Schweizer Weinhandel 2025/26 – Aktuelles & Trends

Martel Weinwelt - Medien

Wo steht der Schweizer Weinhandel zum Jahreswechsel? 2025 war geprägt vom weiterhin rückgängigen Konsumtrend und von Diskussionen um Alkohol und dessen Auswirkung auf die Gesundheit. Auch wenn im letzten Jahr 6% weniger Rotwein und 1% weniger Weisswein importiert wurden, bleibt der schweizweit tätige Weinhändler Jan Martel optimistisch. Die Nachfrage nach Qualitätswein ist stabil. Was den Umgang mit Alkohol betrifft, wünscht sich Jan Martel mehr Toleranz und Gesprächskultur.

«Weniger, aber bewusster: Genuss statt Muss»

Jan Martel, der Trend zu weniger Alkohol ist unübersehbar und konstant, auch 2025. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum sank seit den Nullerjahren um 30%. Ist der Wein in der Krise?

Tatsächlich: Die Weinproduktion ist historisch tief, es wird immer weniger getrunken. Vor allem Billigwein verliert klar an Menge und Bedeutung. In diesem Segment sind wir jedoch gar nicht tätig. Unser Sortiment ist hochwertig. Wir vermitteln Weinkultur und dies zum Glück noch immer gut, auch 2025 lief unser Geschäft erfolgreich und wir konnten an Umsatz zulegen. Premium- und Ultrapremiumweine sind gefragt wie eh und je. Wir können uns also nicht beklagen. Wichtige Faktoren für den Qualitätsweinhandel in der Schweiz: Die hohe Kaufkraft und der starke Tourismus.

 

Trotzdem: Der offensichtlich nicht aufzuhaltende Rückgang des Alkohol- und damit auch Weinkonsums ist eine Tatsache, die Sie sicher beschäftigt.

Beschäftigen schon. Es bringt jedoch nichts, der vermeintlich guten alten Zeit nachzutrauern. Wein wird heute seltener, dafür bewusster und mit mehr Respekt getrunken. Genau das entspricht unserer Haltung und unserem Geschäftsmodell. Wir handeln mit ausgesuchten Weinen und verkaufen diese erfolgreich an private Weinfans und an die Qualitätsgastronomie.

 

Restaurants und Bars spüren: Viele junge Menschen verzichten ganz auf Alkohol oder beschränken ihren Konsum stark. Wie reagiert Martel auf diesen Wandel?

Wir überzeugen mit Qualität. Junge Menschen sind neugierig, gesundheitsbewusst und informiert. Wir respektieren das. Darum führen wir auch hochwertige alkoholfreie Produkte. Nicht als Ersatz für Wein, sondern als eigenständige Kategorie des guten Geschmacks. Was mich besonders freut: Unsere Events und Weinkurse sind voll von jungen Frauen und Männern. Das Interesse an Weingebieten und Reisen dorthin ist gross. Junge Weininteressierte stellen spannende Fragen, wollen Hintergründe kennen und suchen das Gespräch. Diese Offenheit zeigt mir, dass Weinkultur auch künftige Generationen bewegen wird.

 

Auf Ihrer Website ist zu lesen, dass moderater Weingenuss Teil eines ausgewogenen Lebensstils sein kann. Was heisst moderat für Sie?

Trinken, weil es Freude macht, nicht weil es Gewohnheit ist. Genuss statt Muss. Ich rate klar von übermässigem Konsum ab. Gleichzeitig finde ich es problematisch, Wein pauschal als gesundheitsschädlich zu verurteilen. Die wissenschaftliche Diskussion darf nicht ideologisch geführt werden. Entscheidend ist der Kontext: Lebensstil, Ernährung, Bewegung, psychisches Wohlbefinden, sozialer Austausch. So lebt man gut und wird gesund alt.

Martel Weinwelt - Burgund 2022

Im Ausblick auf das Jahr 2025 sagten Sie: «Für mich ist klar: Alkohol, moderat genossen, ist kein Gift, sondern Teil unserer Kultur. Ein Leben ohne Genuss und Geselligkeit bei einem guten Glas wäre doch ein Jammer.» Und jetzt der Streit rund um Alkohol. Wie erklären Sie sich das?

Vieles wird nur schwarz oder weiss gesehen. Jeder ruft lauter als der andere und man hört sich nicht zu. Das stört mich. Auch passt es nicht zur Schweizer Diskussionskultur, wo man für gewöhnlich miteinander spricht, sich zuhört und nach einem Konsens sucht. Es dient meines Erachtens der Sache wenig, wenn Alkohol verteufelt wird. Oder wenn Leute im anderen Extrem abstreiten, dass übermässiges Trinken mit Gefahren verbunden ist. Unsere Position liegt in der Mitte, beim gesunden Mass. Auf unserer Website sieht man, wie wir zur Alkoholfrage stehen und was wir bei diesem Thema tun. Wir leben bewussten Weingenuss – und zwar schon lange. «Martel – Wein geniessen» heisst unser Claim seit über zehn Jahren.

 

Wie begegnen Sie dem gesellschaftlichen Wandel und den neuen Konsumgewohnheiten?

Die Chance liegt in der Rückkehr zur Essenz. Weniger und besser. Das spielt unseren Winzerinnen und Winzern in die Hände, die mit Leidenschaft arbeiten. Und es stärkt die Rolle der qualitätsbewussten Fachhändler und Gastronomen, welche gute Weine vermitteln und erklären.

 

Wo verändert sich die Weinwelt 2026?

Mit der Klimaerwärmung erschliessen sich neue Weingebiete in der Höhe und im Norden. Ein Vorteil für die Schweiz mit ihren Bergen und nördlich gelegene Länder wie England oder Deutschland. Ein völlig anderer Megatrend: Es gibt immer mehr Kennzeichnungspflichten. Praktische QR-Codes auf der Weinetikette verhelfen zu diesen Informationen.

 

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für das Weinjahr 2026?

Mehr Gelassenheit, Differenzierung und gegenseitigen Respekt bei diskutablen Themen. Mehr Freude am guten Glas und am Leben. Und eine offene Diskussion, die Genuss und Verantwortung nicht gegeneinander ausspielt. Und ich wünsche mir natürlich viele magische Weinmomente im Jahr 2026. Wein macht für mich schöne Momente noch schöner.

Jan Martels Trendprognose 2026

  • Neue Qualitätsweingebiete Hochgelegene und nördliche Weingebiete (z.B. England) profitieren
  • Schaum- und Weisswein Auch aus wiederentdeckten Gebieten (z.B. Ungarn)
  • Weinwissen Weinkurse, Tutorials, Weinreisen – grosser Wissensdurst, auch bei Jungen
  • Austausch Rückbesinnung auf den analogen Moment

Neuer Blick auf Rhône-Weine

Martel Weinwelt - Neuer Blick auf Rhône-Weine

Rhône, wir kommen! Das Martel-Team ist viel unterwegs, um die Weinregionen besser kennenzulernen und mit den Winzerinnen und Winzern in engem Kontakt zu bleiben. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Ende 2025 war eine Gruppe von Martel-Mitarbeitenden in der südlichen und nördlichen Rhône unterwegs. Mit dabei: Martel-Weinberater Jonas Gmünder. Wir befragten ihn nach seiner Rückkehr, welche Erwartungen erfüllt wurden und wo er sich überraschen liess.

Jonas, du warst mit dem Martel-Team im Rhône-Weingebiet unterwegs. Mit welchem Bild bist du angereist?
Mein Herz schlug schon immer stärker für die nördliche Rhône. Das hat viel mit der Rebsorte zu tun. Syrah zeigt dort eine Präzision, eine Spannung, die mich fasziniert. Kühlere Nächte, steile Hänge, Granit. Die südliche Rhône stand früher eher am Rand meines Interesses.

Im Süden habt ihr unter anderem Vieux Télégraphe besucht, einen der grossen Namen von Châteauneuf-du-Pape. Hat sich dein Bild verändert?
Ja, und zwar deutlich. Télégraphe macht beeindruckende Weine. Sehr klar, sehr sauber, mit einer überraschenden Eleganz. Gleichzeitig sieht man im Süden auch die Kehrseite. Es gibt extrem viel Volumen und leider auch viel schwache Qualität. Wer dort ernsthaft auf Niveau arbeiten will, muss kämpfen.

Wie reagieren die führenden Betriebe auf diesen Druck?
Mit Konsequenz. Qualität ist das zentrale Thema. Lieber weniger Ertrag, dafür Präzision. Viele Winzer suchen bewusst Eleganz und Schlankheit, auch wenn das wirtschaftlich riskanter ist. Der Stolz auf Herkunft und Tradition ist spürbar. Man will nicht laut sein, sondern stimmig.

Was gefiel dir speziell beim Besuch auf Vieux Télégraphe?
Das berühmte Plateau de La Crau in der Appellation Châteauneuf-du-Pape beeindruckte mich tief. Hier bewirtschaftet Vieux Télégraphe erstklassiges Rebland. Dieses Hochplateau mit den charakteristischen galets roulés gilt als eines der bedeutendsten Terroirs des Gebiets und prägt den Stil der Télégraphe-Weine. Echt eindrücklich, wie sich das Terroir im Wein widerspiegelt: Es ist ein saftiger Wein, balanciert und erstaunlich frisch für Châteauneuf-du-Pape. Reife Frucht, aber nie schwer. Füllig, doch mit Zug. Ich sehe im Vieux Télégraphe einen Wein mit innerer Ruhe und grossem Lagerpotenzial. In Frankreich ist das Renommée von Vieux Télégraphe übrigens enorm gut. Dessen war ich mir nicht bewusst. Und was ich auch lernte auf dem Weingut: Die Familie Brunier arbeitet dort seit 1891 und denkt langfristig.

Wechseln wir in den Norden. Wie nimmst du dort das Image wahr?
Sehr hochwertig. Côte-Rôtie steht für kompromisslose Handarbeit. Bei Betrieben wie Rostaing, mit rund 12 ha in extrem steilen Lagen, ist jeder Schritt physisch. Diese Weine sind auf Jahrzehnte angelegt.

Ein weiterer Höhepunkt war das ikonische Château Grillet, ein Weingut mit eigener Appellation. Was macht diesen Ort so besonders?
Die Dimension. Knapp 4 ha, verteilt auf 102 (!) Terrassen. Jede Parzelle wird einzeln gelesen. Aloïs Houeto, der verantwortliche Winzer, selektioniert gnadenlos.

Martel Weinwelt - Neuer Blick auf Rhône-Weine

Nur das Beste fliesst in den finalen Wein. 100% Viognier, eine Rebsorte, die unter Hitze leidet. Umso beeindruckender ist die Frische. Salzige Noten, feine Cremigkeit, kühle Mineralität. Das wirkt zeitlos.

Der Klimawandel begleitet viele Gespräche an der Rhône. Wie präsent ist das Thema?
Sehr präsent. 2025 haben einige Betriebe bis zu 30% der Ernte durch Sonnenbrand verloren. Das ist dramatisch. Viele arbeiten sehr bewusst mit Laubmanagement und Lesezeitpunkten, um den Alkohol im Rahmen zu halten. 14 bis 14.5% Alkohol gelten oft als obere Limite, um Spannung und Trinkfluss zu bewahren.

Terroir ist ein Schlüsselbegriff, besonders in bekannten Weinbergen wie Brune und Blonde. Wie zeigt sich das vor Ort?
Das ist mit blossem Auge zu sehen. Brune mit Granit und Lehm, Blond mit sandigem Schiefer und Kalkstein. Diese Unterschiede sieht und schmeckt man. Der Terroirgedanke ist heute an der nördlichen Rhône viel detaillierter als früher. Innerhalb eines Hügels gibt es enorme Variationen. Separate Vinifikation ist dort deshalb kein Luxus, sondern logisch.

Zum Schluss noch ein Blick auf Emmanuel Darnaud aus Saint Joseph und Hermitage. Ein anderer Stil?
Ja, zugänglicher, sehr saftig, filigran. Weniger monumental als die grossen Ikonen, dafür offen, präzis und unglaublich sympathisch. Das sind Weine, die man gerne teilt, die sofort Freude machen und trotzdem seriös sind.

Was ist dein persönliches Fazit dieser Reise?
Der Qualitätsanspruch hat mich tief beeindruckt. Trotz grosser Namen war alles sehr bodenständig. Offen, herzlich, konzentriert auf das Wesentliche. Von der Fassprobe bis zur finalen Assemblage. Die Rhône zeigt Charakter. Und sie zeigt Haltung. Das gefällt mir.

Rhône-Weine entdecken

Facts & Figures zum Weingebiet Rhône

• Gesamtfläche: ca. 69’000 ha
• Klima: kontinental im Norden, mediterran im Süden
• Charakter: grosse stilistische Spannweite, von Syrah-Präzision bis Grenache-Cuvées

Nördliche Rhône
• Fläche: ca. 4’000 ha, viele Steillagen
• Anteil an der Rhône: ca. 5%
• Hauptrebsorten: Viognier, Marsanne, Roussanne (weiss) | Syrah (rot)
• Weinfarbe: ca. 70% rot | 30% weiss
• Top-Appellationen: Côte-Rôtie, Hermitage, Cornas, Saint-Joseph, Condrieu
• Durchschnittliche Höhe: 200 – 350 m ü. M.
• Stil: kühl, präzise, würzig, langlebig

Südliche Rhône
• Fläche: ca. 65’000 ha
• Anteil an der Rhône: ca. 95%
• Hauptrebsorten: Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault (rot)
• Weinfarbe: ca. 85% rot | 10% weiss | 5% rosé
• Top-Appellationen: Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Vacqueyras, Cairanne
• Durchschnittliche Höhe: 50 – 300 m ü. M.
• Stil: warm, würzig, kraftvoll, harmonisch

Impressionen aus der Weinregion Rhône

Vegane Weine: Eine Frage der Philosophie

Martel Weinwelt - Vegane Weine: Eine Frage der Philosophie

Wein entsteht aus Traubensaft und ist seinem Ursprung nach pflanzlich. Dennoch kommen in der Vinifikation oder bei der Verpackung teilweise Produkte tierischen Ursprungs zum Einsatz. In solchen Fällen gilt ein Wein nicht mehr als vegan. Bei Martel zeigen wir Verständnis für die vegane Lebensweise und deklarieren Weine auch in diesem Punkt transparent.

Wenn ein Wein bei Martel als vegan bezeichnet wird, bedeutet dies den bewussten Verzicht auf tierische Produkte in allen Phasen der Herstellung. Keine Schönung mit Eiweiss oder Gelatine. Und konsequenterweise ohne Bienenwachs an der Kapsel. Im Zusammenhang mit Wein heisst vegan jedoch nicht, dass keinerlei Lebewesen beteiligt sind. Das wäre unmöglich. Denn ohne Hefen, welche die Gärung antreiben, gäbe es keinen Wein, fermentiertes Gemüse oder Brot. Hefen sind lebende Mikroorganismen, genauer gesagt: einzellige Pilze. Diese gelten im Veganismus weder als Tiere noch als tierische Produkte.

Vegane Weine im Trend

Der globale Markt für vegan zertifizierte Weine wächst kontinuierlich, mit einer jährlichen Steigerung von ca. 5 Prozent. Europa stellt fast die Hälfte des weltweiten Volumens und prägt diese Entwicklung entscheidend. Hinter diesen Zahlen steht ein klares Bedürfnis nach Transparenz und nach Weinen, die mit möglichst wenigen Eingriffen gekeltert werden.

Verständnis für Veganismus

Viele Winzerinnen und Winzer arbeiten seit Jahren faktisch vegan, ohne dies zu kommunizieren. Sie schönen kaum und filtrieren selten, und wenn, dann ohne tierische Produkte. Ihre Weine wären eigentlich vegan. Nur steht es nicht auf dem Etikett. Die Gründe dafür sind vielfältig: Eine vegane Zertifizierung ist aufwändig. Jeder Arbeitsschritt muss offengelegt werden, alle eingesetzten Stoffe werden geprüft, dazu kommen regelmässige Kontrollen. Das kostet Geld und Zeit. Für viele Betriebe ist diese Hürde zu hoch und sie verzichten auf das Siegel. Deshalb ist die reale Zahl vegan erzeugter Weine deutlich höher als die offiziell zertifizierte.

Nicht im Glas zu erkennen

Vegane Weine lassen sich nicht erschmecken. «Sensorisch ist es unmöglich, einen Unterschied zu erkennen», bestätigt Benjamin Wolf, Master Sommelier und Mitglied des Martel-Einkaufsteams. Vegan ist kein Stil, sondern eine Haltung. Eine bewusste Entscheidung gegen tierische Produkte.

Vegane Weine bei Martel

Ein beträchtlicher Teil des Martel Sortiments ist vegan erzeugt, zertifiziert oder nicht. Wer gezielt suchen möchte, findet auf unserer Website die Suchfunktion «vegane Weine». Zertifiziert vegane Weine sind für uns ein selbstverständlicher Teil einer vielfältigen Weinwelt. Wer Wein bewusst ohne tierische Zusatzprodukte trinken will, kann sich auch in diesem Punkt auf Martel verlassen.

 

Zu den veganen Weinen

Burgund-Winzer: «Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

Martel Weinwelt - Burgund-Winzer: «Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

Wenn man durch die Weinberge des Burgunds reist, spürt man förmlich das Gewicht der Geschichte. Und doch: Es ist Bewegung in der Region. Unsere Weiterbildungsreise führte uns zu burgundischen Domaines, deren Weine wir bei Martel vermitteln. Die Gespräche drehten sich immer wieder um ein Thema: den Klimawandel.

Keine Furcht vorm Wandel

Unser Eindruck: Burgundische Winzerinnen und Winzer zeigen sich generell wenig beeindruckt von den Folgen des Klimawandels. Zwar bestätigen alle Winzer die Veränderungen: frühere Lesezeitpunkte, andere Anforderungen an Rebschnitt, Bewässerung und Wahl der richtigen Rebklone. Doch Sorgen? Kaum.

Laurent Ponsot (Bild) der gleichnamigen weltbekannten Domaine etwa sieht gar nur Vorteile: «Wir freuen uns über nur noch gute Jahrgänge. Der Klimawandel ist für mich eher eine lange Hitzewelle. Temperaturschwankungen gab es schon immer.»

Auch der Winzer Guillaume Tardy ist nicht besorgt: «Wir ernten einfach früher, das ist kein Problem. Damit kommen wir gut zurecht.» Und in der prestigeträchtigen Domaine des Lambrays heisst es schlicht und pragmatisch: «Wir passen uns schrittweise an.»

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Anpassung statt Revolution

Die meisten Winzer begegnen den klimatischen Veränderungen nicht mit radikalen Kurswechseln, sondern mit durchdachten Anpassungen: Justin Girardin in Santenay zum Beispiel hat neue Klone gepflanzt, die mit mehr Sonne besser zurechtkommen. Auch hier erfolgt die Lese früher. Ein Vorteil des wärmeren Klimas: Aufzuckerung ist nicht mehr nötig und die früher manchmal etwas rustikalen Tannine der Pommards wirken heute weicher. Auch Rémi Jobard liest seine Trauben früher, um die nötige Säure zu erhalten. Ansonsten sieht er keinen Anpassungsbedarf. Seit 2008 arbeitet er biologisch, seine Weissweine reifen in Stockinger-Fässern aus Österreich, die wenig Holzaromatik abgeben.

Bei Olivier Bernstein (im Bild Kellermeister Richard Seguin) und Lucien Le Moine zeigt sich die Reaktion auf den Klimawandel im Weinkeller: Die Ganztraubenvergärung wurde erhöht, um mehr Frische zu bewahren, das Holz wird neu gewählt oder selbst eingekauft und veredelt. Wissenschaft und Sensorik gehen bei ihnen Hand in Hand.

Während einige Betriebe wie Domaine François Carillon auf klassische Eleganz und kontrollierte Reinheit setzen, inklusive feinem Holz aus kühlen Wäldern Bulgariens und Ungarns, überraschen andere mit kreativen und unkonventionellen Ansätzen.

Martel Weinwelt - Burgund-Winzer: «Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

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Tradition und Innovation

Domaine Trapet, wo nun die nächste Generation übernommen hat, krempelt das Konzept um: neue Gärgefässe, andere Fassgrössen, Keramikamphoren statt Barriques. Ein frischer Blick auf altvertraute Prozesse. Der bereits erwähnte Laurent Ponsot hat seinen hochmodernen Betrieb im Gewerbegebiet selbst designt. Neuholz? Fehlanzeige. Verschlüsse? Eigenentwicklung. Stil? Präzision auf höchstem Niveau. Und Arnaud Baillot, ein ehemaliger Négociant, hat seine eigene Domaine aufgebaut. Blitzblank, alles bio, alles neu. Stilistisch rein und klar, ein Beispiel für die neue Burgunder-Generation.

Nordhänge im Trend

Besonders beeindruckt hat uns die junge Domaine Jubare im Mâconnais (Bild). Das Paar hinter dem Projekt stammt ursprünglich nicht aus dem Burgund und hat Erfahrung von der Rhône mitgebracht. Ihre Chardonnay-Reben wachsen in Blickweite des schlichten, eher bäuerlichen Hofs. Kein Keller-Showroom, sondern Plastik-Gartentisch, Kind, Hund und Katze.

Und doch: Was hier entsteht, hat Potenzial. Die Nordhanglagen, früher skeptisch betrachtet, bringen heute durch das kühlere Mikroklima grosse Vorteile. Neue Böden, nicht ausgelaugt von jahrzehntelanger Monokultur, eröffnen frische Möglichkeiten. Bio wird angestrebt, aber (noch) nicht zertifiziert.

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Souveränität und Technologie bei den Grossen

Die Domaine Leflaive in Puligny-Montrachet steht sinnbildlich für die Verbindung von Tradition und Anpassung auf höchstem Niveau. Als biodynamische Pionierin zeigt sie, wie konsequent der Wandel gestaltet werden kann. Der Weinkeller wurde nicht unterirdisch gebaut. Ein hoher Grundwasserspiegel machte das unmöglich. Stattdessen wurde moderne Klimatechnik eingesetzt. Die Lese der Domaine hat sich dramatisch verschoben: In den letzten 20 Jahren gab es sechs August- und nur vier Septemberlesen. Dies ist eine markante Umkehrung der Leseverhältnisse der Jahrzehnte davor.

Vertrauen in die Lagen

Die Reise durch das Burgund hat eines klar gezeigt: Der Klimawandel ist angekommen. Ihm wird ohne Alarmismus oder Resignation begegnet. Die meisten Winzer passen sich an, probieren Neues aus, denken langfristig.

Und sie verlassen sich auf das, was das Burgund seit Jahrhunderten ausmacht: unvergleichlich gute Lagen, tiefe Erfahrung und eine Kultur des Weinbaus, die Wandel stets mitgetragen hat.

 

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Martel Weinwelt - Burgund-Winzer: «Wir sind auf den Klimawandel vorbereitet»

«Im Burgund zuhause» - Impressionen unserer Reise

Wine Pairing-Tipps

Martel Weinwelt - Spanien

Bei Martel steht der Wein im Vordergrund. Deshalb wählen wir unsere Gerichte gerne nach den Weinen aus. Wine Pairing statt Food Pairing. Und wer weiss besser, was zu spanischen Weinen passt als unsere Winzerinnen und Winzer der iberischen Halbinsel oder unsere Gastronomen in der Schweiz? Wir lassen sie zu Wort kommen. Die eine oder andere Überraschungskombination ist dabei – versprochen!

Maite Esteve, Vins el Cep

«Ich mag unsere Schaumweine als Aperitif, besonders zu iberischem Schinken, handwerklich hergestelltem Käse, Reisgerichten oder Fisch-Tempura. Wichtig ist, dass das Essen den Ausdruck des Cava unterstreicht.»

Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps

Eine Verbindung von Leidenschaft, Historie und Qualität

David Martínez Salvany, Bodega Española, Zürich

«Ein ausgewogener Cava wie der Gilmas passt zu jeder Zeit und zu jeder Tapa. Das Preis-Leistungs-Verhältnis gehört weltweit zu den besten für Schaumweine.»

Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps

Valentí Llagostera, Mas Doix

«Für mich zählt nicht nur die Kombination mit dem Essen, sondern auch der Moment, in dem man geniesst. Unser weisser Murmuri passt nachmittags auf der Terrasse, zu einem leichten Salat, gegrilltem Fisch, hellem Fleisch oder Pasta. Allgemein gesagt: Unsere Weine sind gut zu allen mediterranen Gerichten. Sonne schenkt Reife, kühle Nächte Frische. So entsteht ein Dialog zwischen Küche und Keller.»

Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps

Neu im Martel-Sortiment

Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps
Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps

Victor Charcán, Roda

«Mit Roda esse ich gerne einen kräftigen Fisch wie Steinbutt a la plancha. Als Kombination mit Roda I sehr lecker: Lammkoteletts, gegrillt über Rebholz. Zu Corimbo I passt ein Herbsteintopf mit Pilzen perfecto. Und unser Cirsion zu Hasenragout ist für mich der Himmel auf Erden.»

Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps

«Dunkel wie die Nacht und weich wie die Seide.»

José Luis Hernandez, Casa Castillo

«Unsere Weine passen gut zu einer Vielzahl von Gerichten, darunter regionale Spezialitäten wie Arroz (Paella) und Gazpacho Manchego – ein traditioneller Eintopf mit Wildfleisch und knusprigem Brot. Die Weine passen auch gut zu Wurstwaren, Käse und Eintöpfen. Ausserdem harmonieren sie hervorragend mit Fleischgerichten im Allgemeinen, vor allem mit Steaks.»

Martel Weinwelt - Wine Pairing-Tipps

Der schönste Weg, Spitzen-Monastrell aus Jumilla zu entdecken.

Sherry ist zurück!

Martel Weinwelt - Spanien

Sherry erlebt eine Renaissance. Lange Zeit galt er als angestaubt; ein Getränk für ältere englische Ladies. Doch immer mehr Weinfans entdecken die Vielfalt und Eleganz von Sherry neu. Ob als Aperitif, zu Tapas, in der gehobenen Gastronomie oder sogar als Zutat in Cocktails – Sherry ist wieder da und sorgt für überraschende Genussmomente.

Heimat und Herstellung

Sherry stammt aus Andalusien im Süden Spaniens, rund um die Hafenstadt Jerez de la Frontera. Weisse Albariza-Böden aus Kalk prägen den Charakter der Weine. Wichtigste Rebsorte ist Palomino, ergänzt von Pedro Ximénez und Moscatel. Reife im Solera-System, wo junge und alte Jahrgänge kontinuierlich gemischt werden. Biologischer Ausbau unter Florhefe bringt helle, trockene Stile wie Fino und Manzanilla hervor. Oxidativer Ausbau im Fass führt zu Amontillado, Oloroso oder Palo Cortado mit nussigen Aromen. Süsse Varianten entstehen durch die Zugabe von PX oder Moscatel, mit Noten von Feigen und Rosinen. Ein Traum!

Martel Weinwelt - Sherry ist zurück!

Spezielles Reife-Verfahren

Beim Ausbau von Sherry kommt das sogenannte Solera-System zum Einsatz: Fässer mit jungen und alten Weinen werden übereinandergestapelt, regelmässig miteinander vermischt und so über Jahre hinweg harmonisiert. Dieses Verfahren sorgt für gleichbleibende Qualität und eine enorme geschmackliche Tiefe.

Sherry ist nicht gleich Sherry

Seine Vielfalt macht den Sherry etwas kompliziert, aber umso spannender:

• Fino: Hell, trocken, leicht salzig, mit zarter Florhefenote. Ideal als Aperitif.
• Manzanilla: Ein besonders frischer Fino aus Sanlúcar de Barrameda, mit ausgeprägter maritimer Prägung.
• Amontillado: Beginnt als Fino, entwickelt später oxidative Aromen. Trocken, nussig, komplex.
• Oloroso: Kräftig, vollmundig, rein oxidativ gereift. Passt zu kräftigen Speisen.
• Palo Cortado: Selten, vereint die Eleganz eines Amontillado mit der Fülle eines Oloroso.
• Pedro Ximénez (PX): Süss, sirupartig, intensiv nach Trockenfrüchten. Grossartig zu Desserts oder für sich allein.

Perfektes Sherry Pairing

Kaum ein anderer Wein bietet so viele Einsatzmöglichkeiten wie Sherry. Fino und Manzanilla sind ideale Begleiter zu Meeresfrüchten oder Oliven. Amontillado harmoniert mit weissem Fleisch, Oloroso mit Schmorgerichten. PX wiederum verfeinert Vanilleeis oder dunkle Schokolade. Und in der Bar-Szene setzen Barkeeper Sherry als vielseitige Basis für kreative Cocktails ein.

Schon mal probiert? – Jan Martel über Sherry

«Sherry habe ich lange mehr verkostet als wirklich getrunken, bis ich eines Tages entdeckte, wie gut ein Fino zu Sushi passt. Seither gönne ich mir Sherry bewusst in besonderen Momenten: ein Glas Fino zum Sushi, ein eleganter Amontillado zur Zigarre oder ein süsser Pedro Ximénez als stimmiger Absacker im Urlaub. Nicht Degustation, sondern Genuss in Gesellschaft, so hat Sherry für mich seinen Platz gefunden.»

Martel Weinwelt - Sherry ist zurück!

Sherry ist zurück!

30 Jahre Martel Online-Shop

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2025

30 Jahre Online-Shop bei Martel. Ein Gespräch mit Geschäftsleiter Jan Martel über Pioniergeist, Wandel im Handel und die Verbindung von analogem Genuss mit digitaler Welt. 

«Beeindruckend, was aus einem Zufall entstanden ist»

Jan Martel, Martel war 1995 die erste Weinhandlung in Europa mit einem Webshop überhaupt. Wie kam es dazu?

Damals stand ich kurz vor Beginn meines Studiums. Mein heutiger Schwager arbeitete an einem Projekt an der HSG – er wollte einen Online-Shop konzipieren und suchte ein Unternehmen, das bereit war, mitzumachen. Zu dieser Zeit wusste niemand so recht, was das Internet überhaupt war. Aber wir waren neugierig. Kaum war der Shop aufgeschaltet, kam tatsächlich eine erste Bestellung – aus Norwegen. Wir haben das gefeiert. Damals war uns natürlich nicht klar, was aus der ganzen Online-Welt einmal werden würde. Wir sagten einfach: «Mal schauen, was passiert.»

 

Und es ist viel passiert. Heute, 30 Jahre später, ist E-Commerce nicht mehr wegzudenken. Wie hat sich der Online-Handel bei Martel entwickelt?

Was damals als Experiment begann, hat sich zu einem bedeutenden Bestandteil unseres Geschäfts entwickelt. Heute macht unser Online-Shop einen beträchtlichen Teil des Umsatzes aus – und er wächst weiterhin kontinuierlich. Anfangs haben wir jede Bestellung manuell abgewickelt. Die Bestellungen kamen per Webshop rein, wurden dann per Fax (!) ans Büro weitergeleitet. Später kam E-Mail dazu, dann irgendwann die Integration ins ERP-System. Heute ist das natürlich alles viel professioneller und automatisierter. Aber es bleibt Fleissarbeit – kontinuierliche Neuerungen, Anpassungen, Updates.

 

Wie hat sich das Interesse am Online-Shop über die Jahre verändert?

Früher waren es vor allem IT-affine Menschen, die einfach mal ausprobieren wollten, ob eine Bestellung wirklich funktioniert. Heute gewinnen wir rund 80 Prozent unserer Neukundschaft online – nicht über Laufkundschaft oder Passanten. Unsere Website ist viel mehr als ein Shop: Sie ist ein Ort für Inspiration und Weinbildung. Wir erzählen Geschichten, vermitteln Wissen, bieten Orientierung – wie ein kleines Wein-Wikipedia. Viele lassen sich digital inspirieren und besuchen uns dann auch physisch in unseren Ladengeschäften in Zürich und in St.Gallen. Das ist ein hybrides Einkaufserlebnis: analog und digital zugleich.

 

Wein ist ein sehr emotionales, sinnliches Produkt. Kann man dieses Erlebnis wirklich online vermitteln?

Wein bleibt extrem analog. Es geht um Haptik, Geschmack, Begegnung – darum, mit Menschen zusammen etwas zu erleben. Das wird ein Online-Shop nie ersetzen können. Aber er kann sehr wohl die Tür öffnen.

Martel Weinwelt - Jan Martels Empfehlungen

Digitale Tools helfen uns, mit Kundinnen und Kunden in Kontakt zu treten, sie zu inspirieren und ihnen den Zugang zur analogen Welt des Weins zu erleichtern – sei es über Degustationen, Kurse oder unsere Weinerlebnisorte.

 

Worin liegt die grösste Herausforderung beim digitalen Verkauf von Wein?

Wein ist kein Massenprodukt wie eine Schraube. Er ist von Emotionen geprägt und erzählt Geschichten. Dies online abzubilden, ist nicht einfach. Gleichzeitig wollen wir im Wettbewerb bestehen. Unser Shop muss modern, nutzerfreundlich und informativ sein. Aber entscheidend bleibt: Die Qualität des Weins steht an erster Stelle. Ein schöner Webshop allein reicht nicht.

 

Stichwort Zukunft: Welche digitalen Entwicklungen beschäftigen Sie aktuell?

Natürlich ist künstliche Intelligenz ein grosses Thema. Es gibt «AI-Sommeliers», die einen bei der Auswahl unterstützen. Wir wollen auch bei der Integration von KI wieder eine gute Rolle spielen. Auch das Metaverse ist ein Schlagwort – aber noch weit weg. Was zählt, ist, neugierig zu bleiben. Man darf nicht in der Vergangenheit verharren. Die Verbindung beider Welten ist der nächste logische Schritt: digital verbunden, analog inspiriert.

 

Zum Schluss: Was bleibt nach 30 Jahren digitalem Pioniergeist?

Die Erkenntnis, dass es sich lohnt, offen für Neues zu bleiben – und dass digitale Werkzeuge uns helfen können, mehr Menschen für die faszinierende Welt des Weins zu begeistern. Unsere Kundinnen und Kunden kaufen heute analog und digital, sie lassen sich online inspirieren und suchen vor Ort das Erlebnis. Der Kampf zwischen analog und digital ist vorbei – wir führen beides zusammen.

 

Dies und vieles mehr findet man im Martel Online-Shop

Schweizer Weingüter mit Heimvorteil

Martel Weinwelt - Schweizer Weingüter mit Heimvorteil

Die 4. Ausgabe des VINUM Weinführers Schweiz ist neu auf dem Markt. Das Werk erscheint alle drei Jahre und bietet einen aktuellen Überblick über die hochwertigen Schweizer Weine. VINUM zeichnet die 200 besten Weingüter aus, macht pro Weingut zwei Empfehlungen und kürt Sieger in verschiedenen Kategorien. Autor des Weinführers ist Thomas Vaterlaus. Wir trafen den langjährigen Chefredaktor von VINUM im Martel am Bellevue in Zürich.

Thomas Vaterlaus, Sie sagen: «Noch nie haben so viele Schweizer Winzer so gute Weine auf die Flasche gebracht wie heute». Wie war es um den Schweizer Wein bestellt, als Sie vor 30 Jahren zu VINUM stiessen?

Zu dieser Zeit war die Schweiz ein klares Weissweinland – und der Chasselas der König unter den Weinen. In der Deutschschweiz dominierte der Riesling-Silvaner.

 

Und wie schmeckte der Schweizer Wein Mitte der 90er-Jahre?

Es gab schon damals gute bis sehr gute Weine. Aber das waren Ausnahmen. Das Niveau insgesamt war wirklich viel schlechter als heute. Es dominierte das Mittelmass. Das Ziel der Winzerausbildung bestand vor allem darin, die damals noch häufigen Weinfehler zu vermeiden. Der Fokus der meisten Weingüter lag also nicht auf Terroirausdruck oder Eleganz, sondern darauf, ein sauberes und gesundes Lebensmittel zu produzieren.

 

Wie haben sie das geschafft?

Viel Sauberkeit im Keller, Maischeerwärmung, Stahltank anstelle von Holz, starke Filtration. Technisch einwandfrei. Aber die Weine haben dadurch viel von ihrem besonderen Ausdruck verloren.

 

Welches waren die rühmlichen Ausnahmen?

Hans Ulrich Kesselring vom Thurgauer Schlossgut Bachtobel war vorbildlich, ebenso Schwarzenbach Weinbau vom Zürichsee. Rouvinez bewies schon früh, dass man auch mit Assemblagen Ausserordentliches kreieren kann. Der Chasselas (Dézaley) Chemin de Fer Grand Cru des Maison Massy im Lavaux war für mich in jungen Jahren eine Offenbarung.

 

Und das Tessin?

Lange Zeit war der Merlot in der Südschweiz ein unbedeutender Grotto-Wein. Erst als Zuzüger aus der Deutschschweiz wie Werner Stucky oder Christian Zündel begannen, den Merlot nach Bordeaux-Manier auszubauen, wurde Qualität erreicht. Mit dieser «Neuen Deutschschweizer Welle» begann der Aufschwung der Tessiner Weine. Heute gelingen da nicht nur Merlot, sondern auch Cabernet Franc oder Neuzüchtungen wie Marselan vorzüglich.

 

Eine Erfolgsgeschichte der letzten Jahrzehnte ist auch die Bündner Herrschaft. Was haben die Verantwortlichen dort richtig gemacht?

Winzer wie Thomas Donatsch, Martha und Daniel Gantenbein oder Georg Fromm haben den Weg geebnet. Ihre Reisen in die grossen Weinbaugebiete der Welt öffneten den Horizont. Und sie wagten etwas: Donatsch zum Beispiel pflanzte unerschrocken den damals in Graubünden verbotenen Chardonnay an. Die junge Winzergeneration setzte auf Qualität statt Quantität, arbeitete mit den klassischen Methoden des Burgunds und schuf so immer bessere Weine. Das brachte eine ungeahnte Dynamik in die Bündner Szene. Auch die Preispolitik, zum Beispiel von Gantenbein, hat geholfen, das Prestige der Herrschaft zu steigern. Nur was etwas kostet, ist auch etwas wert. Natürlich trugen auch die natürlichen Voraussetzungen in der Bündner Herrschaft zum Erfolg bei. Erstklassige Lagen, gute Böden – und dank dem Föhn ein super Klima. Heute ist es in der Herrschaft vielleicht schon etwas zu warm.

 

Wie beurteilen Sie den St. Galler Wein?

Die Betriebe stehen im Schatten der Bündner Herrschaft. Die Wahrnehmung ist geringer. Dabei sind die St.Galler Steillagen eigentlich spektakulärer. Und es gibt auch St.Galler Vorzeigeweine die gesamtschweizerisch top sind. Aber es gibt sicher noch viel Potenzial.

 

Martel Weinwelt - Schweizer Weingüter mit Heimvorteil

Sie schauen von Zürich aus auf die Schweiz. Kommt da die Westschweiz nicht zu kurz?

Im VINUM Weinguide Schweiz versuche ich, jedem Kanton gerecht zu werden. Wir wählen die 200 wichtigsten Weinbaubetriebe des Landes aus. Es ist klar, dass die grössten Weinbaukantone Wallis und Waadt auch die meisten Güter im Buch stellen. Von der Deutschschweiz aus gesehen nehmen wir manchmal nur verzögert war, dass auch dort Ausserordentliches geleistet wird. In Proportion zur Rebfläche ist aber doch die Deutschschweiz etwas stärker vertreten als die anderen Landesteile.

 

Was zeichnet die besten Winzerinnen und Winzer aus, gibt es einen gemeinsamen Nenner?

Spitzenproduzentinnen und -produzenten sind sicher Individualisten, sie gehen ihren Weg, lassen sich nicht von Moden oder dem Zeitgeist beirren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Walliserin Marie-Thérèse Chappaz. Ich behaupte: Je besser das Weingut, desto weniger wird auf Marktgeschichten Rücksicht genommen. Verlangt der Markt mehr Farbe oder mehr Restsüsse? Spitzenbetriebe ignorieren das und ziehen konsequent ihr Ding durch.

 

Die besten Schweizer Weingüter kennen keine Absatzprobleme. Im Gegenteil: Sie sind immer ausverkauft. Was bedeutet das?

Grundsätzlich ist das erfreulich. Allerdings stelle ich fest, dass einige Winzerinnen und Winzer in ihrem Erfolg etwas vernachlässigen, auf modernen Kanälen sichtbar zu werden oder zu bleiben. Das kann gefährlich sein.

 

Eine grosse Herausforderung für die Winzerinnen und Winzer weltweit stellt der Klimawandel dar. Was bedeutet er für die Schweiz?

Generell profitieren die Schweizer Weinbaubetriebe. Wegen der Berge können wir in höhere Lagen ausweichen – ein Privileg. Allerdings ist dafür eine politische Liberalisierung nötig, damit die Weinbauern auch weiter oben anpflanzen dürfen. Sicher nehmen mit dem Klimawandel auch die pilzwiderstandsfähigen Sorten zu. Diese sind in Regenphasen nicht nur fäulnisresistenter, sondern bewahren in Hitzesommern auch die Säure besser. Und umweltschonender sind sie sowieso, da weniger Behandlungen nötig sind.

 

Sie sind also zuversichtlich für den Schweizer Wein in den nächsten 30 Jahren?

Ja, es macht wirklich Freude zu sehen, wie sich Vieles zum Positiven verändert hat und noch verändern wird. 20 Prozent der schweizerischen Rebfläche werden heute schon kontrolliert biologisch bewirtschaftet, damit beweisen die Schweizer Winzerinnen und Winzer, dass sie zum Handeln fähig sind. Und sie haben auf dem Schweizer Markt etwas, was anderen fehlt: einen klaren Heimvorteil. Diesen gilt es zu nutzen.

Eine Auswahl unserer Winzer - alle von Vinum ausgezeichnet

«Burgund ist wie ein Virus – einmal infiziert, gibt es kein Zurück mehr.»

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2025

Martel und Burgund – das ist eine lange und schöne Geschichte. Unzählige Besuche und Erlebnisse verbinden Martel mit dieser einzigartigen Weinregion Frankreichs. Wir fühlen uns dem Burgund, seinen Menschen und der burgundischen Lebensart tief verbunden. Martel-Einkäufer Benjamin Wolf steht in engem Kontakt mit den burgundischen Winzerinnen und Winzern. Unser Geschäftsführer Jan Martel kennt die Weinregion seit Jahrzehnten. Zwei Burgunder-Fans im Gespräch:

Martel Tischgespräch

Ist Burgund einfach oder kompliziert?

Benjamin: Es ist kompliziert! (lacht) Auf der einen Seite ist Burgund tatsächlich sehr einfach. Die Qualitätsstufen sind nachvollziehbar und es gibt nur wenige Rebsorten: Chardonnay und Aligoté bei den Weissweinen, Pinot Noir und Gamay bei den Rotweinen. Je weiter man ins Burgund vordringt, desto komplexer wird es. Die verschiedenen Terroirs machen den Reiz aus.

