Schweizer Weinhandel 2025/26 – Aktuelles & Trends

Wo steht der Schweizer Weinhandel zum Jahreswechsel? 2025 war geprägt vom weiterhin rückgängigen Konsumtrend und von Diskussionen um Alkohol und dessen Auswirkung auf die Gesundheit. Auch wenn im letzten Jahr 6% weniger Rotwein und 1% weniger Weisswein importiert wurden, bleibt der schweizweit tätige Weinhändler Jan Martel optimistisch. Die Nachfrage nach Qualitätswein ist stabil. Was den Umgang mit Alkohol betrifft, wünscht sich Jan Martel mehr Toleranz und Gesprächskultur.
«Weniger, aber bewusster: Genuss statt Muss»
Jan Martel, der Trend zu weniger Alkohol ist unübersehbar und konstant, auch 2025. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum sank seit den Nullerjahren um 30%. Ist der Wein in der Krise?
Tatsächlich: Die Weinproduktion ist historisch tief, es wird immer weniger getrunken. Vor allem Billigwein verliert klar an Menge und Bedeutung. In diesem Segment sind wir jedoch gar nicht tätig. Unser Sortiment ist hochwertig. Wir vermitteln Weinkultur und dies zum Glück noch immer gut, auch 2025 lief unser Geschäft erfolgreich und wir konnten an Umsatz zulegen. Premium- und Ultrapremiumweine sind gefragt wie eh und je. Wir können uns also nicht beklagen. Wichtige Faktoren für den Qualitätsweinhandel in der Schweiz: Die hohe Kaufkraft und der starke Tourismus.
Trotzdem: Der offensichtlich nicht aufzuhaltende Rückgang des Alkohol- und damit auch Weinkonsums ist eine Tatsache, die Sie sicher beschäftigt.
Beschäftigen schon. Es bringt jedoch nichts, der vermeintlich guten alten Zeit nachzutrauern. Wein wird heute seltener, dafür bewusster und mit mehr Respekt getrunken. Genau das entspricht unserer Haltung und unserem Geschäftsmodell. Wir handeln mit ausgesuchten Weinen und verkaufen diese erfolgreich an private Weinfans und an die Qualitätsgastronomie.
Restaurants und Bars spüren: Viele junge Menschen verzichten ganz auf Alkohol oder beschränken ihren Konsum stark. Wie reagiert Martel auf diesen Wandel?
Wir überzeugen mit Qualität. Junge Menschen sind neugierig, gesundheitsbewusst und informiert. Wir respektieren das. Darum führen wir auch hochwertige alkoholfreie Produkte. Nicht als Ersatz für Wein, sondern als eigenständige Kategorie des guten Geschmacks. Was mich besonders freut: Unsere Events und Weinkurse sind voll von jungen Frauen und Männern. Das Interesse an Weingebieten und Reisen dorthin ist gross. Junge Weininteressierte stellen spannende Fragen, wollen Hintergründe kennen und suchen das Gespräch. Diese Offenheit zeigt mir, dass Weinkultur auch künftige Generationen bewegen wird.
Auf Ihrer Website ist zu lesen, dass moderater Weingenuss Teil eines ausgewogenen Lebensstils sein kann. Was heisst moderat für Sie?
Trinken, weil es Freude macht, nicht weil es Gewohnheit ist. Genuss statt Muss. Ich rate klar von übermässigem Konsum ab. Gleichzeitig finde ich es problematisch, Wein pauschal als gesundheitsschädlich zu verurteilen. Die wissenschaftliche Diskussion darf nicht ideologisch geführt werden. Entscheidend ist der Kontext: Lebensstil, Ernährung, Bewegung, psychisches Wohlbefinden, sozialer Austausch. So lebt man gut und wird gesund alt.

Im Ausblick auf das Jahr 2025 sagten Sie: «Für mich ist klar: Alkohol, moderat genossen, ist kein Gift, sondern Teil unserer Kultur. Ein Leben ohne Genuss und Geselligkeit bei einem guten Glas wäre doch ein Jammer.» Und jetzt der Streit rund um Alkohol. Wie erklären Sie sich das?
Vieles wird nur schwarz oder weiss gesehen. Jeder ruft lauter als der andere und man hört sich nicht zu. Das stört mich. Auch passt es nicht zur Schweizer Diskussionskultur, wo man für gewöhnlich miteinander spricht, sich zuhört und nach einem Konsens sucht. Es dient meines Erachtens der Sache wenig, wenn Alkohol verteufelt wird. Oder wenn Leute im anderen Extrem abstreiten, dass übermässiges Trinken mit Gefahren verbunden ist. Unsere Position liegt in der Mitte, beim gesunden Mass. Auf unserer Website sieht man, wie wir zur Alkoholfrage stehen und was wir bei diesem Thema tun. Wir leben bewussten Weingenuss – und zwar schon lange. «Martel – Wein geniessen» heisst unser Claim seit über zehn Jahren.
Wie begegnen Sie dem gesellschaftlichen Wandel und den neuen Konsumgewohnheiten?
Die Chance liegt in der Rückkehr zur Essenz. Weniger und besser. Das spielt unseren Winzerinnen und Winzern in die Hände, die mit Leidenschaft arbeiten. Und es stärkt die Rolle der qualitätsbewussten Fachhändler und Gastronomen, welche gute Weine vermitteln und erklären.
Wo verändert sich die Weinwelt 2026?
Mit der Klimaerwärmung erschliessen sich neue Weingebiete in der Höhe und im Norden. Ein Vorteil für die Schweiz mit ihren Bergen und nördlich gelegene Länder wie England oder Deutschland. Ein völlig anderer Megatrend: Es gibt immer mehr Kennzeichnungspflichten. Praktische QR-Codes auf der Weinetikette verhelfen zu diesen Informationen.
Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für das Weinjahr 2026?
Mehr Gelassenheit, Differenzierung und gegenseitigen Respekt bei diskutablen Themen. Mehr Freude am guten Glas und am Leben. Und eine offene Diskussion, die Genuss und Verantwortung nicht gegeneinander ausspielt. Und ich wünsche mir natürlich viele magische Weinmomente im Jahr 2026. Wein macht für mich schöne Momente noch schöner.
Jan Martels Trendprognose 2026
- Neue Qualitätsweingebiete Hochgelegene und nördliche Weingebiete (z.B. England) profitieren
- Schaum- und Weisswein Auch aus wiederentdeckten Gebieten (z.B. Ungarn)
- Weinwissen Weinkurse, Tutorials, Weinreisen – grosser Wissensdurst, auch bei Jungen
- Austausch Rückbesinnung auf den analogen Moment