Bordeaux im Klimawandel
2022 war klimatisch ein historisches Weinjahr in Bordeaux. Die Ernte startete zwei bis drei Wochen früher. Grund: In der Vegetationsphase lagen die Temperaturen jeden Monat um 1 bis 3 Grad höher als gewöhnlich. Und es regnete kaum, ausser im Juni. Wir wissen: Ein Jahrgang allein sagt noch nichts über den Klimawandel aus. Doch verschafft man sich einen Überblick über die vergangenen Jahrzehnte, zeichnet sich eine klare Entwicklung ab: Seit rund 30 Jahren wird es in Bordeaux in der Tendenz wärmer und trockener.
Die Winzerinnen und Winzer entwickelten in dieser Zeit Techniken im Umgang mit Hitze und Trockenheit. Mit dem sogenannten Canopy Management werden die Laubarbeiten angepasst. Die Winzer achten darauf, dass genügend Blätter die Trauben vor zu viel Sonne schützen. Auch hilft in der Sommerhitze, wenn man die Reben höher wachsen lässt, die Trauben also weiter entfernt vom wärmenden Boden stehen. Vermehrte Begrünung zwischen den Rebzeilen wirkt ebenfalls kühlend.
Bewässerung ist in Bordeaux normalerweise verboten. Weil der Juli 2022 extrem trocken war, durfte in einigen Appellationen ausnahmsweise bewässert werden. Zur Vorbereitung auf langfristig heissere und trockenere Sommer wird im Weingebiet auch an alternativen, hitzebeständigen Rebsorten geforscht. Heute sind sechs Rebsorten zusätzlich zu den klassischen Bordeaux-Reben zugelassen. Zum Beispiel Touriga Nacional aus Portugal oder Marselan, eine Kreuzung aus Cabernet-Sauvignon und Grenache. Diese Rebsorten könnten wegen des Klimawandels in Zukunft wichtiger werden im Bordeaux.