Jan: Für mich ist Burgund einfach grossartig. Geografisch ist das Gebiet ja recht überschaubar. Der Teufel steckt im Detail. Die kleinen Veränderungen von Dorf zu Dorf und von Parzelle zu Parzelle sorgen für den Unterschied. Dazu kommt der individuelle Stil der einzelnen Winzerinnen und Winzer. All das macht auch den Zauber des Burgunds aus. Die Weinregion ist so vielfältig! Deshalb ist es auch schwierig, von einem «burgundischen Stil» zu sprechen.

 

Benjamin, was macht für dich den Zauber des Burgunds aus?

Benjamin: Der wichtigste Grund liegt sicher in der hohen Qualität der Weine. Man versucht ständig, das Geheimnis einzufangen, aber das gelingt nie ganz. Das macht die Faszination dieser Weine aus. Die Weinberge sind unmittelbar spürbar. Manchmal sind es nur wenige Meter im Rebberg, die alles verändern. Es ist ein Erlebnis.

 

Wann und wie seid ihr mit dem Burgund in Berührung gekommen?

Jan: Nachdem ich zunächst kräftige Weine aus aller Welt bevorzugt hatte, entdeckte ich durch einen längeren Aufenthalt in Vosne-Romanée das Burgund für mich. Diese Begegnung war prägend: Ich hatte das Glück, in einem Spitzenweingut sowohl im Weinberg als auch im Keller arbeiten zu können. Dabei lernte ich die einzigartigen Qualitäten dieser Weine kennen: Eleganz, Klasse, strahlende Weine. Seitdem hat mich der Burgunder-Virus nicht mehr losgelassen. Zum Leidwesen meines Portemonnaies, aber zum Glück meines Herzens und meiner Seele.

Benjamin: Da ich in der Toskana aufgewachsen bin, hatte ich in meinen Weintrinker-Anfängen wenig Bezug zu Frankreich und Burgund. Erst als Sommelier in England tastete ich mich langsam an die Welt des Burgunds heran. Zuerst mit Gamay-Weinen aus dem Beaujolais, später kam ich mit den grossen Chardonnays und Pinots in Berührung – und war hin und weg. In meiner Ausbildung zum Master Sommelier war Burgund dann natürlich ein wichtiges Thema.

 

Viele Weinliebhaber denken bei Burgund an Pinot Noir und Chardonnay der Spitzenklasse – mit entsprechend hohen Preisen. Stimmt das?

Benjamin: Die Preise im Burgund sind im Vergleich zu anderen Weinregionen tatsächlich hoch bis sehr hoch. Aber man muss auch sagen: Nicht jeder gute Burgunder ist teuer. Wir haben einige Beispiele im Sortiment, die das beweisen.

Jan: Glück und Enttäuschung liegen im Burgund oft nah beieinander. Kaum eine andere Weinregion vereint so viele Extreme – von enttäuschenden Erlebnissen bis hin zu Weinen, die himmlisch anmuten. Hier trifft ein begrenztes Angebot auf höchste Qualität und enorme Erwartungen. Gleichzeitig sorgen grosse Schwankungen zwischen Lagen, Jahrgängen und Winzern für eine zusätzliche Herausforderung. Um Enttäuschungen zu vermeiden und das Beste aus dieser faszinierenden Region herauszuholen, ist eine fachkundige Beratung fast unerlässlich – damit nicht zu viel Geld für zu wenig Wein ausgegeben wird.

 

Wie findet man im Burgund Weine mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis?

Benjamin: In weniger bekannten Weindörfern stehen die Chancen gut, echte Entdeckungen zu machen.

Jan: Um solche Weine im Burgund zu finden, braucht man Geduld, Wissen und ein bisschen Abenteuerlust. Ergänzend zu Benjamins Tipp lohnt es sich, einen Blick auf die «Basisweine» der renommierten Winzerinnen und Winzer zu werfen. Diese sind meist erschwinglich, tragen die Handschrift eines Könners und machen auch in jungen Jahren viel Freude.

 

Was sind die Gründe für die hohen Preise?

Jan: Als ich ins Weingeschäft eingestiegen bin, haben wir bei Martel bereits mit Weinen der Domaine de la Romanée-Conti gehandelt und diese an Degustationen gratis zum Probieren angeboten. Das war eine ganz andere Zeit. Inzwischen sind die Preise stark gestiegen, denn die Nachfrage nach Spitzenweinen aus dem Burgund wächst stetig, während das Angebot wegen der kleinen Parzellen und der begrenzten Erträge sehr knapp bleibt. Hinzu kommen die hohen Ansprüche an Qualität und Exklusivität, der Kultstatus renommierter Weingüter sowie klimatische und jahrgangsbedingte Schwankungen, die das Angebot zusätzlich einschränken.

Martel Weinwelt - «Burgund ist wie ein Virus – einmal infiziert, gibt es kein Zurück mehr.»

Benjamin: Neben Angebot und Nachfrage ist sicherlich der Bodenpreis ein wichtiger Faktor für die Verteuerung der Weine. Rebflächen in guten und besten Lagen sind heute kaum mehr bezahlbar. Kleine Betriebe können nicht mehr wachsen.

Jan: Wichtige Gründe dafür: Das Erbrecht in Frankreich – das noch auf Napoleon zurückgeht – sieht vor, dass das Vermögen der Eltern gleichmässig unter den Kindern aufgeteilt wird. Das führt zu einer Zersplitterung der Güter oder dazu, dass sich familieninterne Nachfolger unter Umständen extrem verschulden müssen, um ihre Geschwister auszuzahlen. Hinzu kommt, dass die Erbschaftssteuer in Frankreich mit fast 50 % enorm hoch und für die Familien kaum tragbar ist.

 

Was macht das mit den Familienbetrieben? 

Jan: Oftmals ist der Verkauf an einen Luxusgüterkonzern oder ausländische Investoren die einzige Lösung. Frankreich veräussert so seine über Jahrhunderte aufgebaute Kultur. Jammerschade.

 

Steigen die Preise weiter im Burgund?

Benjamin: Eine Glaskugel habe ich leider nicht. Kurzfristig wird es wohl keine grosse Entspannung geben. Allerdings hatte ich bei meinem letzten Besuch im Burgund den Eindruck, dass sich die Preise immerhin stabilisieren – zumindest im Moment.

Jan: Die Preise im Burgund werden für Spitzenweine wahrscheinlich hoch bleiben. Das liegt an der weltweit hohen Nachfrage bei gleichzeitig begrenztem Angebot und extrem kleinen Produktionsmengen – oft gibt es von einem Wein nur wenige tausend Flaschen pro Jahr. Wenn überhaupt. Damit ist das Burgund im Vergleich zu anderen Regionen einzigartig. Klimatische Herausforderungen wie Frost oder Hagel und die wachsende Zahl von Sammlern und Investoren verstärken diesen Trend. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

 

Einmal Burgund, immer Burgund: Trifft das auf euch zu?

Jan: Auf jeden Fall! Burgund ist wie ein Virus – einmal infiziert, gibt es kein Zurück mehr. Die Eleganz und der Ausdruck dieser Weine lassen einen nicht mehr los. Und selbst wenn man mal etwas anderes probiert, landet man früher oder später wieder im Burgund. Das ist einfach eine lebenslange Leidenschaft.

Benjamin: Irgendwann kommt jeder Weintrinker zum Burgund. In jungen Jahren vielleicht noch nicht, weil die Stilistik nicht gefällt oder das nötige Kleingeld fehlt. Später aber kann sich kaum jemand der Faszination entziehen. Burgunder gehören eindeutig zu den emotionalsten Weinen der Welt. Je mehr ich mich mit Wein beschäftigte, desto enger wurde die Verbindung zum Burgund.

 

Was fasziniert dich ausser des Weines am Burgund?

Benjamin: Das Leben in der Region und die bäuerliche Mentalität der Menschen. Der Reiz der Landschaft zu den verschiedenen Jahreszeiten. Bei meinem letzten Besuch waren die Weinberge tief verschneit. Berührend. Ich mag auch die ehrliche Küche. Etwas rustikal, aber sehr schmackhaft.

Jan: Das Engagement der Climats du vignoble de Bourgogne fasziniert mich sehr. Dadurch wurden die ummauerten Weinbergsparzellen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Als Grands Mécènes Fondateurs unterstützen wir die Initiative zum Erhalt dieses Erbes seit vielen Jahren. Und natürlich ist das Essen in Burgund ein Highlight: Ein Besuch der Region ohne «jambon persillé» und «oeufs en meurette» ist wie eine Reise nach Paris, ohne den Eiffelturm zu sehen.

 

Was wünscht ihr euch für das Burgund?

Benjamin: Ich wünsche mir, dass diese einzigartige Region so bleibt, wie sie ist. Burgunder zu trinken ist ein echtes Privileg und für mich der Inbegriff von Weinkultur.

Jan: Das Burgund soll seine Tradition bewahren und gleichzeitig nachhaltige Innovationen fördern, um die einzigartigen Lagen zu schützen. Das wünsche ich mir – auch für die kommenden Generationen.

Hochzeitswein: Liebe geht auch durchs Weinglas

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2025

In den letzten Monaten haben gleich drei Mitglieder des Martel-Teams Hochzeit gefeiert. Stefan Scheuermann in der Bündner Herrschaft, Jonas Gmünder in Appenzell (Bild oben mit dem Martel-Team) und Marion Le Cras in ihrer alten Heimat, der Bretagne. Klar, dass bei den Martel-Mitarbeitenden neben der Liebe auch der Wein gefeiert wurde. Von den Frischvermählten erfahren wir, worauf es bei der Wahl des Hochzeitsweins ankommt.

Für Marion, die ihre Hochzeit in einem gemieteten Château an der bretonischen Küste (Bild rechts) feierte, ist klar: «Es muss auf jeden Fall genug Wein da sein». Bei einem lokalen Weinhändler bestellten sie die Weine in Konsignation – und entsprechend viel davon. Was übrig blieb, konnten sie zurückgeben. Bei der Auswahl war sich das Brautpaar in einem zentralen Punkt sofort einig: «Da wir neben Freunden und Familie auch ältere Verwandte unter den Gästen begrüssten, setzen wir auf Weine, die bei allen gut ankommen.» Diesen Gedanken teilten Jonas und Stefan bei der Weinauswahl für ihre Hochzeitsfeiern. «Unser Hochzeitswein sollte ein breites Publikum ansprechen», sagt Jonas. Stefan sieht das ähnlich: «Wir haben uns in die Lage der Gäste versetzt und wollten Weine, die allen schmecken.»

Martel Weinwelt - Hochzeitswein: Liebe geht auch durchs Weinglas

Weisswein, der nicht polarisiert

«Da wir in der Bündner Herrschaft heirateten, stand für uns fest, dass der Weisswein aus der Region stammen soll», fährt Stefan fort. «Wir wählten einen Riesling-Silvaner, da uns das Fruchtbetonte und Spritzige dieses Weins gefiel. Zur Vorspeise am Abend reichten wir Pinot Blanc von Fromm.» Beim Appenzeller Hochzeitsfest entschied sich das Brautpaar für einen deutschen Riesling von Dreissigacker zum Apéro und den Sauvignon Blanc Ried Klausen von Neumeister aus der Steiermark zur Begleitung der Vorspeisen am Abend. «Ein hochwertiger, belebender Wein, der dank des Ausbaus im Fass auch viel Struktur zeigt», erklärt Bräutigam Jonas den Entscheid. Beim Fest in Frankreich wurde zum Apéro und zum Essen Weisswein offeriert.

Cheers! Weissweine fürs Hochzeitsfest

Champagner-Pyramide als Ausdruck des Glücks

«Beim Schaumwein war für uns von Anfang an klar, dass es Champagner sein muss», erinnert sich Jonas. Die Wahl fiel auf die 1er Cuvée von Bruno Paillard wegen des klaren Stils und der frischen, eleganten Struktur. Jonas stellte an der Hochzeit fest: «Jeder liebt Champagner.» Gleiches gilt für Stefans Party in Graubünden. «Wir haben die Cuvée 72 von Bruno Paillard ausgeschenkt. Die Leute geniessen gerne echten Champagner und schätzen das sehr». Bester französischer Schaumwein als Highlight – das war auch bei Marions Fest der Fall – und zwar in einer ganz besonderen Form. Ihre Hochzeit wurde von einer Champagnerpyramide gekrönt.

Martel Weinwelt - Hochzeitswein: Liebe geht auch durchs Weinglas

Lasst die Korken knallen!

Eine wohlüberlegte Entscheidung

Die Wahl des Hochzeitsweins war für alle drei Paare ein wichtiges Thema. «Vor allem für mich als Weinberater», sagt Jonas. Er und Petra begannen ein halbes Jahr vor dem Fest mit der Auswahl. Marion und Nicolas konnten die definitive Auswahl erst kurz vor dem Fest in Frankreich treffen. Einige Vorgaben waren jedoch gesetzt: «Mir war wichtig, dass die Weine biologisch sind und aus Frankreich kommen». Und Stefan erzählt, dass er und seine Verlobte Anna schon Monate vor ihrem gemeinsamen grossen Tag das Martel-Sortiment durchprobiert haben, um den richtigen Hochzeitswein zu finden.

 

Viele Komplimente als Dankeschön

Unsere Martel-Hochzeitspaare sind mit der Auswahl ihrer Weine zufrieden, auch bei den Roten. Im Bündnerland wurde ein lokaler Pinot Noir Carschluns vom Schloss Salenegg getrunken, als Alternative diente eine Merlot-Sangiovese-Cuvée aus der Toskana. An der Appenzeller Hochzeit kam der Barbera Nizza von Oddero sehr gut an – ergänzt durch ein Weinbuffet. Ein solches gab es auch in Frankreich am grossen Fest von Marion und Nicolas. Zur Freude aller.

Rotweine für Verliebte

Gelungene Hochzeitsfeiern

Auf dem Schloss in der Bretagne, in den Restaurants der Bündner Herrschaft und im Appenzellerland wurde ausgiebig gefeiert. Am Schluss waren alle glücklich, auch mit der Auswahl der Weine. «Ich würde es wieder genauso machen», sagt Marion. «Wir haben viele Komplimente für die Weine bekommen», freut sich Jonas und Stefan sagt: «Die Gäste haben gespürt, dass uns diese Weine am Herzen liegen und wir damit auch unsere Liebe gezeigt haben».

Auf der Suche nach dem perfekten Hochzeitswein?

Wir von Martel bieten gerne eine Spezialberatung für Hochzeitsweine an.  Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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Martel Weinwelt - Hochzeitswein: Liebe geht auch durchs Weinglas

Schweizer Weinhandel 2025 Ausblick & Trends

Martel Weinwelt - Jan Martels Empfehlungen

Der Schweizer Weinhandel steht vor einem spannenden Jahr. Die neuen Importzahlen zeigen: 2024 wurde mehr Weisswein in die Schweiz importiert, dafür weniger Rotwein. Der Markt ist in Bewegung: Alkoholfreie Weine sowie alkoholfreie Weinalternativen auf Fruchtsaft- oder Teebasis sind ein Thema. Jan Martel, Geschäftsführer der schweizweit tätigen Weinhandlung Martel, über Risiken und Chancen des Weinhandels im Jahr 2025. 

«Der Trend ist klar: weniger Wein, dafür besseren»

Jan Martel, Weisswein wird immer beliebter. Die Importzahlen steigen. Aus welchen Gründen?

Ausgelöst hat diesen Trend wohl die Gastronomie, die bei der Weinbegleitung stark auf Weiss- und Schaumweine setzt. Die Nachfrage nach Weisswein aus aller Welt und nach Prosecco, Franciacorta, Champagner und Co. wächst seit Jahren. Natürlich spielen auch Megatrends eine Rolle. Die Menschen achten mehr auf ihre Gesundheit und essen leichter, fleischärmer und zum Teil auch exotischer. Dazu passen Weine aus weissen Traubensorten oft besser. Zum gesunden Lebensstil gehört auch, dass Weisswein in der Regel weniger Alkohol enthält als Rotwein. Und woran wir auch denken müssen: Viele junge Weintrinkerinnen und -trinker beginnen mit Weisswein.

 

Gleichzeitig geht die Entwicklung beim Rotwein in die andere Richtung, nämlich zurück. Liegt das am beliebten Weisswein?

Sicher auch, aber nicht nur. Ein Hauptgrund: Seit Jahrzehnten wird generell weniger Alkohol getrunken. Rotwein wird vor allem im Billig- und Niedrigpreissegment nicht mehr in den Mengen wie früher gekauft und konsumiert. Im Bereich der hochwertigen Rotweine, in dem wir tätig sind, bleibt der Absatz stabil.

 

Wo spüren Sie konkret Veränderungen in Ihrer Weinhandlung?

Natürlich spüren auch wir den Weissweinboom. Drei der fünf meistverkauften Weine 2024 waren aus weissen Trauben. Was wir auf jeden Fall feststellen: Die Leute wählen gezielter aus. Sie kaufen lieber weniger, dafür aber Besseres. In Bezug auf Qualität und Nachhaltigkeit. Was den Premiumbereich betrifft: A-Raritäten sind nach wie vor gefragt. Bei den B-Raritäten und im mittleren Preissegment ist die Nachfrage zum Teil rückläufig.

 

Wie ist die aktuelle Stimmung in der Weinbranche?

In der Schweiz im gehobenen Weinhandel vorsichtig positiv, im Discountbereich wohl eher besorgt. Wir sprachen bereits darüber: Massenweine sind nicht mehr so gefragt. Bei vielen meiner Weinhändlerkolleginnen und -Kollegen im Ausland ist die Stimmung gedrückt. Aus Deutschland, Frankreich und Italien höre ich, dass die Menschen aus wirtschaftlichen Gründen beim Wein sparen.

 

Und wie geht es den Winzerinnen und Winzern?

Hier ist der Druck spürbar, qualitativ über dem Durchschnitt zu produzieren. Das tun unsere Weingüter ohnehin. Natürlich hat das auch mit der neuen, jungen, erstklassig geschulten und weitgereisten Winzergeneration zu tun, die bessere Weine macht als je zuvor. Nachhaltig und terroirtypisch.

 

Welchen Stellenwert hat die Schweiz im weltweiten Weinbusiness?

Im Massengeschäft ist die Schweiz als Markt unbedeutend. Da wir eine hohe Kaufkraft haben, sind wir im Premium- und Ultrapremiumbereich allerdings wichtig, besonders bezüglich des Wertes der gekauften Weine. Die Produzenten schätzen unsere Verlässlichkeit. Gerade jetzt, wo hohe Zölle auf Weinexporte in die USA drohen. Übrigens wächst das Interesse an Schweizer Wein im Ausland. Die Exporte nehmen zu.

 

Wie wichtig sind Gastronomie und Tourismus für die Weinwirtschaft?

Aktuell erleben wir, dass der Wintertourismus in der Schweiz boomt. Damit verbunden ist ein hoher Weinkonsum. Die Leute übernachten in Hotels und gönnen sich einen unbeschwerten Genuss. Auch ist wie erwähnt die Gastronomie ein Impulsgeber für Weintrends. Im Restaurant und in der Pop-up-Beiz lernt man Neues kennen: angesagte Weinregionen oder alkoholfreie Alternativen. Erfreulich ist, dass die grossen Weinklassiker besser wahrgenommen und geschätzt werden.

Martel Weinwelt - Martel am Bellevue Zürich

Was halten Sie von Low- and No-Alkohol-Weinen, Wein-Alternativen auf Fruchtsaftbasis und so weiter?

Ich stehe den Weinalternativen positiv gegenüber, bin aber hinsichtlich des Geschmacks kritisch. Bei entalkoholisierten Schaumweinen und Weissweinen gibt es bereits positive Ergebnisse. Ich mag auch Alternativen mit Fruchtsaft oder Tee. Hochstehende Alternativen zu Wein bieten wir mit Überzeugung an. Auch hier geben wir Sicherheit: Diese alkoholfreien Getränke schmecken gut und sind hochwertig. Die Rotweinalternativen sind allerdings noch nicht auf dem Niveau, das wir suchen. Grundsätzlich sehe ich die alkoholfreien Alternativen als eine neue Produktkategorie des Geschmackserlebnisses. Nicht als Konkurrenz zum Wein. Sondern als Ergänzung.

 

Woher kommt dieser Entwicklung zu No-Alkohol-Alternativen?

Momentan wird viel darüber gesprochen und geschrieben. Auch im Zusammenhang mit dem Dry January war die Neugier für neue Produktkategorien gross. Ob sich dieser Trend durchsetzt, werden wir sehen. Beim alkoholfreien Bier dauerte es viele Jahre, bis es sich durchsetzen konnte. Grundsätzlich leben die Menschen heute bewusster, gesünder. Sie suchen nach Qualität. Das ist gut für uns. Ich bin überzeugt, dass eine alkoholfreie Alternative zum Essen gerade für junge Leute ein guter Einstieg in die Welt des guten Essens und Trinkens sein kann. Darum geht es uns schliesslich. Wir verstehen uns als Vermittler von Weinkultur.

 

Wie erreichen Sie junge Menschen?

Wir sind nah dran und bieten viele Möglichkeiten, mit gutem Wein in Kontakt zu kommen und die Unterschiede zu erleben. Bei unseren Verkostungen sind immer viele junge Leute dabei. Wir begegnen uns auf Augenhöhe und nehmen uns Zeit für Fragen. Die jungen Weintrinkerinnen und Weintrinker sind neugierig, das gefällt mir. Mit vertiefenden Angeboten erreichen und begeistern wir viel junges Publikum.

 

Wie entwickelt sich der Weinhandel digital?

Seit über 10 Jahren nimmt Online-Handel zu. Dies auch auf Kosten der klassischen Verkaufskanäle, also dem Ladengeschäft mit Beratung. Wir sind der Meinung: Es braucht beide Kanäle. Im Fokus stehen bei uns Information, Transparenz und unabhängige Beratung. Wir wollen, dass die Leute sicher sind, bei uns das Richtige zu kaufen – egal, ob sie dies nun online oder physisch im Weinshop machen. Zudem bieten wir viele Informationen und Tipps in Blogartikeln oder mit eigenen Wein- und Jahrgangsbeschreibungen. Unsere Weinläden entwickeln sich ein Stück weit weg vom reinen Verkaufspunkt und bieten mehr Wein- und Genusserlebnisse. Wir nennen sie Weinbegegnungsorte. Diese ergänzen das Onlineangebot perfekt.

 

Vor welchen Veränderungen steht der Weinhandel in diesem Jahr?

Eine grosse Herausforderung ist die geopolitische Entwicklung, verbunden mit Ängsten und einem möglichen wirtschaftlichen Abschwung. Auch die zunehmende Regulierung macht mir Sorgen – und die Tendenz, vieles nur schwarz oder weiss zu sehen. Für mich ist klar: Alkohol – moderat genossen – ist kein Gift, sondern Teil unserer Kultur. Ein Leben ohne Genuss und Geselligkeit bei einem guten Glas wäre doch ein Jammer.

Jan Martel über weitere Trends 2025

Weiss- und Schaumwein: Angesagt dank Gastronomie
Qualität: 
Tieferer Konsum, weniger Alkohol – dafür besser
Nachhaltigkeit: CO2-Abdruck reduzieren, Leichtflaschen, etc.
Bio: Schweiz macht richtig vorwärts. Fast jeder 5. Betrieb ist bio.

Cheers! Mit alkoholfreien Alternativen gut durch den Dry January

Martel Weinwelt - Cheers! Mit alkoholfreien Alternativen gut durch den Dry January

Trinkgenuss ohne Promille, das ist für viele Weinfans besonders im Januar ein Thema. Wir von Martel sind offen dafür – aber nur, wenn die Qualität unseren hohen Ansprüchen genügt. Wir empfehlen die Alternativen von Saveur, Mayer am Pfarrplatz und Schloss Vaux. Damit bieten wir auch im Bereich der alkoholfreien Drinks Sicherheit und Orientierung.

Was als Tüftelei eines Weinsommeliers in seiner privaten Küche begann, wird in kurzer Zeit zum Erfolg. Niklas in’t Veld präsentiert mit seinen hochwertigen alkoholfreien Saveur-Getränken im Frühling 2024 das perfekte Produkt zum richtigen Zeitpunkt. Die Expertin des Schweizer Genussmagazins marmite jubelt nach der Verkostung: «Der Saveur-Drink mit Aprikose und marokkanischer Salzzitrone hat alles, was es braucht, um mich zu einem «No Alc» zu bekehren. Er enthält so gut wie keinen Zucker, entkoffeinierter Schwarztee (mein Schlaf dankt es mir!) sorgt für die Gerbstoffe und die Salzzitrone für die Säure und die fermentierte Note».

 

«Alkoholfrei» neu denken

Saveur zeigt, wie man mit hochwertigen Essenzen, Tees und Fruchtsäften alkoholfreie Getränke mit Finesse und Komplexität kreieren kann. Die Basis für alkoholfreie Weinalternativen muss also nicht immer die Traube sein. Saveur ist daher ein gutes Beispiel dafür, dass sich in der Welt der Alternativen derzeit viel tut. Beim Bier funktioniert es schon lange: Alkoholfreie Biere sind etabliert und geschmacklich kein fauler Kompromiss. Beim alkoholfreien oder alkoholarmen Wein steht die Entwicklung noch am Anfang. Wir von Martel sind noch auf der Suche nach einem Rotwein ohne Alkohol, der unseren Ansprüchen genügt. Bei alkoholfreiem Weisswein und Schaumwein wurden wir fündig und führen diese mit Überzeugung im Sortiment.

 

Hochwertige Weissweinalternative

«Ein Getränk braucht Seele», sagt Martel Geschäftsführer Jan Martel. Er ist überzeugt: «Unsere Alkoholfreien erzählen eine Geschichte und sind hochwertig.» Auch beim promillefreien Wein gilt, dass Qualität nur aus erstklassigem Traubengut entsteht. Unsere Erfahrung zeigt: Besonders aromatische Weissweinsorten eignen sich für die Entalkoholisierung. Dazu gehört der Riesling. So hat uns der Riesling alkoholfrei des etablierten Wiener Weinproduzenten Mayer am Pfarrplatz überzeugt. Für uns der beste fast alkoholfreie Wein (<0,5 %), den wir nach ausgiebigen Verkostungen gefunden haben. Dank eines hochmodernen Verfahrens zur Entfernung des Alkohols bleibt die typische Riesling-Aromatik, die wir so lieben, erhalten. Am Gaumen setzt sich diese Typizität mit einer lebendigen Frische fort.

 

Spass mit Schaumwein ohne Alkohol

Gerade bei alkoholfreien Alternativen ist Frische sehr willkommen. Kohlensäure unterstützt dies zusätzlich. Das Träublein der deutschen Sektmanufaktur Vaux ist ein schäumendes Biogetränk zwischen den Welten. Perlend, jedoch kein Schaumwein. Rosé-Feeling ohne Alkohol. Produziert mit Traubensaft, Johannisbeersaft und Gerstenmalz (glutenfrei). In der Nase zeigt das Getränk malzige und fruchtige Noten. Aromen von Cassis und Trauben. Ein prickelndes Erlebnis, das von der Rheingauer Sektmanufaktur Schloss Vaux gemeinsam mit einer Brauerei hergestellt wird.

 

Mit und ohne in die Zukunft

Die Verkaufszahlen alkoholfreier Weinalternativen steigen. Heute liegt ihr Anteil bei 1 Prozent, in einigen Jahren – so die Expertenprognosen – soll er 5 Prozent betragen. Mit alkoholfreien Getränken bleibt man nüchtern und spart Kalorien. Mögliche geschmackliche Defizite und der hohe Energieaufwand für die Entalkoholisierung sind Kritikpunkte. Wir von Martel sind für ein Sowohl-als-auch. Jedes Getränk zu seiner Zeit. Mal Champagner, mal Träublein. Mal scheint ein Saveur-Drink richtig, zu einem anderen Anlass oder Zeitpunkt soll es ein guter Rotwein sein. Hauptsache, die Qualität stimmt und das Trinken bereitet Freude. Nicht nur im Dry January oder Sober October.

Alkoholfreie Alternativen

Alles nur Etikette?

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2025

Zum Thema Etiketten gibt es fast so viele Meinungen wie es Etiketten selbst gibt. Der eine mag sie, der andere nicht. Für die einen steht zu wenig auf der Weinetikette, für die anderen zu viel. Wenig umstritten sind die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben. Es allen recht zu machen, ist eine Kunst, die keine Etikette kann.

Gestaltung und Inhalt

Ohne Etikette wäre ein Wein wie der andere. Die Etikette macht die Unterschiede sichtbar. Sie nennt den Namen des Weins, zeigt, woher er kommt und informiert über Vieles mehr.  Neben den Pflichtangaben und den freiwilligen Zusatzinformationen (siehe unten) sind vor allem der inhaltliche Fokus und die Gestaltung entscheidend. In Bordeaux zum Beispiel steht das Weingut im Mittelpunkt: wichtig ist der Name des Châteaux, das den Wein produziert. Anders im Burgund. Dort dreht sich alles um die Herkunft. Das Weindorf oder die genaue Lage des Weinbergs – des Crus – stehen in grossen Lettern auf der Etikette.

Etiketten sind wie der Wein: Geschmackssache

An der Gestaltung von Weinetiketten scheiden sich die Geister. Zurückhaltende, stille Etiketten finden ebenso ihre Liebhaber wie laute, auffällige. Selbst bei den Weinprofis von Martel sind die Geschmäcker verschieden.

Ikonische Weinetiketten

Der erste Eindruck zählt

Im Martel-Sortiment finden sich unterschiedlichste Etiketten. Viele davon mit hohem Wiedererkennungswert. Zum Beispiel die ultratraditionellen Etiketten von Maximin Grünhaus aus Deutschland oder sehr moderne, reduzierte Etiketten wie die des spanischen Weinproduzenten Edetària. Klares Design kommt gemäss dem Martel-Weinberater Bernd Vogel gut an: «Je weniger, je besser. Dies, weil die Kundinnen und Kunden ein schlichtes Design mit hochwertig verbinden. Weniger gut laufen kindliche Etiketten, etwa mit Comicfiguren oder Zeichnungen drauf.» Bernd schätzt persönlich Etiketten, die nicht ablenken und verwirren. Und gleichzeitig mag er auch ausgesprochen klassische Varianten. «Zum Beispiel vom extrem traditionellen Rioja-Weingut López de Heredia Viña Tondonia.» Die verschnörkelte Etikette stört ihn hier nicht. Im Gegenteil: «Das wirkt extrem authentisch». Beim Tondonia-Reserva kommt die Ausstattung mit dem Drahtgitter hinzu. «Dieses verhinderte früher Fälschungen und passt bis heute perfekt», sagt Bernd.

Martel Weinwelt - Alles nur Etikette?

 

 

Zeitlose Etiketten

Pflichtangaben auf Qualitätswein-Etiketten

  • Name des Weins oder des Weinguts (Erzeuger/Kellerei/Händler)
  • Geografische Herkunft (Land/Region/AOC)
  • Alkoholgehalt (Angabe in Volumenprozent)
  • Warenlosnummer (zur Rückverfolgbarkeit der Abfüllung)
  • Inhaltsmenge
  • Hinweis auf Zutaten (z.B. Sulfite)

Ergänzende Angaben (neu vermehrt als QR-Code) 

  • Farbe
  • Jahrgang (mind. 85% der Trauben stammen aus besagtem Jahr)
  • Rebsorten (mind. 85% der Trauben sind von der angegebenen Sorte)
  • Hinweis auf Restzuckergehalt (z.B. trocken, halbrocken, süss)
  • Angaben zur Fassreife (z.B. Barrique)
  • Phantasienamen sind erlaubt, dürfen jedoch nicht täuschen

Schlicht

Etikettenkauf: Frauen geben's zu

Eine Masterarbeit der Universität St.Gallen, die das Kaufverhalten von Frauen auf dem Weinmarkt untersucht hat, zeigt, dass sowohl Männer als auch Frauen Wein «nach Etikett» kaufen: Generell haben Frauen – im Gegensatz zu vielen Männern – aber kein Problem damit, dies zuzugeben, kommt die Studie zum Schluss. Als Grund dafür wird angegeben, dass Frauen beim Weinkauf emotionaler vorgehen. Sie sind sich bewusst, dass sie sich von der Gestaltung der Etiketten und der Flaschenform leiten lassen.

Das Aussehen lässt niemanden kalt

Bei der professionellen Weinverkostung geht es darum, Weine möglichst objektiv zu beurteilen. Selbst Profis tun sich manchmal schwer damit, bei polarisierenden Etiketten neutral zu bleiben. Für Philippe Gallusser, Einkaufsleiter bei der Weinhandlung Martel, ist klar: «Ein Etikett kann einen unbewusst beeinflussen, auch wenn man vom Fach ist». Die einfache Lösung für die Einkaufsprofis von Martel lautet deshalb: «Wir degustieren oft blind, um unvoreingenommen zu selektionieren.»

Moderne Etiketten

«Ich habe mein Herz ans Piemont verloren»

Martel Weinwelt - Die Martel Piemont-Welt

Unser Weinberater Johannes Wagenleiter ist verliebt ins Piemont. Er kennt die Region wie seine Westentasche. Im Gespräch mit unserer Lernenden Geraldine Schürch erklärt er seine Faszination für die norditalienische Weinregion.

Johannes, woran merkt man, dass du ein grosser Fan des Piemonts bist?
Wahrscheinlich daran, dass ich immer ein Lächeln im Gesicht habe, wenn ich vom Piemont spreche. Es ist ein bisschen die Mischung aus Landschaft, Menschen und Essen. Alle drei finde ich sehr speziell. Es gibt nicht viele Weinbaugebiete, die neben einer wunderschönen Hügellandschaft auch noch die Nähe zu den Alpen haben. Das macht es so besonders. Zum einen wegen der Aussicht, zum anderen schwingt ein bisschen alpine Lebensart mit. Vor allem sind die Menschen im Piemont sehr herzlich. Man freundet sich schnell an. Und so ein auf das Wesentliche reduziertes Essen findet man in Italien nicht so schnell. Klar, man isst eher fleischlastig. Mir schmeckt’s!

Ich war noch nie im Piemont. Wie soll ich mir die Gegend vorstellen?
Es gibt kleine süsse Städtchen, oft schön leer und sicher nicht so touristisch wie in der Toskana. Man trifft auf offene, freundliche Menschen und taucht in eine grossartige Wein- und Esskultur ein. Im Piemont trifft man sich zum Essen. Das Wichtigste dabei: immer mit Wein. Am Ende geht man nie vom Tisch, ohne sich zu fragen, wo das nächste Essen stattfindet.

Nenne mir dein Piemont-Highlight!
Toll ist vor allem die Zeit, die jetzt beginnt, die Nebelzeit. Morgens ist es oft noch mystisch. Mittags löst sich der Nebel auf. Die Sonne scheint und die Aussicht ist herrlich. Übrigens: Die Rebsorte Nebbiolo, die im nebligen Spätherbst geerntet wird, trägt den Nebel im Namen.

Hast du Rituale im Piemont?
Ich geniesse es, nach der Ankunft auf einer Terrasse im Halbschatten ein gutes Mittagessen zu mir zu nehmen, oft die typischen Tajarin al Ragù-Nudeln. Meistens mit einem Glas Arneis. Das ist einfach perfekt für mich.

Und was machst du abends?
Ich geniesse ein gutes Essen mit Freunden und lasse die Erlebnisse des Tages mit viel Zeit und einer Flasche Barolo Revue passieren. Und wir schmieden natürlich Pläne für die nächsten Tage.

Martel Weinwelt - Die Martel Piemont-Welt

Wann warst du das erste Mal im Piemont?
Ziemlich spontan, vor mehr als zehn Jahren. Die schöne Hügellandschaft und die Nähe zu den Alpen haben mich total fasziniert. Rund um Barolo besteht die Landschaft nur aus Weinbergen. Wahnsinn! Dieses Bild hat sich mir eingeprägt.

Was würdest du mir für ein verlängertes Wochenende empfehlen?
Besuche einige unserer Martel-Weingüter in der Umgebung und gehe gut essen. Und einen Tag in der Stadt Alba verbringen ist schon fast Pflicht. Dort finden alle etwas: Wein, Essen, Shopping. Man kann dort gut bummeln und einen Aperitivo trinken. Unsere Hündin haben wir übrigens Alba getauft.

Echt?
Ja, und lustigerweise wird sie von den Einheimischen erkannt, wenn wir in unserem Lieblingsort La Morra spazieren gehen. Alle rufen: Ciao Alba!

Wann fährst du das nächste Mal ins Piemont?
Wahrscheinlich Ende Oktober. Mit der Familie werde ich unsere Winzer besuchen.

Und: Nimmst du mich und meine Freunde auch mal mit?
Na klar, gerne!

Willkommen im Piemont!

Martel Weinwelt - Offene Stellen

Piemont, wir kommen! Das Martel-Team ist viel unterwegs, um die Weinregionen besser kennenzulernen und mit den Winzerinnen und Winzern in engem Kontakt zu bleiben. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Im Frühjahr war eine Gruppe von Martel-Mitarbeitenden im Piemont unterwegs.

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Aushängeschild der Roero-Region

Benvenuti! Annalisa Negro begrüsst uns herzlich. Die Winzerfamilie Negro ist seit 1670 (!) im Weinbau tätig und gehört damit zu den ältesten Betrieben der Region. Doch auf dem Weingut ist nichts altmodisch. Das sehen wir bei unserem Besuch bei Angelo Negro: Hier werden zeitgemässe, sortentypische Weine mit biologischen Methoden erzeugt. Arneis und Nebbiolo von hoher Qualität zu fairen Preisen.

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Uns gefällt der Arneis Serra Lupini, der zwar leicht wirkt, aber durchaus Körper hat. Ideal als Aperitivo oder zu leichten Gerichten. Dass Arneis hervorragend reifen kann, beweist der Lagenwein Perdaudin. Seit einigen Jahren besitzt die Familie Negro auch hervorragende Weinberge in der 4 Hektar grossen Lage Basarin. Diese liegt an einem Südhang in der Barbaresco-Gemeinde Neive. Die Vinifikation und der traditionelle Ausbau erfolgen vor Ort. Das Ergebnis ist ein kräftiger, tiefgründiger Barbaresco mit grossem Lagerpotenzial. Wir lieben diesen Barbaresco, weil er gleichzeitig komplex, weich und zugänglich ist. Zudem sehr fair im Preis.

 

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Barolo, oho!

Weiter geht’s ins klassische Barologebiet. Die Cantina Marcarini liegt im Zentrum von La Morra, einem hübschen Weindorf in Sichtweite von Barolo. Von der kleinen Weinhandlung direkt an der belebten Gasse zum Aussichtspunkt des Dorfes führt eine Treppe in die Betriebsräume und den Weinkeller. Hier atmet alles Geschichte – und doch spürt man den frischen Wind, der durch die alten Mauern weht.

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Das Weingut befindet sich mitten im Übergang von der 5. zur 6. Generation. Manuel Marchetti übergibt das Zepter mittelfristig an den Sohn Andrea und die Töchter Chiara und Elisa. Grosse Investitionen sind geplant. Ein neuer Keller soll mehr Platz bieten und die Abläufe vereinfachen. Am traditionellen Stil der Weine will man festhalten. Gut so! Wir lieben die Marcarini-Weine so, wie sie sind. Der Stil tendiert in burgundische Richtung. Lange Gärzeit und klassischer Ausbau im grossen Eichenfass sorgen für milde Tannine und ein eher helles Granatrot. Marcarinis Brunate ist ein rares Barolo-Urgestein und enorm lagerfähig.

Vorteilhafte Klimaerwärmung im Piemont

Die höheren Temperaturen im Piemont lassen die Trauben besser reifen. Davon profitiert vor allem der Nebbiolo, die Hauptsorte im Barolo-Gebiet. Perfekt reife Tannine machen den Nebbiolo früher zugänglich, ohne dass er an Eleganz und Struktur verliert. Heute müssen die Winzer bei der Weinbereitung weniger extrahieren, also «mit Gewalt arbeiten», um erstklassige Ergebnisse zu erzielen. In vielen anderen Betrieben ist die Maischestandzeit kürzer als früher und die Gärung erfolgt bei kühleren Temperaturen. Die schonende Behandlung wirkt sich positiv auf die Qualität der Weine aus. Der Nebbiolo hat nach wie vor viel sortentypisches Tannin, das wahrnehmbar bleibt und für ein hohes Reifepotenzial sorgt.

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Ein seltenes Ereignis – ein neuer Barolo!

Mit Oddero führen wir einen weiteren piemontesischen Spitzenbetrieb im Sortiment. Einzigartig ist Odderos umfangreiches Lagenportfolio, das sich über das gesamte Barolo-Gebiet und darüber hinaus erstreckt – bis ins südliche Monferrato, wo die Familie Oddero einen erstklassigen Barbera Nizza produziert.

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Isabella Oddero und ihr Cousin Pietro sind als nächste Generation bereits stark im Betrieb in La Morra engagiert und zeigen schon jetzt Mut zu Neuem. Seit 2018 produziert der Betrieb biologisch, ohne jedoch biozertifiziert zu sein.

Bei unserem Besuch auf dem grosszügigen und geschmackvollen Weingut erleben wir eine der seltenen Barolo-Premieren. Oddero hat einen neuen Barolo im Programm: «Monvigliero» heisst der Spitzenwein. Er stammt von alten Reben aus dem Dorf Verduno.  Der Wein ist eine eigenständige Persönlichkeit im klassischen Barolo-Stil. Oddero produziert nur 2’300 Flaschen und 100 Magnums. Einige davon sind zufälligerweise bei Martel erhältlich.

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Wiederentdeckung Nascetta

Der renommierte Barolo-Produzent Elvio Cogno gilt als Beispiel einer modernen Kellerei, in denen Nebbiolo im traditionellen Stil entstehen. Hier ist der Empfang ungezwungen. Man kennt sich. Cogno und Martel arbeiten bereits seit 50 Jahren (!) zusammen. Auf dem Weingut gilt präzise und saubere Arbeit als Grundlage für klare, pure Weine. Im Keller ist alles perfekt organisiert und extrem sauber. Die Azienda kann auch Weisswein. Spannend ist die autochthone weisse Traubensorte Nascetta, die wiederentdeckt wurde und von Cogno erst seit wenigen Jahren gepflegt wird. Ein frischer Wein mit einer gewissen Ähnlichkeit zum Riesling. Wir sind begeistert.

Martel Weinwelt - Willkommen im Piemont!

