Der Tokaj-Krimi
1949 rollte unverhofft ein Güterwagen voller Tokajerwein nach Buchs SG. Der Absender war ein enteigneter ungarischer Winzer. Was für Martel folgte, war ein Krimi mit diplomatischen sowie juristischen Verwicklungen – und einem überraschenden Ende.
In Kürze
- Ein Bahnwagen voller Tokajer trifft überraschend bei Martel ein
- Ungarn verklagt Martel wegen angeblich gefälschter Weine
- Die ungarische Botschaft strauchelt über eigene Fehler
Eine unerwartete Lieferung
Anfang 1949 erhielt Martel einen unerwarteten Anruf der Transportfirma Danzas in Buchs. Ein kompletter Bahnwagen mit Fässern und Flaschen Tokajerwein war eingetroffen und an Martel adressiert. Niemand wusste von dieser Lieferung. Wenig später meldete sich der frühere Lieferant Leopold Zimmermann. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Ungarn war sein Weingut verstaatlicht worden. Vor seiner Flucht nach Wien hatte er den Wein in die Schweiz schicken lassen.
Martel packt die Chance
Martel übernahm in der Folge einen Teil der wertvollen Weine und verkaufte den Rest an frühere Kunden in England und den USA. Gleichzeitig machte das Unternehmen in Preislisten offen darauf aufmerksam, dass die Bestände aus einem enteigneten Familienbetrieb stammten und nicht ersetzt werden konnten. Genau das rief die ungarische Handelsorganisation MONIMPEX auf den Plan. Über die Botschaft in Bern reichte sie Klage ein und bezeichnete die Weine als Fälschungen.
Im Justiz-Strudel
Die Untersuchung verlief allerdings anders als erwartet. Das kantonale Laboratorium verglich die Martel-Weine mit offiziellen Tokajern aus dem Besitz des ungarischen Konsulats. Das Resultat überraschte: Die von Martel angebotenen Originalabfüllungen entsprachen den Vorschriften besser als die Vergleichsweine der Kläger.
Happy End
Den Schlusspunkt setzte schliesslich die ungarische Botschaft selbst. Sie bestellte mehrere Kisten genau jener Tokajerweine, gegen die sie zuvor geklagt hatte. Als die Lieferung später bestritten wurde, belegten die Unterlagen eindeutig den Empfang. Damit brach die Anklage in sich zusammen. Das Verfahren wurde eingestellt.
