Bordeaux Subskription 2025: Ein überaus erfreulicher Jahrgang

Unser Einkaufsteam war eine Woche im Bordelais unterwegs, um sich ein genaues Bild vom neuen Jahrgang 2025 zu machen. Bordeaux-Experte und Martel-Einkaufsleiter Philippe Gallusser spricht im Interview über seine Einschätzungen.

Philippe, du hast eine Woche lang unzählige Bordeaux-Schlösser besucht und einige hundert Weine verkostet. Wie fällt dein Gesamtfazit zum Jahrgang 2025 aus?
2025 ist ein heterogener Jahrgang. Bei den Rotweinen, die wir mit 4.5 von 5 Punkten bewerten, reicht die Bandbreite von durchschnittlich bis Weltklasse. Entscheidend ist die Selektion, sowohl im Rebberg als auch im Keller. Die besten Terroirs haben klare Vorteile. 2025 lohnt es sich beim Kauf, auf den Rat von Fachleuten zu hören. Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Betrieben. Sauternes/Barsac zeigen sich klar auf absolutem Topniveau! Die Weissweine sind meist sehr gut.

Wie hat sich das Wetter im Jahresverlauf entwickelt?
Der Winter war sehr nass, bis in den April hinein. Das hat die Wasserreserven gut aufgefüllt. Danach folgte eine lange, trockene und sehr warme beziehungsweise heisse Phase mit viel Sonneneinstrahlung bis Ende August. Das führte bei den Reben teilweise zu Trockenstress, vor allem auf leichteren Böden. Lehm und Kalkstein konnten das besser ausgleichen. Der Regen Ende August war entscheidend. Er hat vielen Trauben geholfen, wieder Volumen aufzubauen und die Zuckerwerte zu regulieren. Gleichzeitig hatten wir während der Sommermonate kühlere Nächte, was die Aromatik positiv beeinflusst hat. Die Lese begann sehr früh. Weissweine wurden grösstenteils vor dem Regen Ende August gelesen, Merlot ab Anfang September, Cabernet Sauvignon ab Mitte September. Krankheiten waren kaum ein Thema, der Pflanzenschutzaufwand war gering. Die Erträge sind insgesamt allerdings tief. Aus dem Jahr 2025 kommt in der Folge spürbar weniger Bordeaux auf den Markt.

Die Bordeaux-Rotweine sind in diesem Jahr sehr schwierig zu beurteilen. Was macht den Rotweinjahrgang 2025 so komplex?
Die Rotweine sind sehr unterschiedlich und nicht einfach zu fassen. Die Farbe ist intensiv. Aromatisch bewegen sich die Rotweine zwischen blaufruchtigen Noten, bei mehr Reife auch schwarzfruchtig, bei weniger eher rotfruchtig. Dazu kommen teilweise florale Nuancen, etwa Veilchen beim Merlot. Zentral ist die Tanninstruktur. Viele Weine haben eine hohe Gerbstoffkonzentration, teils fest und leicht trocknend. Das hängt mit den kleinen Beeren (durch Trockenheit) zusammen. Ein Glücksfall, dass es im August nochmals regnete. In den Topbetrieben sind die Tannine reif, fein und sehr gut integriert. Die Säure ist zum Glück eher hoch, aber deutlich besser eingebunden als im Vorjahr. Die besten Weine sind gleichzeitig dicht, konzentriert und doch elegant und ausgewogen. Generell zeigen die roten 2025er aus Bordeaux einen klaren Herkunftscharakter, das gefällt uns von Martel.

Welche Stilistik lässt sich bei den roten Bordeaux 2025 insgesamt erkennen?
Ich sehe drei Hauptstile. Erstens elegante, herrlich ausgewogene, mittelgewichtige Weine mit viel Frische, moderatem Alkohol (Cheval Blanc liegt zum Beispiel bei 12.7%, Domaine de Chevalier gar bei 12.5%) und sehr gutem Trinkfluss und Salzigkeit. Überraschenderweise sensorisch doch recht konzentriert. Zweitens kraftvollere, reiffruchtige Weine mit über 13% Alkohol, die trotzdem Balance (viel mehr als 2022!), Frische und eine schöne Salzigkeit zeigen. Zum Beispiel die Châteaux Margaux oder Tertre Rôteboeuf. Drittens Weine mit gröberer Struktur und weniger Harmonie. Solche Weine mit sperrigen Gerbstoffen und Ansätzen von Überreife (Wärme, brandig) nehmen wir selbstredend nicht in unser Angebot auf. Wie gesagt: Für den Jahrgang 2025 sind die Weinhändler gefragt.