Der mit Abstand wichtigste Wein bei Cogno bleibt jedoch Barolo. Cogno produziert an besten Lagen im Piemont besonders elegante, finessenreiche und tänzerische Weine, die uns berühren. Der Barolo von der historischen Lage Ravera ist ihr wichtigster Wein. Mit dem nur 2 ha grossen Rebberg Bricco Pernice konnte sich Valter eine der besten Lagen in Novello sichern. Vigna Elena ist eine 1ha grosse Lage im Ravera Rebberg die mit dem Nebbiolo Klon Rose bepflanzt ist. Der Wein ist Elena Cogno gewidmet, der Tochter der heutigen Weingutsbesitzer Nadia Cogno und Valter Vissore. Elena und ihr Ehemann sind im Betrieb engagiert und wollen diesen später einmal im ähnlichen Stil und mit frischen Ideen weiterführen. Das freut uns. Martel und das Piemont: Die gemeinsame Reise geht weiter.

Zwischen Wein und Theater

Martel Weinwelt - Zwischen Wein und Theater

9 Uhr, in der St.Galler Filiale der Weinhandlung Martel: Zu dieser Stunde trifft
sich Geschäftsführer Jan Martel am liebsten mit seinem Einkaufsteam zu
Weindegustationen – dann, wenn der Gaumen noch unberührt ist. Trinken kann er
den Wein um diese Uhrzeit noch nicht, für einen exzellenten Burgunder oder ein
Glas Champagner macht er gelegentlich eine Ausnahme. An diesem Morgen hat unser
langjähriger Weinpartner eine andere Verabredung. Er trifft auf unseren Direktor
Jan Henric Bogen, um über die Gemeinsamkeiten von Wein und Theater zu
sprechen.

Ihre Leidenschaft entdeckten sie auf unterschiedlichen Wegen. Jan Martel wurde in den Familienbetrieb hineingeboren, der sich seit Generationen dem Weinhandel widmet. Wein war ein ständiges Thema am Esstisch, doch in seinen Teenagerjahren lehnte er diese Welt zunächst ab – nicht zuletzt, weil ihm alkoholische Getränke schlichtweg nicht schmeckten. Während eines Praktikums in Bordeaux, drei Wochen vor dem Beginn seines BWL-Studiums, hat es dann doch gefunkt. An einem Abend erlebte er beim Trinken eines Glas Weins eine Offenbarung. «Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ein Wein zu mir spricht.», erinnert sich Martel. Die Zeit in Bordeaux nutzte er, um Weingüter zu besuchen. In den Semesterferien vertiefte er sich intensiv in die Welt des Weins, erntete Trauben, arbeitete im Labor und Weinkeller, reinigte Fässer und lernte das Handwerk von Grund auf kennen.

Bei Jan Henric Bogen hingegen erwachte die Liebe zum Theater nicht durch familiäre Einflüsse. Vielmehr zog es ihn aus eigenem Antrieb in diese Welt. Im Alter von 14 Jahren sah er Wagners Parsifal. «Ich habe damals nichts verstanden, das Werk war einfach zu gross und lang. Aber es hat mich in seinen Bann gezogen.» Ein Schülerpraktikum im Theater führte ihn zunächst in die Werkstätten, zur Theaterplastik. Er war zwar handwerklich wenig begabt, aber der professionelle Theaterbetrieb faszinierte ihn – die Art, wie alle Hand in Hand zusammenarbeiteten. Auch Bogen entschied sich zunächst für ein bodenständiges Jus-Studium, nahm aber parallel ein Musikwissenschaft-Studium auf und schuf sich auf diese Weise seine eigene Ausbildung im Kulturmanagement.

Was verbindet die Welt des Weins mit der des Theaters? «Gute Weine erzählen spannende Geschichten. Genau darum geht es bei uns und ich denke, das Gleiche gilt auch im Theater», sagt Jan Martel. Für ihn ist das Wort «Weinkultur» zentral. Martel und sein Team verstehen sich als Vermittler dieser Kultur, als Botschafter der Winzer:innen. «Sie sind unsere Autoren.» Die Weinkonsument:innen sind das Publikum, welche Martel sowohl mit Klassikern begeistern als auch für Neues gewinnen möchte. Eine ähnliche Philosophie verfolgt Jan Henric Bogen bei Konzert und Theater St.Gallen. Auch hier geht es um eine ausgewogene Mischung aus Klassikern und Neuentdeckungen. Beiden ist bewusst, dass es manchmal Zeit braucht, um einen Zugang zu finden. Im Mittelpunkt steht das sinnliche Erleben und je tiefer man in die Thematik Wein oder Theater eintaucht, desto mehr kann man entschlüsseln. Jan Martel findet es grossartig, wenn ein Theatererlebnis mit einem Feuerwerk beginnt und sofort fesselt. Aber gelegentlich braucht es auch etwas Zeit, bis er in die Welt eintauchen kann. So ergeht es ihm auch mit manchen Weinen. Bogen und Martel sind sich einig, dass das Erlebte nicht immer nur schön sein muss – vielmehr geht es darum, emotional berührt zu werden. Auch Weine mit einem ausgeprägten, kantigen Charakter, an die man sich erst gewöhnen muss, können am Ende eine tiefe Bedeutung haben.

Das St.Galler Publikum nimmt Jan Henric Bogen als anspruchsvoll und vielgereist wahr. «Wir müssen uns mit den Besten messen, das finde ich grossartig», betont er. Natürlich gibt es auch Reibungspunkte, im Theater ist die Wahrnehmung naturgemäss subjektiv, doch der anspruchsvolle Dialog ist entscheidend. Jan Martel beobachtet auch, dass sich seine St.Galler Kundschaft gerne Zeit nimmt für intensive Gespräche und Degustationen.

Wie haben sich Geschmäcker und Konsumverhalten in den letzten Jahren verändert? Jan Martel erzählt, dass der Alkoholkonsum seit 15 Jahren europaweit zurückgeht, mit einer Ausnahme: Weine von hoher Qualität erleben einen Aufschwung. Themen wie Nachhaltigkeit, vegane, alkoholarme oder alkoholfreie Weine und Regionalität rücken zunehmend in den Fokus. Bei den Rebsorten gewinnen Chardonnay und Pinot Noir an Beliebtheit, da sie leichtere, frischere Weine bieten, die dem veränderten Klima Rechnung tragen. In der Theaterwelt beobachtet Jan Henric Bogen ähnliche Entwicklungen. Bekannte Stücke ziehen oft allein durch ihre Namen ein grosses Publikum an.

Martel Weinwelt - Zwischen Wein und Theater

Doch auch unbekanntere Werke, die das Publikum begeistern, können durch Mund-zu-Mund-Propaganda zum Erfolg werden. Zeitgenössische Autor:innen greifen aktuelle Themen auf und schaffen neue Trendstücke – wie das Schauspiel Die Ärztin, das in der letzten Spielzeit bei uns, in Konstanz und in Luzern grossen Anklang fand.

Sowohl Wein als auch Theater sind Themen, denen man sich oft erst in einem reiferen Alter nähert. Doch wie gewinnt man junges Publikum? Jan Martel setzt auf Erlebnisse. Seine Ladengeschäfte versteht er nicht nur als Verkaufsstätten, sondern als Orte der Begegnung. Hier können Besucher:innen Wein probieren, sich beraten lassen und in den Austausch kommen. Zudem organisiert Martel über 80 Events im Jahr, darunter Degustationen, Roadshows oder Weineinsteigerkurse – Letztere besonders beliebt bei jungen Menschen. Martel legt grossen Wert auf Onlinepräsenz. Sein Unternehmen betreibt den ältesten Wein-Onlineshop Europas, der umfangreiches Wissen rund um den Wein vermittelt.

Jan Henric Bogen stimmt zu: «Man muss Zugänge schaffen und Hemmschwellen abbauen, und das beginnt bereits in jungen Jahren.» Eine eigene Vermittlungsabteilung bei Konzert und Theater St.Gallen spricht beispielsweise gezielt Schulen an, um frühzeitig Interesse zu wecken. Je häufiger junge Menschen mit der Theaterwelt in Berührung kommen, desto leichter finden sie sich später darin zurecht und entwickeln Begeisterung. Das Gesamterlebnis – ein Theater- oder Konzertabend kombiniert mit einem Restaurantbesuch oder einem Special wie einer Backstage-Führung – ist entscheidend für die junge Generation.

Trotz wachsender Konkurrenz durch alternative Freizeitangebote oder Mitbewerber:innen auf dem Getränkemarkt möchten beide auf ihr Alleinstellungsmerkmal vertrauen. Für Jan Henric Bogen liegt die Stärke des Theaters in seinem Liveerlebnis. «Echte Menschen auf der Bühne, die mit dem Publikum auf eine emotionale Reise gehen. Dieses kollektive Erlebnis kann kein Streamingdienst ersetzen.» Auch Jan Martel bleibt seiner Linie treu und setzt konsequent auf Qualität. Eine Strategie, die sich bewährt hat, obwohl es in der Schweiz mittlerweile über 5000 Weinhandlungen gibt und jedes Jahr Dutzende dazukommen.

Wie stehen Jan Martel und Jan Henric Bogen zum Produkt des anderen? Bogen schätzt Apéro-Kultur in der Schweiz als gute Gelegenheit, ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Dabei spielt der Akt des Weintrinkens eine wesentliche Rolle, man stösst an, ist schnell beim «Du» und das schafft Nähe. Auch allein zu Hause geniesst er nach langen Probentagen gerne ein Glas, vorzugsweise mineralische, trockene Weissweine.

Und was zieht Jan Martel ins Theater? Eine feste Vorliebe für ein bestimmtes Genre hat er nicht, auch hier schätzt er die Abwechslung. Durch das grosse Interesse einer seiner Töchter findet er sich jedoch häufig in Musicals wieder. Und wie geniesst Jan Martel privat Wein? Am liebsten in Gesellschaft von Familie und dem Freundeskreis, gelegentlich aber auch allein bei einem guten Buch am Cheminée. Obwohl er bei der Weinauswahl gerne auf Entdeckungsreise geht, greift er zu Hause oft zu einem Klassiker, einem Burgunder.

Dieser Beitrag erschien im Stimmen-Magazin von Konzert und Theater St.Gallen.
Hier geht es zum Original.

Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

Martel Weinwelt - Die Martel Bordeaux-Welt

Im südwestfranzösischen Weinbaugebiet Bordeaux lässt sich der Einfluss des Bodens auf den Wein besonders gut erkennen. Dies, weil sich andere Faktoren wie das Wetter oder die Steigung des Weinbergs im Bordelais relativ wenig unterscheiden. So zeigt sich: Die Böden tragen einen wichtigen Teil zum Ausdruck eines Weines bei. Unser Weinberater Reinhard Mayrböck war im Spätherbst 2023 mit anderen Martel-Mitarbeitern in Bordeaux unterwegs – den Blick auffällig oft auf den Boden gerichtet.

Martel Weinwelt - Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

«Der Boden macht den Bordeaux. Das zeigt sich am eindrucksvollsten beim Spitzenweingut Château Lafleur in Pomerol (Bild oben rechts). In den Weinbergen direkt neben dem Château sind die unterschiedlichen Bodenstrukturen mit blossem Auge erkennbar. Die Lage «Les Pensées» zieht sich als schmaler Streifen Pomerol-Ton durch die Weinberge direkt am Château. Auf dem Pensée-Untergrund, der sich durch die Lafleur-Parzelle schlängelt, entsteht ein eigener Cru, der sich in seinem Charakter deutlich von den Weinen der umliegenden Lagen unterscheidet. Die Bodenbeschaffenheit hält sich nicht an die Rebzeilen. «Deshalb werden die einzelnen Crus bei der Lese mit Absperrband markiert», erklärt Winemaker Omri Ram. So wird verhindert, dass Trauben von anderen Parzellen in den Cru gelangen.

Martel Weinwelt - Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

Der Boden zeigt den Wein

Omri Ram erzählt uns, dass alle 6 Crus von Château Lafleur mit der gleichen Sorgfalt, denselben Standards und den ähnlichen Methoden produziert werden. Die Weinbereitung und der Ausbau erfolgen für alle Weine nach den bewährten Grundsätzen des Weinguts. So unterscheiden sich die Weine des Château Lafleur zu einem guten Teil durch die Böden, auf denen die Reben wachsen. Wir sind beeindruckt und verzaubert von den Lafleur-Weinen, die uns wie von einem anderen Stern erscheinen. Mythisch und einzigartig in ihrer Kraft und Finesse.

Martel Weinwelt - Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

Château Figéac: ungewöhnlich steinig

Nach dem Besuch von Château Lafleur, das uns trotz seiner herausragenden Stellung recht bodenständig erscheint, entführt uns Château Figeac in eine Welt voller Noblesse. Figeac ist eines der ältesten und renommiertesten Châteaux im Bordeaux. Vor unglaublichen 2000 Jahren wurde es von den Römern gegründet. Seit 1892 und bis heute steht Figeac im Besitz der Familie Manoncourt. Von den 54 Hektar Land sind 41 Hektar mit Reben bepflanzt, der Rest besteht aus Alleen, Häusern und Gärten.

Château Millery gehört mit 0,82 ha ebenfalls zum Familieneigentum. Château Figéac ist eine Ausnahme in St. Emilion, was die Böden betrifft. Diese sind steiniger und eignen sich besonders gut für den Anbau von Cabernet Sauvignon. Auch hier gibt also der Boden den Ton an.

Martel Weinwelt - Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

Der Figeac des Jahrgangs 2020 zum Beispiel besteht zu fast gleichen Teilen aus Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Das ist ungewöhnlich für die von Merlot dominierte Appellation. Figeac-Weine sind wie aus einer anderen Welt: ausgewogen, voller Spannung, mit grossartiger Struktur und feinkörnigen Tanninen. Wir heben kurz ab.

Nicht weit von Lafleur und Figeac besitzen Château Chambrun und Château Moncets Parzellen auf dem Plateau Lalande-de-Pomerol. Das Team um Kellermeister Julien Noël keltert hier spannende Bordeaux mit feinen Fruchtnoten und bestem Preis-Genuss-Faktor unweit des Ultrapremium-Weinguts Château Pétrus. Dessen Merlot-Reben – wie auch die von Château de Chambrun Le Bourg – stehen auf blauer Tonerde (Bild oben rechts). Einer der Vorteile dieses ikonischen Bodens: Er speichert Wasser. Merlot gedeiht auf blauer Tonerde zu Weltruhm.

Essen wie Gott in Frankreich

Restaurant-Tipp von Martel-Weinberater Reinhard Mayrböck

«Das Restaurant Le Tertre ist mein absoluter Geheimtipp in St. Emilion. Das Essen in diesem familiengeführten und sehr charmanten Lokal mit nur 6 Tischen begeisterte uns. Wir finden: Eigentlich müsste das Le Tertre mit Sternen ausgezeichnet sein. Die Gerichte sind modern interpretiert, man spürt leicht asiatisch angehauchte Einflüsse. Geschmacklich ist alles sehr raffiniert. Zudem ist der Blick auf die Altstadt von St-Emilion und die kleine, verträumte Gasse einfach wunderschön.» Link

Nicht nur Kies am linken Ufer des Bordeaux

Château Dutruch Grand Poujeaux liegt in der Gemeinde Poujeaux in der kleinen Appellation Moulis-en-Médoc, etwas zurückgesetzt von der Gironde, rund 40 Meter über dem Meeresspiegel. Auch hier spielen die unterschiedlichen Böden eine bedeutende Rolle. Vier Fünftel der Weinberge liegen auf den tiefgründigen Kiesböden des Plateau Grand Poujeaux, die als das beste Terroir von Moulis gelten. Diese Böden werden auch als «Terrasses de type 3» bezeichnet, wie man sie in St-Julien und St-Estèphe kennt. Die restlichen 20% der Dutruch Grand Poujeaux-Reben stehen auf lehmig-kalkigen und sandigen Böden.

Diese Vielfalt an Untergründen verleiht den Weinen Komplexität und Reichhaltigkeit. Von den 31 ha Weingärten sind 61% mit Cabernet Sauvignon, 43% mit Merlot und je 3% mit Cabernet Franc und Petit Verdot bepflanzt. Um die Feinheiten der einzelnen Lagen herauszuarbeiten, verarbeitet das Team um Winemaker Sébastien Olivar die Ernte in 75 (!) Plots, die anschliessend cuvetiert werden. Ein enormer Aufwand, der sich lohnt. Die Weine Château Dutruch Grand Poujeaux überzeugen durch Ausgewogenheit, Eigenständigkeit, Finesse und subtile Kraft.

Martel Weinwelt - Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

Positiver Einfluss von unten

Das 8 ha kleine Weingut Château Lespault-Martillac liegt auf einer kleinen Anhöhe in Pessac-Léognan unweit der Stadt Bordeaux. Die Weinberge befinden sich auf einem Hügel am höchsten Punkt der Gemeinde Martillac. Wir staunen einmal mehr. Denn auf der Anhöhe stehen – eher untypisch für das linke Ufer des Bordeaux – etwas mehr Merlot-Reben als Cabernet Sauvignon-Pflanzungen. Der Merlot gedeiht hier wohl deshalb so gut, weil der kiesige Boden hier auch Sand und Lehm enthält (Bild oben links).

Martel Weinwelt - Bordeaux-Böden: Alles Gute kommt von unten

Olivier Bernard von der Besitzerfamilie, der auch die Domaine de Chevalier gehört, führt uns über das Weingut (Bild oben rechts). Wir probieren die Weine und sind begeistert von der Aromatik, Frische und Komplexität. Dunkle Fruchtnoten ergänzen sich mit helleren. Das Holz ist sehr gut eingebunden, die Tannine zeigen sich wunderbar reif und rund. Ein eleganter, sehr ausgewogener Wein mit ziemlich langem Abgang. Besonders schön daran: Die Preise für diese wunderbaren Terroir-Weine bleiben am Boden.»

Bordeaux-Böden

Am rechten Ufer von Bordeaux, in den Appellationen Saint-Emilion und Pomerol, findet man ton- und kalkhaltige Böden. Sie lassen das Wasser gut abfliessen und speichern gleichzeitig die Feuchtigkeit. Besonders in Trockenperioden profitieren die Reben davon. Rebsorten (meist Merlot und Cabernet Franc), die auf ton- und kalkhaltigen Böden angebaut werden, bringen gerne ausgewogene, elegante Spitzenweine mit geschmeidigen Tanninen hervor.

Am linken Bordeaux-Ufer, in den Regionen Médoc und Graves, findet man häufig Kies- und Kiessandböden. Diese Böden sind wasserdurchlässig. Das hat zur Folge, dass die Reben (häufig Cabernet Sauvignon) tief wurzeln müssen, um in Trockenperioden ausreichend Wasser zu bekommen. Oft entstehen hier Weine von Weltklasse mit kräftiger Struktur und festen Tanninen. Im Sauternes gedeihen weisse Trauben für Süssweine besonders gut auf rotem Sand, der auf Kalkstein liegt.

Die Region Entre-Deux-Mers zeichnet sich durch sandige Böden aus. Diese Böden speichern nur wenig Wasser. Weine, deren Reben auf sandigen Böden stehen, sind oft leichter und fruchtiger.

Weinfreunde fürs Leben

Freundinnen und Freunde des Weins sind wohl die meisten von uns. Wein und Freundschaft haben erstaunlich viel gemeinsam, weiss Jan Martel aus eigener Erfahrung.

Weine und Freundschaft brauchen Zeit
Für mich gehört es zu den Höhepunkten im Leben, wenn man sich wirklich auf einen Menschen oder einen Wein einlässt und sich dafür Zeit nimmt (im Bild Wolfgang Grünewald, einer meiner ältesten Weinfreunde).

Qualität ist das Wichtigste
Es geht um ehrliche Sympathie – bei Freunden wie beim Wein. Der Status des Freundes ist egal. Eine gute Weinflasche muss nicht teuer sein.

Freundschaften und Weine reifen
Gute Freundschaften vertiefen sich oft über die Jahre, während Wein durch Lagerung und Reifung an Geschmack gewinnt.

Gute Freunde und gute Weine berühren das Herz

«Manche Weine, wenn ich das so sagen darf, sind auch meine Freunde. Sie begleiten mich schon ein halbes Leben. Auslöser für diese Freundschaft ist meist ein besonderes Erlebnis oder ein Ritual, das man mit diesem Wein verbindet. Es gibt viele verschiedene Arten von Wein und ebenso viele Arten von Freundschaften. Jede hat ihre eigenen Nuancen und Qualitäten.

Ich mag auch sogenannte einfache Weine, wenn sie handwerklich gemacht sind und man ihre Herkunft spürt. Dann sind sie echt. Authentizität ist eine Eigenschaft, die ich bei Freunden und Weinen schätze. Mein Beruf und meine Leidenschaft für Wein bringen es glücklicherweise mit sich, dass ich manchmal grosse und teure Weine trinken darf. Oft sind es Weine, die eine ganze Kultur repräsentieren. Das gilt zum Beispiel für viele Weine aus dem Burgund, wo ich mich zu Hause fühle und ich Freunde habe. Deshalb engagiere ich mich aktiv in der Organisation Grand Mécène Fondateur für den Schutz der typischen Weinbergsparzellen, der Climats de Bourgogne. Dieses burgundische Weltkulturerbe liegt mir sehr am Herzen.

Martel Weinwelt - Weinfreunde fürs Leben

Und natürlich ist es das Schönste, mit den besten Freunden solche brillanten Weine zu trinken. Beim Wein lässt sich Freundschaft wunderbar erleben. Gute Freunde und gute Weine haben gemeinsam, dass sie unser Herz berühren und dort einen festen Platz einnehmen. Sowohl der Wein als auch die Freundschaft brauchen Pflege. Wenn wir ihnen nicht genügend Sorge tragen, können Freundschaften und Weine verblassen. Nehmen wir uns also Zeit für tiefe Freundschaften und strahlende Weine!»

 

Krise als Chance: Beispiele aus der Martel-Weinwelt

Martel Weinwelt - Krise als Chance: Beispiele aus der Martel-Weinwelt

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs sagte der britische Premierminister Winston Churchill: “Never waste a good crisis”. Er meinte damit, dass dramatische Veränderungen unweigerlich zu neuen Erkenntnissen führen und frische Möglichkeiten aufzeigen. Ein Blick auf die Geschichte von Martel und die Entwicklung des Weinbaus in den letzten 150 Jahren beweist: Eine Krise ist oft gleichzeitig eine Chance, auch in der Weinwirtschaft. Das gilt für die Reblauskatastrophe, den Glykolskandal und die Corona-Pandemie.

Kleines Insekt ganz gross

1876 kamen Margarethe und Ferdinand Martel aus Deutschland in die Schweiz und legten den Grundstein für die Weinhandlung Martel, die inzwischen in fünfter Generation geführt wird. Die Ururgrosseltern des heutigen Geschäftsführers Jan Martel spezialisierten sich in St. Gallen auf den Verkauf von Mosel- und Bordeauxweinen.

Auslöser für den mutigen Schritt des jungen Unternehmerpaares war eine Krise in der Heimat. Eine kleine, gemeine Laus trug die Schuld an allem: die Reblaus.

Von 1867 bis 1915 vernichtete die Reblaus einen Grossteil der Weinreben in Europa. Eingeschleppt wurde sie aus den USA. Der Schädling breitete sich rasend schnell über halb Europa aus. Erst mit der Zeit fanden Wissenschaftler eine Lösung für das Problem: Man pflanzte amerikanische Rebstöcke in Europa an und veredelte sie mit europäischen Reben. Doch für viele Winzer kam das zu spät. Sie hatten ihre Weinberge bereits aufgegeben. Erst im Nachhinein zeigte sich das Gute an der Reblaus-Katastrophe. Die Krise zwang die einzelnen Winzer, neue Wege zu suchen. Klein- und Kleinstwinzer schlossen sich zu Genossenschaften zusammen, die zum Teil bis heute erfolgreich bestehen.

Martel Weinwelt - Krise als Chance: Beispiele aus der Martel-Weinwelt

Glykolkrise führt zum Neuanfang

1985 erschütterte der Glykol-Weinskandal unser Nachbarland Österreich. Damals war die Nachfrage nach süssen und lieblichen Weinen enorm. Einige Winzer hatten bei der Zuckerung geschlampt und zusätzlich Diethylenglykol als Süssungsmittel und Geschmacksverstärker zugesetzt. Glykol ist auch als Frostschutzmittel bekannt. Ein Riesenskandal, der die österreichische Weinwirtschaft ins Mark traf.

In der Folge kam der Weinexport aus Österreich fast zum Erliegen. Millionen von Flaschen wurden vom Markt genommen. Viele kleine Winzer, die in den Skandal nicht verwickelt waren, gerieten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. So schlimm es für die Betroffenen damals war – heute gilt der Glykolskandal als Auslöser für eine positive Entwicklung.

Der österreichische Weinbau erfand sich nach der Krise völlig neu. Eine Qualitätsoffensive sorgte für Besserung. Wein aus Österreich geniesst mittlerweile den besten Ruf und ist im In- und Ausland beliebter denn je.

Martel Weinwelt - Krise als Chance: Beispiele aus der Martel-Weinwelt

Glück im Unglück

2020. Corona-Pandemie. Die Schweizer Gastronomie schliesst von einem Tag auf den anderen. Geselliges Beisammensein in der Öffentlichkeit ist kaum mehr erlaubt. Ein wichtiger Teil des Absatzmarktes für Wein bricht weg. Die gute Nachricht: Die Umsatzeinbussen in der Gastronomie werden durch den boomenden Privatkonsum nahezu ausgeglichen. Unsere Weinhandlung ist mit ihrem digitalen Angebot auf den Ansturm der Privatkundschaft vorbereitet. Auch dank der langen Erfahrung im Online-Handel. Martel war 1995 die erste Weinhandlung in Europa, die Wein über einen Internet-Shop verkaufte. Die allermeisten der während der Krise dazugewonnen Privatkunden sind geblieben. Aufgrund vertrauensvoller Gespräche mit den Gastronomen haben sich unsere Beziehungen während dieser Lockdowns sogar noch gestärkt. Dank unserer Online- und Weinkompetenz sowie unseren engen Verbindungen in die Gastronomie erwies sich auch diese Krise für uns als Chance – ganz im Sinne Churchills.

Martel Weinwelt - Krise als Chance: Beispiele aus der Martel-Weinwelt

Martel-Mann vernetzt Pinot-Profis

Martel Weinwelt - Martel-Mann vernetzt Pinot-Profis

Francesco Benvenuto betreut als Martel-Weinberater die Spitzengastronomie im Kanton Graubünden. Mit grossem Erfolg organisierte er die Veranstaltung «Faszination Pinot Noir!» Er lud zwölf der besten Winzerinnen und Winzer der Bündner Herrschaft, Top-Sommeliers und Weinliebhaber zum Austausch nach Bad Ragaz ein.

Gault&Millau berichtet in diesem Online-Artikel über den Anlass.

Weinreise Spanien – Von Klassik bis Avantgarde

Martel Weinwelt - Weinreise Spanien – Von Klassik bis Avantgarde

Hola España, wir kommen! In diesem Winter reisten sechs Martel-Mitarbeitende durch die besten Weinregionen Spaniens und besuchten sowohl sehr traditionsbewusste als auch absolut innovative Weingüter. Das Martel-Team ist oft unterwegs, um die Weinregionen besser kennenzulernen und mit den Winzerinnen und Winzern in engem Kontakt zu bleiben. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Martel-Weinberater Alen Boulter war mit auf der Reise und hat sich vom Spanien-Virus anstecken lassen.

Alen, was hat die Spanienreise mit dir als Weinliebhaber gemacht?

Wer mich kennt, weiss, dass ich besonders leichte, finessenreiche Weine liebe. Vor allem Pinot Noir. Das brachte mit sich, dass mein persönlicher Weinfokus in letzter Zeit nicht in Spanien lag. Allerdings habe ich nun auf dieser Spanienreise meine Freude an gehaltvolleren Weinen, die unglaublich ausdrucksstark, komplex und frisch sein können, wiederentdeckt.

 

Wie kam es dazu?

Bei unseren Besuchen auf den Weingütern und beim Verkosten unterschiedlichster Weine wurde mir bewusst, dass die Vorstellung, spanische Weine seien vor allem kraftvoll, ein Vorurteil ist. Ich war erstaunt über die oft spielerische Eleganz dieser Weine, über die beeindruckende Frische, die auch gehaltvolle Weine zeigen. Absolut hochklassig und faszinierend.

 

Im heissen Spanien frische Weine zu machen, wie gelingt das?

Das hat zum einen geografische Gründe. Spanische Weinbaugebiete liegen sehr hoch. Für mich war es erstaunlich, dass Spanien eines der höchstgelegenen Länder Europas ist. Viele Reben stehen auf 700 bis über 1‘000 Metern Höhe über Meer. Das sorgt für generell kühlere Temperaturen – und vor allem für grosse Tag-Nacht-Unterschiede. Die Weine erhalten dadurch eine komplexere Aromatik und die Frische bleibt erhalten. Zum anderen ist das lokale Klima ein Faktor. Viele spanische Weinbaugebiete wie zum Beispiel das Rioja sind vom kühleren Atlantikklima beeinflusst. Auch dies sorgt für frische Weine.

 

Welchen Eindruck hattest du von den Winzerinnen und Winzern?

Es hat mich berührt, mit welcher Akribie, mit welch hohem Können und Qualitätsbewusstsein unsere Winzerinnen und Winzer in Spanien arbeiten. Das war in kleineren und auch in grossen Betrieben der Fall. Enate in Somontano zum Beispiel ist ein Betrieb, der beeindruckende Mengen produziert und auch bei preiswerten Weinen keine qualitativen Kompromisse eingeht. Spitzenproduzenten wie Roda, R. López de Heredia Viña Tondonia, Tr3smano, Pago de Carraovejas und Ossian, sind Qualitätsfanatiker, jeder auf seine Weise.

 

Was unterscheidet sie?

Entscheidend sind natürlich die völlig unterschiedlichen Terroirs, klimatischen Bedingungen und Traditionen in den verschiedenen Weinbaugebieten wie Somontano, Rioja, Ribera del Duero oder Segovia. Das führt zu völlig anderen Herangehensweisen. Ein prima Beispiel dafür sind die beiden Bodegas in der Rioja-Stadt Haro: R. López de Heredia Viña Tondonia und Roda. Sie liegen buchstäblich Tür an Tür und grenzen beide an den Fluss Ebro. Hier wie dort ist Tempranillo die Hauptrebsorte. Und doch sind die beiden Bodegas völlig unterschiedlich in dem, was sie tun. Die R. López de Heredia Viña Tondonia ist unglaublich traditionell. Hier wird Wein gemacht wie vor 150 Jahren. Im Vergleich dazu ist Roda ein relativ junges Weingut mit einem hochmodernen Keller.

 

Traditionell oder modern: Was ist deiner Meinung nach besser? 

Gerade nach unserer Spanienreise finde ich eine Bewertung in diesem Bereich fehl am Platz. Ob traditionell oder modern ist eine reine Stilfrage. Moderne oder traditionelle Herstellung sagt nichts über die Qualität des Weines aus.

 

Martel Weinwelt - Weinreise Spanien – Von Klassik bis Avantgarde

Wir sind in der glücklichen Lage, das Beste aus beiden Welten anbieten bzw. trinken zu können. Traditionelles und Modernes sind gleich wichtig und es ist ein Privileg, dass wir von Martel das in der Schweiz entsprechend vermitteln dürfen. Es war eindrücklich zu sehen, wie Roda an der Qualität feilt und immer besser wird und wie die Besitzerfamilie von R. López de Heredia Viña Tondonia seit Generationen mit ausgereiften Lösungen die Messlatte hoch hält. Es braucht beides. Für uns Weinliebhaber ist dieses Nebeneinander inspirierend und ein Glück. Ich glaube es verhält sich ein wenig wie mit dem Essen. Einerseits wurden wir in einem traditionellen Familienbetrieb verköstigt, der seit über hundert Jahren das gleiche Menu anbietet, um andererseits am folgenden Tag die modernsten Tapas serviert zu bekommen. Ich fand diese Abwechslung ausgezeichnet.

 

Wie innovativ sind Spaniens Winzerinnen und Winzer?

Für mich war es ein prägendes Erlebnis, das Spitzenweingut Pago de Carraovejas zu besuchen. In diesem Vorzeigeweingut wird modernste Technik eingesetzt. Elektronische Sonden messen die Bodenfeuchte, bei Frostgefahr springen automatisch Windmühlen an. Neuester Stand der Technik. Das alles dient der Qualität. Einen beeindruckenden Weg zwischen Tradition und Moderne geht derweil der Winzer Pedro Aibar von Tr3smano. Er sucht Lagen mit uralten Reben, pflegt sie mit viel Handarbeit und keltert in einem supercleanen Hightech-Betrieb schlicht grossartige Weine. Diese modernen Weine aus alten Reben sind rund, tief, komplex und lang. Als eigentlicher Pinot-Fan war ich tief berührt bei der Degustation. Im Zusammenhang mit dem Thema klassisch und modern gilt es den Pioniergeist von López de Heredia Viña Tondonia hervorzuheben. Seit 1877 wird dort Wein auf Weltklasseniveau produziert. Was heute als traditioneller Stil angesehen wird, war vor 150 Jahren absolut avantgardistisch.

 

Wir sprachen fast nur noch über Rotwein, ein Zufall?

Tatsächlich gilt Spanien bei uns als Rotweinland, obwohl Weisswein mengenmässig genauso wichtig ist und auch qualitativ mehr als überzeugt. Wir sind uns zum Teil gar nicht bewusst, wie hochwertig spanische Weissweine sein können, zum Beispiel von der Atlantikküste, aber auch aus dem Rioja-Gebiet oder in der Hochebene bei Madrid, in der Region Segovia. Hier stehen uralte Verdejo-Reben, die ältesten darunter sind über 200 Jahre alt. Da staunten wir nicht schlecht. Der Besuch auf dem Spitzenweingut Ossian zeigte uns, wie superelegant, komplex und frisch beste spanische Weissweine sein können. Mineralisch, geradlinig. Eine echte Bereicherung für unser Sortiment. Diesen Besuch möchte ich nicht missen. Nach dieser Reise gebe ich meine Begeisterung für das vielseitige Weinland Spanien mit viel Freude weiter.

Weinland Spanien in Zahlen
Grösster Weissweinproduzent der Welt

Fläche: rund 900’000 ha (global grösste Rebfläche, Anteil weltweit 13%)
Rebsorten: gegen 250
Wichtigste Rebsorten in Prozent: Airén (weiss), Tempranillo, Bobal
Durchschnittliche Höhe: 650 Meter über Meer
Winzer: rund 150’000
Bodegas: rund 5’000
Anteil Weiss- und Rotwein: je rund 50%
Bevölkerungsdichte: 91 Personen pro km2 (Schweiz: 220 Personen pro km2)

Wo Winzer einkehren

Guter Wein, gutes Essen, gutes Leben.
Im Städtchen Haro im Rioja dreht sich alles um Wein – und ums Essen: Das Restaurante Terete ist ein Klassiker. Wir besuchten das Lokal gemeinsam mit Maria von der Tondonia-Besitzerfamilie. Zum Hauptgang gabs ein Lamm aus dem Ofen. Butterzart. Zuerst eine warme Chorizo, dann eine Menestra, die eine typische Gemüsespeise zu sein scheint. Dazu tranken wir eine 1991-Reserva von der Bodega López de Heredia Viña Tondonia. Ein über 30 Jahre gereifter Wein. Topfit und ein Traum. In Penafiel im Duero-Gebiet führte uns Pedro Aibar von Tr3smanos ins El Lagar de San Vicente. Hier sind die Tapas modern, witzig – und haben uns genauso gut geschmeckt wie die traditionellen. Muy bueno!

Impressionen aus dem Weinland Spanien

Schweizer Weinhandel 2024
Ausblick & Trends

Martel Weinwelt - Medien

Der Schweizer Weinhandel steht vor einem schwierigen Jahr und stellt sich auf rückläufige Zahlen ein. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Der Trend zu mehr und besserem Weisswein hält an. Mit ursprünglichen Methoden hergestellte Orangeweine und alkoholfreie Weine finden den Weg aus der Nische. Jan Martel, Geschäftsführer der schweizweit tätigen Weinhandlung Martel, über die Risiken und Chancen des Weinhandels 2024. 

Jan Martel, wo spielt die Musik im Schweizer Weinhandel im Jahr 2024?

Generell werden kleinere Mengen bei höherer Qualität konsumiert. Das spielt unserer Weinhandlung Martel in die Hände. Weisswein ist gefragter denn je und wird zunehmend als hochwertige Weinkategorie wahrgenommen. Ein Abend ohne Rotwein, dafür mit einer Reihenfolge erstklassiger Weissweine – früher in der Schweiz kaum denkbar. Orangeweine können sich als eigene Kategorie etablieren und gewinnen ein breiteres Publikum. Gleiches gilt für die alkoholfreien Weine. Vor allem die Spitzengastronomie interessiert sich dafür.

 

Wie sieht es bei den Schaumweinen aus, die lange Zeit boomten?

Die Nachfrage nach Sekt, Prosecco, Franciacorta, Crémant, Cava und Champagner ist nach wie vor hoch. Seit der Pandemie beobachte ich jedoch einen leichten Rückgang. Wenn sich die Wirtschaft abkühlt, ist es schwieriger, teure Schaumweine zu verkaufen. Aus Frankreich ist zu hören, dass der Champagnerkonsum offenbar stark zurückgeht.

 

Wie entwickeln sich die Rotweinverkäufe in der Schweiz?

Die Weinliebhaber achten mehr auf den Preis, akzeptieren keine aus Marketinggründen überteuerten Weine mehr und reagieren stärker auf Aktionen. Ausserdem ist heute mehr Abwechslung gefragt. Das ist wie in der Gastronomie: Schni-Po allein reicht nicht mehr, neue Ideen und Angebote sind gefragt. Was mir gefällt: Die Kundinnen und Kunden sind offen und nicht mehr nur auf ein oder zwei Weinbaugebiete fixiert. Hier können wir als Weinhandlung mit kompetenter Beratung unsere Stärke ausspielen. Die Kundinnen und Kunden interessieren sich auch für Neues – zum Beispiel aus Slowenien – und entdecken auch klassische Weinbaugebiete neu, zum Beispiel Bordeaux. Spanische Weine stehen nach wie vor hoch im Kurs. Weine aus Übersee haben es heute schwer.

 

Wo liegt das Problem? Martel ist ja Pionier beim Import von Weinen aus Kalifornien und führt Weine aus Argentinien sowie Australien im Sortiment.

Ich bin offen: Der Absatz von Übersee-Weinen ist generell rückläufig, aber nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren. Übersee-Privatkunden sind treu, viele Gastronomiebetriebe streichen diese Weine jedoch von der Karte. Der wichtigste Grund dafür ist die Wahrnehmung des Transportweges. Er gilt als Umweltsünde. Dabei ist der ökologische Fussabdruck von Weinen aus Übersee insgesamt nicht unbedingt schlechter. Hier können wir aufklären. Weine aus anderen Kontinenten sind uns wichtig. Ohne diese Weine wäre die Welt ärmer. Überseeweine werden heute leider gecancelt. Diese wertvollen Weinkulturen einfach abzuschreiben, finden wir schade und ein Stück weit ignorant. Wir sind für Weltoffenheit, auch beim Wein.

 

Wie zentral ist das Thema Nachhaltigkeit im Weinhandel für Ihr Unternehmen?

Es ist mittlerweile das grosse Thema, welches uns auf verschiedenen Ebenen beschäftigt. Beim Einkauf suchen wir nach nachhaltig produzierten Weinen und führen immer mehr Bio- und biodynamische Produkte. Ausserdem wollen wir leichtere Weinflaschen, was Verbesserungen beim Transport bringt. Die Verpackung macht nämlich den wichtigsten Teil des ökologischen Fussabdrucks aus. Betriebsintern arbeiten wir mit einer Nachhaltigkeitsinitiative daran, die Transporte zu optimieren, den Energieverbrauch allgemein zu senken und wir produzieren seit Jahren eigenen Strom. Wir leisten unseren Beitrag, ohne damit zu werben. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit.

Martel Weinwelt - Martel im Neudorf St.Gallen

In der Schweiz gibt es rund 5’000 Weinhandlungen. Eine Rekordzahl. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer?

Die Konkurrenz ist so stark wie noch nie – und das bei generell rückläufigen Alkoholverkäufen. Kleine Weinhandlungen ohne Profil und mit einer überalterten Kundschaft dürften ein Problem haben. Weinfachhändler mit klarem Fokus, starken Marken und einem eigenständigen Sortiment mit handwerklich hergestellten Weinen gehören zu den Gewinnern. Grossverteiler dominieren den Markt im günstigen Preissegment. Die Zeit spielt gegen sie, der Konsum verschiebt sich hin zu weniger, aber besserem Wein. Wohl auch deshalb kaufen Grossverteiler vermehrt etablierte Weinhandlungen auf. Für den E-Commerce war 2023 nach dem Höhenflug der Corona-Zeit ein Jahr der Konsolidierung. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass der Online-Verkauf in den nächsten Jahren weiter zulegen wird.

 

Martel vertreibt in der Schweiz exklusiv Burgunder-Raritäten wie Weine der Domaine de la Romanée-Conti oder gesuchte Bordeaux von Château Lafleur. Wie läuft dieses Hochpreisgeschäft in Zeiten weltweiter Krisen?

Sogenannte Ultra-Premium-Weine sind global gefragter denn je. Die Menge bleibt extrem begrenzt. Unsere Zuteilungen für den Schweizer Markt werden zum Spiessrutenlauf. Gleichzeitig verlieren B-Raritäten – das Segment darunter – an Attraktivität. Dies, weil die Preise derzeit zu hoch sind und dieses Segment auch Moden und Trends unterliegt. Von B-Raritäten entfernen sich die Restaurants weitgehend, weil es viel Geld kostet, Weine dieser Preisklasse zu lagern.

 

Vor welchen Herausforderungen steht der Weinhandel in diesem Jahr?

Zum Problem wird die Teuerung. Die höhere Mehrwertsteuer ist nicht hilfreich. Ich schaue mit Sorge in die Nachbarländer. Meine Weinhandelskolleginnen und -kollegen in mehreren europäischen Ländern klagen über Umsatzrückgänge. Auch das Thema Gesundheit und damit verbunden mögliche Deklarationspflichten sowie Warnhinweise auf Weinflaschen macht uns zu schaffen. Gleichzeitig sehe ich positive Entwicklungen hin zu immer besserer Weinqualität, zu mehr Klasse statt Masse.

 

Was überwiegt nun im Jahr 2024, die Freude oder die Sorge?

Ganz klar das Positive. Der Jahrgang 2022, der jetzt richtig auf den Markt kommt, ist qualitativ und quantitativ ein hervorragendes Jahr. Wein wird immer mehr als Kulturgut verstanden, als Wellness für die Seele. Das hohe Interesse an Wein ist ungebrochen, vor allem bei jungen Menschen. Das zeigen auch unsere stets ausgebuchten Weinkurse in Zürich und St. Gallen oder unsere Degustationen. Als Familienunternehmen, das in Generationen denkt, blicke ich optimistisch und mit Freude in die Zukunft.

