Bordeaux 2022 Jahrgangsbericht
Der Bordeaux-Jahrgang 2022 sorgt für Aufsehen. Auch nach einem heissen und trockenen Sommer entstanden überraschend kräftige, strukturierte und tiefgründige Weine, die begeistern. Philippe Gallusser ist Bordeaux-Experte im Martel-Einkaufsteam und gibt einen fundierten Einblick in die Qualitäten dieses aussergewöhnlichen Jahrgangs, der nun bei uns erhältlich ist.
«Ich bin berührt von diesen Weltklasse-Weinen»
«Trotz Hitze und Trockenheit kelterten die Winzer 2022 Weine von ausserordentlich hoher Qualität», fasst Phillippe Gallusser zusammen. Besonders zeigt sich dies durch die dunklere Farbe der Rotweine sowie ihre Kombination aus Frische und mächtiger Struktur. «Ich liebe diese Vielschichtigkeit, die elegante Gerbstoffqualität und den langen Abgang. Trotz hoher Reife bewegen sich die Alkoholwerte meist in einem moderaten Bereich zwischen 13,5 und 14,5 Prozent – ein Niveau, das für Bordeaux inzwischen typisch ist», erklärt unser Bordeaux-Experte.
Rotweine im Vorteil
Vor allem die Rotweine auf beiden Seiten der Gironde überzeugen mit einem perfekten Zusammenspiel aus Tiefe, Komplexität und Balance. Die besten roten Bordeaux 2022 präsentieren sich aristokratisch, dicht und gleichzeitig überraschend frisch – eine Kombination, die man bei einem solch heissen Jahrgang nicht selbstverständlich erwartet hätte. «Von diesen Weltklasse-Weinen wird man noch lange sprechen», so Gallusser.
Die Martel-Selektion macht’s aus
Martel setzt bei der Bordeaux-Auswahl konsequent auf Qualität. Das Einkaufsteam verschafft sich vor Ort ein eigenes Bild, besucht Verkostungen und pflegt enge Beziehungen zu langjährigen Partner-Weingütern. «Auch grosse Namen müssen uns jedes Jahr neu überzeugen», betont Gallusser. Speziell gilt dies für 2022, denn die Qualiät ist in diesem Jahrgang recht unterschiedlich. Während die besten Weine durch Eleganz und Frische glänzen, gibt es auch Ausnahmen. «Bei manchen Weinen fehlt die Frische, sie wirken sehr reif oder sogar zu reif. Auch übermässige Extraktion oder spürbarer Alkohol können den Genuss trüben», warnt Philippe Gallusser. Qualitätsunterschiede sind klar erkennbar – die besten Resultate hängen stark vom Terroir, den Rebsorten und dem Fingerspitzengefühl der Winzer ab.
Lage, Lage, Lage
«Nur in den besten Lagen entstanden wirklich grosse Weine», betont unser Insider. Speziell die Plateaus von Pomerol und Saint-Émilion sowie renommierte Appellationen des Haut-Médoc wie Pauillac und Saint-Julien überzeugten. Erfreulich ist gemäss Philippe zudem die Qualität in Margaux, dessen Weine trotz Hitze mit bemerkenswerter Finesse aufwarten. Insgesamt ist 2022 ein exzellentes Jahr für Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. «Diese Rebsorten reiften perfekt aus, während der Merlot teilweise zur Überreife tendierte».
Know-how besonders gefragt
Entscheidend für die Qualität war zudem das Können der Winzer: Eine präzise Laubarbeit und das richtige Timing bei der Lese erwiesen sich als unverzichtbar, um bei den anspruchsvollen Bedingungen bestes Traubengut zu erzielen. Der Jahrgang war geprägt von Herausforderungen: Spätfröste im April, Hagel im Juni – insbesondere in Saint-Estèphe – sowie durchgehend hohe Temperaturen von Mai bis zur Ernte verlangten den Winzern alles ab. Glücklicherweise sorgten punktuelle Regenfälle im Juni und August sowie kühle Nächte im Spätsommer und Herbst für Entlastung.

Hürden für Weissweine
Bei den Weissweinen aus Bordeaux gestaltet sich das Bild gemischter. Die hohen Temperaturen stellten die Winzer vor grosse Herausforderungen. Wer zu früh erntete, musste mit grünlichen Noten und Unreife rechnen, wer zu spät las, erhielt Weine mit zu wenig Säure. Der Martel-Einkaufsprofi Philippe Gallusser sagt dazu: «Es gibt allerdings löbliche Ausnahmen mit reifer Frucht, Frische, Spannung und Tiefgang – diese sind jedoch eher selten – und bei uns erhältlich».
Spitzensüsswein erforderte Nerven
Auch im Sauternes verlief das Jahr nicht einfach. Die heissen und trockenen Bedingungen führten dazu, dass sich die für hochwertige Süssweine notwendige Edelfäule, die sogenannte Botrytis, in vielen Reblagen lange Zeit nicht einstellte. «Winzer, die frühzeitig auf Nummer sicher gingen und ihre Trauben vor dem ersten Regen im Frühherbst ernteten, produzierten eher wenig komplexe Süssweine mit geringer Säure, die mastig und schwerfällig wirken», weiss Philippe. Die ersehnte Botrytis kam schliesslich dank der Regenfälle im Frühherbst, was die Qualität der später gelesenen Süssweine deutlich steigerte. Diese zeichnen sich durch intensive Botrytis-Aromatik, hohen Restzuckeranteil und eine gleichzeitig erfrischende Säurestruktur aus – Eigenschaften, die grossen Süssweinen aus Bordeaux ihren unverwechselbaren Charakter verleihen.