Philippe Gallusser Bordeaux

Wie schätzt du das Reifepotenzial der 2025er-Bordeaux ein?
Viele Weine machen schon jung Freude. Gleichzeitig haben die besten ein sehr gutes Reifepotenzial. Sie verbinden Konzentration mit Struktur und Balance.

Für eine sehr positive Überraschung sorgten beim Jahrgang 2025 die süssen Weine aus Sauternes und Barsac. Ein Jahrgang mit einer Top-Bewertung von Martel!
Ja, tatsächlich. Die Bordeaux-Süssweine präsentieren sich herausragend. Die Botrytis hat früh, schnell und sehr sauber eingesetzt, auf gesunden Trauben. Die Weingüter mussten kaum selektionieren – eine ideale Ausgangslage für beste Süssweine. Die 2025er sind denn auch ausserordentlich klar, linear, konzentriert und zeigen oft eine intensive Süsse. Gleichzeitig überzeugen sie mit einer tollen Säure, reif und tragend, die für Balance sorgt. Es ist ein klassischer Jahrgang mit viel und sehr sauberer Botrytis. Rundum gelungene, sehr präszise Weine. Wir können uns echt freuen auf diese ungemein guten Sauternes und Barsacs 2025!

Die trockenen Weissweine erhalten von Martel deutlicher weniger Punkte, was heisst das?
Das heisst: Die Weissweine machen Freude und sind gut bis sehr gut. Stilistisch eher auf der reifen Seite, mit reiffruchtigen aber auch oft zitrischen Noten. Die Säure ist präsent, aber rund und gut eingebunden, sofern nicht zu früh gelesen wurde. Viele Weine sind konzentriert und kraftvoll. Das sind weniger klassische Apéroweine, sondern eher Speisebegleiter. Die besten zeigen zusätzlich eine animierende salzige Note, Weine mit Spannung und Tiefgang.

Bereits bei der Lese letzten Herbst war klar, dass die Menge des Jahrgangs kleiner ausfällt als üblich. Was heisst das nun konkret?
Leider sind die Mengen tatsächlich insgesamt tief. Die Trockenheit hat das Beerengewicht deutlich reduziert, dazu kam eine strenge Selektion im Rebberg. Teils liegen die Erträge nur knapp über 20 Hektoliter pro Hektar. Das wird den Jahrgang entsprechend knapp machen, vor allem bei den besten Weinen.

Das führt uns zur Frage: Wie wirkt sich das auf die Preise aus?
Die Preise sind so kurz nach unseren ersten Degustationen noch unklar, dank der besseren Qualität als 2024 und den kleinen Mengen ist eine leichte Preissteigerung die wahrscheinlichste Variante. Einige Weingüter werden die Preise der Weine voraussichtlich nicht erhöhen, da sie in den letzten Jahren die Preise hochgehalten haben.

Château Lafleur bleibt Château Lafleur

Lafleur-Weine sind von einem anderen Stern. Dieses Familien-Weingut gehört zur absoluten Spitze in Bordeaux. Es geniesst einen besonderen Platz in unseren Herzen und im Martel-Sortiment. Beim kürzlichen Besuch auf dem Château überzeugten wir uns davon, weshalb es für Lafleur richtig und konsequent war, mit dem Jahrgang 2025 aus der Pomerol-Appellation auszusteigen. Die Regularien der Appellation hätten es nicht erlaubt, einzelne Parzellen während der extremen Hitze gezielt mit unterirdisch zugeführtem Wasser zum richtigen Zeitpunkt zu versorgen. Ohne diese Massnahme drohte das Beerengewicht unter die für Château Lafleur kritische Marke von 1 Gramm zu fallen. Damit wäre das Gleichgewicht zwischen Tannin und Saft nicht mehr gegeben gewesen und Lafleur hätte den eigenen Qualitätsanspruch verfehlt.