Jan Martel kompakt über die Trends 2024

Entwicklung: Nachhaltigkeit, Bio, Vegan
Regionalität: Region heisst nicht nur aus dem eigenen Dorf, sondern neu aus Europa
Schweiz: Premium-Weinland in Produktion und Konsum
Alkohol: Tieferer Alkoholgehalt beim Wein wird heiss diskutiert
Trendland: Slowenien, auch bei Naturwein
Naturwein: Kann schmecken, muss aber nicht

Dem Geheimnis des Rieslings auf der Spur

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2024

Hallo Deutschland, wir kommen! Das Martel-Team ist oft unterwegs, um die Weinregionen besser kennenzulernen und mit den Winzerinnen und Winzern in engem Kontakt zu bleiben. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Letzten Spätherbst waren sieben Martel-Mitarbeitende in Deutschland unterwegs – und degustierten neben Chardonnay, Pinot Blanc und Pinot Noir vor allem Riesling, Riesling, Riesling.  

Wer ein Gruppenfoto macht und alle auffordert, gemeinsam «Riiiesling!» zu rufen, wird mit lachenden und strahlenden Gesichtern belohnt. Worin liegt das Geheimnis des Rieslings? Wir wollen es wissen und gehen der Frage auf einer Reise durch die deutschen Weinanbaugebiete Mosel und Rheingau auf den Grund. Unsere erste Station führt uns zum Weingut Julian Haart in Piesport an der Mosel. Ein junger Betrieb. Julian und seine Frau Nadine übernahmen das Weingut vor einigen Jahren von Julians Onkel und bauten dieses konsequent um: «Ich habe alles rausgeschmissen», sagt Julian. Er gilt als Shootingstar unter den deutschen Winzern. Haart-Weine werden hoch gehandelt. Julian Haart bleibt bescheiden: «Früher dachte ich, man sei klüger als der Weinberg. Heute weiss ich: Die Natur ist der Chef.»

Martel Weinwelt - Dem Geheimnis des Rieslings auf der Spur

Riesling-Geheimnis Nr. 1: Weniger ist mehr

«Man muss die Erträge beim Riesling niedrig halten wie im Burgund, um Aromatik und Konzentration zu erreichen. Je weniger man macht, desto klarer bleibt der Stil», ist Julian Haart überzeugt. Wir von der Martel-Reisegruppe können die gesamte Haart-Palette verkosten. Spektakuläre Rieslinge, die herausfordern. Im Aroma, in der Säure, in der Struktur: «Es gibt entspanntere Stile als unseren», erklärt Julian Haart.

Martel Weinwelt - Dem Geheimnis des Rieslings auf der Spur

Zusammen mit Nadine bewirtschaftet er nur wenige Hektar bester Steillagen, zum Teil mit bis zu 120 Jahre alten, wurzelechten Reben. Weine aus Trauben dieser Reben (und solche, die ein Jahr auf der Hefe lagern) bekommen bei Julian Haart eine weisse Etikette. Diese Weine sind extrem begehrt. Eigentlich könnten sich Nadine und Julian Haart auf ihren Lorbeeren ausruhen. Doch weit gefehlt: «Wir versuchen, noch feiner zu werden. Unser Geschmack entwickelt sich.» Julian freut sich: «Wenn man Erfolg hat, ist man entspannter.» Seine Frau Nadine ergänzt: «Und man weiss, dass man die Rechnungen bezahlen kann.»

 

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Riesling-Geheimnis Nr.2: Perfekte Kombination

Maximin von Schubert vom Weingut Maximin Grünhaus empfängt uns vor seinem Schloss, das direkt gegenüber seinen Weinbergen liegt: 34 Hektar an einem steilen Südhang links der Ruwer. Abtsberg, Herrenberg und Bruderberg sind Monopollagen, also im Alleinbesitz und werden selbst bewirtschaftet. Als Leiter des Schloss-Weinguts setzt Maximin von Schubert eine lange Familientradition fort. Vom Schloss aus blickt er über die Weinberge und sagt: «Ich bin mit diesem Weinberg lebenslang verbunden. Mal ist es Freude. Manchmal Verzweiflung.» Obwohl Maximin von Schubert auch Pinot Blanc und Pinot Noir anbaut, liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Riesling.

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Sein Riesling-Geheimnis? «Er passt so gut zum Essen und es sind Weine mit wenig Alkohol. Ich will beim Weintrinken so viel Geschmack wie möglich und nicht in Schräglage geraten.» Im Weinkeller, der hier ein weitläufiges Weingewölbe mit gut sortiertem Weinarchiv ist, wird uns vor Augen geführt, wie viel Geschichte in diesen Mauern steckt. Später bei der Verkostung sind wir beeindruckt, wie straff und zeitgemäss die Rieslinge schmecken. Herrlich rund, frisch und mini-reduktiv zum Beispiel der SCHLOSS Riesling Kabinett. Die typische Ruwer-Kräuterigkeit ist bei allen Grünhaus-Weinen präsent. Wir probieren das umfangreiche Sortiment und sind begeistert von der Vielfalt und der durchweg hohen Qualität. Zum Abschluss bietet uns Maximin von Grünhaus seine Abtsberg Riesling Beerenauslese 2018 an. Süsse, Tiefe, perfekte Säure und Balance. Wir sind berührt und es wird mucksmäuschenstill im Raum.

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Riesling-Geheimnis Nr. 3: Harmonie

Ute und Thomas Haag verwandelten das Weingut Schloss Lieser von einem Problembetrieb in ein hochdekoriertes Weingut. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr: «Wir sind mit vielen Ungewissheiten gestartet und haben 25 Jahre hart gearbeitet. Unser Motto war immer: Alles aus dem Bauch heraus. Locker bleiben. Wir sind Macher, wir haben das Weingut selbst aufgebaut. Eine eigene Leistung.» Zweimal wurde Thomas Haag in dieser Zeit zum «Winzer des Jahres» gekürt. Eine seltene Ehre.

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Ute Haag erinnert sich auch an Rückschläge. «2013 war zum Beispiel ein extremes Hageljahr. Wir hatten keine Ernte. Mein Mann stand im Weinberg und hat uns erst mal nichts gesagt.» Um das Risiko auszugleichen, bewirtschaftet das Weingut heute zehn verschiedene Lagen in unterschiedlichen Orten. Auch die Nachfolge ist gesichert. Zwei der drei Kinder arbeiten im Betrieb mit. Lara Haag im Marketing und Vertrieb, ihr Bruder Niklas im Weinberg und im Keller. Wir sind angetan von der Offenheit und Herzlichkeit von Ute Haag – und von ihren Weinen. Riesling vom Feinsten mit schöner Mineralität. «Das Geheimnis des Rieslings liegt in der Balance», gibt uns Ute Haag auf den Weg mit.

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Geheimnisse Nr. 4 und Nr. 5: Böden und Reife

Ein Schweizer Käser, der im Rheingau mit biodynamischen Methoden hochwertigen Riesling macht. Wir besuchen das Weingut Kaufmann und treffen Urban Kaufmann und Eva Raps in Hattenheim im Rheingau. Ihre Erfolgsstory ist auch eine Liebesgeschichte. «Meine Begeisterung für Wein begann 1999 bei einer Weinprobe von Martel im Neudorf», erinnert sich Urban Kaufmann, der damals noch in der Nähe von St.Gallen eine Käserei führte. 14 Jahre später, auf der Suche nach einem Weingut in Deutschland, lernte er Eva Raps kennen, seine heutige Partnerin im Leben und in der Leitung des 20-Hektar-VDP-Betriebs. «Ein Glücksfall, dass es hier am Rhein mit uns und mit dem Wein geklappt hat», freuen sich beide. Ihre Riesling-Reben gedeihen auch in trockenen Jahren hervorragend. «Das Geheimnis eines guten Rieslings liegt im Boden», ist Urban Kaufmann überzeugt.

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In Hattenheim wächst der Riesling auf Tonlehm. Weil dieser Boden Wasser gut speichert, machen Hitze und Trockenheit den Reben weniger zu schaffen. Mit einem Riesling-Anteil von 78 Prozent gibt es im Rheingau so viel Riesling wie nirgendwo sonst in Deutschland. Wir befinden uns also mitten im Riesling-Paradies. Dies bestätigt der Besuch im Weingut Robert Weil. Hier wird ausschliesslich mit Riesling gearbeitet. Seit vier Generationen ist die Familie Weil im Weinbau tätig und bewirtschaftet heute eine Fläche von 90 Hektar. Ein Vorzeigebetrieb, dessen Weine mit ihrer typischen Finesse eine klare, unverkennbare Linie zeigen. Diese Rieslinge gehören zu den grossen der Welt, die hervorragend reifen. Das Geheimnis liegt also in der Entwicklung der Weine über die Jahre.

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Geheimnis Nr. 6.: Es sprudelt!

Auf unserer Martel-Deutschlandreise sind wir dem Geheimnis des Rieslings in all seinen Facetten auf der Spur: trocken, restsüss – und als Schaumwein. Um mehr darüber zu erfahren, tauchen wir im hübschen Weinort Eltville am Rhein in die Welt des Rieslingsektes ein. Dank seiner natürlichen Säure eignet sich der Riesling hervorragend als Basis für Schaumweine. Schloss Vaux ist eine Rheingauer Sektmanufaktur mit historischen Verbindungen nach Frankreich und gilt als eine der besten Sektproduzentinnen Deutschlands. Das Unternehmen gehört einer Vereinigung von Sektliebhabern.

Martel Weinwelt - Dem Geheimnis des Rieslings auf der Spur

Die Grundweine werden überwiegend von Winzern des Vertrauens bezogen. Mittlerweile besitzt Schloss Vaux 7,5 ha eigene Weinberge oberhalb von Geisenheim. Wir besichtigen den Bio-Rebberg und geniessen die herrliche Aussicht auf die kleine Universitätsstadt und den Rhein. Zurück in der Sektkellerei kredenzen wir als Weinbegleitung zum Abendessen verschiedene Riesling-Sekte: jung, fruchtig, straff, knackig, zitrisch, exotisch, opulent, mit oder ohne Hefe-, Toast- oder Briochenoten. So kommen wir dem Geheimnis des Rieslings Schluck für Schluck näher.

Panettone und Wein mögen keinen Stress

Martel Weinwelt - Mit Echtem echte Freude schenken

Die Panettone des Bäckermeisters Pietro Cappelli geniessen Kultstatus. In seiner «Fabbrica del Panettone» am Rande der St.Galler Altstadt verarbeitet der Italo-Schweizer in der Hochsaison vor Weihnachten täglich mehrere hundert Kilo Teig zu Panettone. Einen Teil davon nach einem speziellen Martel-Rezept mit in Franciacorta eingelegten Rosinen. Diese Idee entwickelte Cappelli gemeinsam mit Fabiano Di Bacco, einem Martel-Weinexperten mit ebenfalls italienischen Wurzeln. Die beiden treffen sich in der Fattoria Panettone zu einem Tischgespräch über Panettone und Wein.

Martel Tischgespräch

Erzählt mir euren Panettone-Moment!

Pietro Capelli: Meinen ersten Panettone habe ich als Primarschüler bei meiner Nonna in Varese in Norditalien gegessen. Dieser Moment und der Geschmack des Panettone sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Obwohl der erste Bissen Panettone schon 54 Jahre her ist.

Vor allem wollte ich wissen, was im Panettone drin ist. Ich liebte es, die Rosinen herauszupicken.

Fabiano Di Bacco: Ja, das machte ich auch gerne als Kind, es hatte etwas Spielerisches. Panettone ist für mich immer mit Weihnachten und Familie verbunden. Bis heute.

 

Pietro, wie unterscheidet sich dein Panettone von den Produkten, die man im Supermarkt kaufen kann?

Pietro Capelli: Die Industrie produziert nur eine Grösse, 750 Gramm. Bei uns gibt es Panettone von 100 Gramm bis 5 Kilo. Das Wichtigste beim Panettone ist die Frische. Da haben wir mit unserer Manufaktur natürlich einen Vorteil. Wir produzieren und vermarkten direkt. Ohne lange Lagerung und Transportwege.

 

Fabiano, was haben ein guter Panettone und ein guter Wein gemeinsam?

Fabiano Di Bacco: Ich liebe ehrliche Produkte, in denen Tradition, Handwerk und Liebe stecken. Das gilt für Wein genauso wie für Panettone, den ich auch zu den Genussmitteln zähle. Gutes Essen braucht Zeit. Die Trauben bekommen mehr Aroma, wenn sie langsam reifen. Der Wein wird intensiver, je länger er extrahiert und gärt. So entsteht Qualität. Industriell geht das nicht.

Pietro Cappelli: Wir arbeiten so traditionell wie möglich und geben dem Teig viel Zeit. Panettone mag keinen Stress.

Fabiano di Bacco: Wein übrigens auch nicht.

 

Der Martel-Panettone, den ihr gemeinsam entwickelt habt, enthält Rosinen, die in Franciacorta eingelegt sind. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Fabiano Di Bacco: Wir mögen beide Rosinen im Panettone und lieben Franciacorta.

Martel Weinwelt - Panettone und Wein mögen keinen Stress

Pietro Cappelli: Ich habe auch schon Rosinen in Moscato eingelegt. Das machen viele. Panettone mit Franciacorta-getränkten Rosinen gab es bisher nirgendwo auf der Welt. Je länger die Rosinen einweichen, desto besser schmecken sie. Auch hier zählt also der Faktor Zeit.

 

Wie viele verschiedene Panettone produzierst du, Pietro?

Pietro Cappelli: Aus dem Grundrezept kann man fast alles machen. Im Moment sind es etwa 20 verschiedene Sorten. Die Nachfrage ist riesig, vor allem vor Weihnachten. Dann produzieren wir mit 25 bis 30 Mitarbeitenden bis zu einer Tonne Panettone pro Tag. Immer mit guten, natürlichen Zutaten. Künstliche Sachen mache ich nicht.

 

Wo liegt das Geheimnis des Cappelli-Panettone?

Fabiano Di Bacco: Aus meiner Sicht besteht das Geheimnis aus dem handwerklichen Können von Pietro und seiner absoluten Leidenschaft für das Produkt. Er lebt für den Panettone, kauft einzelne Zutaten aus Qualitätsgründen direkt in Italien ein und bringt sie mit dem Auto in seine Bäckerei. Manchmal kommen die Zitronen sogar aus Pietros eigenem Garten auf den Liparischen Inseln bei Sizilien.

Pietro Cappelli: Ich produziere hier in meiner Manufaktur und man sieht alles. Das Geheimnis ist also, dass ich gar keine Geheimnisse habe.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Mit Echtem echte Freude schenken

Martel Weinwelt - Mit Echtem echte Freude schenken

Es ist anspruchsvoll, ein Geschenk für seine Lieben, seine Mitarbeitenden oder WG-Gspänli zu finden, das gleichzeitig schön und nachhaltig ist – und noch dazu gut schmeckt. Mit Qualitätswein und handwerklich hergestellten Lebensmitteln gelingt das erstaunlich oft. Ein solches Geschenk macht alle glücklich. Eine Studentin, ein Unternehmer und eine Italien-«Esspertin» berichten über ihre Erfahrungen mit Weingeschenken und Genusspaketen von Martel.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Martel Weinwelt - Mit Echtem echte Freude schenken

Lisa Hefti, Medizinstudentin, Basel

«Wir sind eine WG von vier Studentinnen aus Basel und kennen uns schon länger, da wir bereits ein Austauschjahr zusammen im Wallis verbrachten. Die Stimmung bei uns in der Wohngemeinschaft ist manchmal fast zu gut zum Lernen. In unserer WG essen wir oft zusammen, immer vegetarisch. Eine von uns lebt fast vegan. Das bedeutet, dass es ab und zu Käse gibt – auch in Form eines Fondues. Am Helvetia Käsefondue von Martel gefällt uns, dass es handgemacht und nicht industriell hergestellt ist. Etwas Besonderes. Der Weisswein Chiar di Luna aus dem Tessin passt perfekt zum Fondue. Wir trinken alle lieber Weisswein als Rotwein – und einen weissen Merlot hatten wir noch nie. Dieses Genusspaket ist genau unser Ding.»

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Reto Graf, Unternehmer

«Seit vielen Jahren schenken wir unseren Kundinnen und Kunden zu Weihnachten je zwei Flaschen eines Weins von Martel, bei dessen Auswahl ich mich mit Freude engagiere. Stets bin ich auf der Suche nach besonderen Weinen, die nicht so bekannt sind. Für die Auswahl probiere ich zusammen mit Jan Martel verschiedene Muster und interessiere mich für die Geschichte des Weinguts und dessen Terroir. Einen Unterschied machen auch die Herstellung und Reifung der Weine. Einige dieser Weingüter habe ich auch schon selbst besucht. Ich bin sicher, dass die Kunden merken, dass wir als Unternehmen unser jährliches Weinpräsent mit Sorgfalt auswählen und auf Individualität sowie hohe Qualität setzen – wie im Geschäft. Wir schenken echte Freude mit echtem Genuss.»

Martel Weinwelt - Mit Echtem echte Freude schenken

Cinzia De Luca, Appenzell-Apulierin

«Mein Herz schlägt für Apulien – und für Taralli. Das Gebäck ist so einfach – und so gut! Meine Eltern stammen aus Apulien. Deshalb sind Taralli für mich ein Stück süditalienische Heimat, auch wenn ich im Appenzellerland aufgewachsen bin. Taralli werden aus den Produkten gebacken, die das Land hergibt. Mehl, Weisswein, Olivenöl. Es gibt unzählige Varianten, mit oder ohne Wein, mit Fenchel, Zwiebeln, Peperoncini oder getrockneten Tomaten. Manchmal sind sie sogar süss. Die Bäcker Apuliens wetteifern um die besten Taralli oder Tarallini, der kleineren Version. Dieses Gebäck ist aus Süditalien nicht wegzudenken. Man isst es als guten «Fast Food» zum Aperitif oder nimmt ein paar Taralli zum Wein. Primitivo passt natürlich perfetto. Übrigens: Taralli helfen hervorragend gegen Heimweh – oder Fernweh – nach Apulien.»

Martel Weinwelt - Mit Echtem echte Freude schenken

Milano, Genusspaket-Klassiker

Viele können es kaum erwarten, bis wenige Wochen vor Weihnachten die Kombination aus Panettone di San Gallo und Franciacorta brut Emozione wieder erhältlich ist. Dieser Franciacorta des erstklassigen Produzenten Villa ist ein eleganter, hochwertiger Schaumwein aus Norditalien. Dazu passt ein Stück Panettone di San Gallo vom legendären St. Galler Meisterbäcker Pietro Capelli ideal. Für seinen Martel-Panettone verwendet Capelli Weinbeeren, die mindestens 30 Tage im italienischen Schaumwein eingelegt und anschliessend mit dem Teig vermischt werden. Vorteil des «Milano»-Genusspakets: Es ist ein Unikat und dank unserem Versand oft die einzige Möglichkeit, ausserhalb St.Gallens vor Weihnachten einen der begehrten Cappelli-Panettoni frisch zu geniessen. Buonissimo!

Bonjour Féchy! Mon stage en Suisse romande

Martel Weinwelt - Bonjour Féchy! Mon stage en Suisse romande

Geraldine Schürch, Lernende im zweiten Lehrjahr bei der Weinhandlung Martel, hat ein spannendes Praktikum auf einem Weingut in der Westschweiz absolviert. Dort erlebte sie einiges und kehrte mit einem neuen Gefühl für Wein zurück nach Hause.  

«Zwei Fliegen mit einer Klappe: Während eines Praktikums auf einem Weingut in der Westschweiz meine Französischkenntnisse verbessern und gleichzeitig mehr über Wein erfahren. Ich war sofort begeistert von der Idee meiner Lehrlingsverantwortlichen und voll dabei. Die Wahl fiel auf Paccot – Domaine de Colombe – in Féchy am Genfersee. Das Bioweingut arbeitet schon lange mit Martel zusammen. Laura Paccot, die junge Betriebsleiterin, freute sich über unsere Anfrage und lud mich während der Erntezeit zu sich auf das Weingut ein. Ursprünglich war der Aufenthalt in den Herbstferien geplant, aber dann startete die Weinlese unerwartet früh und wir mussten umdisponieren. Ich bekam kurzfristig Urlaub von der Schule. Alles ging sehr schnell. Meine Freunde und Freundinnen fanden mein Projekt cool.

Ich setzte mich an einen Fensterplatz in den Zug und kurz nach Bern erlebte ich mit dem ersten Blick auf den Genfersee meinen ersten grossen Romandie-Moment: Wow, ist das schön hier! Allerdings hatte ich mir die Gegend anders vorgestellt. Weniger steile Hänge, eher flach, wie am Bodensee. Am ersten Tag auf dem Weingut bekam ich Gummistiefel und eine Rebschere. Keine Handschuhe. Dann ging es in den Weinberg. Dort standen schon einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alle sprachen Französisch. Die Verständigung war zu Beginn noch etwas holprig. Trotzdem: ein guter Anfang, es gefiel mir. Zum Mittagessen trafen wir uns in einem Restaurant in Féchy. Es gab Salat, Suppe, ein Hauptgericht – und Wein.

Am Nachmittag zurück in die Reben. Die Arbeit im Weinberg war hart. Vor allem meine Fingernägel litten darunter. Also habe ich sie kurzerhand sehr kurz geschnitten.

Martel Weinwelt - Bonjour Féchy! Mon stage en Suisse romande

Die zweite Hälfte der Woche konnte ich im Weinkeller mitarbeiten, die Trauben in die Presse füllen und die Traubenkisten waschen. Ich verstand nicht alles auf Französisch, aber es wurde immer besser. Manchmal behalfen wir uns mit Deutsch oder Englisch. Es war das erste Mal, dass ich ausserhalb der Schule Französisch gesprochen habe und davon profitierte ich echt.

Und ich lernte einiges über die Arbeit im Weinberg und über die Weinherstellung. Wein fasziniert mich und ich möchte mehr darüber erfahren. Besonders beeindruckte mich, wie sich der Geschmack des jungen Weins während der Gärung verändert. Laura Paccot und ihr ganzes Team waren sehr liebenswürdig zu mir. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir bleiben in Kontakt. Merci et au revoir, Féchy!»

 

Weine von Paccot

«Meine Anfänge in Burgund waren abenteuerlich»

Martel Weinwelt - «Meine Anfänge in Burgund waren abenteuerlich»

Das Weinbaugebiet Burgund hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Der internationale Weinmarkt und die Klimaerwärmung haben viel Bewegung in die klassische Weinregion gebracht. Unser langjähriger Einkaufsleiter Martin Schwarz hat diese Entwicklung hautnah miterlebt. Im Interview erklärt er, wo er die grossen Veränderungen im Burgund in den letzten 40 Jahren sieht. Was gut ist und was ihm Sorgen bereitet.

Martin Schwarz, die Domaine de la Romanée-Conti ist das grosse Aushängeschild des Burgunds. Die Weine werden heute weltweit zu Höchstpreisen gehandelt. Wie war das früher?

Bei Martel haben wir 1990 mit Romanée-Conti angefangen, das war damals schon eine Ehre, denn es gab nur einen Importeur pro Land. Die Weine der Domaine waren schon damals relativ teuer, aber bei weitem nicht so teuer wie heute. Ich erinnere mich an Preise um die 60 Franken pro Flasche. Am Anfang hatten wir tatsächlich Bedenken: Was machen wir mit den Romanée-Conti-Flaschen, wenn der Jahrgang schlecht ist und niemand sie kauft? Wir organisierten in unserem Lager eine Degustation mit sieben Weinen der Domaine. Die Gäste konnten sich bedienen. Kostenlos natürlich. Das war ganz unprätentiös. Damals konnte man zum Beispiel im St. Galler Restaurant «Wienerberg» eine Flasche Echézeaux der Domaine Romanée-Conti für unter 100 Franken trinken. Das ist heute absolut unvorstellbar. Ich sehe die Preisentwicklung der Luxusweine – und damit meine ich gewisse Weine – im Burgund kritisch. Ich befürchte, dass solche Preisexzesse, die vom Sekundärmarkt beeinflusst werden, dem Weinbaugebiet insgesamt schaden.

Du bist Ende der 70er-Jahre zum ersten Mal ins Burgund gekommen. Wie war das?

Abenteuerlich. Ich hatte einen besonderen Auftrag. Mein damaliger Chef Wolfram Martel hatte im Burgund eine Autopanne. Er war mit Gästen unterwegs und konnte mit dem Auto eines Winzers in die Schweiz fahren. Ich musste dann den Simca des Winzers nach Frankreich zurückbringen und den Ford Granada von Wolfram Martel im Burgund abholen. Mit 18 oder 19 Jahren hatte ich noch keine Ahnung vom Burgund und seinen Weinen. Irgendwann hat es mich dort gepackt. Mit dem Weinatlas auf den Knien durchstreifte ich dieses wunderbare Weinbaugebiet und lernte es so kennen. Im Keller unseres Négociants Jean-Pierre Escano habe ich meine ersten Proben direkt vom Fass gemacht, das hat mich fasziniert. Auf dieser Reise wurde mir auch bewusst, wie wichtig die Beziehung der Schweiz zum Burgund ist. Historisch und auch den Wein betreffend. Wir sind sehr eng mit Burgund verbunden. Das fand und finde ich sehr spannend. Heute ist Martel praktisch im Burgund zuhause.

Wie hast du bei Martel angefangen?

Ich habe 1976 als kaufmännischer Lehrling bei Martel angefangen und kam so schon früh mit Wein in Berührung. Damals war der Handel noch anders und das Burgund einfacher. Fast der gesamte Weinhandel im Burgund lief über Négociants. Ein wichtiger Négociant, Pierre Ponnelle, deckte alle Gebiete ab, von Châteauneuf-du-Pape im Rhônetal, über das Beaujolais, das klassische Burgund, bis zum Chablis-Gebiet im Norden. Damals gab es noch sehr wenige Weingüter, die ihre Weine selbst kelterten, abfüllten und mit ihrem Etikett/Namen versahen. Die Burgunder der Domaine G. Roumier, die wir heute noch führen, wurden erst Anfang der 80er-Jahre selbst abgefüllt. 1984 war ich zum ersten Mal bei Georges Roumier. In den folgenden Jahren habe ich hautnah miterlebt, wie immer mehr Selbstkelterer hinzukamen. Damit wurde die Situation natürlich vielfältiger und gleichzeitig unübersichtlicher.

Martel Weinwelt - «Meine Anfänge in Burgund waren abenteuerlich»

Heute sind in der Schweiz unvorstellbar viele Weine aus aller Welt erhältlich, auch via Internet. Wie sah das Angebot Mitte der 1980er-Jahre aus?

Damals gab es auf der Welt nur ein Land, das für seinen Wein berühmt war: Frankreich mit den beiden wichtigen Regionen Burgund und Bordeaux. Italien oder Spanien waren vor 40 Jahren in der Schweiz kaum ein Thema. Vor 50 oder 100 Jahren galt Wein vor allem als Lebensmittel, als selbstverständlicher Bestandteil einer Mahlzeit. Es wurde auch viel mehr Wein getrunken. Viele Winzer – nicht alle – haben damals einfach versucht, vor allem viel Wein zu machen – nicht möglichst guten. Die Menge zählte. Der Qualität hat das natürlich nicht geholfen, im Gegenteil. Auch das Burgund blieb damals von dieser Entwicklung nicht verschont.

Wann und wie hat sich das geändert?

Viele Verbesserungen waren mit einem Generationswechsel verbunden. Ein weltweites Phänomen. Die damalig neue Generation hatte eine seriöse Ausbildung im Weinbau und in der Weinbereitung. Das ganze Weinbusiness wurde professionalisiert. Technisch fehlerhafte Weine gibt es inzwischen kaum mehr. Man kann wirklich sagen: Die Qualität der Weine ist heute durchs Band viel höher als damals, auch die Jahrgänge werden immer besser. Ich erinnere mich: 1980, 1981 und 1982 waren schwierige Jahrgänge. Hätte man zu dieser Zeit über das heutige Können und Wissen verfügt, wären die Jahrgänge zu retten gewesen.

Du hast bei Martel zuerst in der Verwaltung gearbeitet, dann in der Gastronomieberatung, bevor du in den Einkauf gekommen bist. Was war anders?

Im Verkauf macht es Spass, den Kundinnen und Kunden das Wissen und die Begeisterung zu vermitteln, die Unterschiede zwischen den Weinen aufzuzeigen. Im Einkauf kann man aus dem Kontakt mit den Weingütern sowie deren Winzerinnen und Winzern Freude und Inspiration ziehen. Unser Vorteil als Qualitätsweinhändler ist es, dass wir mit klugen Menschen zu tun haben. Für Qualitätswein braucht man intelligente Menschen – mit denen man sich auch über andere Dinge als Wein unterhalten kann.

Burgunder im Shop

Wie gross war das Interesse an Wein vor 30, 40 Jahren?

Die breite Öffentlichkeit wusste wenig über Wein. Es gab kaum Bücher über Weinbaugebiete, ganz zu schweigen von Radio- und Fernsehsendungen oder Zeitungsartikeln. Heute ist Wein ein Teil des Lebensstils und fast jedes Medium berichtet regelmässig über Wein. Das war damals ganz anders.

Heute ist Wein ein grosses Thema und das Burgund steht im Fokus des Interesses von Weinfreaks aus aller Welt. Wie kam das?

Ab dem sogenannten Jahrhundert-Jahrgang 2009 ging im Burgund die Post so richtig ab. Das hatte zum einen mit den kleineren Mengen und den besseren Qualitäten zu tun. Journalisten schrieben über die positive Entwicklung. In der ganzen Welt stieg das Bewusstsein, dass die mitunter besten Weine aus dem Burgund kommen. Zum anderen kamen neue Märkte in Asien und Osteuropa dazu, vor allem Russland. Plötzlich war viel Geld im Spiel. Leute und Unternehmen mit dem nötigen «Kleingeld» fingen an, Burgunder zu kaufen. Wegen der hohen Nachfrage und der fast gleichbleibenden Menge wurden die Weine teurer. Die Preise schossen in die Höhe.

Wie wirkten sich die besseren Verkäufe auf die Weinregion aus?

Natürlich positiv, aber nicht nur. Der kommerzielle Erfolg Burgunds ist sicher zum Teil auch ungesund. Unser Winzer Guillaume Tardy sagte mir zum Beispiel mal halb im Spass, dass er sich seine eigenen Weine nicht mehr leisten könne, so teuer seien sie geworden. Für die Winzerfamilien ist der finanzielle Aufschwung Segen und Fluch zugleich. Erbteilungen werden zum Problem, es ist kaum mehr möglich, dass ein Familienteil den anderen ausbezahlt. Ich befürchte, dass sich die Region durch die vielen ausländischen Investitionen auch etwas verkauft. Für die privaten Winzer ist es schwierig, dem Druck des vielen Geldes standzuhalten. Das finde ich schade.

Aus dem Burgund kommen heute die mitunter besten Weine der Welt. Weshalb ist das so?

Die Antwort ist klar. Es ist das gesegnete burgundische Terroir. Die grossen Weine sind unter anderem den speziellen geologischen Formationen zu verdanken. Solch einzigartige Lagen gibt es sonst weltweit nirgends. Für mich ist das Burgund wirklich der Olymp der Weine.

 Was bedeutet der Klimawandel für diese Lagen?

Reifere Jahrgänge, früherer Wachstumsstart der Reben, verbunden mit grosser Gefahr von Kälteeinbrüchen mit Frost im Frühling, Gewitter mit Hagel. Insgesamt profitiert das Burgund von den Klimaveränderungen der letzten Jahre. Die Reben passen sich an. Das zeigten die vergangenen heissen und trockenen Jahre. 2021 war ein kühlerer und feuchterer Jahrgang und damit schon fast die Ausnahme. Auch in heisseren Jahren bestätigt sich: Erstklassige Lagen bleiben top. Das ist beruhigend.

Was wünschst du dir für Burgund?

Dass das kulturhistorische Erbe erhalten bleibt. Dass das viele Geld keine verheerenden Auswirkungen auf die Jugend hat. Die Leute sind an Wohlstand gewöhnt. Man sieht es den gepflegten Häusern an.

Wann fährst du das nächste Mal nach Burgund?

Im November. Zum ersten Mal privat.

Und worauf freust du dich besonders?

Nach Hause zu kommen. Freunde zu treffen. Und ein paar Weine zu probieren. Es wird nicht so viel anders sein als in meiner Zeit als Einkäufer. Ich muss mich bei meinem Besuch einfach nicht mehr um das Geschäft kümmern und kann entspannt die Weine probieren, Weingenuss pur.

Alles fliesst – authentische Architektur für Weingüter

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2024

Wein und Architektur können sich gegenseitig anziehen und befruchten. Das zeigt unsere Reportage aus der Bündner Herrschaft. Mit dem Architekten Daniel Ladner besuchen wir die Weingüter Obrecht in Jenins und Gantenbein in Fläsch, die sein Churer Büro «Bearth & Deplazes Architekten» gebaut hat.

Martel Weinwelt - Alles fliesst – authentische Architektur für Weingüter

Typisch Obrecht

«Die Leidenschaft, mit der hier Wein produziert wird, inspiriert mich», sagt Daniel Ladner auf dem Weingut Obrecht in Jenins. Hier blieb bei der aktuellen Neugestaltung kaum ein Stein auf dem anderen. Unter der Leitung von Daniel Ladner und dessen Büro Bearth & Deplazes Architekten entstanden auf dem bestehenden Hofplatz drei neue Gebäude für den Gästebereich, die Büros und die landwirtschaftlichen Fahrzeuge. Im weitläufigen unterirdischen Keller ist die Weinproduktion untergebracht. Der Eingang zum Untergeschoss beeindruckt: Ein überdimensioniertes Klapptor öffnet den Zugang zur Kellerei. Hier werden im Herbst die Trauben angeliefert, gewogen und im Nebenraum gekühlt. Francisca Obrecht erklärt: «Die Kühlung hilft uns sehr. Bei der biodynamischen Weinbereitung ist es besonders wichtig, dass wir die Trauben sauber sortieren können. So bringen wir möglichst wenig Botrytis und wilde Hefen in die Maischegärung. Dank der kühlen Lagerung können wir die Trauben ohne Zeitdruck sortieren.»

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Passende Architektur

Das neue Gebäude erleichtert der Winzerfamilie die Arbeit. Die durchdachte Anlieferung und der grosszügige, auf die Bedürfnisse des Betriebes ausgerichtete Keller schaffen Entlastung. Daniel Ladner: «Eine Architektin oder ein Architekt muss den Auftraggebern zuhören und bei der Planung auf deren Bedürfnisse und Wünsche eingehen. Die Architektur für ein Weingut soll zum Stil der Winzerfamilie passen und vor allem praktisch sein.» Vor dem grossen Umbau konnte in den alten, kleinen Kellerräumen des Weinguts nicht mehr effizient gearbeitet werden. Christian und Francisca Obrecht wichen deshalb für einige Jahre mit der Produktion in eine Industriehalle am Dorfrand aus. Dort machten sie gute Erfahrungen mit der Arbeitsweise auf einer horizontalen Fläche und wollten diese beibehalten. Mit diesem praktischen Anliegen stiessen sie beim Architekten auf offene Ohren: «Ein Gebäude muss nutzbar sein. Gleichzeitig darf es gut aussehen und kann den Bezug zum Ort zeigen. Das eine schliesst das andere nicht aus», ist Daniel Ladner überzeugt. Im Obrecht-Keller zeigt sich die Ästhetik im passenden Schnitt der turnhallengrossen Cuverie. Die imposanten Reife- und Lagerkeller wirken mit ihrem rubinroten Anstrich fast sakral. Daniel Ladner: «Typisch Obrecht eben. So einen Keller gibt es sonst nirgends. Das soll auch so sein.»

 

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Vorbild Gantenbein

Das Winzerpaar Obrecht wurde auf das Architekturbüro von Daniel Ladner aufmerksam, weil dieses vor bald 20 Jahren nur zwei Dörfer weiter den Neubau des Weinguts Gantenbein plante und realisierte. Auch bei Martha und Daniel Gantenbein in Fläsch standen die Architekten vor der Herausforderung, ein bestehendes Gebäude mit einem Neubau zu ergänzen. Bei unserem gemeinsamen Rundgang durch das Weingut Gantenbein zeigt sich Daniel Ladner noch heute zufrieden mit dem Bau: «Ich finde das Gebäude nach wie vor gut und stimmig. Es bewährt sich und altert schön.» Gestalterisch wurden Elemente des bestehenden Gebäudes aus den 80er-Jahren in den Neubau übernommen. Ein besonderes Stilelement ist die Klinkerfassade, die mit Hilfe eines Mauerwerk-Roboters hergestellt wurde. Dieser verdrehte jeden einzelnen Ziegel in einem unterschiedlichen Winkel. Mit dem Effekt, dass sich beim Betrachten der Fassade je nach Tageszeit und Witterungsstimmung ein reizvolles Spiel von Licht und Schatten entfaltet.

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Form folgt Funktion

Auch beim Gantenbein-Projekt habe man genau zugehört, was der Bauherrschaft wichtig war, erzählt Daniel Ladner (hier im Bild) bei unserem Besuch. Daniel und Martha Gantenbein wünschten sich eine Produktion, die mit einfachen Abläufen und ohne Umpumpen, also nur mit Schwerkraft, funktioniert. Der Bau wurde ganz auf diese Bedürfnisse ausgerichtet. Daniel Ladner: «Wir gestalten nicht um der Kunst willen, l’art pour l’art.» Dennoch findet sich viel Schönes in dieser Kellerei. Zum Beispiel der von imposanten Pilzstützen geprägte Keller oder der Verkostungsraum im obersten Stockwerk mit seiner atemberaubenden Aussicht in die Rebberge und Kulturlandschaft.

Ausgezeichnete Gebäude

Das Gantenbein-Gebäude in Fläsch erhielt zahlreiche Architekturpreise. Auch der Neubau des Weinguts Obrecht in Fläsch erhält viel Lob und Anerkennung. Architekt Daniel Ladner hat sein Ziel bei der Gestaltung dieser zwei Weingüter erreicht. «Alles muss fliessen. Ich will Gebäude entwerfen und bauen, bei denen alles eine Logik hat und authentisch wirkt.»

Bündner Vorzeige-Weingüter

Die beiden Weingüter Gantenbein und Obrecht stehen für authentische Weine aus der Bündner Herrschaft. Gantenbein gilt als Pionier für erstklassigen Schweizer Pinot Noir und als Qualitätslokomotive. Obrecht gehört zu den führenden Betrieben, die biodynamisch arbeiten und auch Schaumwein im Angebot führen. Während die Weine von Gantenbein im oberen Preissegment angesiedelt und bei Martel nur auf Anfrage erhältlich sind, bietet Obrecht auch Weine an, die sich ideal für den Einstieg in diese faszinierende Weinregion eignen.

Weine von Obrecht

Insider-Tipps aus den Wein-Hotspots

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories 2024

Entdecken Sie mit Martel die Hotspots der Weinwelt. Begleiten Sie uns auf einer Weintour vom Wallis über angesagte europäische Gegenden bis hin nach Kalifornien, Argentinien und Australien. Diese Weine gilt es frisch zu entdecken. Als Überraschung stellen wir aufstrebende Weinregionen aus Osteuropa vor. So lernen Sie neue, faszinierende Weine und Geschichten kennen.

Martel Weinwelt - Insider-Tipps aus den Wein-Hotspots

Wallis

Insider: Thomas Bürkli
Wallis-Kenner Martel-Team

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«Ich bin oft im Wallis unterwegs und jedes Mal begeistert von dieser unglaublich schönen Schweizer Weinregion. Imposante Steillagen und Weinqualität auf hohem Niveau. Auch staune ich immer wieder, wie gross das touristische Angebot für Weinliebhaber ist. Es gibt unzählige Möglichkeiten, in dieser Region rund um den Wein etwas zu erleben. Sehenswert ist zum Beispiel das Ausflugsziel Les Celliers de Sion. Ein glitzerndes Gebäude, in dem man viel über die lokale Weinkultur erfahren kann. Der Ort eignet sich auch als Ausgangspunkt für wunderbare Spaziergänge in den umliegenden Weinbergen. Dort ein Picknick zu machen, ist einfach herrlich.»

 

Weine aus dem Wallis

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Slowenien

Insider: Andrej Macuh
Chef de Rang
Restaurant Löwengarten, Rorschach

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«Als Slowene liebe ich den slowenischen Wein. Aufgewachsen bin ich in Slovenske Konjice, einer Kleinstadt in der sogenannten Untersteiermark, wo man viel sehen und erleben kann. Mein Heimatort ist bekannt für Rosen und Wein, eine sehr schöne Kombination. Rund um die Stadt sieht man Weingärten. Unsere Weine sind unglaublich vielfältig und von hoher Qualität. Es gibt auch eine lebendige Naturweinszene. Hier kann man prima auf den Geschmack kommen. Langsam entdeckt man die slowenischen Weine auch in der Schweiz, was mich natürlich speziell freut.»

NEU: Weine aus Slowenien

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Süditalien

Familie Cambria
Weingut Cottanera, Ätna

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«Unsere Weinregion am Ätna gehört zu den spektakulärsten der Welt. Wo sonst sieht man aus dem Weinberg die Rauchwolken eines aktiven Vulkans aufsteigen? Auf den schwarzen Böden am Fusse des Ätna wachsen uralte, zum Teil wurzelechte Reben. Die Weine vom Ätna unterscheiden sich oft durch ihre Eleganz und Frische von den Weinen aus dem übrigen Sizilien. Wir schätzen die Auswahl an lokalen Weinen im Boutique-Hotel Shalai. Wer in den Ferien gerne Berge besteigt, kann eine der vielen Touren auf den Ätna buchen. Der mächtigste Vulkan Europas ist über 3’300 Meter hoch. Das sollte für Schweizerinnen und Schweizer ja kein Problem sein.»

Weine der Familie Cambria

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Kalifornien

Vito Corrado
USA-Kenner im Martel-Team

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«Mit seinen Pinienwäldern, dem Meer und den Weinbergen erinnert mich Kalifornien an meine Lieblingsregion in Italien, Bolgheri im Süden der Toskana. In Kalifornien finden sich die mit Abstand die wichtigsten Weinbauregionen der USA. Der Westen der USA steht nicht nur für Cabernet Sauvignon, Zinfandel und Merlot, sondern auch für beachtenswerte Weissweine. Chardonnay und Sauvignon Blanc zeigen sich heute elegant und finessenreich. Sie gedeihen neben dem Pinot Noir vor allem in den kühleren Regionen Kaliforniens, in der Nähe des Pazifiks, wo die Temperaturen milder sind und der Nebel für zusätzliche Kühle sorgt. Diese dichten Nebelschwaden über den Weinbergen zu erleben, ist ein absolut faszinierendes Erlebnis.»

