Unterwegs im Rebberg

Burgund-Winzer: «Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

Andreas Stern | 27.11.2025 | Lesezeit 1 Min. Burgund-Winzer: «Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

Wenn man durch die Weinberge des Burgunds reist, spürt man förmlich das Gewicht der Geschichte. Und doch: Es ist Bewegung in der Region. Unsere Weiterbildungsreise führte uns zu burgundischen Domaines, deren Weine wir bei Martel vermitteln. Die Gespräche drehten sich immer wieder um ein Thema: den Klimawandel.

Keine Furcht vorm Wandel

Unser Eindruck: Burgundische Winzerinnen und Winzer zeigen sich generell wenig beeindruckt von den Folgen des Klimawandels. Zwar bestätigen alle Winzer die Veränderungen: frühere Lesezeitpunkte, andere Anforderungen an Rebschnitt, Bewässerung und Wahl der richtigen Rebklone. Doch Sorgen? Kaum.

Laurent Ponsot (Bild) der gleichnamigen weltbekannten Domaine etwa sieht gar nur Vorteile: «Wir freuen uns über nur noch gute Jahrgänge. Der Klimawandel ist für mich eher eine lange Hitzewelle. Temperaturschwankungen gab es schon immer.»

Auch der Winzer Guillaume Tardy ist nicht besorgt: «Wir ernten einfach früher, das ist kein Problem. Damit kommen wir gut zurecht.» Und in der prestigeträchtigen Domaine des Lambrays heisst es schlicht und pragmatisch: «Wir passen uns schrittweise an.»

«Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

Anpassung statt Revolution

Die meisten Winzer begegnen den klimatischen Veränderungen nicht mit radikalen Kurswechseln, sondern mit durchdachten Anpassungen: Justin Girardin in Santenay zum Beispiel hat neue Klone gepflanzt, die mit mehr Sonne besser zurechtkommen. Auch hier erfolgt die Lese früher. Ein Vorteil des wärmeren Klimas: Aufzuckerung ist nicht mehr nötig und die früher manchmal etwas rustikalen Tannine der Pommards wirken heute weicher. Auch Rémi Jobard liest seine Trauben früher, um die nötige Säure zu erhalten. Ansonsten sieht er keinen Anpassungsbedarf. Seit 2008 arbeitet er biologisch, seine Weissweine reifen in Stockinger-Fässern aus Österreich, die wenig Holzaromatik abgeben.

Bei Olivier Bernstein (im Bild Kellermeister Richard Seguin) und Lucien Le Moine zeigt sich die Reaktion auf den Klimawandel im Weinkeller: Die Ganztraubenvergärung wurde erhöht, um mehr Frische zu bewahren, das Holz wird neu gewählt oder selbst eingekauft und veredelt. Wissenschaft und Sensorik gehen bei ihnen Hand in Hand.

Während einige Betriebe wie Domaine François Carillon auf klassische Eleganz und kontrollierte Reinheit setzen, inklusive feinem Holz aus kühlen Wäldern Bulgariens und Ungarns, überraschen andere mit kreativen und unkonventionellen Ansätzen.

«Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

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Tradition und Innovation

Domaine Trapet, wo nun die nächste Generation übernommen hat, krempelt das Konzept um: neue Gärgefässe, andere Fassgrössen, Keramikamphoren statt Barriques. Ein frischer Blick auf altvertraute Prozesse. Der bereits erwähnte Laurent Ponsot hat seinen hochmodernen Betrieb im Gewerbegebiet selbst designt. Neuholz? Fehlanzeige. Verschlüsse? Eigenentwicklung. Stil? Präzision auf höchstem Niveau. Und Arnaud Baillot, ein ehemaliger Négociant, hat seine eigene Domaine aufgebaut. Blitzblank, alles bio, alles neu. Stilistisch rein und klar, ein Beispiel für die neue Burgunder-Generation.

Nordhänge im Trend

Besonders beeindruckt hat uns die junge Domaine Jubare im Mâconnais (Bild). Das Paar hinter dem Projekt stammt ursprünglich nicht aus dem Burgund und hat Erfahrung von der Rhône mitgebracht. Ihre Chardonnay-Reben wachsen in Blickweite des schlichten, eher bäuerlichen Hofs. Kein Keller-Showroom, sondern Plastik-Gartentisch, Kind, Hund und Katze.

Und doch: Was hier entsteht, hat Potenzial. Die Nordhanglagen, früher skeptisch betrachtet, bringen heute durch das kühlere Mikroklima grosse Vorteile. Neue Böden, nicht ausgelaugt von jahrzehntelanger Monokultur, eröffnen frische Möglichkeiten. Bio wird angestrebt, aber (noch) nicht zertifiziert.

«Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

Souveränität und Technologie bei den Grossen

Die Domaine Leflaive in Puligny-Montrachet steht sinnbildlich für die Verbindung von Tradition und Anpassung auf höchstem Niveau. Als biodynamische Pionierin zeigt sie, wie konsequent der Wandel gestaltet werden kann. Der Weinkeller wurde nicht unterirdisch gebaut. Ein hoher Grundwasserspiegel machte das unmöglich. Stattdessen wurde moderne Klimatechnik eingesetzt. Die Lese der Domaine hat sich dramatisch verschoben: In den letzten 20 Jahren gab es sechs August- und nur vier Septemberlesen. Dies ist eine markante Umkehrung der Leseverhältnisse der Jahrzehnte davor.

Vertrauen in die Lagen

Die Reise durch das Burgund hat eines klar gezeigt: Der Klimawandel ist angekommen. Ihm wird ohne Alarmismus oder Resignation begegnet. Die meisten Winzer passen sich an, probieren Neues aus, denken langfristig.

Und sie verlassen sich auf das, was das Burgund seit Jahrhunderten ausmacht: unvergleichlich gute Lagen, tiefe Erfahrung und eine Kultur des Weinbaus, die Wandel stets mitgetragen hat.

 

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