Durch den Ausstieg konnten nun gesunde Trauben ohne Reifeblockade und mit viel Balance gelesen werden: saftig, präzise, mit reifen Tanninen und klarer Frische. Der Stil bleibt unverkennbar Lafleur.

Für die Lafleur-Weine des Jahrgangs 2025 folgt ein separates Angebot. Melden Sie bitte hier Ihr Interesse an.

Martel-Bewertung des Bordeaux-Jahrgangs 2025

Rotweine: 4.5 Punkte (sehr gut bis herausragend)
Weissweine: 3.5 Punkte (gut bis sehr gut)
Süssweine: 5.0 Punkte (herausragend)

Martel-Empfehlungen

Ohne Appellation

  • TOP: Château Lafleur
  • Les Perrières
  • Les Pensées

Saint-Estèphe

  • TOP: Château Montrose
  • Cos d’Estournel

Pauillac

  • TOP: Château Mouton Rothschild
  • TOP: Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande
  • Château Lafite Rothschild
  • Château Pichon Baron
  • Château Pontet-Canet
  • Château Lynch-Bages
  • Château Haut-Bages Libéral

Saint-Julien

  • TOP: Château Léoville Las Cases
  • TOP: Château Léoville Barton
  • Château Léoville-Poyferré
  • Château Ducru-Beaucaillou
  • Château Beychevelle
  • Château Gruaud Larose

Margaux

  • TOP: Château Margaux
  • TOP: Château Brane-Cantenac
  • NEU: Château Rauzan-Gassies
  • Château Palmer
  • Château Rauzan-Ségla
  • Château Malescot Saint-Exupéry
  • Château Ferrière

Médoc

  • Château Sociando-Mallet

Pessac-Léognan

  • TOP: Château Les Carmes Haut-Brion
  • TOP: Château Haut-Bailly
  • Château Haut-Brion
  • Château La Mission Haut-Brion
  • Domaine de Chevalier
  • Château Smith Haut Lafitte

 

Übrigens: Die Jahrgangstabelle der Weinhandlung Martel ist eine zuverlässige Quelle für die Einordnung von Jahrgängen.

Pomerol

  • TOP: Château La Conseillante
  • Château Vieux Château Certan
  • Château Petit-Village
  • Château Clinet

Lalande de Pomerol

  • TOP: Le Bourg, Château de Chambrun
  • Château de Chambrun

Saint-Émilion

  • TOP: Château Cheval Blanc
  • TOP: Château Figeac
  • TOP: Château Beauséjour Bécot
  • TOP: Château Troplong-Mondot
  • Château Ausone
  • NEU: Château La Voute
  • Château Canon-La Gaffelière
  • Château Tertre Roteboeuf
  • Domaine des Cambes, Bordeaux (Ch. Tertre Roteboeuf)
  • Roc de Cambes, Côtes de Bourg (Ch. Tertre Roteboeuf)

Bordeaux Blanc (Weissweine)

  • TOP: Château Haut-Brion Blanc, Pessac-Léognan
  • Domaine de Chevalier Blanc, Pessac-Léognan
  • Château Smith Haut Lafitte Blanc, Pessac-Léognan
  • Château Malartic-Lagravière Blanc, Pessac-Léognan
  • Château de Fieuzal Blanc, Pessac-Léognan
  • Château Brane-Cantenac Blanc, Bordeaux AC
  • NEU: Château Doisy Daëne Sauvignon Blanc Sec, Bordeaux AC

Sauternes (Süssweine)

  • TOP: Château Doisy Daëne
  • TOP: L’Extravagant de Doisy Daëne
  • Château Coutet
  • Château Guiraud
  • Château Doisy-Védrines

Best-Buys

  • TOP: Château Lespault-Martillac Blanc, Pessac-Léognan
  • Château Lespault-Martillac Rouge, Pessac-Léognan
  • La Dame de Montrose, Saint-Estèphe
  • Château Phélan Ségur, Saint-Estèphe
  • Réserve de la Comtesse, Pauillac
  • Château Cantemerle, Haut-Médoc
  • Château Dutruch Grand Poujeaux, Moulis
  • Château Beauregard, Pomerol
  • Château Moncets, Lalande de Pomerol
  • Domaine de l’A, Castillon Côtes de Bordeaux