Weine aus Kalifornien

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Australien

Insider: Simon Keel
Schweizer Koch in Melbourne, Australien

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«Ja, die Melbournians sind zu Recht stolz auf ihre Weingüter und die nahe gelegenen Weinregionen Yarra Valley und Mornington Peninsula. Die meisten Wineries sind auch am Wochenende geöffnet und haben viele gute bis sehr gute Restaurants. In Melbourne gibt es wahrscheinlich mehrere hundert Weinbars, fast für jeden Tag des Jahres eine. Besonders gerne kehren wir im «Dons» ein. Ein cooler Laden. Total unkompliziert, sehr zugänglich, die Küche setzt auf lokale Produkte und befindet sich gleich hinter der grossen, langen Bar. Da sage ich doch: Cheers aus Melbourne!»

Australische Weine

Martel Weinwelt - Insider-Tipps aus den Wein-Hotspots

Argentinien

Insider: Anna Burger
Familienweingut Huarpe Wines, Mendoza

Martel Weinwelt - Insider-Tipps aus den Wein-Hotspots

«Mendoza ist ohne Zweifel ein Hotspot der Weinwelt. Hier dreht sich alles um den Wein und Menschen aus der ganzen Welt besuchen uns. Wir lieben das Leben in Argentinien und geniessen es, mit Freunden und Familie bei einem guten Malbec und einem schönen Stück leckeren Grilladen zusammen zu sein. Besonders empfehlen kann ich die Chacras de Coria, ein hippes Viertel. Mit seiner grossen Auswahl an Hotels, von einfach bis chic, ist es der ideale Ausgangspunkt für Weintouren. In Chacras de Coria gibt es unzählige Weinbars und kleine Restaurants. Es ist immer etwas los. Eine lebendige Szene und pura vida.»

Weine von Huarpe

Wein & Hobby

Martel Weinwelt - Wein & Hobby

Wir Martel-Mitarbeitende sind Weinfans. Und wir pflegen Hobbys, die wir gern mit Wein verbinden. Lesen Sie hier von Leidenschaften, die sich – vielleicht zu Ihrer Überraschung – wunderbar mit Wein kombinieren lassen. 

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Hochzeitsplanung & Champagner
Emina Latifovic, Leiterin Verkaufsinnendienst

«Hochzeiten begeisterten mich schon immer. Deshalb entschied ich mich, mein Organisationstalent und meinen Sinn fürs Schöne bei Hochzeiten einzusetzen. Ich absolvierte die Ausbildung zum Wedding Planner. Dabei lernten wir unter anderem, Offerten und ganze Drehbücher für Hochzeitsfeiern zu erstellen. Heute kommen von Zeit zu Zeit Paare auf mich zu und fragen nach Hilfe. Mein Ziel ist es, sie bei der Planung und Umsetzung ihrer Hochzeit voll zu unterstützen. Zuerst möchte ich ihre Persönlichkeit und ihren Stil erfassen. Dann geht es weiter mit der Wahl der Location. Bei der Planung einer Hochzeit gibt es unzählige Dinge zu erledigen und Entscheide zu fällen: Hochzeitskleid, Gästeliste, Gefährt, Blumendeko, Tischkarten, Fotografie, Video, DJ, Band, Hochzeitsmenu und vieles mehr.

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Natürlich ist die Auswahl der Getränke wichtig. Beim Hochzeitsapéro muss es einfach Champagner sein, finde ich. Gerne empfehle ich meinen Lieblingschampagner von Gosset. Die Grande Réserve ist hochwertig, frisch und cremig. Das lieben alle. Bei den Weiss- und Rotweinen achte ich darauf, dass sie dem Geschmack des Hochzeitspaars entsprechen und zum Essen passen. Am Tag der Hochzeit halte ich die Fäden in der Hand und sorge dafür, dass die Eheleute ihren grossen Tag frei von organisatorischen Belangen geniessen können. Klar ist mein Hobby als Wedding Planner auch mal stressig. Aber wenn alles wie am Schnürchen klappt und ich sehe, wie glücklich das Brautpaar und die Gäste sind, freut es mich enorm. Ich kriege wunderbarste Emotionen zurück. Das ist unbezahlbar. Liebe ist die grösste Energie.»

 

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American Football & Zinfandel
Michael Wäger, Leiter Logistik

«American Football ist meine grosse Leidenschaft. Trotz dessen, dass die Sportart in meiner Jugend in der Schweiz fast unbekannt war, begann ich bereits als 16-Jähriger bei den damaligen St.Gallen Raiders zu spielen, heute heisst der Club St.Gallen Bears. Bis 34 spielte ich aktiv, später engagierte ich mich als Coach. An American Football begeistert mich die Kombination von Athletik, Kraft und Strategie. Es braucht Muskeln und Köpfchen – so nennen einige den Sport auch Rasenschach. Mich fasziniert, wie leidenschaftlich und professionell der Sport in den USA betrieben wird. American Football geniesst in den Vereinigten Staaten einen hohen Stellenwert und ist eng mit dem Schulsystem und der Gesellschaft verknüpft.

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Schon früh wurde ich ein Fan der US-Mannschaft Oakland Raiders. Später wechselte das Team nach Los Angeles und heute spielt es in einem riesigen Stadion in Las Vegas. Diese Football-Arena möchte ich gerne einmal besuchen – ein Traum von mir. Zuhause verfolge ich jedes Spiel der Las Vegas Raiders am Fernsehen, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Mir gefällt die amerikanische Lebensart und so konnte ich in meinen Anfangsjahren bei Martel zwei Wochen auf einem kalifornischen Weingut mitarbeiten. Dort lernte ich Zinfandel kennen. Ich liebe die Frucht und Kraft dieser Weine. Übrigens traf ich damals auf dem Weingut eines meiner Football-Idole persönlich. Mehr konnte ich mir von diesem USA-Trip nicht wünschen.»

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Tango & Malbec
Edith Meyenberger, Einkaufsorganisation

«Tango ist ein Gefühl, das man tanzen kann. Tango ist Musik. Kommunikation. Getanzte Poesie. Vor sechs Jahren habe ich das erste Mal Tango getanzt. Schnell wurde mein Feuer für den Tango entfacht, dieses Tangofieber hält bis heute an. Ich nehme regelmässig an Milongas – also lateinamerikanische Tanzveranstaltungen – in St.Gallen, Winterthur, Zürich und in anderen Schweizer Städten teil. Tanzen macht glücklich. Es ist eine Wohltat für Körper, Geist und Seele – und die Milonga-Abende haben auch eine gesellige Komponente.

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Dabei wird Wein getrunken, meist aus Argentinien. Malbec und Tango passen perfekt zusammen: Sie verbinden Harmonie und Sinnlichkeit. Ich mag die kräftigen Weine aus dieser Traube. Schliesslich ist Malbec rassig und üppig in der Aromatik, komplex und tiefgründig wie der Tango. Mein Traum ist es, einmal in Buenos Aires Tango zu tanzen. Ich war noch nie in Argentinien und möchte das Ursprungsland meiner Tango-Leidenschaft gerne kennenlernen. Auch das gefällt mir am Tango und am Wein: Er verbindet Menschen und Länder.»

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Tattoos & Vermentino
Romina Bärtsch, Grafikdesignerin

«Wenn ich die Skizzen für meine Tattoos vorbereite, trinke ich gerne ein Glas sardischen Vermentino dazu. Dieser Wein passt mir: Er schmeckt frisch, nach Süden und nach Meer. Stets habe ich einige Flaschen davon zuhause vorrätig, sie erinnern mich an Sardinien. Vor Jahren campierten wir wild an verschiedenen Orten auf der italienischen Insel und ich genoss das sehr. Natur, Freiheit, Sommer – herrlich! Bei meinem Lieblings-Vermentino sind die Flaschenform und das Design der Etikette erfrischend anders. Die Grafik ist reduziert, zweidimensional und gibt Rätsel auf. Was sind das wohl für Figuren? Die Aufmachung wirkt auf mich jung, frisch, ein wenig unkonventionell und trotzdem sauber und seriös.

Martel Weinwelt - Wein & Hobby

Hier sehe ich Parallelen zu meinem Hobby. Seit zwei Jahren entwerfe und steche ich Tattoos. Ohne Maschine, nur mit der Nadel. Diese Technik nennt man Handpoke. Sie verursacht kaum Schmerzen und es blutet nur selten. Für mich bedeutet das Tätowieren eine schöne handwerkliche Abwechslung von meiner oft digitalen Arbeit. Im Job eilt es manchmal, beim Tätowieren lasse ich mir Zeit, mache alles mit Bedacht. Man könnte sagen: Es ist eine fast meditative Betätigung. Freundinnen und Bekannte lassen sich von mir Tattoos nach meinen Designs stechen. Und ich selbst trage auch einige davon. Die Sujets, die ich dafür entwickle, sind im Stil zurückhaltend und ähnlich mehrdimensional wie das Etikettendesign meines sardischen Vermentinos.»

Die Weinflasche gehört auf den Tisch!

Martel Weinwelt - Die Weinflasche gehört auf den Tisch!

Wer oft in Restaurants zu Gast ist, kennt die Situation: Man sitzt am Tisch und fragt sich: Wo ist die Flasche Wein hin, die eben noch da war? Oft stellte der Kellner oder die Sommelière die Flasche an einen anderen Ort. Ohne schlechte Absicht und im Glauben, dass sich dies so gehört. Weinliebhaber wie Jan Martel bevorzugen es allerdings, wenn die Flasche in der Nähe bleibt.

«Wenn das Servicepersonal die Weinflaschen nach dem Einschenken vom Tisch wegbringt, stört mich das», sagt Jan Martel, Geschäftsführer unserer Weinhandlung. «Ich vermisse die Flasche. Besonders, wenn ich mit einer Gruppe im Lokal sitze und noch etwas zum Wein sagen möchte. Dann fehlt die Flasche und ich kann sie nicht zeigen.» Einst gestand ihm ein Kellner, er müsse «auf Befehl der Serviceleitung» die Flasche wegstellen, sonst erhalte er eine Verwarnung. Für Jan Martel steht dies für einen verkrampften Umgang mit Wein, der nicht mehr zeitgemäss ist. «Dieser alte Zopf gehört abgeschnitten», fordert er.

Keine Serviceregel

Den Wein vom Tisch wegzustellen ist keine offizielle Regel. In den Service-Standards des Court of Master Sommeliers jedenfalls ist nicht vorgesehen, dass die Flasche vom Tisch weggebracht werden soll. Dort heisst es nur: «Stellen Sie die Flasche auf eine Unterlage oder bei Weiss- und Roséweinen in einen Eimer oder Kühler – jedoch stets in Reichweite des Gastes.»

Wein in Sichtweite

Der Wein soll also in der Nähe des Gastes bleiben, am besten gleich auf dem Tisch. Wenn dort nicht genügend Platz für die Weinflasche(n) ist, hilft ein sogenanntes Guéridon, ein kleiner Beistelltisch in der Höhe des Restauranttisches. «So haben wir Weinfans unsere Liebsten immer in der Nähe», sagt Jan Martel lachend.

Wir engagieren uns für das Wein-Weltkulturerbe im Burgund

Martel Weinwelt - Wir engagieren uns für das Wein-Weltkulturerbe im Burgund

Mit allem, was man liebt und einem wichtig ist, geht man vorsichtig um und versucht, es zu schützen. Uns ergeht es so mit den Weinbergsparzellen des Burgunds, den sogenannten Climats de Bourgogne, die seit 2015 zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Wir von der Weinhandlung Martel fühlen uns tief mit der burgundischen Weinkultur verbunden. Deshalb engagieren wir uns in der Organisation Grand Mécène Fondateur aktiv für den Schutz dieses burgundischen Weltkulturerbes.

«Wer im Burgund von Climat spricht, blickt nicht hoch in den Himmel, sondern senkt seinen Blick auf den Boden», sagt der Schriftsteller Bernard Pivot. Er leitet das Unterstützungskomitee der Climats du Vignoble de Bourgogne. Als Grand Mécène Fondateur unterstützen wir als im Burgund verankerte Weinhandlung dieses Schutzprojekt von Beginn weg stark.

Weltweit einzigartige Climats

Seit Jahrhunderten werden die kleinteiligen Rebflächen im Burgund sorgfältig unterschieden. Jede dieser oft mit Steinmauern umringten Weinparzellen trägt einen eigenen Namen, steht für einen spezifischen Geschmack und hat ihren Rang in der Hierarchie der Weine. Auf dem schmalen Streifen zwischen Dijon und Santenay reihen sich über 1000 Climats aneinander. Darunter befinden sich klingende Namen wie Romanée-Conti, Montrachet, Chambertin oder Clos Vougeot. An keinem anderen Ort der Welt wird der Wein so eng an den Ort seiner Entstehung gebunden. Die Climats prägen den Weinbau und die Landschaft des Burgunds.

Schützenswertes Terroir

Das Modell der Climats de Bourgogne steht für eine Weinkultur, die weltweit als Vorbild gilt. In 2000 Jahren Geschichte brachten die burgundischen Climats eine unverwechselbare Kulturlandschaft hervor. Die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe schützt die Climats und hilft mit, sie für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Willkommene Hilfe

Knapp zwei Dutzend Unternehmen wie wir engagieren sich im grossen Stil als Grand Mécènes für den Erhalt der burgundischen Climats. Hinzu kommt eine Vielzahl von Unterstützern, die als Botschafter einen kleineren Beitrag leisten. Insgesamt wurden so bereits über 2 Millionen Euro in Climats-Schutzprojekte investiert, die nicht oder nur wenig von staatlichen Geldern profitieren. Aktuell werden 23 ambitionierte Projekte in verschiedenen Bereichen unterstützt. Zentral ist die Restaurierung der vor dem Zerfall bedrohten insgesamt 220 Kilometern Steinmauern. Weitere Initiativen sensibilisieren die Öffentlichkeit für die Climats du Vignoble de Bourgogne oder verbessern die Biodiversität in den Rebgärten. Damit uns dieses einmalige Wein-Weltkulturerbe im Burgund noch lange erhalten bleibt.

Philosophie
Jan Martel – Geschäftsführer in 5. Generation der Weinhandlung Martel

Interview mit Jan Martel

Jan, was bedeutet dir das Burgund?

Wenn ich an das Burgund denke, geht mir das Herz auf. Für mich ist es eine zweite Heimat. Schon als Kind war ich oft mit meinen Eltern im Burgund und erinnere mich noch gut an diese Reisen. Nebst den Kindheitserinnerungen prägte ein Aufenthalt als junger Erntehelfer auf einem burgundischen Weingut meine persönliche Beziehung zur Region. Auch beruflich ist das Burgund wichtig. Für mich bedeutet diese Region das Herz der Weinwelt.

Was bedeuten dir die typischen Climats im Burgund?

Mir ist das wichtig. Es gibt keine andere Weinregion, in der einzelne Parzellen so konsequent unterschieden werden wie im Burgund – und das seit Jahrhunderten. Dabei geht es um viel mehr als um kleine Rebberge, alte Mauern, unterschiedliche Böden und Mikroklimas. Wir reden hier von Terroir. Damit ist eine umfassende Weinkultur gemeint. Diese Kultur wollen wir als Weinhandlung, die im Burgund zuhause ist, in der Schweiz vermitteln.

Weshalb unterstützt Martel als Mäzen den Erhalt der Climats?

Aubert de Villaine von der Domaine de la Romanée-Conti sprach mich vor Jahren auf sein Herzensprojekt an, den Schutz der Climats du Vinoble. Für mich war schnell klar, bei dem Projekt als gewichtiger Sponsor mitwirken zu wollen. Schliesslich sind wir Martels seit Generationen im Weinhandel mit dem Burgund tätig. In den letzten 20 Jahren vergrösserten wir unser Beziehungsnetz und Angebot nochmal erheblich. Dabei brachte uns die Übernahme der Weinhandlung Müller in Wattwil, dem Burgunderspezialisten schlechthin in der Schweiz, einen entscheidenden Schritt weiter. Für uns als Burgundfans ist klar: Was immer wir für den Schutz der burgundischen Weinkultur machen können, wir tun es.

Wer sind die anderen Sponsoren?

Zum einen sind es hochkarätige Mäzene und Leuchtturm-Weingüter wie die eben angesprochene Domaine de La Romanée-Conti, Clos de Tart oder die Domaine des Lambrays. Zum anderen machen eine Handvoll ausgesuchter ausländischer Unternehmen mit, die sich wie wir als Botschafter des Burgunds verstehen. Und dann kommt eine Liste von kleineren Geldgebern dazu, die sich aus lokaler Sympathie für dieses Schutzprojekt engagieren. Wir alle unterstützen die Organisation nach unseren Möglichkeiten – und mit viel Freude.

Soirée Mécènes
Soirée Mécènes November 2022 auf der Domaine des Lambrays

Corimbo Viñas del Levante 2018

Martel Weinwelt - Corimbo Viñas del Levante 2018

Caramba! Mir gefällt in Spanien, wie die Menschen dort das Leben in vollen Zügen geniessen und sichtbar stolz sind auf ihr Essen und ihren Wein. Noch so gern lasse ich mich in einer Tapas-Bar oder in einem Restaurant mitreissen von dieser überschwänglichen und manchmal fast überbordenden Lebensfreude. Besonders in Erinnerung bleibt mir das laute Stimmengewirr spätnachts in historischen Zentren: Caramba!

«Wichtig ist bei uns vor allem, dass man gemeinsam Zeit verbringt», sagte mir kürzlich eine Winzerin aus Spanien. Ein Beweis dafür ist die spanische Küche, wo viel geteilt wird, Paella zum Beispiel. Gemeinsam das Leben feiern: Dazu gehört einfach ein guter, möglichst typischer Wein.

Der Corimbo Viñas del Levante ist ein Lagenwein aus der erstklassigen Region Ribera del Duero, den wir bei unseren Freunden der Bodegas La Horra exklusiv für Schweizer Corimbo-Freunde sichern konnten. Wir bieten diesen einmaligen Wein zum Freundschaftspreis an – solange es davon hat und ohne die Möglichkeit, vom Wein nachzukaufen.

Salud,
Jan Martel

Diese Aktion ist abgelaufen.

Unser Favorit


Die Corimbo-Weine stammen von der Bodegas La Horra im Ribera del Duero. Das Weingut gehört den gleichen Besitzern wie das bekannte Weingut Roda im Rioja. Eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet uns mit Agustìn Santolaya, der die beiden Bodegas führt. Bei der gemeinsamen Degustation der verschiedenen Corimbo-Lagen zusammen mit Agustìn reifte die Idee, als einmalige Aktion beim Jahrgang 2018 unsere bevorzugte Lage Viñas del Levante separat für Martel abzufüllen. Viñas del Levante steht für „Rebberg des Morgenlands“ und heisst so, weil es die östlichste Lage des Weinguts ist. Uns überzeugten die Frische und Eleganz dieses Crus und seine für Ribera del Duero so typischen Tannine. Diese erstklassige Selektion steht für die langjährige Freundschaft der Bodega Roda und der Bodega La Horra mit Martel.

Sommerfrische im Wein


2018 bescherten kalte Temperaturen und Schnee Anfang des Jahres den Reben die nötige Winterruhe. Ein regenreicher Frühling beschleunigte einerseits das Wachstum, andererseits sorgte er für ausreichend Wasserreserven im Boden für die kommenden trockenen und heissen Sommermonate. Dank der Höhenlage des Ribera del Duero (die Corimbo-Reben liegen rund 800 Meter über Meer) kühlen die Temperaturen über Nacht stark ab. Dies hilft, Aromen und Säuren zu bewahren.

Typisch und langlebig


Ribera del Duero ist eines der besten Weingebiete Spaniens. Unser Corimbo Viñas del Levante zeigt eine reife und gleichzeitig kühle Aromatik. Diese unterstützt die Eleganz. Uns gefallen die typisch griffigen Tannine. Sie machen diesen Wein zum perfekten Essensbegleiter. Mit Jahrgang 2018 ist der Viñas del Levante ein noch sehr junger Wein, der erst ganz am Anfang seiner Entwicklung steht. Er dankt es Ihnen, wenn Sie ihm noch zwei oder drei Jahre Zeit geben. Wenn Sie aber nicht widerstehen können, empfehlen wir Ihnen, die Flasche einige Stunden vor dem Geniessen zu dekantieren. Der Wein wird so milder und gewinnt an Ausdruck. Der Corimbo Viñas del Levante reift sehr lange. Ein Wein, den Sie nur bei Martel erhalten.

Dieser Wein war schnell ausverkauft. Hier finden Sie weitere Weine von Corimbo.

Sieht man dem Weingut an, wie der Wein schmeckt?

Martel Weinwelt - Sieht man dem Weingut an, wie der Wein schmeckt?

Salut Bourgogne, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt oft Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Diesen Winter waren sechs Martel-Mitarbeitende im Burgund unterwegs und gingen unter anderem der Frage nach, wie stark die Weine durch den Charakter der Winzerinnen und Winzer und das Weingut geprägt werden. Die Weinberaterin Marion Le Cras stammt ursprünglich aus der Bretagne. Sie erzählt von der winterlichen Burgundreise des Martel-Teams.  

Grosse Weine aus dem Burgund sind keine Bluffer und Blender, im Gegenteil. Burgunderweine zeigen sich oft erst ziemlich zurückhaltend. Vielfach haben sie das mit den Winzerinnen und Winzern in der Bourgogne gemeinsam. Rémi Jobard zum Beispiel ist ein Schweiger. Der Winzer empfängt uns höflich, aber mit einer gewissen Distanz. Lieber drückt sich Rémi mit seinen Weinen aus.

Wir beginnen unseren Besuch im Reifekeller, wo wir zu unserer Überraschung fast ausschließlich Fässer des österreichischen Küfers Stockinger finden. Im Gegensatz zu vielen anderen Winzern ist für Rémi nicht wichtig, aus welchem Land das Holz für die Fässer kommt. Ihm geht es vor allem um die Qualität des Holzstücks, um dessen «gute Gesundheit», seine Feinheit, seine Textur, seine Körnung, oder wie er auf Französisch sagt: «grain». Der Küfer Stockinger verwandelt das Holz in ein Fass und schafft so für Rémi Jobard ein perfektes Instrument für die Reifung seiner Weine. Alle seine Weiss- und Rotweine verbringen 12 Monate in Fässern und anschliessend 6 Monate in Edelstahltanks, bevor sie in Flaschen abgefüllt werden. Bei unserem Besuch konnten wir die 2021er-Weine probieren. Obwohl sich die Weine noch in der Schönungsphase befanden, spürten wir die Handschrift Rémi Jobards: Klarheit, Frische, die Weine lassen die ganze Frucht und das Terroir zum Ausdruck kommen.

Rémy Jobard

Eine Kathedrale für himmlische Weine

Der Besuch bei der Weinikone Bernstein gehört zu den Höhepunkten unserer Reise. Hier wird uns klar, dass auch das Äussere eines Weinguts die Weine prägen kann. Uns jedenfalls scheint der Zusammenhang zwischen der Ästhetik des Herrenhauses und Olivier Bernsteins Weinen offensichtlich. Das komplett neu und aufwändig renovierte Herrenhaus im Herzen der Stadt Beaune ähnelt einer Kathedrale, die dazu gemacht ist, die Zeit zu überdauern. So wie Bernstein-Weine, die fast schon für die Ewigkeit gemacht sind.

Empfangen werden wir von Richard Seguin, dem Kellermeister Olivier Bernsteins. Die Weinprobe findet im Keller statt, wo Weine aus acht Weinlagen reifen. Olivier Bernsteins Sortiment verfügt über einen Premier Cru (Gevrey Chambertin Les Champeaux) und sieben Grands Crus. Olivier und Richard bearbeiten die Weinberge nicht selbst, sie stehen jedoch im ständigen Kontakt mit den Winzern, die ihnen die Trauben liefern. Diese stammen von Reben, die meist zwischen 40 und 80 Jahre alt sind. Die Reben werden sorgfältig und naturnah bearbeitet, ganz ohne chemische Hilfsmittel. Das Datum der Weinlese wird von Olivier und Richard bestimmt, und ihr eigenes Team erntet die Trauben.

Ein weiterer wichtiger Akteur auf diesem Weingut ist der Küfer Stéphane Chassin. Er ist bei allen Schritten anwesend. Stéphane probiert den Most vor und nach der Gärung. Ausgehend von seinen Eindrücken des Jahrgangs entscheidet er, wie stark er das Weinfass toastet. Auf dem Weingut kommen ausschliesslich neue Fässer zum Einsatz. Olivier Bernstein wählt das Holz aus den Wäldern von Fontainebleau bei Paris und im belgischen Jupille höchstpersönlich aus. Je nach Jahrgang wird ein Hauptanteil der Ernte mit den Stielen ganztraubig vergärt.

Oliver Bernstein

Einzigartiges Weingut, charismatischer Winzer

Beim Besuch einer weiteren Kellerei in Beaune wird uns vor Augen geführt, dass das Temperament eines Winzers Einfluss auf den Wein haben kann. Die Weine von Mounir Saouma vom Weingut Lucien Le Moine sind Energiebündel wie der Winzer selbst. Einzigartig und schwer zu finden. Eine unscheinbare schwarze Türe im Stadtzentrum von Beaune verschafft Eingang zu seinem Reich.

Mounir ist sehr charismatisch und seine Power scheint sich auch auf die Weine zu übertragen. Die Domaine verarbeitet zugekaufte Trauben und keltert diese mit viel Sauerstoff. «So stärken wir den Wein», erklär Mounir. Er lässt die Weine zwei Jahre lang auf der Hefe liegen, um sich zu entwickeln. Dabei spielt auch Musik eine wichtige Rolle. Durch diese ungewöhnlich lange Reifezeit erlangen die Weine einen natürlichen Schutz.

Mounir Saouma

Charakterwinzer machen Weine mit Charakter

Nun fahren wir ins ländliche Burgund auf das Weingut von Jean-Louis Trapet in Gevrey-Chambertin. Jean-Louis ist ein humorvoller, gesprächiger und anregender Mann. Diesen Esprit finden wir auch in seinen Weinen. Wir beginnen die Weinprobe mit seinem A Minima, einem trendigen Naturwein ohne Zusatz von Schwefel. Die Assemblage von Pinot Noir und Gamay zeigt viel Frische und ist charmant wie der Winzer selbst.

Anschließend geht es weiter in den Keller. Jean-Louis Trapet begleitet die Reben während der Vegetationsphase eng, er bearbeitet den Boden präzise und setzt auf eine delikate, nie forcierte Weinbereitung. Das Resultat: Auch in schwierigen Hitzejahrgängen wie 2003 bleiben die Weine überraschend frisch. Wir sind überwältigt von den zarten Tanninen des Chambertin 2003. Der Bio-Pionier Jean-Louis Trapet arbeitet inzwischen mit seinen Söhnen zusammen. Louis und Pierre bringen ihre Ideen ein, zum Beispiel mit dem sogenannten High Canopy Management, was clevere Laubarbeit bedeutet. So können die Winzer in Zeiten der Klimaerwärmung ihre Trauben vor zu viel Sonne schützen.

ean-Louis Trapet

Auch auf der Domaine Lejeune machen wir die Erfahrung, dass nachhaltig hergestellte Weine wunderbare Aromen entwickeln und mit Frische und spannenden Tanninen aufwarten. Das Weingut ist in Umstellung auf biologische Landwirtschaft und setzt auf Ganztraubenpressung mit Stielen im offenen Holzfass.

Familien prägen den Wein 

Das Weingut von Justin Girardin wiederum schaut aus wie ein einfacher Bauernhof. Seit 13 Generationen leben und arbeiten die Girardins hier. Lange wurde hier gemischte Landwirtschaft betrieben. Die letzten drei Genererationen der Familie setzten voll auf Wein. Justin ist erst knapp über 30 Jahre alt und führt den Betrieb, die Eltern arbeiten noch mit. Rund um Santenay und in Chassagne produzieren die Girardins Rotwein (70%) und Weisswein (30%). Biologisch, allerdings nicht zertifiziert. Die Atmosphäre auf dem Familienbetrieb wirkt eingespielt und harmonisch. Kein Wunder, zeigen sich die Weine in diesem Umfeld durchs Band zugänglich, sauber und klar.

Justin Girardin

Ein kleines Weigut mit typischen Weinen

Auch auf der nächsten Domaine, die wir besuchen, ist Wein Familiensache. Das kleine Weingut Truchetet in Premeaux-Prissey wird von Morgan Truchetet in 6. Generation geführt. Unterstützt wird er dabei von seiner Schwester Julie und seiner Frau Pauline. Noch befindet sich der Keller in einer Art Garage. Schon bald ist der Umzug in einen grossen Keller geplant. Das Weingut verarbeitet Trauben von 5 ha eigenen Reben, von 2 ha kauft es Trauben zu. Pauline bringt seitens ihrer Familie noch Trauben von 6.5 ha ein, die sie separat keltert. Der Biobetrieb legt viel Wert auf die Pflege des Bodens.

Alle drei Jahre werden neue Gräser und Pflanzen zwischen den Rebzeilen gesät, die den Boden belüften, jedoch nicht zu tiefe Wurzeln schlagen sollen. Wir fühlen uns wohl auf dem Weingut und die Weine gefallen uns sehr. Zum Beispiel der knackige, straffe und sehr typische Aligoté. Auch der Hautes Côte de Nuits blanc ist geradlinig, saftig und hat einen wunderschönen, salzigen Abgang. Die Rotweine überzeugen ebenso, vor allem der Bourgogne Rouge «Les Chaillots Vieilles Vignes» von im Schnitt 60 Jahre alten Reben.

Morgan Truchetet

Purheit und Perfektion

Szenenwechsel. Die Kellerei Laurent Ponsot ist ein topmodernes Gebäude am Rande einer Gewerbezone – mit Blick auf die Reben. In dieser blitzsauberen Hightech-Kellerei wähnen wir uns im Keller eines Weinguts der Zukunft. Die Weine sind allerdings extrem klassisch und zeitlos. Ponsot verwendet nie Neuholz, das jüngste Fass im Keller ist zehn Jahre alt. Alles im Keller ist elektrisch und hochmodern. Man sieht förmlich, wie präzise hier gearbeitet wird. Diese Purheit springt auf den Wein über. Alle Ponsot-Weine sind sehr elegant und durch das fehlende Neuholz extrem klar. Laurent Ponsot sagt uns: «Wir machen keinen technischen Wein, aber die Technologie hilft uns dabei, das Beste aus der Natur zu gewinnen.» Besonders auch: Laurent hat keine Angst vor zu hohen Alkoholwerten. Seine Weine bleiben auch bei 14.5 % Vol. Alkohol sehr ausgewogen. So sieht Laurent Ponsot auch dem Klimawandel gelassen entgegen. Er ist sich sicher, dass sich die Natur und die Reben anpassen werden.

Laurent Ponsot

Weine mit ganz viel Stil

Seit 1717 befindet sich die Domaine Leflaive gleich am Dorfplatz von Puligny-Montrachet. Das Weingut ist sorgfältig renoviert. Sehr geschmackvoll, ohne Angeberei. Faszinierend, dass sich auch die Weine so zeigen. Gradlinig, elegant, filigran. Wir sind beeindruckt. Leflaive gehört zu den ganz grossen Weinnamen und ist weltberühmt für seine Chardonnays. Das Weingut arbeitet schon lange biodynamisch und keltert Mini-Lagen separat. Der Gutsleiter Brice de la Morandière führt uns persönlich durch die Domaine. Wir verkosten vor allem den Jahrgang 2020 und sind hin und weg von diesen stilvollen Weinen. Besonders auch von den Chardonnays, die das Weingut aus eigenen Reben im Mâconnnais keltert. Der «Mâcon-Igé» zum Beispiel ist eine echte Entdeckung und eignet sich als perfekter Einstieg in die Leflaive-Welt.

Domaine Leflaive

Mit diesem letzten Höhepunkt geht unsere Burgundreise zu Ende. Wir haben viel gesehen, probiert, gelernt und wir staunten, wie stark sich hier die Winzerinnen und Winzer und ihre Weingüter unterscheiden. Und ich glaube am Schluss der Reise nun tatsächlich ein wenig daran, dass sich die Winzer-Persönlichkeit und das Ambiente einer Domaine auf den Wein auswirken können. Voilà!

Tecedeiras: Interview mit dem Winemaker

Martel Weinwelt - Tecedeiras: Interview mit dem Winemaker

Rui Cunha gehört zu den prägenden Önologen im nördlichen Portugal. Er nennt sich «Driving Winemaker» und ist viel unterwegs im Douro-Tal, Trás-os-Montes und im Vinho Verde. Das Tecedeiras Projekt bildet einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Von dieser Quinta stammt der Wein der neuen Limited-Aktion. Rui Cunha hat diesen Wein speziell für Martel gekeltert und abgefüllt. Wir haben mit dem Önologen gesprochen.

Rui Cunha, was macht die Quinta das Tecedeiras besonders?

Die Quinta liegt einmalig schön leicht oberhalb des Douro-Flusses. Früher lebten hier Nonnen und webten. Der der Name «Tecedeiras» bezieht sich auf diese Weberinnen. Die Reblagen des Weinguts sind auf der linken Seite des Flusses eher gegen Norden ausgerichtet und daher kühler. So kommt es bei den Trauben nicht zur Überreife und wir können elegante, harmonische Douro-Weine keltern.

Der neue Limited-Wein «Tecedeiras Superior» ist eine Mischung aus Touriga Nacional und Touriga Franca. Weshalb eine Cuvée aus diesen beiden Traubensorten?

In Portugal ist es sonst üblich, die Assemblagen mit sehr vielen verschiedenen Traubensorten zu keltern. Das ist auch beim Flor und beim Reserva das Tecedeiras so. Beim Superior wollten wir etwas Spezielles, Neues machen. Ich finde, dass sich Touriga Nacional und Touriga Franca super ergänzen. Touriga Nacional bringt Säure und Komplexität. Touriga Franca sorgt für eine schöne Farbe und Struktur. Ein perfektes Paar.

Touriga Nacional ist ja – wie der Name sagt – die Nationalsorte in Portugal. Welche Bedeutung hat Touriga Franca?

Eigentlich ist Touriga Franca eine relativ junge Traubensorte im Douro-Tal, die nach der Reblausplage entstand. Es ist eine Kreuzung aus Touriga Nacional und Mourisco, einer der ältesten Traubensorten im Douro-Tal. Mourisco ist früh reifend, sanft und mit wenig Farbe. Das war gefragt für die hellen Tawny-Port. Die Kreuzung stammt von Albino de Sousa, der die Methode in Frankreich gelernt hatte. Deshalb der Name Touriga Franca – oder Touriga Francesca, wie ich sie gerne nenne.

Was unterscheidet den Superior von Tecedeiras von den beiden Weinen, die Martel bereits im Sortiment führt, den «Flor» und den «Reserva»?

Der «Flor» wird geprägt von Frische und den Aromen von dunklen Beeren- und Pflaumen. Ein unkomplizierter Wein für alle Gelegenheiten der nur im Edelstahltank ausgebaut wird. Der «Reserva» zeigt mehr Format, ist edler und intensiver im Geschmack. Der «Superior» liegt genau in der Mitte, das macht ihn spannend und zu einem tollen Wein für verschiedene Gelegenheiten.

Wie schätzen Sie den Jahrgang 2019 ein?

Es war ein trockener, aber kein sehr heisser Jahrgang. Die Trauben konnten somit länger am Stock bleiben und phenolisch ausreifen. Die Weine aus dem Jahrgang 2019 profitieren von Frische und feinen Tanninen. Hervorragend.  

Rui Cunha, was gefällt Ihnen als Portugiesen an der Schweiz?
Es beindruckt mich, wie die Schweizer Sorge tragen zu ihren Altstädten. In Portugal ist das leider anders. Viele Stadtkerne wurden verschandelt. St.Gallen gefällt mir übrigens speziell gut. Ich war schon in der Stiftsbibliothek und kenne die Drei Weiern. Gerne würde ich dort mal zum Schwimmen gehen.

Was verbindet Sie mit der Weinhandlung Martel?

Ich kenne Martel schon seit zwanzig Jahren und schätze den gegenseitigen Respekt und das Vertrauen. Ein Handschlag gilt. Das ist wirklich grossartig. 

Diese Aktion ist abgelaufen.

Qualität ist alles

Martel Weinwelt - Qualität ist alles

Servus Österreich, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt oft Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Sieben Martel-Mitarbeitende waren im Herbst 2022 in Österreichs Weingebieten unterwegs. Im ersten Teil des Reiseberichts ging es um den Faktor Zeit beim Wein. Im zweiten Teil des Reiseberichts erzählt Barbara Martel nun, auf welch verschiedenen Wegen die einzelnen Weingüter zum gleichen Ziel kommen: höchste Qualität.

In unserem Österreich-Sortiment führen wir unterschiedlichste Winzerinnen und Winzer aus verschiedenen Regionen von der Steiermark übers Burgenland bis in die Wachau. Keiner ist besser oder schlechter als die anderen. Die Winzerinnen und Winzer unterscheiden sich einfach stark voneinander. Eine bereichernde Vielfalt. Alle haben ihre eigene Geschichte und es hat etwas Magisches, wenn man ihre Philosophie und ihren Charakter in den Weinen wiederfindet. Es ist ein grossartiges Erlebnis, mit Winzer-Persönlichkeiten im Rebberg oder im Weinkeller zu stehen.

Action im Weinberg

Mit einem gut gelaunten Andi Kollwentz fahren wir über enorm steile Strassen hinauf ins beeindruckende Leithagebirge. Der grossgewachsene Sportler sprintet den Hang hoch. Wir folgen ihm keuchend. Andis Weingut verfügt über erstklassige Weinlagen am Südhang des Leithagebirges. Sie zählen zu den besten und ältesten des Landes.

Sein Vater Anton Kollwentz war der Erste, der Zweigelt im Burgenland anpflanzte. Ebenso wuchs der erste Cabernet Sauvignon Österreichs in seinen Weingärten. Auch Andi Kollwentz bleibt dem Innovationsgeist der Familie treu und führt mit seiner Frau Heidi ein modernes Spitzenweingut. Neuerdings arbeiten auch die Töchter Barbara und Christina im Betrieb mit.

Kollwentz

Selber machen ist Trumpf

Andis Credo: «Eigene Weinberge, eigene Reben, eigener Wein.» In den letzten Jahren hat er über 1’000 Büsche und Bäume gepflanzt. Heimisches Obst und Nüsse sorgen so für die Biodiversität und Schatten.

Der dynamische und gradlinige Winzer ist sehr heimat- und naturverbunden und geht keine Kompromisse ein. Andi ist ein Perfektionist. Die Weingärten sehen aus wie mit dem Massband gezogen, der Keller ist modern und blitzsauber. Und wir? Wir sind beeindruckt.

Der Winzer sagt: «Eine Flasche Wein muss richtig gut sein. Des passt scho… geht beim Wein nicht.» Diese Haltung spiegelt sich in den Weinen wider. Es handelt sich um Weine mit viel Körper und die Jahrgangsunterschiede sind klar spürbar. Die kühleren Jahre zeigen sich mineralisch, kräutig und direkt. Kollwentz muss seine Weine nicht dem Kundengeschmack anpassen. Er arbeitet international nur mit verlässlichen, langjährigen Partnern wie Martel zusammen. Seine Kundschaft in Österreich ist treu und schätzt es, wenn die Weine jahrgangsbedingt verschiedene Facetten zeigen. Wer Kollwentz-Weine verstehen will, braucht etwas Geduld. Der Winzer sagt: «Richtig zeigen wo es langgeht, tun die Weine in der Reife.»

Kollwentz

Steile Weine vom Steilhang

Szenenwechsel. Frühmorgens fahren wir entlang der Donau in die Wachau, vorbei an gepflegten, romantisch anmutenden Weinbaudörfern. Als wir bei Johann Donabaum eintreffen, «kribbelt» es auf dem Weingut. Johann schart gerade seine Erntehelfer um sich. Der Winzer arbeitet nicht mit «klassischen Erntehelfern», sondern mit jungen Sommeliers, die hier Erfahrungen im Rebberg sammeln. Die Stimmung ist toll, man spürt die Vorfreude und die guten Vibes.

Zwei Kilometer von der Donau entfernt liegt der Spitzergraben in einem schmalen Tal am westlichen Ende der Wachau. Hier herrschen die kühlsten Temperaturen der Wachau. Kalte Luft prägt das Klima. Dies ist sicher ein Vorteil für die Zukunft und schon heute positiv für die Säure, den Fruchtgehalt und die Frische der Weine.

Johann Donabaum

Extreme Lagen, extreme Arbeit

Wir sind beeindruckt von den Terrassenlagen mit bis zu 55 Prozent Gefälle. Der Grüne Veltliner wächst am Fusse des Berges, der Riesling oben. Die Böden sind mineralisch, was sich auf die Weine auswirkt. Die Donabaums bauen ihre Weine relativ lange im Stahltank aus. Man wartet, wenn nötig, bis ein Jahr nach der Ernte mit der Abfüllung. «Die Weine bleiben so lange im Tank, wie sie brauchen», erklärt Johann Donabaum, der bereits als 17-Jähriger das Weingut von seinen Eltern übernahm und nun mit gut 40 Jahren tatsächlich bereits seinen 25. Jahrgang keltert.

Hans und «Oma» Donabaum helfen jedoch heute noch tatkräftig mit. Die Oma sorgt im Haus für Ordnung, kocht, hütet die Enkeltöchter und schneidet auch den Mitarbeitern mal die Haare. Johanns Frau Andrea stellt den kommunikativen Gegenpol zum überlegten Johann dar. Die ehemalige Hoteldirektorin aus dem Vorarlberg sprudelt nur so, wenn sie erzählt.

Edel wie Smaragd

Alle in der Familie ziehen am gleichen Strick, wenn es um Qualität geht. Der Einsatz lohnt sich. Donabaum-Weine sind präzis, mineralisch und kristallklar. Sie spiegeln ihre Herkunft perfekt wider. Es sind Liebhaberweine und fantastische Essensbegleiter mit hohem Alterungspotential. Die topklassierten Smaragd-Rieslinge zeigen enorm viel Kraft und Ausdruck.