2022: Weltklasse aus Bordeaux
Der Jahrgang 2022 zeigt einmal mehr, dass Bordeaux lebt und sich stetig weiterentwickelt. Die Winzer haben gelernt, mit extremen Witterungsbedingungen wie Hitze und Trockenheit umzugehen. «Das war 2003 oder teilweise auch 2018 noch nicht in diesem Masse der Fall», erinnert sich Philippe Gallusser, unser Martel Bordeaux-Profi. Besonders die besten Terroirs beweisen in einem herausfordernden Jahr ihr Potenzial und sind in der Lage, unter schwierigsten Bedingungen Spitzenweine hervorzubringen – Weine, die berühren und die Geschichte von Bordeaux weiterschreiben.
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Die Martel-Favoriten
Wir führen hier die Châteaux in deren Appellation unterteilt und gemäss alphabetischer Reihenfolge auf. Eine höhere oder tiefere Position eines Weinguts auf dieser Liste lässt keinen Rückschluss auf unsere Bewertung oder eine Rangfolge zu.
Weltklasse
Lafite Rothschild, Pauillac «majestätische Eleganz in Perfektion»
Pichon-Lalande, Pauillac «überbordende Sinnlichkeit»
Léoville Barton, St-Julien «noble Kühle, einer der grössten Leoville Barton»
Brane-Cantenac, Margaux «grandioser Brane mit wunderbar seidigen Tanninen»
Margaux, Margaux «Länge, Kraft, Kühle und Präzision»
Palmer, Margaux
Rauzan-Ségla, Margaux
Haut-Bailly, Pessac-Léognan «Spannung und Tiefe, die schon jetzt unglaublich Spass macht»
Château Lafleur, Pomerol «Diese Weine sind von einem anderen Stern»
Petit-Village, Pomerol «unser Geheimtipp, auf Top-Terroir, grosse Qualitätssteigerung»
Canon, St-Émilion
Cheval Blanc, St-Émilion «vollkommener Cheval Blanc mit Kraft, Saftigkeit und Präzision»
Tertre Rôteboeuf, St-Émilion «aristokratisch, engmaschig, unglaubliche Frische, grossartig!»
Hervorragend
Calon Ségur, St-Estèphe «Trotz hohem Alkohol und Hagel»
Carruades de Lafite, Pauillac
Duhart-Milon Rothschild, Pauillac «So gut war dieser Wein noch nie»
Grand-Puy-Lacoste, Pauillac
Pontet-Canet, Pauillac «unglaublich dicht und extreme Power, bleibt trotzdem ausgewogen»
Beychevelle, St-Julien
Ducru-Beaucaillou, St-Julien «was für eine Komplexität, schon jetzt!»
Gruaud Larose, St-Julien
Léoville Poyferré, St-Julien
Palmer Alter Ego, Margaux
Pavillon rouge du Ch. Margaux (2. Wein Margaux) «Eleganz pur»
Domaine de Chevalier rouge, Pessac-Léognan
Haut-Brion, Graves
La Mission Haut-Brion, Graves «2022 für mich sogar ein bisschen besser als Haut-Brion»
Ausone, St-Émilion
Canon-la-Gaffelière, St-Émilion
Chapelle d’Ausone, St-Émilion
Figeac, St-Émilion «zeigt, dass er sich die Auszeichnung Premier Grand Cru Classé A redlich verdient hat»
La Mondotte, St-Émilion
Grossartige Best Buys
Le Marquis de Calon (2. Wein von Calon Ségur), St-Estèphe
Phélan Ségur, St-Estèphe
Haut-Bages Libéral, Pauillac
Langoa Barton, St-Julien
Le Petit Ducru (3. Wein von Ducru-Beaucaillou), St-Julien
Baron de Brane (2. Wein von Brane-Cantenac), Margaux
Durfort-Vivens, Margaux
Ferrière, Margaux
Chasse-Spleen, Moulis
Maucaillou, Moulis
Poujeaux, Moulis
La Lagune, Haut-Médoc
Lespault-Martillac rouge, Pessac-Léognan
Beauregard, Pomerol
Chambrun, Lalande de Pomerol
Domaine de l’A, Côtes de Castillon «mit aussergewöhnlicher Frische»
Domaine de Cambes (Roc de Cambes), Côtes de Bourg
Highlights Weissweine
Pavillon blanc du Château Margaux, Margaux
Domaine de Chevalier, Pessac-Léognan «grossartige Struktur, Frische und Saftigkeit»
Lespault-Martillac blanc, Pessac-Léognan
Highlights Süssweine
Doisy-Védrines, Barsac «Jahr für Jahr ganz gross»
Guiraud, Sauternes «viel Frische und Botrytis-Aromatik»
Suduiraut, Sauternes «betörende, fein ziselierte Nase mit 190g/l Restzucker!»