge. Festhalten!  

Cal Grau

¡Tempranillo!

Das hübsche Städtchen Alquézar liegt auf einer felsigen Anhöhe in den südlichen Ausläufern der Pyrenäen, in der Weinregion Somontano, was soviel heisst wie am Fuss des Berges. Unser Kleinbus schafft es nur knapp durch die engen, mittelalterlichen Gassen. Hier geniessen wir ein Essen mit Hammeraussicht über das Alto Aragon. Aus dieser grossartigen Gegend stammen die Weine von Enate. Der Name Enate bezieht sich auf das gleichnamige Dorf, wo sich die ersten Rebberge des Weingutes befinden. Beim Besuch des Weinguts sind wir verblüfft ob der vielen Kunstwerke in der Bodega. Kunst geniesst einen hohen Stellenwert auf Enate, auch die Weinflaschen sind künstlerisch anspruchsvoll ausgestattet. Die Etiketten werden von spanischen Künstlern kreiert.

Obwohl Enate ein grosser Betrieb ist mit über 470 Hektar Rebfläche und einem Weinkeller, in dem aktuell über zwei Millionen Flaschen lagern, fühlen wir uns sofort sehr wohl auf Enate. Die Stimmung ist herzlich, fast schon familiär. Mit ein Grund dafür ist die jahrelange Verbindung zu unserer Weinhandlung. Wir kennen viele Gesichter, besonders gut natürlich den treuen Enate-Önologen Jesus Artajona. Er beherrscht die Kunst des Weinmachens wie kaum ein anderer in Spanien. Seine Weine verbinden Tradition und Moderne auf wunderbare, eindrückliche Weise.

Wir degustieren zusammen mit ihm unser Enate-Sortiment. Die Chardonnays sind frisch fruchtig. Der rote Crianza zeigt die Würze des Tempranillo, abgerundet mit Cabernet Sauvignon. Der aktuelle Cabernet Reserva verfügt auch nach acht Jahren noch immer über eine fantastische Frische. Wir geniessen jeden Schluck und sind etwas wehmütig. Denn unsere Spanienreise geht hier leider bereits zu Ende.

Enate

Uns bleibt die Freude auf ein Wiedersehen mit unseren spanischen Winzerfreundinnen und -freunden bei uns in der Schweiz. Hasta luego, nuestros amigos Maite, Peda, Joan, Nani, Fran, Christian, Laura und Jesus!»