Donabaum

Bio in höchster Qualität

Die Weingärten der Familie Bründlmayer liegen auf den Hügeln rund um die Weinstadt Langenlois, 70km westlich von Wien. Willi Bründlmayer führt das Weingut zusammen mit seiner Frau Edwige und zwei langjährigen Wegbegleitern, sie beschäftigen 50 Mitarbeitende. Seit über 40 Jahren bewirtschaftet man hier nachhaltig, frei von Chemie und Herbiziden. 2015 erfolgte die Bio-Zertifizierung. Den Strom fürs Weingut produziert die eigene Photovoltaikanlage. Zum Weingut gehören Berg- und Terassenlagen. An den zwei kühlsten Lagen wächst Riesling, der Grüne Veltliner wird tiefer unten angebaut, wo es wärmer ist. Die Böden sind vulkanischen Ursprungs mit Gneis, Paragneis, Löss und Lehm. Beste Voraussetzungen also für einzigartige Riesling, Grüne Veltliner und Schaumweine.

Bründlmayer

Französischer Einfluss

Da Willi Bründlmayers französische Frau Edwige Champagner liebt, begann Willi Bründlmayer selber mit der Sektproduktion. Dafür eignete er sich Wissen in der Champagne an. Heute beschäftigt das Weingut einen eigenen Önologen für die Sektproduktion und macht ein Viertel des Umsatzes mit Schaumwein. Klassische Flaschengärung ist Ehrensache. Wir können es kaum erwarten, hier beim Produzenten die Sekte, Weissweine und Rotweine zu verkosten.

Thomas Klinger, der das Weingut seit Jahrzehnten nach aussen vertritt, verwöhnt uns mit einer feudalen Degustation. Die Schaumweine Extra Brut zeigen wunderschöne florale Noten, Birne, Cremigkeit und eine feine Perlage. Die wichtigste Rebsorte ist der Grüne Veltliner, ein Wein mit Verve und Charme, der toll zu Fisch oder Sushi passt. Ein Höhenpunkt stellt der Wein Alte Reben von der Vorzeigelage Heiligenstein dar. Es ist eine Weinikone. Die roten Zweigelt zeigen Klasse und Frische. Höchste Weinqualität durchs Band. Und was passt perfekt dazu? Wiener Schnitzel. Wir lieben Österreich.

Bründlmayer

Top-Qualität statt dünner Heurigenweine

Hochstehender Wiener Wein hat nichts zu tun mit billigem Heurigenwein, das zeigt sich bei unserem Besuch auf dem Weingut Mayr am Pfarrplatz. Kaum angekommen, tauchen wir in die Geschichte ein. Wirtshaus und Weinbau sind eng miteinander verbunden. Beim Pfarrwirt handelt es sich um das älteste Wirtshaus Wiens. Der Grenzwall der Römer führte am Haus entlang und diese haben hier schon Wein gemacht. Paul Kiefer, der Vertriebsleiter, fährt mit uns in die nahen Reben. Gemeinsam besteigen wir den Nussberg und befinden uns hier im 18. Bezirk der Weltstadt Wien. Unglaublich. Die Sicht über die Reben auf die Stadt Wien ist atemberaubend.

Wein aus der Metropole

Wien ist die einzige Metropole weltweit, die nennenswerten Weinbau innerhalb ihrer Stadtgrenzen aufweist. Mit über 600 Hektaren Rebfläche ist dieses urbane Weingebiet ein Drittel grösser als die Bündner Herrschaft. Heute haben die Wiener Weine DAC-Status. Spezialität ist der Gemischte Satz aus den Rebsorten Grüner Veltliner, Riesling, Rotgipfler und Zierfandler. Die Trauben werden gemeinsam geerntet und vinifiziert. Der Wiener Gemischter Satz Nussberg zum Beispiel zeigt eine vibrierende Lebendigkeit, Qualität und Kultur – ein Wein wie die Stadt Wien. Zum Verlieben.

Mayer am Pfarrplatz

Respekt vor der Arbeit der Winzer

Auf unserer Österreichreise wurde uns die Bedeutung von «Martel vermittelt Weinkultur» einmal mehr bewusst. Wir arbeiten mit charakterstarken Weinproduzenten aus den besten Regionen zusammen. Sie sind sehr verschieden, arbeiten jedoch alle mit viel Hingabe, Liebe und Können und teilen das gleiche Ziel: höchste Qualität.

Mehr über die grosse Österreich-Weintour des Martel-Teams erfahren Sie hier im ersten Teil des Reiseberichts zum Thema: «Zeit für Wein»

Festliches Weinmenü mit Essensbegleitung

Martel Weinwelt - Festliches Weinmenü mit Essensbegleitung

Oft werden die Weine anhand der Speisen ausgewählt, die bei einem besonderen Anlass serviert werden. Martel-Weinprofis machen das manchmal umgekehrt, zum Beispiel bei festlichen Gelegenheiten. Wir wählen trinkreife Lieblingsweine und entscheiden dann, welches Essen dazu passt. Benjamin Wolf gehört als Master Sommelier zu den Top-Weinexperten weltweit. Er lädt uns zu sich nach Hause ein und gibt Tipps für ein festliches Weinmenü mit Essensbegleitung. 

8 Weine zum passenden Festessen mit unserem Master Sommelier Benjamin Wolf

In den meisten Fällen denke ich meist zuerst über die Weine nach, die ich am Abend öffnen will und schaue dann, was ich dazu koche. Die Weine wähle ich nach diesen Kriterien aus:

  • Reife des Weins
  • Stellenwert, den der Wein für mich hat
  • Weinniveau und Weingeschmack der Gäste

Bei der Auswahl des Weinmenüs kommt’s darauf an, welche Weine in meinem Keller die ideale Trinkreife erreichten. Natürlich wäge ich auch ab, wie wichtig ein Wein für mich ist. Einen grossen Wein öffne ich nur für Freunde, die solche Preziosen zu schätzen wissen. Kommen Gäste, denen Wein weniger bedeutet, eignen sich einfachere, leicht verständliche Weine besser.

Vorbereitung

Der Genuss fängt an, bevor die Gäste da sind. Gerne öffne ich beim Vorbereiten auf ein Fest bei mir zuhause eine Flasche Riesling Kabinett von der Mosel. Der Wein hat nur wenig Alkohol und ist leicht und beschwingt, passt also perfekt für die Jobs, die vor einem Fest anfallen. Kochen, Tisch eindecken und so weiter.

Empfang

Champagner passt immer und für alle zum Auftakt eines Abends. Da mache ich keine Unterschiede. Champagne Bruno Paillard garantiert einen perfekten Empfang. Ich verwende keine Champagner-Flûtes, sondern Weissweingläser. Champagner darf immer schön kalt sein, 6 – 8 Grad. Im Glas wärmt er sich rasch auf. Dazu reiche ich gerne selbstgebackene Grissini oder kleine Crostini, die mich an meine toskanische Heimat erinnern.

Start

In der kühlen Jahreszeit starte ich beim Essen gerne mit einer Suppe, zum Beispiel eine hausgemachte Bouillon. Dazu passt besonders gut ein Fino Sherry.

Stimmungsaufbau

Durst und Hunger sind zu diesem Zeitpunkt ideal. Der nachfolgende Wein darf etwas anspruchsvoller sein, jedoch nicht das Essen dominieren. Gerne serviere ich einen nicht so bekannten Weisswein aus dem Burgund, zum Beispiel einen Auxey-Duresses von Leflaive & Associés zum Nudelgericht. Die Tagliolini mit Lachs bereite ich vor und koche sie kurz vor dem Servieren à la minute.

Hauptwein zum Hauptgang

Nach dem Primo ist es Zeit für Rotwein. Den Auftakt macht ein leichterer Roter. Ein Blauburgunder (Pinot Noir) von Wegelin, der etwa drei bis vier Jahre alt ist. Ich schenke den Wein mit einer Temperatur von 15 – 16 Grad ein. Der Pinot ist bei diesem Festessen nur für zwischendurch gedacht. Für den Hauptgang darf es dann etwas Schwereres sein. Syrah von der Côte-Rôtie des Produzenten Rostaing. Den Rotwein verkoste ich jeweils vor dem Eintreffen der Gäste und entscheide spontan, ob ich ihn dekantiere oder nicht. Bei den Gläsern halte ich es so: Ich wechsle sie nicht zwischen den Rotweinen, ausser im Glas hat es Depot. Zum Syrah passt ein Lammgigot mit Kartoffeln, Süsskartoffeln und Karotten. Das Gericht gart im Ofen, ist nicht zeitkritisch und ermöglicht es mir, mich entspannt um die Gäste zu kümmern. 

Süss-salziges Finale und nochmals Champagner

Pineau des Charentes heisst meine Überraschung für den Schluss des festlichen Essens. Eine französische Spezialität, bei der unvergorener Traubensaft mit Cognac aufgespritet wird und dann 8 Jahre im Fass reift. Dieser Wein passt dank seiner Süsse und des relativ hohen Alkohols perfekt zu Käse. Lade ich an Silvester Gäste zu einem festlichen Essen zu mir nach Hause ein, stossen wir an Mitternacht mit einem tiefgründigen, reifen Champagner an. Zum Beispiel mit einem De Saint-Gall Grand Cru Millesimé 2004. Santé und e guets Neus!»

Vom Tellerwäscher zum Top-Weinexperten

Benjamin Wolf wächst als Sohn einer Kolumbianerin und eines Deutschen in der Toskana auf. Mit 14 startet er als Tellerwäscher und trägt seither den «Virus Gastronomie» in sich. Nach sechsjährigen Studien erlangte Wolf das Diplom des Master Sommeliers. Derzeit gibt es weltweit nur 261 Master Sommeliers, zwei davon in der Schweiz. Benjamin Wolf lebt in der Nähe von Chur und betreut für die Weinhandlung Martel Kunden der Top-Gastronomie in Graubünden.

Weintipps

Ein Weingeschenk macht doppelt Freude

Martel Weinwelt - Gutscheine & Geschenke

Ein Weingeschenk passt immer. Besonders, wenn man spürt, dass sich jemand speziell Gedanken gemacht hat bei der Wahl des Weins oder eines Geschenks im Zusammenhang mit Wein. Zudem sind Weingeschenke erstaunlich vielfältig. Dank den Erfahrungen und Tipps der Martel-Mitarbeitenden gelingt die Überraschung perfekt. 

In den Martel-Ladengeschäften in St.Gallen und in Zürich sind Weingeschenke zur Weihnachtszeit, bei Geburtstagen oder als Gastgeschenk besonders gefragt. Ein Weingeschenk kommt dann gut an, wenn man den Geschmack trifft. Die Martel-Beraterinnen und Berater sind auch in diesem Bereich Profis.  

Sich in die Beschenkten einfühlen

Oliver Eugster ist ein erfahrener Weinberater bei Martel. Er sagt: «Wichtig ist, wenn die Beschenkten spüren, dass sich die Schenkenden Gedanken über die Vorlieben der Beschenkten gemacht haben. Oft hilft auch ein Blick in die Kundenkartei der beschenkten Person, damit wir auf die richtige Spur kommen, das Lieblingsland oder die bevorzugte Rebsorte erkennen. Die Preisklasse spielt natürlich auch eine Rolle. Bei Martel führen wir auch viele günstige Weine, die sich als Geschenk eignen. Wichtiger als der Preis sind der Überraschungseffekt und die persönliche Note», weiss der Weinprofi.

Jonas Gmünder, der erst seit Kurzem Martel Kundinnen und Kunden berät, empfiehlt, auch mal Gläser zu verschenken: «Weingläser sind ein cooles Geschenk. Und sie haben den Vorteil, dass ich als Gast bei den Freunden auch von schönen Gläsern profitiere», erklärt der Appenzeller lachend.

Weingeschenk Grassl Weingläser

Weingeschenke im geschäftlichen Umfeld

Für Businesskunden ist Marco Bühler der richtige Ansprechpartner bei Martel. Er weiss, was Firmenkunden wünschen und welche Weingeschenke sich im professionellen Umfeld eignen und welche weniger: «Schaumwein und Weissweine empfehle ich nicht als Kundengeschenk. Rotwein gilt in unseren Breitengraden als hochwertiger. Besser verschenkt man zwei Flaschen des gleichen Weins in einer schönen Tragetasche – oder gleich eine 6er-Holzkiste davon. Das Magnumformat empfinde ich für Geschenke als weniger geeignet, weil Alleinlebende irritiert sein könnten über die Grösse der Flasche.

Der Wein muss geschmacklich mehrheitsfähig sein und einen Namen tragen, den man einfach aussprechen kann. Er sollte zudem aus einer angesagten Weinregion kommen, zurzeit vielleicht aus Ribera del Duero, aus dem italienischen Bolgheri oder aus Portugal.» Marco Bühler empfiehlt aus langjähriger Erfahrung, dass Weingeschenke im Businessbereich nicht weniger als Fr. 15 und nicht viel mehr als Fr. 28 pro Flasche kosten sollten.

Martel Weine Weingeschenk

Weinkurse stehen hoch im Kurs

«Weinkurse sind ein tolles Geschenk für Menschen, die Freude am Wein haben und sich gerne vertieft damit auseinandersetzen», sagt Christine Schmidhauser, die für die Martel-Events und damit auch für die Weinkurse zuständig ist. «Oft ist es so, dass die beschenkte und die schenkende Person gemeinsam am Kurs teilnehmen und so ein Erlebnis teilen.»

Für die Kurse interessieren sich junge Weineinsteigerinnen wie auch erfahrene Weintrinker. Christine Schmidhauser und die Martel-Kursleiterinnen und Kursleiter lösen diese Herausforderung folgendermassen: «Wir erkundigen uns beim Start des Kurses bei den Teilnehmenden über deren Weinkenntnisse. So können wir den Kurs so gestalten, dass alle profitieren».

Weinkurs

Per Mausklick Wein verschenken

«Wein schenken» oder «Weingeschenk» sind beliebte Begriffe bei Internet-Suchmaschinen. Nico Matern, Marketingleiter bei Martel, warnt vor zu raschen Entscheidungen: «Die ersten Einträge sind immer Anzeigen, wo die Nutzer dementsprechend nicht zwingend das finden werden, was sie ursprünglich gesucht haben. Daher lohnt sich der direkte Weg zum Online-Shop des Lieblingsweinhändlers.»

Der Web-Profi gibt Tipps für den Onlineeinkauf: «Die Filterfunktionen sind hilfreich. Wenn man eine grobe Vorstellung vom Geschmack des Beschenkten hat, kann man hier schon wunderbar eingrenzen. Lieblingsland, Lieblingsrebsorte und so weiter. Dann noch den Preisregler in die richtige Richtung schieben und schon ist das perfekte Weingeschenk gefunden.» Nico Matern weist zudem auf die Geschenkartikelfunktion im Martel Online-Shop hin. «Hier kann man zwischen verschiedenen Verpackungen wählen, bis zur Holzkiste. Ausserdem ist es möglich, ein Grusswort einzufügen.»

Weingeschenk online kaufen

Wein passt immer

Wenn die Ladengeschäfte geschlossen sind, bietet sich der print@home-Gutschein der Weinhandlung Martel an. Den Gutschein online kaufen, zu Hause ausdrucken, verpacken und die Freude ist auf allen Seiten gross – wie immer beim Verschenken von Wein. Im Gegensatz zu Blumen oder Pralinés hält sich Wein länger als nur ein paar Tage. Und mit dem Weingeschenk bereitet man gleich doppelte Freude: Bei der Übergabe des Geschenks und beim späteren Trinken der Flasche.

Zeit für Wein 

Martel Weinwelt - Zeit für Wein 

Servus Österreich, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt oft Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Im Herbst 2022 waren sieben Martel-Mitarbeitende in Österreichs Weingebieten unterwegs. Barbara Martel erzählt im ersten Teil ihres Reiseberichts, wie sorgsam die Martel-Winzerinnen und Winzer mit dem Wein umgehen und wie wichtig dabei der Faktor Zeit ist.

«Weine brauchen Zuneigung und Zeit. Sie eignen sich eigentlich nicht zur Nur-Degustation. Erst beim Trinken und Geniessen einer Flasche zeigt sich der Wein», sagt uns der Winzer Christoph Neumeister aus der Steiermark und bringt damit das Thema auf den Punkt. Christoph ist ein begeisterter Weinmacher. Er ist sehr offen, erzählt farbig und mitreissend. Man spürt die tiefe Liebe zu seinen Reben. Für ihn ist klar: «Die schonende Behandlung der Trauben ist oberstes Gebot. Gelesen wird nur von Hand.» 

Sorgfältige Ernte

Christophs Erntehelfer sind zu 75% weiblich. Vorteil: Frauen sind verlässlich, haben kleinere Hände und ernten sauber und flink. Der Winzer setzt den Fokus klar auf die Arbeit im Rebberg. «Wichtig sind strenge Selektion des Rebguts, zuerst im Weingarten, dann am Sortiertisch. Im Keller passiert dann nicht mehr viel. Das Meiste muss im Weingarten erledigt sein.»

Christoph Neumeister arbeitet penibel, sucht absolute Perfektion und fühlt sich als Bio-Winzer dem sorgsamen Umgang mit der Natur verbunden. Zum Beispiel stehen Trauben nie lange an der Sonne, nach der Lese werden sie sofort mit gekühltem Transport zum Weingut gebracht. Dort nutzt der Winzer das Gefälle: Trauben rutschen langsam und ohne Pumpen vom Sortiertisch in den Tank. Neumeister arbeitet mit bis zu 40 Stunden Maischestandzeit. Auch der weitere Ausbau der Weine erfolgt sehr langsam. Vielleicht ist es diese Ruhe, die bei den Neumeister-Weinen für deren typische Finesse sorgt. Neumeister-Weine sind aber nicht nur fein, sondern auch duftig, präzise und klar.

Christoph Neumeister

Die Reife macht’s

Als nächstes empfängt uns der international gefeierte Blaufränkischspezialist Roland Velich bei sich im Burgenländer Wohnhaus. Im Ofen brennt ein Feuer und sein kleiner Terrier macht es sich zwischen unseren Füssen bequem. Roland spricht überlegt und überzeugend, fast philosophisch. Man spürt seinen Stolz, seine Hingabe, aber auch seine Zielstrebigkeit und Gradlinigkeit. Er ist überzeugt «Wein braucht Zeit». Und er unterstreicht dies mit dem Aufruf: «Reifen, Reifen, Reifen und Luft, Luft, Luft!» Für den Winzer ist klar: «Man wird belohnt, wenn man den Weinen Zeit lässt.»

Konsequenterweise baut Roland seine Weine sehr langsam aus. Die Trauben liegen 3 bis 5 Monate auf der Weinhefe. Die Vergärung erfolgt spontan. Es gibt keine Schönung. Roland setzt ganz auf handwerkliches Weinmachen. Seine Weine sind anspruchsvoll, komplex und fordernd. Sie sind facettenreich und für Leute gedacht, die Wein mit viel Zeit und Aufmerksamkeit geniessen.

Roland Velich

Lob der Langsamkeit

Ein wunderschöner Herbstmorgen. Nun sind wir auf dem Weingut von Heike und Gernot Heinrich in Gols am Neusiedlersee. Die Stimmung hier fast mystisch. Herbstliche Rost- und Goldtöne werden von zarten Nebelschwaden gestreichelt: Heinrich Gernot ist ein erfahrener Vollblutwinzer, mit grossem Wissen und Weingefühl und zudem ein kreativer Tüftler. Er sagt: «Guter Wein braucht Geduld und Kreativität.»

Gernot wurde erst im Laufe seines Winzerlebens bewusst, wie wichtig der Faktor Zeit beim Wein ist: «Unglaublich, was man mit Zeit alleine bewirken kann. Und dies in einer Phase, in der alle zu wenig davon haben.» Die Heinrich-Weine zeigen Struktur und Charakter am Gaumen. Sie sind unverfälscht und vielschichtig, sie wirken echt. Dazu trägt sicher der schonende Umgang mit dem Traubengut und dem Most bei. Heike und Gernot Heinrichs Weine werden nie gepumpt, die Topweine füllt das Winzerpaar einzig mit Schwerkraft in die Flaschen ab.

Heinrich

Slow Wine

Auf unserer ausgedehnten Reise durch Österreichs Weingebiete wird uns in vielerlei Hinsicht klar, wie wichtig es ist, dem Wein Zeit zu lassen. Es beginnt im Rebberg. Je weniger schnell die Trauben reifen, je mehr Aroma entwickeln sie. Eine langsame Gärung bei kühleren Temperaturen kann dazu beitragen, dass der Wein tiefgründiger und subtiler wird.

Auch wie lange der Wein später im Fass ausgebaut wird, zeigt unbestritten Auswirkungen auf den Wein. Die Dauer der Fasslagerung bestimmt, wie stark der Wein vom Holzaroma geprägt ist. Zum anderen entstehen beim Wein mit der Zeit sogenannte tertiäre Noten, also Reifearomen. Wein reift im eigenen Weinkeller weiter. Oft kauft man den Wein jung und legt ihn zur Seite, bis er die optimale Trinkreife erreicht, also nicht mehr zu jung ist und nicht bereits zu sehr gereift.

Slow Wine

Jeder Wein zu seiner Zeit

Unsere langjährige Winzerfreundin Heidi Schröck führt uns in ihrem 600-jährigen Bauernhaus in Rust am Neusiedlersee eine weitere Komponente des Faktors Zeit beim Wein vor Augen. Sie überrascht das Martel-Team mit einer ganz speziellen Degustation. Wir vergleichen den jeweils aktuellen Jahrgang mit dem Jahrgang desselben Weins, den eine Geschichte mit der Weinhandlung Martel verbindet. So wird erlebbar, wie die Jahre vergehen und wir erinnern uns an schöne gemeinsame Zeiten. Zum Beispiel verkosteten wir den Süsswein Ruster Ausbruch 1995, also den ersten Wein, den Heidi an Martel geliefert hatte. Dieser über ein Vierteljahrhundert alte Wein ist wunderbar komplex, kraftvoll, würzig. Wie flüssiges Gold.

Wir reden und lachen viel. Heidi sagt dabei treffend: «Die wichtigsten Weine sind die, die man zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Menschen trinkt.» Auf ihrem Weingut können wir verfolgen, wie die nächste Generation langsam das Zepter übernimmt. Heidis Söhne Johannes und Georg sind erwachsen geworden, top ausgebildet und treten bald in die Fussstapfen ihrer Mutter, die ihnen das Weingut mit der Zeit übergeben wird.

Heidi Schröck

In der zweiten Folge des Österreich-Reiseberichts geht es um das Thema: Qualität ist alles! Diese folgt schon bald…

«Das ist die Frage der Fragen»

Martel Weinwelt - Medien

Hier geht es in erster Linie natürlich um Genuss. Doch dahinter steckt auch ein knallhartes Business. Denn der Weinhandel wird von zahlreichen Anbietern bestritten. Der Name «Martel» konnte sich in den vergangenen Jahren gerade auch in der Ostschweiz als starke Marke positionieren. Über seine Philosophie spricht Jan Martel, Geschäftsführer der Martel AG mit Sitz in St. Gallen, im Interview.ausends vor Christus zurückverfolgen. Und trotz dieser enormen Tradition zeigt sich in den Rebbergen von Hettlingen bis ins Chianti, in den Kellern von der Mosel bis ins Lavaux eine erstaunliche Dichte an Innovation und Erneuerungsdrang. 

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Weinreise rund um Barcelona: olé!

Martel Weinwelt - Dienstleistungen

Hola Spanien, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Im September waren sechs Martel-Mitarbeitende in den Weingebieten rund um Barcelona unterwegs und erlebten dort viel. Isabel Graf, Edith Meyenberger und Vito Corrado erzählen von ihrer Weinreise:

¡Cava!

«Was für ein prickelnder Empfang in Spanien! Wir starten unsere Reise gleich mit einem Highlight, dem Besuch auf dem Cava-Weingut Vins El Cep unweit von Barcelona. Hier, in der mit Abstand wichtigsten Cava-Region Penedès, führt Maite Esteve das Bioweingut Vins el Cep. Es wurde 1980 gegründet und ist eine Zusammenarbeit von vier Familien, die Ihre Weinanbauwurzeln im 15./16.Jahrhuntert haben. Alle vier Familien zusammen bewirtschaften rund 200 Hektaren, sind seit 2001 Bio und seit 2003 biodynamisch zertifiziert.

Ihr Betrieb ist einer der wenigen Cava-Hersteller, die aus ihren eigenen Trauben selber Schaumwein produzieren. Vins El Cep produziert mit 16 Mitarbeitenden und rund 300’000 Flaschen pro Jahr, weil sie aus Qualitätsgründen nur die bessere erste Hälfte des Mostes für ihre Weine benutzen. Der restliche Most wird verkauft. Qualität steht über allem. Uns fällt auf, wie sorgfältig hier gearbeitet wird.

Die Gegend ist erstaunlich wild, wir fahren mit zwei Autos wie durch einen Dschungel zu den Rebbergen und werden auf den holprigen Wegen ordentlich durchgerüttelt. Da bei unserem Besuch die Ernte im Gang ist, können wir noch etwas mithelfen bei der Weinlese. Ein eindrückliches Erlebnis. Das Wimmen macht Spass.

Später verkosten wir bei der Degustation im blitzblanken Keller die hervorragenden Cavas von Vins El Cep: unseren Gilmas, den MIM Nature und den Mim Blanc de Noirs. Klare, straffe und mineralische Weine, die den Gaumen mit feinem Perlage erfrischen. Zusätzlich konnten wir auch die Stillweine des Weinguts probieren. Vor allem die Weissweine aus der lokalen Traubensorte Xarel-lo sind von ausgezeichneter Qualität. Eine Überraschung und Entdeckung!

Vins El Cep

¡Garnacha!

Auf dem Weg zur nächsten Bodega legen wir eine Pause ein, um Glacé und Getränke für unterwegs zu kaufen. Als wir im Shop stehen, müssen wir lachen: Es ist ein Fischladen. Zum Glück finden wir dort trotzdem, was wir brauchen und erreichen gestärkt das Weingut Edetària. Es liegt ziemlich abgelegen auf einem Hochplateau in der Weinegion Terra Alta, westlich von Tarragona. Uns fallen die vielen Windräder in der Gegend auf. Viel Wind ist auch perfekt für die Belüftung der Reben – und vor allem sorgt er hier für Abkühlung.

Der charismatische Weingutsbesitzer und Önologe Joan Lliberia erwartet uns vor dem topmodernen Weinkeller. Er ist ein unkonventioneller Denker und Visionär. Joan führt uns direkt in die Rebberge. Rund 50 Hektaren Rebberge bewirtschaftet er. Angekommen in den Reben stellt uns Joan die verschiedene Reberziehungsarten vor. Vom doppelten Guyot zu der Buscherziehung: Je nach Traubensorte, Alter der Reben und Terroirs passt das Weingut die Erziehung an.

Wir können von den Trauben probieren und schmecken, wie säurebetont gut beschattete Trauben bleiben – und wir fruchtig-süss sie werden, wenn sie der Sonne direkt ausgesetzt sind. Faszinierend. Hier wächst vor allem Garnacha Blanca, Garnacha Fina und Garnacha Peluda, auf diese Rebsorte ist Joan besonders stolz. Sie ist eine natürliche Mutation von der Fina. Auf der Unterseite der Blätter wachsen kleine Härchen, daher stammt der Name die Peluda (behaart). Zudem können die Blätter dank der feinen Haare mehr Wasser speichern. Daneben kultiviert Joan auch noch Macabeo, Viognier, Syrah und Cariñena.

Alle Edetària-Weine haben eine klare Linie. Sie sind frisch und elegant, obwohl Garnacha eine Rebsorte ist, die alkoholreiche Weine hervorbringen kann. Alle Weine von Edetària sind hervorragende Speisebegleiter. Wir konnten dies mit Joan beim gemeinsamen Essen testen. Acht Gänge mit je zwei Weinen. Foodpairing vom Feinsten.

Edetaria

¡Samsò!

Weiter geht’s mit einer kurvenreichen Autofahrt ins Priorat. Hier sind wir in einer berühmten, kleinen und hochfeinen Weingegend. Die gebirgige Landschaft beeindruckt uns. Von den 40 Hektaren Fläche der Bodega Cal Grau kann das Weingut nur knapp die Hälfte für den Rebbau nutzen, der Rest ist zu steil und steinig. Die Reben schlagen ihre Wurzeln durch das Schiefergestein und zerbrechen dieses auf der Suche nach Wasser. An diesen Hängen fühlen sich vor allem Samsò (katalanische Name für Cariñena) und Garnacha wohl.

Dichte, mineralische und würzige Weine sind das Resultat, wie der Baccadeli, den wir im Sortiment führen. Eine maschinelle Ernte in diesen Steillagen ist unmöglich. Einmal mehr wird uns bewusst, welche Anstrengungen die Winzer auf sich nehmen, um unter herausfordernden Bedingungen allerbeste Weine zu produzieren. Der Besuch auf Cal Grau bleibt in Erinnerung. Auch wegen der abenteuerlichen Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups durch die steilen, steinigen Rebberge. Festhalten!  

Cal Grau

¡Tempranillo!

Das hübsche Städtchen Alquézar liegt auf einer felsigen Anhöhe in den südlichen Ausläufern der Pyrenäen, in der Weinregion Somontano, was soviel heisst wie am Fuss des Berges. Unser Kleinbus schafft es nur knapp durch die engen, mittelalterlichen Gassen. Hier geniessen wir ein Essen mit Hammeraussicht über das Alto Aragon. Aus dieser grossartigen Gegend stammen die Weine von Enate. Der Name Enate bezieht sich auf das gleichnamige Dorf, wo sich die ersten Rebberge des Weingutes befinden. Beim Besuch des Weinguts sind wir verblüfft ob der vielen Kunstwerke in der Bodega. Kunst geniesst einen hohen Stellenwert auf Enate, auch die Weinflaschen sind künstlerisch anspruchsvoll ausgestattet. Die Etiketten werden von spanischen Künstlern kreiert.

Obwohl Enate ein grosser Betrieb ist mit über 470 Hektar Rebfläche und einem Weinkeller, in dem aktuell über zwei Millionen Flaschen lagern, fühlen wir uns sofort sehr wohl auf Enate. Die Stimmung ist herzlich, fast schon familiär. Mit ein Grund dafür ist die jahrelange Verbindung zu unserer Weinhandlung. Wir kennen viele Gesichter, besonders gut natürlich den treuen Enate-Önologen Jesus Artajona. Er beherrscht die Kunst des Weinmachens wie kaum ein anderer in Spanien. Seine Weine verbinden Tradition und Moderne auf wunderbare, eindrückliche Weise.

Wir degustieren zusammen mit ihm unser Enate-Sortiment. Die Chardonnays sind frisch fruchtig. Der rote Crianza zeigt die Würze des Tempranillo, abgerundet mit Cabernet Sauvignon. Der aktuelle Cabernet Reserva verfügt auch nach acht Jahren noch immer über eine fantastische Frische. Wir geniessen jeden Schluck und sind etwas wehmütig. Denn unsere Spanienreise geht hier leider bereits zu Ende.

Enate

Uns bleibt die Freude auf ein Wiedersehen mit unseren spanischen Winzerfreundinnen und -freunden bei uns in der Schweiz. Hasta luego, nuestros amigos Maite, Peda, Joan, Nani, Fran, Christian, Laura und Jesus!»

Kellerschätze – Vergessene Weine

Martel Weinwelt - Kellerschätze - Vergessene Weine

Das Martel-Angebot umfasst rund 2’000 Weine, eine Vielfalt, die uns beflügelt. Jeder Wein ist anders und fand aus gutem Grund den Weg in unser Sortiment. Einzelne Weine stehen dabei weniger im Rampenlicht. 

Eigentlich schade, denn diese Weine sind eine (Wieder-)Entdeckung wert, sie sind echte Kellerschätze. Zum Beispiel piemontesischer Nascetta di Novello, tolle Blends aus kleineren Bordeaux-Appellationen oder überraschend eleganter kalifornischer Pinot Noir.

Wir bieten bei der Aktion «Kellerschätze – Vergessene Weine» über 30 Weine zum Spezialpreis an, von denen wir überzeugt sind, dass sie sich auf Ihrem Tisch besser machen als in unserem Keller. Stöbern Sie in der Auswahl dieser Qualitätsweine aus der halben Welt. Darunter befinden sich Hochkaräter und Weine, die den Alltag speziell machen. Es sind alles aktuelle Jahrgänge in Bestform, manchmal jedoch in nur kleiner Stückzahl. Nutzen Sie die Chance, unsere Kellerschätze zu entdecken. Angebot solange Vorrat.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Das passt: Amarone & Marroni

Martel Weinwelt - Das passt: Amarone & Marroni

Die Kombination von Amarone & Marroni steht für herbstliche Glücksgefühle. Die Edelkastanien und der tiefgründige Wein aus den Valpolicella-Hügeln bei Verona sind füreinander geschaffen wie Romeo und Julia. Martel-Mitarbeitende sind Marronifans, wie diese Umfrage zeigt:

Romina Bärtsch, die bei der Weinhandlung für Grafik und Design zuständig ist, kommt beim Thema Marroni ins Schwärmen: «Ich liebe Marroni! Für mich sind sie eine schöne Kindheitserinnerung. Wir sammelten bei uns in Sargans jeweils Marroni und brätelten sie auf dem Feuer im Garten. Auch Chauffeur Andreas Breu gehört zu den Marroni-Fans im Martel-Team, das war jedoch nicht immer so. «Als Kind mochte ich Marroni überhaupt nicht. Heute finde ich sie supergut.» Bernadette Schönenberger, Leiterin der Martel-Ladengeschäfte, verbindet mit Marroni die Freude am farbigen Herbst. «Sind die ersten Marroni da, ist der Sommer vorbei. Mit Marroni verbinde ich das Gemütliche, das Rustikale und Herzhafte. Olma, Tessin, Waldspaziergänge, die Einstimmung in den Herbst. Marroni wecken in mir positive Gefühle».

Marroni-Liebe

«Wenn ich das Wort Marroni höre, geht mir das Herz auf», schwärmt Stefan Hefti, der wohl grösste Marroni-Enthusiast im Team. Der Leiter Finanzen bei Martel begleitete als Kind oft seinen Onkel beim Ausliefern von Marroni und führte später einen eigenen Marronistand am Jahrmarkt. Bei Marroni macht er keine Kompromisse: «Ich suche die bestmögliche Qualität bei Marroni. Diese hängt von der Saison ab und es ist auch eine Frage des Preises. Richtig gute Marroni haben eine wachsige Konsistenz und schmecken herrlich». Stefan Hefti organisierte auch schon an seinem Arbeitsplatz bei Martel einen Marroniabend und brätelte diese auf einem Elektrogrill, mit entsprechenden Folgen: «Ich verrauchte das ganze Büro und bin seither betriebsintern allen als grosser Marronibrätler bekannt oder wohl eher berüchtigt. Der Abend mit Marroni, Salami und Wein war übrigens ausgesprochen lustig.»

Vielseitige Marroni und Tommasi Amarone

Amarone passt ideal zu Marroni in verschiedenster Form. Als gebrätelte Marroni oder als Marronikuchen. Toll sind auch pikante Marroni oder süssliche als Beilage zu Wildgerichten. Dazu reichen wir ein Glas Amarone von Tommasi, einem hoch angesehenen Amarone-Produzenten. Durch die mehrmonatige Lufttrocknung der Trauben von der Ernte bis zum Frühling ergibt sich eine natürliche Konzentration und Intensivierung. Ein gehaltvoll-barocker, würzig-aromenreicher Rotwein für den sinnlichen Genuss.

Marronisuppe: Unser Lieblingsrezept zum Amarone

Eine Marronisuppe ist ein herbstliches Highlight. Hier das Rezept vom Restaurant Löwengarten in Rorschach. Mmh. Nachkochen lohnt sich!

Matignon
400 gr. Zwiebeln
80 gr. Rüebli
40 gr. Sellerie


Zutaten für 4 Personen

10 gr. getrocknete Steinpilze
480 gr. frische oder tiefgefrorene Marroni
13 dl Gemüsebouillon
0,2 dl dunkler Balsamicoessig
etwas Butter zum Abraten
Salz & Pfeffer zum Abschmecken


So wird’s gemacht

Gemüse schälen
Matignon in etwas Butter andünsten
Marroni & getrocknete Steinpilze dazugeben und mitdünsten
Ablöschen mit Balsamico
Mit Bouillon aufgiessen
Alles weich kochen, danach fein mixen
Abschmecken mit Salz & Pfeffer

Unsere Querweinsteiger

Martel Weinwelt - Unsere Querweinsteiger

Manchmal führt der Weg zum Ziel über einen Umweg. Das gilt auch für erfolgreiche Winzerinnen und Winzer, die über eine Extraschlaufe zu ihrem Traumberuf fanden. Querweinsteiger nennen wir sie bei der Weinhandlung Martel.

Vom Schweizer Käser zum Winzer in Deutschland

Urban Kaufmann ging wegen der Liebe zum Wein nach Deutschland, fand mit Eva Raps die Frau seines Lebens und sein Winzerglück. Heute ist Urban Winzer eines 20-Hektar-Betriebes im deutschen Rheingau. Bis vor zehn Jahren führte der Ostschweizer eine Käserei in Andwil im Kanton St.Gallen. Er suchte eine Frau und träumte von einem Weingut, zuerst im Piemont. Der Sprache und Mentalität wegen fiel die Wahl dann auf Deutschland. Dort lernte er Eva Raps kennen, die damals den Verband der Prädikatsweingüter VDP leitete. Was für ein Glück: Seit 2013 führen die beiden gemeinsam ihr eigenes VDP-Weingut in Hattenheim und sorgen mit ihren biodynamischen Spitzenweinen für Furore.

Der Wein-Doktor mit der Supernase

Dieser Mann ist alles, ausser gewöhnlich. Der Genfer Mediziner Patrick Regamey arbeitet als Arzt und als Winzer. Zum Wein brachte ihn sein hervorragender Geruchssinn, kombiniert mit einem phänomenalen Gedächtnis. Das macht Patrick zum Top-Verkoster. Zusammen mit Freunden gründete er 2007 sein eigenes Weingut im Wallis. Durchschnittlich drei Stunden am Tag kümmert sich Patrick um L’Histoire d’Enfer. Er pendelt zwischen seinem Erstwohnsitz und Arbeitsort in Genf und dem Wallis, wo nebst seinem Weingut eine zusätzliche Arztpraxis betreibt. Ein Mann mit unglaublicher Energie und viel önologischem Talent. Seine Weine gehören zu den besten im Wallis und sind ärztlich empfohlen.

Querweinsteiger Histoire d'Enfer

Ins Winzerglück gesegelt

Die kalifornische Ökonomin Carrie und Maschinenbauingenieur Hans Frederik aus Dänemark leben in jungen Jahren in Malaysia. Dann kommen sie nach Europa und segeln von England nach Portugal, wo sie sich 1988 im Alentejo niederlassen: «Mich erinnerte die Gegend an Kalifornien, Hans liebte die mediterrane Sonne», erinnert sich Carrie Jorgensen. Ihr künftiges Weingut Cortes de Cima bestand am Anfang nur aus trockenem Land und ein paar verlassenen Häusern. Ingenieur Hans Frederik baute einen Damm und das Paar pflanzte Syrah-Reben, die damals in dieser Weingegend noch verboten waren. Deshalb verschwiegen sie die Traubensorte und tauften den Wein vielsagend «Incògnito». Der Syrah geriet zum weltweiten Erfolg und Cortes de Cima gilt seither als portugiesisches Weinwunder. Das Werk von zwei Querweinsteigern, das nun von ihrer gemeinsamen Tochter Anna Jorgensen mit viel Wind in den Segeln weitergeführt wird.

Cortes de Cima
Anna Jorgensen

Hammerwein – La Massa & Giorgio Primo 2019

Martel Weinwelt - Hammerwein - La Massa & Giorgio Primo 2019

Wiedersehen mit toskanischen Weinfreunden

Zweimal den gleichen Hammerwein, das hatten wir noch nie. Der La Massa und der Giorgio Primo waren bereits vor einigen Jahren unsere Weine des Jahres. Der neue Jahrgang 2019 ist so unglaublich gut, dass wir einfach nicht anders konnten, als sie nochmals zu unseren Hammerweinen zu küren.

Bei La Massa denke ich oft an meinen ersten Besuch auf dem Weingut zurück. Der Winzer Giampaolo Motta war voller Ideen, im Gespräch sprudelten die Worte auf sympathisch italienische Art aus ihm heraus. Bei der Verkostung wurde es jedoch plötzlich still, in diesem Moment sprachen die Weine zu uns. Ganz kurz stand die Welt still. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und Zusammenarbeit.

«Martel» heisst übersetzt «Hammer». Unter einem Hammerwein verstehen wir einen qualitativen Überflieger – zum unschlagbaren Preis. Wie immer ist das Angebot einmalig und limitiert. Wir empfehlen: jetzt zugreifen!

Das Hammer-Weingut

La Massa steht für Innovation im Chianti Classico. Treibende Kraft des Weinguts ist der umtriebige Giampaolo Motta, der ursprünglich aus Neapel stammt und seit 30 Jahren in der Toskana für frischen Wind und höchste Qualität sorgt. Zum einen mit sehr dichter Bepflanzung, wie sie in Bordeaux üblich ist und zur Verbesserung der Weine beiträgt. Zum anderen mit einer modernen Cantina, wo die Weine schonend gekeltert werden.

Erneuerung versteht Giampaolo Motta als Verbesserung der Tradition. Seit dem 14. Jahrhundert wird hier Wein produziert. Die Landschaft rund um La Massa ist vom Weinbau geprägt und unvergleichlich schön. Motta selbst wohnt in einem alten Landhaus auf dem Weingut und ist sich bewusst: Hier schlechten Wein zu produzieren, wäre eine Schande.

Die Hammer-Weine

Sowohl der La Massa als auch der Giorgio Primo setzen im Chianti Classico Massstäbe. Beide Weine sind kraftvoll und elegant zugleich. Der La Massa ist eine Cuvée aus Sangiovese und französischen Rebsorten. Die Assemblage des Giorgio Primo besteht allein aus Bordeaux-Sorten. Damit sind die Weine Vertreter des modernen toskanischen Stils. Beides zugängliche Weine, die in ihren Kategorien stets höchste Bewertungen erhalten.

In der privilegierten Lage Conca d’Oro in der Nähe von Panzano entsteht Weltklassewein. Nur perfekte Trauben sind gut genug für La Massa-Weine. Der Giorgio Primo repräsentiert als Paradepferd die Essenz der besten Parzellen. Dieser Top-Wein wird 18 Monate in neuen Barriques ausgebaut und gehört ohne Zweifel zur Elite der Toskana.

Der Hammer-Jahrgang 2019

2019 gehört sicher zu den ganz grossen Jahrgängen in der Toskana. Wir sind begeistert. Die Weine bestechen durch Harmonie, Vielschichtigkeit, Eleganz, Tiefe und Spannung. Keine Spur von Überreife oder übertriebener Power. Der Frühling 2019 war nass und sorgte für Wasservorräte in den Böden. Anfang des Sommers war die Vegetation rund einen Monat weniger weit als üblich. Es folgte warmes, jedoch nicht übermässig heisses Sommerwetter. Einige Regenschauer vor der Ernte verhinderten Trockenstress. Die Trauben reiften langsam und konnten so bis zur Ernte komplexe Aromen und eine schöne Balance entwickeln.

Degustation: Hammermässig!

La Massa 2019

Viel blaue und rote Frucht, Kirsche, auch ätherische und balsamische Noten, mediterrane Kräuter, etwas Bleistift. Im Gaumen viel Frische und Spannung, geschmeidige Gerbstoffe, voller Körper, dicht. Toller, langer Abgang. Der Alkohol ist perfekt integriert. Lagerpotential mindestens 8 Jahre, aber schon jetzt wunderbar zu trinken.

Giorgio Primo 2019

In der Nase zeigt dieser Bordeaux-Blend reife, dunkle Frucht, zum Beispiel Cassis. Zedernholz, minzige Frische, sehr komplex. Im Gaumen grandiose Tanninstruktur, feinste Gerbstoffe und Druck. Frische mit gleichzeitiger Power und Konzentration. Sehr langer Abgang. Ein Weinmonument. Enormes Lagerpotential: Mindestens 20 bis 25 Jahre.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Ferienwein – so ist er auch zuhause fein

Martel Weinwelt - Ferienwein - so ist er auch zuhause fein

In den Ferien schmeckt der Wein fast immer toll. Und es kommt vor, dass der gleiche Wein daheim enttäuscht. Das liegt an der anderen Umgebung und auch an der eigenen Stimmung. Wir liefern Erklärungen für das Phänomen und Tipps von Martel-Weinprofis, was man dafür tun kann, damit der Genuss des Ferienweins ungetrübt wiederholt werden kann.

Für den Weinberater und Diplomsommelier Reinhard Mayrböck ist klar: «In den Ferien ist man entspannt, ohne Stress. Das wirkt sich auch positiv auf den Weingenuss aus. Dazu kommt, dass der lokale Wein meistens sehr gut zu den lokalen Spezialitäten passt. Zuhause ist die Anspannung wieder da und wir essen andere Gerichte.» Der erfahrene Martel-Weinprofi Jean-Pierre Rüsch ergänzt: «In fernen Gegenden wird anders gewürzt, das wirkt sich auch auf die Wahrnehmung von Wein aus.» Rüsch empfiehlt, fremdländische Gerichte mit den entsprechenden Gewürzen nachzukochen. Dann passe auch der Wein besser.

Ferienstimmung schaffen

Reinhard Mayrböck kennt einen weiteren Tipp, wie man eine Enttäuschung mit Ferienwein verhindern kann: «Ich trinke den Ferienwein am liebsten beim Start zum Wochenende in einer entspannten Situation, zum Beispiel am See oder im Garten. So schmeckt der Wein wie im Urlaub.» Mayrböck ist viel gereist und rät, Wein nicht über lange Strecken im möglicherweise heissen Auto zu transportieren. Das kann dem Wein schaden.

Austausch mit Martel-Weinprofis

In den Martel-Ladengeschäften sind Ferienweine besonders in der Sommerzeit ein Thema. «Wenn viel Wein aus gewissen Urlaubsgebieten nachgefragt wird, wissen wir: diese Destinationen liegen aktuell im Trend.» Zum einen kaufen Kundinnen Wein aus Vorfreude auf ihre Ferien Wein aus der entsprechenden Gegend. Zum anderen wollen Kunden die Erinnerungen an die schönsten Tage des Jahres mit einer Flasche aus Frankreich, Spanien oder Italien wachhalten. Der junge Martel-Weinexperte Luis Gubelmann kennt das Phänomen bereits: «Erst kürzlich fragte ein Kunde nach einem typischen Wein aus Sardinien, um damit zuhause seine Ferien zu verlängern.» Christina Häussermann aus dem Martel-Team ergänzt: «Es kommt regelmässig vor, dass Kundinnen und Kunden erzählen, welchen Wein sie in den Ferien getrunken haben. Für uns ist dieser Austausch spannend.»

Aktion Typisch! Weine mit prägender Herkunft

Ferienfeeling im Martel-Shop

Ob es nun Wein aus Sardinien, Spanien, Portugal oder Österreich sei: Unsere klimatisierten Ladengeschäfte in St.Gallen und in Zürich laden auch in der Sommerhitze zum ruhigen Stöbern und Verweilen ein. Viele Weine bieten wir zur Degustation an.

Typisch!

Martel Weinwelt - Typisch!

Neues und Traditionelles

Guter Wein macht aus seiner Herkunft kein Geheimnis. Im Gegenteil. Es ist ein Gütezeichen, wenn Wein typisch ist für die Gegend, aus der er stammt. Zum Beispiel unterscheidet sich Top-Riesling aus einer kühlen Lage in Deutschland himmelweit vom erstklassigen Riesling aus dem Hunter Valley in Australien. Merlot aus dem Tessin soll anders schmecken als Merlot aus dem Bordeaux oder aus den USA. Wichtig ist uns auch, dass die Traubensorten erkennbar sind. Typisch Pinot Noir, typisch Sauvignon Blanc, typisch Chardonnay.

Im Glas zu riechen und zu schmecken, woher ein Wein kommt und woraus er gemacht ist, macht Spass. Die Finessen und Eigenheiten sind faszinierend und ein wichtiger Grund dafür, weshalb wir Weine von so unterschiedlichen Weingebieten im Sortiment führen.

Mit der Aktion «Typisch!» stellen wir Ihnen weisse Weine aus Deutschland und Rotweine aus Frankeich, Italien und Argentinien vor. Jeder dieser Weine zeigt den typischen Charakter einer Region und stammt von Winzerinnen und Winzern, die wir kennen. Typisch Martel.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Giro d’Italia in Sachen Wein

Martel Weinwelt - Giro d'Italia in Sachen Wein

Hallo Italien, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Mitte Juni waren fünf Martel-Mitarbeitende kreuz und quer durch Mittel- und Süditalien unterwegs und erlebten dort viel. Weinberaterin Silvia Zuberbühler erzählt von ihrer Weinreise:

Unseren «Giro d’Italia» starten wir im Chianti Classico. Eine umwerfend schöne Gegend. Francesco vom Weingut La Massa in Panzano zeigt uns die moderne Cantina. Alles topmodern, schön – und praktisch. Ich habe eine feine Nase und staune: Hier riecht’s wirklich sauber, kein Anflug von muffigem Kellergeruch. La Massa ist bekannt für seine Bordeaux-Cuvées. Wir probieren den neuen Jahrgang 2019 – und sind überrascht. Obwohl 2019 ein Hitzejahr war, zeigt sich der Wein elegant.

La Massa

Verpflegungsstopp beim Kult-Metzger

Im Dorf Panzano ist auch der berühmteste Metzger Italiens zuhause. Dario Cecchini wurde weltbekannt für Bistecca Fiorentina und seine unkonventionelle Art. Wir kaufen bei Cecchini dick gefüllte Panini für unterwegs: molto buono!

Kurztripp ans Meer

Mare, mare – wir fahren ins Bolgheri-Gebiet zu Caccia al Piano. Ein Rebberg des Weinguts liegt auf einem ansonsten voll bewaldeten Hügel – mit einem überwältigenden Blick aufs nahe Meer. Einen ähnlich angelegten Rebberg sehen wir schräg gegenüber: Sassicaia. Die erhöhte Lage der Reben bringt Frische in den Wein. Wir überzeugen uns davon bei der Degustation des neuen Jahrgangs in der Cantina von Caccia al Piano im Tal. Tatsächlich riechen und schmecken wir im Bolgheri-Wein die Düfte der Toskana und den Einfluss des Meeres. Einfach herrlich.

Quer durch die Toskana

Unser Etappenziel: Montalcino. Auf dem Weingut Ridolfi empfängt uns Gianni Maccari. Der Gutsleiter ist ein überlegter, intelligenter Mann und Perfektionist. Im Keller degustieren wir den neuen Brunello-Jahrgang, der in unterschiedlichen Fässern ausgebaut wird. Mal in Fässern von Küfereien aus Bordeaux, mal kommen die Fässer aus dem Burgund, mal ist das Holz aus slawonischer Eiche. Aus den Weinen der verschiedenen Fässer entsteht später ein vielschichtiger Blend. Das Weingut Ridolfi gibt es erst seit elf Jahren. Hier wird alles hinterfragt und neu gedacht. Das grosse Potential dieses Brunello-Weinguts ist spürbar. Toll, dass wir Ridolfi nun im Martel-Sortiment führen und in den nächsten Jahren begleiten können.

Ridolfi

Weiter geht’s in Richtung Montepulciano. Rund 45 Minuten Autofahrt später werden wir im Zentrum des Städtchens im Palazzo der Familie Contucci erwartet. Nobel, nobel. Der heutige, sehr sympathische Besitzer Andrea Contucci (43. Generation!) zeigt uns den Familiensitz und lädt uns ein, die Weine zu degustieren. Der Vino Nobile di Montepulciano ist hervorragend und gefällt mir, weil er durch die alten Fässer nicht so geschliffen wirkt. Wir essen zusammen Pranzo: Superfeine Pasta mit einem grossen Gemüseknoblauch. Buonissimo!

Contucci

Zwischenspurt mit frischem Weisswein

Am Nachmittag fahren wir zwei Stunden über den Gebirgszug Appenin in die Region Marken. Die Gegend im Hinterland der Adria wirkt weniger geschniegelt als die Toskana, auch das hat seinen Charme. Wir sind zu Gast bei Vignamato, einem Betrieb, der von der Familie Ceci geführt wird. Das Weingut konzentriert sich ganz auf die Herstellung von Verdicchio dei Castelli di Jesi. Feingliedrige und frische Weissweine, im Zementtank ausgebaut. Diese Weine reifen erstaunlich gut. Beim Abendessen im Kreise der ganzen Familie Ceci probieren wir auch reifere Jahrgänge, die länger auf der Hefe lagen. Echt gut.

Vignamato

Unsere Königsetappe

Ein grosser Moment. Der bevorstehende Besuch beim Weingut Emidio Pepe macht uns ein wenig nervös. Diese Weine sind Monumente. Rar und kostbar. Umso erstaunlicher, wie bodenständig die Familie Pepe geblieben ist. Der Empfang ist herzlich, die Atmosphäre familiär, unsere Anspannung legt sich schnell. Aktuell engagieren sich zwei Generationen Frauen der Familie Pepe fürs Weingut. Dessen Gründer, Emidio Pepe – ein echter Pionier, der gerne als «König der Abruzzen» bezeichnet wird, zog sich altershalber weitgehend zurück. Er setzte schon früh auf Biodynamie und höchste Qualität und brachte Weine aus den Abruzzen an die Weltspitze. Seine Töchter und Enkelinnen halten am hohen Anspruch fest und keltern weiterhin grosse Weine für die Ewigkeit. Auf dem Hof wird auch Bio-Getreide angebaut. Daraus produzieren die Pepes eigene Pasta. Wir geniessen diese gemeinsam mit der Familie und heben das Glas mit dem köstlichen Wein auf Emidio Pepe, der mit uns am Tisch sitzt.

Emidio Pepe

Giro-Finale in Kampanien

Südlich von Neapel erwartet uns Silvia Imparato auf ihrem Weingut Montevetrano. Die Frau hat Drive. Dank ihres Engagements gehört Montevetrano zu den Fixsternen des süditalienischen Weinbaus. Silvias Tochter Gaia versprüht nicht weniger Elan. Lange Jahre machte sie Karriere in der Modebranche in Milano. Nun ist Gaia zurück auf dem Weingut und folgt ihrer Mutter nach.

Montevetrano

Unser Giro d’Italia geht hier in Kampanien zu Ende. 1’200 Kilometer in drei Tagen.
Wir kommen wieder. Arrivederci, Italia!

Zu den Weinen der Reise

Unterwegs zu tollen Champagner-Momenten

Martel Weinwelt - Kontakt

Hallo Champagne, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Diesen Frühling waren einige Martel-Mitarbeitende in der Champagne auf Weinreise und haben dort viel erlebt. Unsere Weinberaterin Christina Häussermann schildert ihre Eindrücke:

«Im Zentrum der Champagner-Stadt Epernay begrüsst uns der Exportleiter Philippe Antony auf dem Firmensitz des Weinhauses Gosset überaus herzlich. Die Geschichte des Weinproduzenten reicht bis 1584 zurück. Damit ist Gosset das älteste Weinhaus der Champagne. Zu Beginn wurde hier noch Stillwein gemacht, da die Perlage im Mittelalter noch nicht erfunden war. So begann Gosset erst im 18. Jahrhundert damit, Champagner zu produzieren.

Wir steigen hinab in die zwei Kilometer langen, weitverzweigten Keller: imposant, eindrücklich und geschichtsträchtig. An den Wänden aus Kreide sehen wir Zeichnungen und Kritzeleien von Menschen, die hier unten in den zwei Weltkriegen des letzten Jahrhunderts Schutz suchten. Es ist eindrücklich, hier Geschichte unmittelbar zu erleben. Genauso staune ich über das immense Weinlager. In diesem Keller reifen Millionen von Flaschen Gosset-Champagner.

Etwas später treffen wir Odilon de Varine, den Kellermeister von Gosset und degustieren mit ihm. Odilon erläutert uns die Philosophie des Hauses: «I’m a winemaker not a bubblemaker». Zum Schluss unseres Besuchs sind wir zum Lunch auf der Terrasse des Weinguts eingeladen. Zu uns an den Tisch gesellt sich Gosset-Geschäftsführer Jean-Pierre Cointreau, dessen Familie mit weltbekanntem Namen das Champagnerhaus seit bald 30 Jahren besitzt.

Champagne Gosset
Champagne Gosset

Im Kernland der Chardonnay-Champagner

Von Epernay fahren wir nach Avize ins Zentrum der Cote de Blancs. Die Winzerdörfer an der Cote des Blancs sind ausnahmslos klassifiziert als Premier Cru und Grand Cru. In der Grand Cru-Gemeinde Avize ist der Sitz der Kooperative Union Champagne. Die Union wurde 1966 gegründet und setzt sich mittlerweile aus 14 Genossenschaften mit 2’300 Winzern zusammen. Für unseren Champagne de Saint Gall werden die besten Trauben aus Premier- und Grand Cru-Lagen der Cote des Blancs verwendet. Die Saint Gall-Champagner sind frisch, elegant und mit feiner Perlage – und verfügen über ein erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Champagne de Saint Gall

Brüder-Trio mit Pioniergeist

Wir bleiben in Avize und besuchen das unkonventionellste Champagnerhaus unserer Reise: Champagne Fèrejean Frères. Gespannt sind wir alle, schliesslich wissen wir erst wenig über diesen Champagner, den wir bei Martel neu im Sortiment führen. Der kleine Betrieb liegt mitten im verschlafenen Winzerdorf. Das Herrschaftshaus mit hübschem Innenhof ist in einem warmen Orange gestrichen. Die Geschichte von Frèrejean Frères gefällt mir: Drei Brüder, beruflich erst auf anderen Pfaden, kehren in ihre Heimat zurück und gründen ihr eigenes Champagnerhaus.

Zu Anfang ist alles nur eine Herzensprojekt und Hobby. Sie machen Champagner für sich, Freunde und Familie. Schliesslich wird aus dem Hobby ein richtiges Champagnerhaus. 2012 kommt der erste Champagner auf den Markt. Seither wird das elterliche Haus vergrössert, umgebaut und ausgebaut. Reiner Zufall ist das nicht. Denn die drei Brüder haben Bubbles im Blut. Mütterlicherseits sind sie mit der berühmten Taittinger Familie verwandt. Bei einem Rundgang durch den Betrieb hören wir im Kreidekeller tief unter der Erde gespannt, wie alle Produktionsschritte von Hand gemacht werden. Die Philosophie von Frèrejean Frères lässt sich beschreiben mit: traditionelle Methoden, Handwerkskunst und Raum für Innovation. Diese Champagner sind komplex, lebendig und verfügen über eine gewisse Salzigkeit im Abgang.

Champagne Fèrejean Frères

Reben statt Jaguar-OIdtimer

Zum Schluss unserer Reise sind wir in Reims beim Champagnerhaus Bruno Paillard zu Gast. Der Gründer soll vor 40 Jahren zur Verwirklichung seines Traums seinen alten Jaguar verkauft und das Geld in Reben investiert haben. Seither ist das Weingut unabhängig und in Familienbesitz. Inzwischen hat Tochter Alice Paillard die Leitung übernommen. Als erster Betrieb in der Champagne deklarierte Bruno Paillard das Degorgierdatum auf der Flasche. Das führt zu mehr Transparenz. Zudem ist bei Bruno Paillard speziell, dass die Reserveweine wie Sherry im Solera-Verfahren gelagert werden.

Bei der Degustation können wir uns vom riesigen Reifepotential dieser Champagner überzeugen. Atemberaubend, wie nobel geschliffen, präzis, glasklar und elegant Bruno Paillard-Champagner sind. Bei einer Führung durch den Rebberg erleben wir die biologische Landwirtschaft hautnah. Pestizide und Herbizide sind bei Bruno Paillard verboten. Stattdessen wird viel Wert auf die Bearbeitung des Bodens gelegt. Um die Biodiversität zu erhöhen, werden Pflanzen und Blumen zwischen den Zeilen gesät. Das ist gut für die Natur, die Reben, den Wein – und zudem ein wunderbarer Anblick.»

Champagne Bruno Paillard
Champagne Bruno Paillard

Zu unseren Winzer-Champagnern

Mein Herz schlägt für Bordeaux mit Herz

Martel Weinwelt - Mein Herz schlägt für Bordeaux mit Herz

Hallo Bordeaux, wir kommen! Das Martel-Team unternimmt regelmässig Reisen, um die Weingebiete besser kennenzulernen und im engen Kontakt zu bleiben mit Winzerinnen und Winzern. So lässt sich Weinkultur am besten vermitteln. Im Mai waren sechs Martel-Mitarbeiter im Bordeaux unterwegs und haben dort viel erlebt: Besuche bei kleinen Weingütern und bei den ganz grossen Bordeaux-Namen. Nico Matern, Leiter Marketing bei Martel, erzählt:

«Die Reise kam mir vor wie ein Besuch bei Freunden. Bereits beim ersten Weingut wurden wir bei sommerlichen Temperaturen so herzlich wie alte Bekannte empfangen – mit kaltem, süssem Wein. Wir waren ja schliesslich auf Château Doisy-Védrines, das Süsswein produziert. Meine Erkenntnis: Kalter Süsswein passt perfekt zu heissen Tagen. Ich merke mir das für diesen Sommer. Trotz Sonnenschein und süssem Wein wurde die Diskussion bald ernst. Das Weingut erlitt wegen des Frosts im Frühling 2021 einen totalen Ernteausfall. Man stelle sich vor: ein Jahr lang keinen Ertrag. Bewundernswert, wie gelassen die Besitzer von Doisy-Védrines mit dem Verlust umgehen. Keine Klage war zu hören, die Winzer sind sich des Risikos bewusst, mit dem sie leben. Einmal mehr wird mir klar, welche Leistung Weinproduzenten erbringen und wie stark sie den Launen der Natur ausgesetzt sind.

Château Doisy-Védrines

Frost als grosses Problem

Das Thema Frostschäden begleitete uns während der ganzen Reise. Wir erfuhren, wie unterschiedlich die einzelnen Weingüter betroffen waren – und auf welche Art und Weise sie auf die Gefahr reagierten. Bei Doisy-Védrines war nichts zu machen, die Domaine de Chevalier und Château Lafleur behalfen sich mit Windmühlen und Kerzen. Château Belle-Vue brannte Heuballen ab. Château Lafite-Rothschild setzte standesgemäss Helikopter ein, um die kalte Luft wegzuwirbeln.

Top-Wein aus Stadtlage

Bei unserem anschliessenden Besuch auf der Domaine de Chevalier werden wir von den zwei Hunden des Weinguts empfangen – und vom gutgelaunten Adrien Bernard aus der Besitzerfamilie. Gemeinsam mit seinem Bruder führt Adrien das renommierte Weingut in Pessac-Léognan. Die Lage des Weinguts ist eindrücklich. Es liegt praktisch in einem Vorort der Stadt Bordeaux. Auf der Terrasse der Domaine wird uns ein Apéro gereicht – und dann werden wir zum Dinner im Esszimmer der Familie geladen. Die Bewirtung – mit Butler – ist fürstlich und die Atmosphäre gleichzeitig entspannt und freundschaftlich, familiär und humorvoll. Was für ein Abend!

Domaine de Chevalier

Mittendrin in der Welt der Bordeaux-Topweine

Diese Reise ruft in Erinnerung, auf welch hohem Niveau wir uns bewegen. Wir handeln mit den Weinen des obersten Segments, sind in Kontakt mit den besten Winzerinnen und Winzern und trinken die allerfeinsten Weine. Zum Beispiel die von Château Lafleur, dem sagenumwobenen Spitzenweingut im Pomerol. Die Weinhandlung Martel führt diese Weine übrigens erst seit ein paar Jahren im Programm. Und bereits in dieser kurzen Zeit entstand eine wunderbare Freundschaft mit grossem gegenseitigem Respekt und Vertrauen.

Das Weingut liegt nur 100 Meter Luftlinie neben Château Pétrus, an erstklassigster Lage also. Trotz weltweitem Renommée und Erfolg ist die Besitzerfamilie Guinaudeau bodenständig geblieben. Mich berührt die Demut, mit der die Familie dem Wein begegnet. Beim Spaziergang durch die Weinberge begeistern die sehr unterschiedlichen Lafleur-Terroirs, die mit blossen Augen zu sehen sind. Und es gehört zum Grössten, die Weine von Lafleur auf dem Château zu verkosten. Weine wie von einem anderen Stern. Das ist unglaublich gut und bleibt unvergessen.

Château Lafleur

Nicht nur Namedropping

Die Weinreise führt uns in diesen Tagen zu weiteren grossartigen Weingütern. Château Figeac liegt ganz in der Nähe von Château Lafleur und ist auf ganz andere Weise beeindruckend. Der Betrieb ist gewaltig, es gibt einen neuen, hypermodernen Keller. Alles riesig und teuer. Die Hausherrin ist eine französische Grande Dame wie aus dem Bilderbuch.

Natürlich machte mir auch der spätere kurze Besuch auf Château Lafite-Rothschild am linken Gironde-Ufer Eindruck. Die Barrique-Keller sind enorm gross. Hier liegen Millionen rum. Das Schloss ist wunderschön, im Weinkeller hängen Kronleuchter. Auch die Anlage rund ums Château ist bezaubernd schön. Je nach Blickwinkel scheint es, als wüchsen die Reben auf dem Lafite-Hügel in den blauen Himmel hinein. Nicht weit von Lafite entfernt präsentiert sich Château Léoville-Poyferré bei unserem Besuch als Weingut mit einem spannenden Mix von modern und klassisch.

Château Figeac

Bordeaux mit Herz

Dass im Bordeauxgebiet auch tolle Weine zu vernünftigen Preisen hergestellt werden, sehen wir auf Château de Chambrun/Moncets. Den Betriebsleiter Julien Noël kenne ich bereits von seinen Besuchen bei Martel in St.Gallen und Zürich. Er ist aktiver Rugby-Spieler und ein Bär von einem Mann. Mit Stolz zeigt er uns seinen neuen, hochmodernen Traktor. Julien produziert mit seinem Team auf 25 Hektaren tolle Weine für (fast) jeden Tag. Mir gefällt, wenn hohe Qualität erschwinglich bleibt.

Das gilt auch für das Weingut Château Belle-Vue, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatten. Wir sind beeindruckt von diesen tatsächlich ausserordentlich guten Cru bourgois exceptionnels. In diesem kleinen Weingut wird Bordeaux mit Herz und Hingabe gemacht. Ich liebe das. Deshalb gefällt mir auch der letzte Besuch der Reise so gut, bei dem wir auf Henri Lurton treffen, den Besitzer und Winemaker von Château Brane-Cantenac. Er ist ein ruhiger, zurückhaltender und humorvoller Mann. Ich denke mir: ein Charmeur und Genie zu gleichen Teilen. Und wie schmecken mir Henri Lurtons Weine? Sie allein sind die Reise wert. Auf Wiedersehen, Bordeaux!»

Château de Chambrun/Moncets

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3 Weinpioniere aus 3 Ländern

Die richtigen Reben für ein bestimmtes Terroir zu finden gehört zu den schwierigsten Aufgaben beim Weinmachen. Welche Traubensorte entwickelt sich wo am besten und zeigt dort ihren typischsten Ausdruck und wahre Grösse? Natürlich helfen wissenschaftliche Bodenanalysen und professionelle Wettersimulationen. Am wichtigsten wohl aber bleiben die Intuition und das der Pioniergeist von grossen Winzerpersönlichkeiten. Erstens spüren sie wohl einfach, was passt. Man könnte sie deshalb Weinflüsterer nennen. Und zweitens vertrauen sie auf ihr Wissen und Gefühl und setzen auch tatsächlich auf die entsprechenden Reben.

Für uns gehört es zum Grössten, solche Pioniere schon lange zu begleiten oder neu zu entdecken. Wir laden Sie ein, drei spezielle Weinpersönlichkeiten aus drei Ländern und ihre Weine kennenzulernen.

Thomas Teibert: Prophet im fremden Land

Seit 2005 bewirtschaftet der aus Deutschland stammende Winzer Thomas Teibert sein kleines Weingut Domaine de l’Horizon im Languedoc-Roussillon zwischen der Provence und Spanien. Er vertraut auf regionale Sorten wie Carignan, Grenache, Syrah , Macabeu oder Muscat petits grains. Mit seinen Terroirweinen verschafft er sich Respekt bei den Einheimischen und in der Weinwelt.

Elvio Cogno: Pionier in der Heimat

Er gehört zu jenen Winzerlegenden, die Barolo und seine Nebbiolo-Weine auf das heutige Niveau hievten: Elvio Cogno. Er zeigte früh, dass einzelne Barolo-Lagen ihren eigenen, speziellen Ausdruck zeigen. Heute wird der Betrieb von seiner Tochter Nadia und deren Ehemann geführt. Sie keltern weiterhin finessenreichen, traditionelle Baroloweine in Elvios Sinne.

Paul Draper: Weinphilosoph in Kalifornien

Die neuere Erfolgsgeschichte des Weingutes Ridge beginnt 1969 mit dem Eintritt von Winemaker-Koryphäe Paul Draper, einem Quereinsteiger mit Philosophiestudium. Draper machte sich einen Namen damit, die perfekten Lagen für einzelne Weinsorten zu finden. Zum Beispiel für den überragenden Cabernet Monte Bello wie auch für Zinfandel.

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NEU: Kultweine von Emidio Pepe

Martel Weinwelt - Kultweine von Emidio Pepe

Perfect match: Ein Weingut, dass so gut zu unserer Weinhandlung passt, ist ein seltener Glücksfall. Emidio Pepe steht mit seinen Montepulciano d’Abruzzo und Trebbiano-Weinen für höchste Qualität, Konstanz und Familie. Werte, die wir bei der Weinhandlung Martel teilen und leben. Für uns ist es eine Freude und Ehre, diese Wein-Monumente neu im Sortiment zu führen.

Das Weingut Emidio Pepe gilt als Pionier für Spitzenweine aus den Abruzzen. Die Rebberge werden seit Jahrzehnten konsequent biologisch und biodynamisch bewirtschaftet. Mehr über den Winzer und seine Weine erfahren Sie hier. Emidio Pepes Weine reifen problemlos bis zu 50 Jahre und gehören unbestritten zu den Besten Italiens. Dementsprechend sind sie rar und kostbar. Wer sich das nicht entgehen lassen will, kann sein Interesse für ein Angebot im Herbst anmelden.  

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Martel Weinwelt - NEU: Kultweine von Emidio Pepe

Das Weingut Casa Pepe wurde 1889 gegründet. Emidio Pepe hievte den Montepulciano d’Abruzzo auf Weltklasse-Niveau und arbeitete bereits biologisch, als kaum jemand dieses Wort kannte.

Martel Weinwelt - NEU: Kultweine von Emidio Pepe

Die Montepulciano d’Abruzzo von Emidio Pepe zählen zu den Monumenten in der Weinwelt – auch hinsichtlich ihrer Lagerfähigkeit. Die Rotweine reifen problemlos 40 – 50 Jahre, die Weissweine 20 – 30 Jahre.

Winzerportrait Emidio Pepe

Unsere kleinen Weinwunder

Martel Weinwelt - Unsere kleinen Weinwunder

Wer von Wundern spricht, meint ein erstaunliches Ereignis. Wir Martel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben manchmal schon fast magische Geschichten im Zusammenhang mit Wein. Es sind unsere kleinen Weinwunder, von denen wir hier einige erzählen. 

Jan Martel

«Ich ein frühreifer Weinfreak? Sicher nicht! Als Jugendlicher war ich ein langhaariger Sport-Spinner und wusste nichts von Wein und trank auch keinen. Dann allerdings verbrachte ich meine Schulferien auf dem Weingut Vieux Télégraphe in der südlichen Rhône. Ich putzte im Weinkeller, arbeitete im Rebberg und schlief im Kinderzimmer der Winzerfamilie Brunier. In dieser Zeit lernte ich viel über Wein und das französische Essen. Ich war total fasziniert und mir wurde erstmals richtig bewusst, was es heisst, Weinkultur auf einer Domaine zu leben. Übrigens: In diesen südfranzösischen Sommerferien durfte ich einmal den 125er-Töff der Bruniers fahren und raste unkontrolliert im «Männchen» auf eine Kreuzung zu. Ein Wunder, dass mir nichts passierte.»

Johannes Wagenleiter

«Das Weindorf La Morra ist meine zweite Heimat. Mehrmals im Jahr fahre ich an den Ort im Piemont in die Ferien und habe dort inzwischen Freundschaften geschlossen. Zum Beispiel mit der Winzerfamilie Oddero. Die Herzlichkeit und Begeisterung der Odderos begeisterte mich von Anfang an. Meine Winzerfreunde respektieren die Tradition und sind gleichzeitig offen für Neues – zum Beispiel für die Umstellung auf Bio. Ich liebe ihren Barolo Villero bezeichne ihn als meinen Seelenwein. In der Villero-Lage ist der Boden kompakt und nährstoffreich und so zeigt sich der Barolo von dort bereits in der Jugend harmonisch mit Kraft und Finesse. Und natürlich reift der Wein über Jahrzehnte wunderbar. Zu meinem 44. oder 50. Geburtstag wird es Villero-Barolo von Oddero aus einer 5-Liter-Flasche geben, die heute in meinem Keller auf den richtigen Moment wartet.»

Christina Häussermann

«Bei mir ist es eigentlich kein Wunder, dass ich bis heute so gern von Wein umgeben bin und mit Wein arbeite. Ich wuchs auf einem Weingut in Württenberg auf und mein Vater und Grossvater nahmen mich bereits als Baby mit in den Weinberg. Sie stellten einfach das Laufgitter mitten in die Reben. Auch stand bei uns immer eine Flasche Wein auf dem Tisch und ich durfte bereits früh verschiedene Weine probieren. Besonders mein Grossvater war ein Weinfreak und ich erbte wohl seine Begeisterung. Nach meiner Winzerlehre führte mich die Liebe in die Schweiz und zur Weinhandlung Martel. Hier beeindruckt mich, mit welch grossem Respekt meinen Winzerkollegen begegnet wird. Schliesslich weiss ich, wieviel Arbeit Winzerinnen und Winzer während eines Weinjahres in Reben und Keller investieren – und welche Sorgen damit verbunden sind. Wenn Weinhandlungen und deren Kundschaft das wertschätzen und die Weine entsprechend geniessen, geschieht für mich ein kleines Weinwunder.»

Nico Matern

«I took a Pill in Ibiza», der Popsong von Mike Posner, stürmte kurz vor meinem Jobantritt bei Martel die Charts. So stach mir im Ladengeschäft natürlich die Weinetikette mit eben diesem Zusatznamen «I took a pill in Ibiza» ins Auge. Der Wein stammt vom Winzer Jürgen von der Mark aus Baden in Süddeutschland. Der Master of Wine benennt seine besten Weine des Jahres jeweils nach einem ihn inspirierenden Songtitel. «I took a pill in Ibiza» ist ein Pinot Noir, meine Lieblingsrebsorte und so erlebte ich, als ich den Wein probierte, mein kleines Weinwunder. Es war ein Geschmacksfeuerwerk: feine, rotbeerige Aromen, Kirschsüsse und eine frische Säure, kombiniert mit sanften Barriquenoten. Wow, dachte ich – und war mir sicher: Bei Martel bin ich richtig. Seither bleibt dieser grossartige Pinot Noir in meiner Erinnerung unlöschbar verbunden mit meiner ersten Arbeitswoche bei Martel, «When I took a job in St.Gallen».

Der aktuelle Jahrgang 2018 des genannten Pinot Noirs mit dem Titel «Sisters are doing it for themselves» (Annie Lennox und Aretha Franklin) steht jetzt in den Regalen – besonders empfehlenswert für den ersten Abend nach einem Jobwechsel.»

Jean-Pierre Rüsch

«Ein Sonntagmittag im Februar 1988. Auf Weinreise mit Martel im Piemont essen wir im Wohnzimmer der Barolowinzer Marcarini gemeinsam mit der Familie. Alle sind da, von der Nonna bis zum Enkel. Die Weine schmecken mir in dieser familiären Atmosphäre und zum piemontesischen Essen so gut wie noch nie. Die Stimmung am Esstisch in La Morra ist magisch. Diese Herzlichkeit und der spürbare Stolz des Patrons auf seine Familie und seine Weine bleiben mir unvergessen. Ich liebe Marcarini-Weine noch heute und glaube, dass sie in den vergangenen Jahren sogar noch besser geworden sind. Wenn ich im Martel-Ladengeschäft Marcarini-Weine verkaufe, erzähle ich unseren Kundinnen und Kunden gerne von meinem prägenden Erlebnis im Piemont vor 34 Jahren. An diesem Sonntag im Februar 1988 erlebte ich mein kleines Weinwunder.»

Marion Le Cras

«In der Bretagne, wo ich aufwuchs, besuchte uns eines Tages mein Onkel aus Nantes und öffnete eine Flasche Sauvignon Blanc. Ich war 13 Jahre alt und mein Onkel gab mir ein wenig davon zu probieren. Oh là là , das ist speziell, dachte ich und erlebte mein erstes kleines Weinwunder. Es war ein Sancerre, der mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Später erlebte ich viele weitere magische Weinmomente. Überall, wo ich studierte, entwickelte ich schnell einen Bezug zu den regionalen Weinen. In Toulouse entdeckte ich Madiran, in Paris liebte ich Champagner und in Wien den Grünen Veltliner. Mein Studium der Museologie und Kunstgeschichte erfüllte mich nicht. Beim Wein konnte ich meinen Wissensdurst stillen und immer wieder Neues entdecken. Zum Glück gab mir mein Onkel damals einen Schluck dieses Zauberelixiers.»

Bordeaux-Jahrgang 2021: Grosses Weissweinjahr und frische, klassische Rotweine

Martel Weinwelt - Bordeaux-Jahrgang 2021: Grosses Weissweinjahr und frische, klassische Rotweine

Der jüngste Bordeaux-Jahrgang zeigt viel Licht und etwas Schatten. Wegen des atlantischen, eher kühleren Wetters gelingen die weissen Bordeaux grossartig. Wir sind begeistert von der grandiosen Frische, Lebendigkeit und Tiefe dieser Weissweine. Bei den Rotweinen ist die Situation von Appellation zu Appellation und von Winzerin zu Winzer verschieden: von rustikal bis grossartig. 2021 bringt mittelschwere, elegante Rotweine mit moderatem Alkohol von nicht über 13.5 Volumenprozent. Die Qualität der Süssweine ist super, die Menge jedoch historisch tief.  

Das Jahr 2021 hält die Winzerinnen und Winzer auf Trab. Nach einem viel zu milden Winter und einem extrem frühen Austrieb kommt der erste Schock. Ein Kälteeinbruch Anfang April lässt die Temperaturen während mehrerer Nächte in Folge unter den Gefrierpunkt sinken. In allen Appellationen gibt es Schäden, besonders in tieferen Lagen und in Gebieten, die etwas weiter weg von wärmenden Gewässern liegen. Am schlimmsten trifft es die Süssweinregionen Sauternes und Barsac, wo fast alles erfriert. Teilweise nützen nicht mal Windturbinen in dieser Situation, weil sie nur kalte Luft herumwirbeln. Im Saint-Emilion und Pomerol sind die guten Lagen zum Glück weniger betroffen und am linken Ufer profitieren die grossen Châteaus von der Nähe zur Gironde.

Erst schwülwarm, dann trocken
Vor allem der Juni ist aussergewöhnlich nass und gleichzeitig warm. Eine verhängnisvolle Kombination für den Rebbau. Die fast schon tropischen Verhältnisse lassen den Falschen Mehltau explodieren. In dieser Situation auf konventionellen Pflanzenschutz zu verzichten, ist schwierig. Erst ab Mitte Juli atmen die Winzer auf. Nun können sie bis Ende August das recht trockene und schöne Sommerwetter entspannt geniessen.Zeitweise wird der Boden so trocken, dass die Reben sogar zum Teil etwas unter Wasserstress leiden. Das Positive: Es dient der Qualität der Trauben.

Sturmwarnung fordert Nerven
Anfang September droht eine weitere Gefahr. Die Wettervorhersagen warnen vor einem Sturm mit viel Regen. Wer die frühreife Sorte Merlot anbaut, muss sich entscheiden: entweder schnell die Trauben knapp vor der vollen Reife einbringen – oder Verluste bei der Ernte durch den Sturm riskieren. Wer in dieser Situation pokert, gewinnt. Denn das angekündigte Unwetter erweist sich als Sturm im Wasserglas und es fällt viel weniger Niederschlag als befürchtet. Wer also die Nerven behielt, konnte nun seine Merlot-Trauben in Ruhe ausreifen lassen.

Durchschnittlicher Herbst
Der September 2021 ist eher warm. Der Oktober hingegen zeigt sich von der kühleren Seite, die roten Trauben reifen gut aus und gewinnen an aromatischer Komplexität. Nach dem ereignisreichen Jahr ist eine strenge Selektion der geernteten Trauben unabdingbar. Nur die besten Bordeaux-Winzer verlesen akribisch. Ausserdem ist für 2021 besonders wichtig, dass zurückhaltend extrahiert wird, um geschmeidige, wohlproportionierte Gerbstoffe zu erhalten.

«Das Schlüssel-Element zur Weinselektion ist die Qualität der Gerbstoffe. Davon hängt alles ab. Im schlechten Fall sind die Tannine rustikal bis grünlich. Wichtig bei der Weinbereitung war eine vorsichtige Extraktion. Ansonsten können Weine überextrahiert und bitter wirken. Bei solchen Weinen ist es fraglich, ob sich mit zunehmender Reife die Gerbstoffe in den Wein integrieren und der Wein in Harmonie gebracht werden kann.»
Philippe Gallusser, Martel-Weineinkäufer Bordeaux

Martel-Bewertung: Weissweine top, Rotweine heterogen

Die Cool Climate-Wetterbedingungen 2021 machten die Weissweine zu den Überfliegern des Jahrgangs. Durchs Band zeigen die weissen Bordeaux heute viel Frische, Lebendigkeit, Vielschichtigkeit und Tiefe – und höchste Präzision. Viele dieser grossen Weissweine besitzen unserer Einschätzung nach ohne Weiteres ein Reifepotential von 15 Jahren oder mehr.

Beim Rotwein ist das Resultat klar weniger einheitlich. Wir erfreuen uns jetzt an einem klassischen, eleganten Jahrgang, der mit einer schönen Struktur und «buvabilité» auftrumpft. Die Weine sind in der Regel eher mittelgewichtig mit klassischer, roter Frucht und feinen, balsamischen Noten. Bei den Gewinnern überrascht der lange, präzise Abgang, bei den schlechteren Beispielen stören die schon erwähnten rustikalen Gerbstoffe und im Mittelbereich fehlt etwas der Druck. Die Lagerfähigkeit der Rotweine ist momentan noch schwierig einzuschätzen. Die grossen Weine werden aber sehr wahrscheinlich ein Reifepotential von Jahrzehnten aufweisen. Gleichzeitig rechnen wir, dass sie bereits früh viel Spass bereiten können.

Heterogene Qualität
In St-Estèphe, Pauillac und St-Julien finden wir im Jahrgang 2021 Weine mit hoher Präzision, Dichte, Länge, Lebendigkeit und ohne Breite. Derweil die Appellation Margaux etwas weniger überzeugt, da hier die Qualitätsunterschiede viel grösser sind. So besitzen sie in der Nase eine eigentümliche Reife und wirken im Gaumen manchmal zu stark extrahiert. Nebst den grossartigen Weissweinen degustierten wir in Pessac-Léognan schöne, gute Merlots. St-Emilion zeigt deutliche Qualitätsunterschiede. Weine aus schlechteren Lagen zeigen grünlich-sperrige Gerbstoffe. Solche Weine finden den Weg nicht in unser Angebot.

Im Vergleich sehen wir die Weine aus Pomerol in diesem Jahr gegenüber St-Emilion-Weinen unserer Meinung nach leicht im Vorteil. Insgesamt aber schätzen wir von Martel die Qualität von Merlot 2021 weniger hoch ein als die von Cabernet-Sauvignon und Cabernet-Franc. So werten wir in der Tendenz das linke Ufer 2021 leicht besser ein als das rechte. Bei den Süssweinen – die überhaupt vinifiziert werden konnten – ist die Qualität hoch, es war ein Jahr mit sehr guter Botrytis. Sie verfügen über eine schöne Säure, eine gewisse Salzigkeit und sind weniger schwer als früher. Das gefällt uns.

Der Jahrgang 2021 unterscheidet sich klar von den Jahren 2018 – 2020 und 2022 mit fülligeren Weinen im Napa-Valley-Stil. Bei den roten Bordeaux 2021 finden wir ein eigenständiges, schlankeres Profil. Mittelgewichtig, frisch, moderat im Alkohol und unverkennbar Bordeaux. Wir vergleichen den Jahrgang am ehesten mit dem unterschätzten Jahrgang 2004. Generell lässt sich sagen: 2021 ist ein in jüngster Zeit einmaliger Jahrgang und erinnert uns sehr an die 1980er-Jahre. Und: 2021 zeigt, dass Bordeauxwinzer heute mit schwierigen Bedingungen umzugehen wissen. Gründe sind die verbesserte Technik im Rebbau und in der Kellerei – und das hohe Ausbildungsniveau und Qualitätsstreben quer durch alle Spitzenbetriebe. Bedauerlicherweise blieb der Ertrag bescheiden. Bei den Süssweinen waren mengenmässig enorme Verluste zu beklagen. Einige Châteaux – zum Beispiel Doisy-Védrines – konnten gar keine Weine abfüllen. Die wenigen Bordeaux-Süsseweine aus dem Jahre 2021, die jetzt auf den Markt kommen, sind dafür traumhaft gut.

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Detaillierte Weinjahrgangstabelle

Martel Weinwelt - Detaillierte Weinjahrgangstabelle

Stolz präsentieren wir unsere neue in dieser Form einzigartig ausführliche und interaktive Weinjahrgangstabelle. 

Viel zu oft werden grosse Weine zu früh ohne die entsprechende Trinkreife geöffnet. Oder sind Sie persönlich vielleicht unsicher, welchen Jahrgang Sie sich zulegen sollten? Wir möchten Abhilfe schaffen: Unsere Jahrgangstabelle geht weit über eine Punktevergabe hinaus.

Wir berücksichtigen die klimatischen Bedingungen, die Qualität des Traubengutes, die Erntemenge und klären über Besonderheiten des Jahrgangs auf. Wir bestimmen das Lagerpotenzial und geben Aufschluss, welche Stilistik beim Jahrgang zu erwarten ist. Komplex, diese Analyse. Aber präzis, verlässlich und unterstützt durch diverse Zitate unserer Winzer zum jeweiligen Jahrgang.

Probieren Sie es gerne selbst aus. 

Weinjahrgangstabelle


Lesen Sie zu diesem Thema auch unseren Blogartikel: Jahrgangsunterschiede und die Krux mit den Jahrgangsbewertungen

Burgund 2020. Von der Sonne verwöhnt – mit kleinem Ertrag und grosser Qualität

Martel Weinwelt - Burgund 2020. Von der Sonne verwöhnt - mit kleinem Ertrag und grosser Qualität

Ein recht milder Winter mit ausreichend Niederschlag sorgte für einen ruhigen und guten Start in den Jahrgang 2020. Es folgte ein schöner und trockener Frühling mit sehr rascher Knospenbildung. Der Austrieb um den 20. März lag rund drei Wochen vor dem langjährigen Schnitt und war einer der frühesten überhaupt. Die ebenfalls frühe Blüte um den 20. Mai deutete bereits auf eine zeitige Lese im Herbst hin. Es folgte ein wunderbarer Frühling mit konstant schönem Wetter. Reben und Trauben entwickelten sich prächtig. Die Winzer mussten weder gegen Frost kämpfen noch gegen Fäulnis.

Auch der Sommer 2020 war speziell schön mit viel Licht, trocken – und heiss. So heiss, dass die Reben im Juli und im August einen Reifestopp einlegten. Dadurch behielten die weissen und roten Trauben ihre Säure, trotz anhaltender Trockenheit und Hitze. Von grosser Bedeutung war auch die Laubarbeit im Rebberg. Es musste mit den Blättern ein «Schattendach» geschaffen werden, um die Trauben vor Sonnenbrand zu schützen. Die Weinlese begann dann wie erwartet sehr früh, teils bereits Mitte August – und war damit eine der frühesten überhaupt im Burgund. Die Trauben sahen aus wie gemalt und es konnte eine sehr gesunde Ernte eingefahren werden. Die Beeren allerdings waren klein. Dies brachte zwar wenig Saftausbeute, führte aber zu konzentrierten Rotweinen mit herrlicher Frucht.

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Weinfarbe: «I don’t care about colour»

Martel Weinwelt - Weinfarbe: «I don’t care about colour»

Täglich entdecken wir neue und spannende Aspekte rund um das Thema Wein. Dabei beschäftigt uns auch auch die Farbe des Weins, jedoch nur am Rande. Weshalb das so ist, erklärte Jan Martel in einem Vortrag vor Farbprofis kürzlich so:

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Auf ein Glas mit Pionieren – die Familie Martel

Martel Weinwelt - Auf ein Glas mit Pionieren – die Familie Martel

In Europa trinkt man seit gut und gerne 8000 Jahren Wein – erste Spuren des Weinbaus lassen sich im Georgien des 6. Jahrtausends vor Christus zurückverfolgen. Und trotz dieser enormen Tradition zeigt sich in den Rebbergen von Hettlingen bis ins Chianti, in den Kellern von der Mosel bis ins Lavaux eine erstaunliche Dichte an Innovation und Erneuerungsdrang. 

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Blaue Zähne vom roten Wein müssen nicht sein

Martel Weinwelt - Blaue Zähne vom roten Wein müssen nicht sein

Dr. Frank Bannwart ist Zahnarzt an der Poststrasse 11 in St.Gallen. Seine Praxis befindet sich im gleichen Haus wie das Ladengeschäft und die Büros der Weinhandlung Martel am Bahnhof. Kürzlich traf der Zahnarzt Jan Martel im Treppenhaus und die beiden sprachen über verfärbte Zähne nach dem Weinkonsum. «Frank the Dentist» weiss, wie man mit ein paar Tricks blaue Zähne beim Weintrinken verhindert:

«Die Verfärbungen stammen von den Traubenhäuten. Dunkle, tanninreiche Weine wie Syrah oder Cabernet-Sauvignon färben mehr als helle Rotweine mit wenig Tannin, zum Beispiel ein leichter Pinot Noir.

Trick Nr. 1: Zähne putzen
Spätestens eine Stunde vor der Degustation die Zähne putzen – am besten mit einer Ultraschallzahnbürste. So wird der sich färbende Zahnbelag quasi wegpoliert. Lieber ohne Zahnpasta, damit der Wein später nicht nach Pfefferminzaroma schmeckt.

Trick Nr. 2: Weisswein trinken
Ein bisschen Weisswein zwischendurch hilft. Weisser Wein enthält meistens viel Säure und Schwefel, die eine bleichende Wirkung auf die Zähne haben. Allerdings ist Weisswein direkt vor einer Degustation nicht zu empfehlen, weil die Zahnstruktur wegen dessen Säure mehr Farbe aufnimmt. Einen gewissen Reinigungseffekt soll auch prickelndes Mineralwasser haben. Gemäss Studien entfernten die Bläschen den Farbstoff mechanisch.

Trick Nr 3: Käse essen
Auch Käse kann Verfärbungen verhindern. Der Fettgehalt des Käses bereitet auf den Zähnen eine Schutzschicht. Vergleichbar mit der Sonnencrème auf der Haut.

Übrigens: Blaue Zähne und Zungen sind ein Zeichen von gesunder Mundflora mit einem neutralen PH-Wert. Also ist die Verfärbung definitiv kein Grund, auf Wein zu verzichten – und wenn es eine Blinddegustation ist, sieht man auch die blauen Zähne nicht mehr. In diesem Sinne: Cheers!»

Mit Schwung in die Zukunft

Martel Weinwelt - Kontakt

Die Martel-Crew wächst. Neugierig, wer sich hinter dieser Schattenwand versteckt? Mittlerweile sind es fast 50 Mitarbeitende, die Ihnen auf unserer Team-Seite in Form von neuen Fotos entgegenlachen und täglich mit viel Freude und Engagement die Martel-Weinkultur mitprägen. Sprechen Sie uns an oder schreiben Sie uns.

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Limitiert: Finca La Pedrissa 2016

Martel Weinwelt - Limitiert: Finca La Pedrissa 2016

Ein Wein mit Barcelona-Gefühl

Wir lieben Barcelona, das pulsierende Leben der Stadt am Mittelmeer mit den tollen Tapas-Bars und grandiosen Fischrestaurants. Mit der neuen Martel Limited Edition präsentieren wir einen Geheimtipp aus dem Hinterland von Barcelona, der Terra Alta. Aus dieser Gegend stammen die Kalksteine für viele Bauten des berühmten Architekten Gaudì. Der Finca La Pedrissa des Weinguts Edetària ist ein reiner Cariñena und begeistert uns. Der Wein wird aus über 80jährigen Reben gekeltert. Deren Trauben bringen zwar wenig Menge, aber viel Qualität. Das Aroma des Weins wird durch den kargen Kalkboden geprägt: ein perfektes Terroir für elegante, komplexe Weine. Der Finca La Pedrissa duftet mediterran-würzig und schmeckt nach dunklen Beeren und schwarzen Früchten. Der Wein überzeugt mit einer cremigen Textur und einer perfekten Reife. 

Wecken Sie Ihr Barcelona-Gefühl mit diesem eleganten, sonnenverwöhnten Rotwein aus Katalonien. Limitiert und zum Spitzenpreis von CHF 24 statt 35 (ab 12 Flaschen). 

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Joan Lliberia von Edetària über unsere Limited Edition

Martel pinnt.

Martel Weinwelt - Martel pinnt.

Neu finden Sie Martel auch auf Pinterest. Entdecken Sie Weinemotionen, unterhaltsame Geschichten und überraschende Food & Wine-Pairings auf diesem jungen Kanal. Toll für Liebhaber schöner Impressionen und auch für Wein-Rookies. Merken Sie sich unsere Pins. Bilder aus den schönsten Rebbergen dieser Welt und beeindruckenden Kellern posten wir regelmässig auf unserem Instagram Account. Lassen Sie sich inspirieren und profitieren Sie ausserdem von kreativen Weintipps und Gewinnspielen.
Auf Facebook und LinkedIn finden Sie News zu unseren Aktionen und Weinevents. Auch hier vermitteln wir ganz viel Weinwissen und gewähren ab und zu einen Blick hinter die Martel-Kulissen.
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Blinddegustation – Weine blind verstehen

Martel Weinwelt - Blinddegustation - Weine blind verstehen

Haben Sie auch schon mal Weine blind probiert? Vielleicht nicht, weil Sie bis jetzt dachten, eine Blinddegustation sei nur etwas für den geschulten Gaumen und eine bierernste Angelegenheit? Ein Vorurteil, denn man muss kein Profi sein, um Wein verdeckt zu degustieren. Zudem kann eine Blinddegustation richtig Spass machen und lehrreich sein. Wir nehmen Wein objektiver war und lassen uns nicht von klingenden Namen oder von besonders schönen Etiketts beeindrucken. Oft schätzen wir die Qualität des Weines unbewusst besser ein, wenn das Etikett gefällt, der Wein in eine schwere Flasche gefüllt ist oder wenn er einen berühmten Namen trägt. Umgekehrt schätzen wir einen billig aufgemachten Wein wohl eher schlechter ein. So erklärt es sich, warum sich Weine mit einem gut gestalteten Etikett in der Regel besser verkaufen.

Alle Sinne sind gefordert

Vielleicht machen Sie gleich die Probe aufs Exempel und geben ein und denselben Wein einmal in einer Flasche mit aufwendigem Etikett zu probieren und einmal in einer Flasche, die vielleicht nur ein handgeschriebenes Etikett trägt. Wird einer der beiden Weine besser abschneiden? Wer findet heraus, dass es zweimal der gleiche Wein ist? Weine blind zu probieren ist eine Herausforderung für die Sinne.

Weinetiketten wecken Emotionen

Es gibt auch Nachteile, wenn man Weine blind verkostet. Vielleicht gehen Emotionen wie Vorfreude verloren. Oder man läuft Gefahr, laute, vordergründige Weine zu bevorzugen. Solche Weine wollen, dass man sie auf Anhieb mag. Im Gegensatz dazu sind wertvolle Weine oft erst etwas zurückhaltend. Grossen Weinen in einer Blinddegustation gerecht zu werden, ist schwierig. Selbst Experten scheitern manchmal daran und unterschätzen die Qualität.

Tipps für die eigene Weindegustation

Mit ein paar einfachen Regeln wird ein solcher Abend im Freundeskreis ein Erfolg:

  • Vier verschiedene Flaschen Wein genügen.
  • Bestimmen Sie ein Thema und stellen Sie Fragen. Beispielsweise: Vier Rotweine der gleichen Traubensorte aus vier Regionen. Nenne Sorte und Region.
  • Sorgen Sie für gutes Licht.
  • Achten Sie darauf, dass keine Fremdgerüche wie Küchenduft oder Parfums stören.
  • Giessen Sie die Weine in gut gespülte, neutrale Flaschen oder Karaffen, damit man die Weine nicht an der Flaschenform erkennen kann. Oder entfernen Sie mindestens die Kapsel und wickeln Sie die Flaschen vollständig ein (z.B. mit Zeitungspapier). In beiden Fällen das Nummerieren nicht vergessen. Am besten auch die Gläser mit Nummern versehen.
  • Alle Teilnehmer sollen mit dem gleichen Typ Gläsern probieren.
  • Sinnvoll ist es, die Gläser zu avinieren, um Fremdgerüchte zu vermeiden.
  • Besprechen Sie die Weine zuerst blind. Decken Sie dann auf, probieren erneut und führen das Gespräch fort.

So geht’s besser: Raten Sie nicht blindlings drauflos, sondern umkreisen Sie einen Wein im Ausschlussverfahren. Nutzen Sie Ihre Weinerfahrung und Ihr Wissen aus unseren Weinkursen.

Ist bei einem Wein zum Beispiel die Säure tief und mild, handelt es sich wohl nicht um Riesling oder Grüner Veltliner. Oder ein tiefroter, dunkler Wein kann kaum Pinot Noir oder Nebbiolo sein. So ist bereits ein erster Schritt gemacht. Eine solche Weinprobe schärft die Sinne und wird zum ganz speziellen Erlebnis. Wir wünschen viel Spass dabei!

Welcher Wein passt zu Ihrem Apéro?

Martel Weinwelt - Welcher Wein passt zu Ihrem Apéro?

Ja, ein Apéro ohne Wein macht einfach keinen Spass. Mit dem falschen Wein fehlt die Freude ebenfalls. Welcher Wein bietet sich also an? Es sind meist leichte Weine von trocken bis süss. Sie sollten durch ihre Frische überzeugen, können weiss, rosé oder rot sein, still oder sprudelnd. Hauptziel ist, dass Apéro-Weine den Appetit anregen und man Lust bekommt, anschliessend ein schönes Abendessen zu geniessen.

Wir stellen Ihnen vier Apéro-Weine zu vier verschiedenen Gerichten vor. Und ganz wichtig: die Rezepte, gesammelt im Martel-Team, liefern wir gleich auch noch mit.

Welcher Wein passt zum Valentins-Apéro?

Rot ist die Farbe der Liebe und Rosé die Farbe von diesem Apérowein zum Verlieben. Der Prosecco Jeio Rosé ist natürlich prickelnd und frisch. Eine attraktive rotbeerige Frucht führt zu einer verblüffend blumigen Aromatik.

Zu diesem sprudelnden Vergnügen empfehlen wir ein edles Schweizer Lachs Tatar.

Benjamins Lachs Tatar

Zutaten
Schweizer Lachs, Sashimi Qualität
Wenig Schalotte
Fleur de Sel
Olivenöl
Wenig Limettensaft
Crème Fraîche
Pumpernickel Brot
Lachs Caviar
Fine de Claire Auster
Toast Brot (nur Krume)

Vorbereitung
Schweizer Lachsfilet in kleine Würfel schneiden. Ein wenig Schalotte sehr klein schneiden, das Gericht soll keinen präsenten Schalotten-Geschmack haben. Eine Prise Salz, Olivenöl (Extra Virgin, wenn möglich delikat) und sehr wenig Limettensaft beifügen (auch hier ist das Ziel, diesen nicht wirklich wahrzunehmen). Die Crème Fraîche mit dem geschnittenen Schnittlauch mixen und den Pumpernickel rösten. Toast Brot-Krume mixen, die Auster damit panieren und anbraten.

Anrichten
Einen Turm bauen: Zuunterst Pumpernickel, dann Lachs Tatar, wenig Crème Fraîche, wieder Lachs Tatar, dann Lachs Caviar und Auster. Mmh.

Welcher Wein passt zu Federkohlchips?

Vegane Federkohlchips sind knusprig, intensiv und etwas salzig. Dazu braucht es einen frischen und lebendigen Apéro-Wein: Der aromatische Straden von Neumeister ist ein klassisches Beispiel von Sauvignon Blanc. Er zeigt sich frisch und lebendig, mit einer grün-grasigen Aromatik und begleitet den Federkohl perfekt.

Rominas Federkohlchips

Zutaten
Federkohl
Olivenöl
Chilisalz

Zubereitung
Den Ofen auf 160 Grad (Ober-/Unterhitze) aufheizen.
Beim Federkohl die groben Blattrippen entfernen, waschen, trocknen und in Chips-Grösse zupfen.
Olivenöl und Chilisalz miteinander vermengen und den Federkohl damit marinieren.
Ca. 15min auf der mittleren Stufe backen.

Welcher Wein passt zu Flammkuchen?

Was passt besser zu Flammkuchen als ein Wein aus der Hochburg des Flammkuchens? Der Diebskinzig Gemischte Satz von Jürgen von der Mark aus Baden begeistert durch Rundheit und eine lebendige Frische. Genau diese Vielschichtigkeit begleitet und unterstützt die Aromen von Sauerrahm, Teig, Zwiebeln und Lardons.

Thomas’ Flammkuchen

Teig für drei Stück
300 g Halbweissmehl
5 Gramm Salz
Ein viertel Hefewürfel (ca. 10 Gramm)
Ca. 1.5 dl Wasser

Die Zutaten gut mischen, das Wasser einarbeiten und kneten bis ein elastischer Teig entsteht. 4 bis 12 Stunden gehen lassen bis sich das Volumen ca. verdoppelt hat.

Belag
100 Gramm Speckwürfel
200 Gramm Crème Fraiche oder Quark
100 Gramm Frühlingszwiebeln in Streifen geschnitten

Zubereitung
Den Teig in drei Teilen zur Kugel formen und auf ca. 30 cm Durchmesser auswallen. Mit der Crème Fraiche bestreichen, Zwiebeln und Speck darauf verteilen. Ca. 10 Minuten bei 200 Grad im vorgeheizten Ofen backen. Mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen und Flammkuchen-typisch auf dem Holzbrett servieren.

Welcher Wein passt zu Mostbröckli Tatar?

Denkt man an einen Vulkan, kommt einem automatisch Rauch in den Sinn. Geräuchert wird auch das Mostbröckli, das in diesem Tatar präsent, aber nicht schwer wirkt. Genau darum ist der Vulkangestein Riesling von Schäfer-Fröhlich sehr passend. Der frische Apéro Weisswein ist intensiv mineralisch, appetitanregend und macht sofort Lust auf ein weiteres Glas.

Jans Appenzeller Mostbröckli-Tatar (für sechs Personen)

Zutaten
300 Gramm Mostbröckli
1 Zwiebel
2 Essiggurken
70 Gramm Sauerrahm
2 EL geröstete Pinienkerne
Petersilie
Pfeffer
Cracker

Zubereitung
Mostbröckli, Zwiebel und Essiggurken von Hand in kleine Würfel schneiden, Sauerrahm und Pinienkerne dazugeben. Mit fein gehackter Petersilie und etwas Pfeffer abschmecken und alles gut vermischen. Kurz stehen lassen und dann mit Cracker servieren.

Wir wünschen einen guten Appetit und Cheers!

The Oscar goes to…

Martel Weinwelt - The Oscar goes to…

Punkte, Trophäen, Goldmedaillen – Weinauszeichnungen freuen uns und dennoch bilden wir uns lieber unsere eigene Meinung. Geht es Ihnen auch so oder geben Sie zu, ein Punktetrinker zu sein? Spass beiseite. Was nutzt Ihnen der beste Wein der Welt, wenn Sie ihn nicht mögen? Natürlich, Einschätzungen bieten eine vermeintliche Orientierungshilfe bei der Weinauslese, aber Hand aufs Herz: Sie haben Ihren urpersönlichen Geschmackscode.

Ihre Präferenz hängt von vielen Faktoren ab. Nehmen wir die Temperatur zum Beispiel. Nicht die perfekte Weintemperatur, sondern die da draussen. Es ist kalt! Wir denken darum nicht sofort an einen knackigen Riesling. Die Auszeichnung für die beste Regie könnte aber aus voller Überzeugung an den weissen Bordeaux der Familie Courselle gehen. Prickelnd und absolut glaubwürdig spielt auch der Cava MIM Brut Natura aus dem Hause Vins el Cep für uns die beste Nebenrolle zu Beginn eines fulminanten Abendessens mit Verfolgungsjagd.

Beste Hauptdarstellerin? Diese Statuette könnte in die Tenuta Agricola Luigina, ins Tessin, gehen. Bestes Originaldrehbuch? Ein Kandidat ist Inopia, minutiös und detailreich geschrieben sowie naturnah umgesetzt von Rotem & Mounir Saouma. Die Auszeichnung für den besten Schnitt ginge an die Bodega Enate Crianza. Was für ein Finale! Sie fragen sich, warum auf unserer Shortlist der besten Nominierten kein einziger Hollywoodstreifen dabei ist? Schuld war die sensationelle argentinische Malbec-Cabernet-Adaption aus dem wahrlich abgelegenen Weingut Tacuil. Aus unserer Sicht einer der besten internationalen Filme.

Egal auf wen die Wahl auch fällt, wir sehen weltweite Starqualitäten, Weine ohne Starallüren, ohne Hollywood-Glamour, dafür mit Tiefe und Eleganz, echte Handwerksweine. Soweit die Einschätzung unserer Academy. Und, welchen Wein nominieren Sie heute Abend?

Diese Aktion ist abgelaufen.

Was macht die Weinbäuerin im Winter?

Martel Weinwelt - Was macht die Weinbäuerin im Winter?

Martin Schwarz von der Weinhandlung Martel stellt mir also am Heiligen Abend 2021 diese Frage. Da hatte ich grade noch Lebkuchenteig an den Fingern, weil ich in den Tagen davor nicht zum Kekse backen gekommen bin. Während dieser Stunden des Backens habe ich nachgedacht: «Was macht der Winzer, die Winzerin eigentlich im Winter?»

Wie sehr verschieden diese jetzigen Winter von jenen in meiner Anfangszeit als Winzerin waren. In den 1980er Jahren war wirklich Ruhe von Weihnachten bis zum 2. Februar. Maria Lichtmess, der Tag an dem das letzte Mal gefeiert und gefeuert wurde. Danach ging die Arbeit draussen wieder los mit dem Rebschnitt.

Rust ist ein bekanntes „Süßweinpflaster“ in der Weinwelt. Diese Botrytis-Trauben lassen sich viel Zeit und wir schließen die Lese meistens erst im Dezember ab. Die Begleitung der gärenden Weine — trocken und süss, weiss und rot — nimmt viel Zeit des Spätherbstes und frühen Winters in Anspruch.

Dazu kommen dann noch Besuche von Weinkunden, die sich ab Hof mit Wein eindecken. Welchen Wein könnten wir zum Fondue trinken? Was passt gut zur Weihnachtsgans? Können wir den Ruster Ausbruch auch zu etwas Salzigem genießen? All diese Fragen und Wünsche werden diskutiert, ausprobiert, um dann die richtigen Flaschen auf den Festtagstisch der Weinkunden zu bringen.

Mit den Kollegen und Nachbarn wird immer wieder der neue Wein probiert. Man besucht sich gegenseitig, fachsimpelt, fragt, diskutiert und lobt. Eine feine Zeit ist das, wenn man mit jüngeren und älteren Kollegen zwischen den alten Fässern steht. In den meist 500 – 600 Jahre alten Weinkellern der kleinen Freistadt Rust hat man dann das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein. Einer Geschichte, zu der jede Generation das ihre beitragen darf.

Weine von Heidi Schröck

Prosecco – schäumendes Phänomen für Ihre Festtage

Martel Weinwelt - Prosecco – schäumendes Phänomen für Ihre Festtage

Advent – Besinnlichkeit und Lichterglanz, die Zeit des Zusammenseins mit Familie und Freunden. Gemütliche Genuss- und Mussestunden erwarten Sie – und zusätzlich direkt mehrere Gründe, warum Prosecco prima in diese Zeit passt. Nicht nur ist er traubig-frisch und verleiht unbeschwerte Leichtigkeit, Prosecco ist auch Synonym für Feierlichkeit und als dieses die perfekte Einstimmung auf die Festtage. Und gerade weil Prosecco ein Alleskönner ist, begleitet er den Brunch ebenso gut wie das Käsefondue und beglückt zum Panettone oder zum Apéro Riche.

Prosecco oder Glera? Beides!

Heute ist «Prosecco» die geschützte Herkunftsbezeichnung, gibt der Traubensorte aber nicht mehr Ihren Namen – diese heisst heute Glera. Das Herzstück der Region liegt zwischen Conegliano und Valdobbiadene im Nordosten Italiens. Wir befinden uns in einer hügeligen Landschaft, die bereits alpine Anklänge offenbart. Insbesondere um Valdobbiadene werden die Hügel steiler. Die besten Lagen weisen eine Hangneigung bis zu 50% auf. Die eindrucksvolle steile Einzellage Cartizze ist eine der teuersten Reblagen in ganz Italien und kommt somit einer italienischen Grand Cru-Lage gleich. Die Region steht auch für stillen Wein, hauptsächlich aber für perlenden Frizzante und schäumenden Spumante. Haben Sie sich schon gefragt, welches Geheimnis den Wein eigentlich zum Schaumwein macht?

Vom Stillwein zum Schaumwein

Das Ausgangsprodukt eines jeden Schaumweins ist ein stiller Wein. Für die Bläschenbildung ist eine Zweitgärung in einem geschlossenen System erforderlich, sodass das entstehende CO2 nicht entweichen kann. Die Zugabe von Zucker und Hefe löst diese zweite Gärung aus. Bei der Herstellung von Prosecco erfolgt die zweite Gärung – im Gegensatz zur «Méthode Traditionelle» mit Flaschengärung – im Drucktank. Diese wird gestoppt und der Wein anschliessend unter Druck in Flaschen gefüllt. Das anschliessende Ausbleiben einer langen Lagerzeit auf der Hefe macht den grossen Unterschied zwischen Prosecco und traditionell hergestellten Schaumweinen. Somit fehlt das typische Geschmacksprofil der Hefe. Aber genau das ist es, was Prosecco ausmacht. Er will frisch und traubig sein und ist Synonym für beschwingtes, unkompliziertes Vergnügen.

Aus einem Zufall wird Methode

Schaumwein ist im Übrigen ein Zufallsprodukt. In früheren Jahrhunderten wurde die Gärung der Stillweine während der kalten Winterzeit unterbrochen. Da man davon ausgegangen ist, dass der Wein durchgegoren sei, wurde er in Flaschen gefüllt. Mit den steigenden Frühlingstemperaturen wurden die Hefezellen wieder aktiv und die Gärung nahm seinen Lauf. Durch den enormen Druck der entstehenden Kohlensäure explodierten die dünnwandigen Flaschen. Dies zum Ärger jener, die den Wein im Keller lagerten. So blieb die zweite Gärung über Jahrhunderte ein rätselhaftes Phänomen. Erst die Entwicklung von kräftigeren Flaschen und das genaue Verständnis des zweiten Gärprozesses ermöglichten den Schaumweingenuss.

In die Herzen der Italiener, Schweizer und der Martel-Mitarbeiter

Schaumweingenuss wird in der Schweiz grossgeschrieben – gerade unsere «Italiener» im Team lieben ihn: «Prosecco geht immer» ist das eindeutige Credo. Doriano Telatin, Lagerist bei Martel, erzählt von seinen Verwandten, die in unmittelbarer Nähe des Prosecco-Landes leben. Er schildert lebhaft, wie die Einheimischen die Prosecco-Kultur zelebrieren. In Bassano del Grappa geniesst man bereits am Vormittag einen leichten «Prosecchino» auf der Piazza. Am liebsten begleitet mit einem piatto freddo. Zum Hauptgang betritt der Prosecco Cartizze die Bühne. Mit seiner Cremigkeit und der sanft lieblichen Frucht begleitet er den Risotto dei Alpini und verleiht dem herzhaften Gericht mit fagioli in Salsa, Speck, Salami und Sardellen eine edle Note. Ebenso brillant schmeckt er zur lokaltypischen Polenta con piccione, zeigt die Taube doch auch eine feine Süsse.

Italienisches Food-Pairing schäumender Art

Francesco Tammaro ist Weinberater in den St.Galler Ladengeschäften. Seine Wurzeln sind im süditalienischen Molise zu Hause. Wenn er bei seinen Verwandten in Italien Ferien macht, freut er sich auf die einfachsten Speisen. Diese bringen durch die Frische und Reife der Produkte eine unvergleichliche Intensität hervor. Genau dies macht das italienische Lebensgefühl aus. Francesco Tammaros Tipp:  Pane locale e pomodoro fresco, gewürzt mit einer Prise Salz, frischem Oregano aus dem Hausgarten und Olivenöl aus dem eigenen Olivenhain. Dazu ein Glas Crede von Bisol, welch ein glückliches Vergnügen.

Auch Benjamin Wolf liebt das Experimentieren mit Wine & Food. Er ist in der Toskana aufgewachsen, ist Master-Sommelier und Gastronomie-Weinberater bei Martel. Er empfiehlt die Kombination mit Fisch. Etwa den Bisol Jejo Rosé zu Tagliatelle al Salmone oder zum Carpaccio di Gamberi Rossi di Mazara, den vielleicht besten Garnelen der Welt. Zum Carpaccio di Cappesante, dem Jakobsmuschel-Carpaccio oder zu grilliertem Gemüse oder frischem Ziegenkäse reicht er hingegen bevorzugt den Bisol Crede brut.

Bereisen Sie die Region

So viele Empfehlungen, so viele Möglichkeiten bietet die Welt des Prosecco. Ausser dem prickelnden Vergnügen bietet sich die Region auch vorzüglich als Reisedestination an. Denn das Herkunftsgebiet zählt seit 2019 zur UNESCO-Welterbeliste und liegt in Reichweite des Gardasees sowie keine Autostunde von Venedig entfernt. Die Region bereisen oder sie lieber über Ihre Sinne von der Schweiz aus entdecken? Ich meine: Das eine schliesst das andere nicht aus…

Prosecco und Schaumweine im Shop

Gereifte Weine

Martel Weinwelt - Gereifte Weine

Wein braucht Zeit und Zeit ist Geld. Zeit geht ins Geld, wenn Wein nicht korrekt oder überlagert, statt ihn zum richtigen Zeitpunkt zu geniessen. Aber eben: Wann erreicht ein Weinjahrgang seinen Zenit? Ist dieser Zenit fassbar oder eine individuelle Empfindung? Weine zu lagern, ist auch eine Frage des Könnens und des Wollens und einmal mehr gilt «Probieren geht über Studieren». Allerdings ist auch wahr, dass viele Weine zu jung getrunken werden. Man spricht ihnen wenig Alterungspotential zu.

Chasselas mit Alterungspotential

Das Probieren und Studieren haben wir für Sie übernommen. Lust auf eine Überraschung? Mit der unterschätzten Rebsorte Chasselas, die ein grossartiges Alterungspotential aufweist, könnte sie uns gelingen. Sehr anschaulich verdeutlicht der Dézaley Les Gradins aus dem Jahr 2010, dass die Sorte Gutedel ihrem Namen auch im Alter alle Ehre macht. Das selbstbewusste «Late Release» des Winzers Louis Fonjallaz zeugt davon. 

Süditalienischer Kultwein

Ähnlich empfehlenswert: Silvia Imparatos süditalienischer Kultwein Montevetrano. Dieser Wein verlangt geradezu nach Flaschenreife und so präsentieren sich die Jahrgänge 2001 und 2009 heute in perfekter Trinkreife. Hier der 2009er aus einem warmen Jahr: kraftvoll, dicht mit reiffruchtigen Aromen. Da der 2001er aus einem klassisch-gemässigten Jahr mit perfekter Harmonie und aristokratischer Struktur. Beiden gemeinsam ist eine grossartige Vielschichtigkeit, enorme Länge, eine phantastische Gerbstoffqualität und eine herausragende Eleganz. Ein Vergleich lohnt sich bei diesen Legenden!

Etwas ganz grosses für die Festtage

Den perfekten Abschluss eines weihnächtlichen Festessens bilden neben gereiftem Sauternes (Château Doisy-Védrines 2008) ein hochwertiger Vintage Port aus den Jahren 1985, 1992 oder 1998. Zu jedem Kauf erhalten Sie einen Bilamé Korkenzieher, damit das Öffnen der Flasche auch problemlos funktioniert. Und wenn es für die Festtage etwas ganz ganz Grosses sein sollte, empfehlen wir den 125 (!) Jahre alten Single Harvest Port 1896 von Taylor’s. Ein berührendes, unvergessliches Weinmonument der Extraklasse!

Wir verkaufen Ihnen definitiv keine Ladenhüter. Viel lieber garantieren wir Ihnen Trinkgenuss und Weine, die auf ihren Höhepunkt zusteuern. Perfekt gelagert, zur Reife gebracht. Heute eine Seltenheit und für uns eine Ehre, dass wir Ihnen damit eine Freude bereiten dürfen. Lassen Sie sich auf uns ein?

Diese Aktion ist abgelaufen.

Himmlische Verkostung am St. Moritz Gourmet Festival

Martel Weinwelt - Himmlische Verkostung am St. Moritz Gourmet Festival

Viognier und Syrah – zwei facettenreiche Rebsorten bringen Sie auf Wolke 7.

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Die besten Weinbars 2022 – Martel am Bellevue erneut Schweizer Sieger

Martel Weinwelt - Die besten Weinbars 2022 – Martel am Bellevue erneut Schweizer Sieger

Falstaff präsentiert die 1050 besten Wein- und Cocktailbars aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Das dritte Mal in Folge dürfen wir uns über den ersten Platz in der Kategorie «Weinbar in einer Vinothek» freuen. (mehr …)

5 Jahre Martel am Bellevue

Martel Weinwelt - 5 Jahre Martel am Bellevue

«Schönste Weinbar der Schweiz», «Wein-Tankstelle», «Architekturgeschichte», «Der hängende Weinladen» — Martel am Bellevue wurde in den vergangenen 5 Jahren mit den verschiedensten Titeln versehen und ausgezeichnet. Der «Happy Place» für Weinliebhaber in Zürich ist für uns seit dem ersten Tag eine Herzensangelegenheit. 10’000 Flaschen Charakterwein, charmante Weinberatung sowie coole Degustationen und Events – ein Begegnungsort für Weinkultur. (mehr …)

Limitiert: Domaine de Diolly 2018

Martel Weinwelt - Limitiert: Domaine de Diolly 2018

Mit grosser Freude präsentieren wir Ihnen kurz vor der kalten Jahreszeit einen neuen Spitzenwein aus der Schweiz. Vor ziemlich genau einem Jahr kontaktierte uns Philippe Rouvinez und bot uns den ersten Jahrgang seines neuen Projektes exklusiv an. Wir trafen uns im Wallis, degustierten ab Fass, waren sofort begeistert und sicherten uns den Syrah 2018 der Domaine de Diolly.

Auf über 650 Metern über Meer – in perfekter Südlage – reifen die Syrah-Trauben auf einem mageren und steinigen Kalkschiefer-Boden. Folglich perfekte Bedingungen, um tiefgründige, spannungsgeladene und elegante Weine zu vinifizieren. So ist es denn auch kein Wunder, dass dieser Weinberg im Jahre 1927 der Allererste in der Schweiz war, der mit Syrah-Reben bepflanzt wurde.

Im Glas zeigt der Domaine de Diolly 2018 eine dunkle, fast undurchdringliche Farbe. Wunderschöne, volle und typische Syrah-Frucht. Im Gaumen findet sich dann ein druckvoller Auftakt mit viel Konzentration, Substanz und Würze. Die Gerbstoffe präsentieren sich trotz Jugend bereits geschliffen und feinkörnig. Eine tolle Säure macht den Wein lebendig, gar animierend und schenkt ihm eine schöne Eleganz.

Die neue «Kreation» von Philippe Rouvinez wird zukünftig – da sind wir uns sicher – für Furore sorgen. Einen Eintrag in die Geschichtsbücher hat der Wein sich bereits gesichert: Der Domaine de Diolly Syrah 2018 ist Martels erster Limited-Edition-Wein mit Schweizer Herkunft.

Limitiertes Angebot, Spezialpreis gültig ab 6 Flaschen.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Wein und Käse – ein kulinarisches Dream-Team?

Martel Weinwelt - Wein und Käse - ein kulinarisches Dream-Team?

Wein und Käse haben viele Gemeinsamkeiten. Beides sind Kulturgüter erster Güte und begleiten Liebhaber und Geniesserinnen seit Jahrtausenden. Zudem stehen sie in vielen Ländern unter den strengen Richtlinien der Herkunftsbezeichnung. Sowohl bei Wein wie auch bei Käse wird ein klar definiertes Anbaugebiet und spezifische Produktionsmethoden vorausgesetzt. Im Übrigen gibt es nicht nur Weinsommeliers, sondern auch die entsprechenden Pendants im Käse-Business – eine weitere Gemeinsamkeit.

Käsegang – früher und heute

In der klassischen französischen Menüfolge aus dem 19. Jahrhundert wurde der Käse als 13. Gang gereicht, meist nach einem bereits sehr üppigen Mahl. Heutzutage ist Käse ab und zu Bestandteil eines verkürzten Menüs und findet sich dann zumeist am Ende des Abends wieder. Früher wurde zu diesem Gang oftmals der beste und teuerste Rotwein des Abends serviert. Für mich eher fragwürdig, denn: Der hohe Fettgehalt beim Käse ist ein Aromen-Killer und wird bei einem schönen Rotwein einiges von seinem feinen Geschmack überdecken.

Ein Highlight des Restaurantbesuches bildet für mich jeweils das fundierte Studieren der Weinkarte. Wenn dann noch ein perfekt chambrierter Käsewagen angerollt kommt, schlägt mein Geniesser-Herz noch höher. Der Begriff «Chambrieren» bedeutet «auf Trink- oder Esstemperatur bringen» und wird bei Wein sowie bei Käse verwendet, da beide kühler gelagert als genossen werden. Die beiden Gaumenfreuden gehören vielfach zur Begleitung eines perfekten Abends und können als diese auch schnell der USP eines Gourmetlokals sein.

Die richtige Kombination

Bei der Auswahl der passenden Weinbegleitung kann man sich nach einem der Leitsätze vieler Sommeliers richten: «What grows together, get together». Es passt daher fast immer zusammen, was aus derselben Region stammt. Gleiches gilt für die Aromen und so kombiniert man gerne Ähnliches miteinander. Demnach werden milde Käse mit leichten Weinen und würzige Käse mit eher kräftigeren Weinen serviert. Manche Sternköche erkennen aber auch genau darin die Herausforderung und so sieht man heute häufig auch das Zusammenspiel der Kontraste, indem man beispielsweise säurehaltige Käse mit süssen Weinen kombiniert. Die Süsse und die Säure harmonieren im Gaumen perfekt und so gehört es zu einem der absoluten Klassiker der Gastronomie, einen Blauschimmelkäse mit einem Glas Sauternes zu geniessen.

Eine prägende Erinnerung zu Süsswein und Käse habe ich von einem Besuch bei unserer Winzerin Heidi Schröck. Sie kombinierte ihre Ruster Beerenauslese N.V. raffiniert zu einem reifen Sbrinz. Welch eine Aromen-Explosion im Gaumen! Reifer Sbrinz passt einfach perfekt zu edelsüssen Weinen mit einem Restzuckergehalt von mehr als 150g/l. So hat der Sbrinz es dann auch tatsächlich auf die Etikette der Beerenauslese geschafft.

Was tun mit den Schweizer Ur-Gerichten?

Zum einen stellt sich diese Frage bei der berühmten Käseplatte. Was serviert man also bei vielen unterschiedlich intensiven Geschmäckern? Ich empfehle einen Weisswein, welcher nicht zu kräftig ist und die verschiedenen Käse somit nicht dominiert, sondern elegant begleitet.

Da die kulinarisch höchst erfreuliche Jahreszeit des Herbstes/Winters in vollem Gange ist, steht bestimmt auch schon bald das nächste rassige Fondue- oder Raclette-Essen an. Ein perfekter Match zu den Nationalgerichten bietet sich mit einem klassischen Chasselas aus der Westschweiz an. Hier kann man auch durchaus einmal auf etwas Gereifteres zurückgreifen wie dem Dézaley Les Gradins Grands Millésimes 2010 von Etienne & Louis Fonjallaz. Mit seinen verführerischen Reifenoten ist die Begleitung perfekt.

Doch wieso auch nicht mal über den Schweizer Tellerrand schauen und die Käsegerichte mit einem Soave aus dem Veneto kombinieren? Sie werden überrascht sein über die internationale Harmonie dieser zwei Aromenwelten. Zwei Welten, die herrlich zueinander passen, sogleich man sie denn richtig kombiniert.

Cheers und Guten Appetit!

Weinempfehlungen zu Käse

Fondue Jahrgangsmischung «Helvti-Chäschtli»

Martel Weinwelt - Fondue Jahrgangsmischung «Helvti-Chäschtli»

Freuen Sie sich auf das wohl bekannteste helvetische Gericht mit einer grossen Portion Detail-Liebe: Karim Schumann vom Hotel Restaurant Helvetia in Zürich hat mit dem bekannten Maître Fromager Rolf Beeler und Jan Martel ein raffiniertes Fondue kreiert. Das i-Tüpfelchen der Jahrgangsmischung ist der Féchy La Colombe von Paccot aus der Region La Côte, ein herrlicher Wein aus des Schweizers liebster Rebsorte Chasselas.

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Mysterium Trinkreife: Reif oder nicht reif – das ist hier die Frage

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Das Thema Trinkreife beschäftigt Weingeniesser und -sammler auf der ganzen Welt. Trinkt man einen besonderen Wein zu früh, zeigt er sich verschlossen, unnahbar und unharmonisch. Die Gerbstoffe sind noch trocknend und die Aromatik vergleichsweise eindimensional. Trinkt man ihn zu spät, verliert er seinen Druck, seine Frische und Frucht. Er ist oxidiert und im schlimmsten Fall nicht mehr geniessbar.

Die persönliche Präferenz entscheidet

Wie so oft in der Weinwelt gilt auch bei der Trinkreife: Es kommt auf den Geschmack des Geniessers an. Während der Eine fruchtige noch etwas ungestüme und rassige Weine liebt, bevorzugt der Andere Tertiäraromen, abgerundete Gerbstoffe und eine milde Säure. Glücklicherweise besitzen die meisten grossen Weine ein relativ grosses Zeitfenster. Um den ganzen Lebenszyklus eines bestimmten Weines zu beobachten, macht es Sinn, mehrere Flaschen zu erwerben. Nur so erlebt man den Wein mit all seinen Facetten. Viele Weine sind in ihrer Jugend ein Genuss, verschliessen sich aber dann und wachsen erst nach mehreren Jahren zu ihrer wahren Grösse heran.

Die Einflussfaktoren

Generell kann man sagen: Je mehr Extrakt, Säure, Restzucker, Tannin und/oder Alkohol ein Wein besitzt, desto länger kann er gelagert werden. Vorausgesetzt, er macht dies unter kühlen und abgedunkelten Einkellerungsbedingungen. Die zuvor genannten Faktoren sind aber noch bei weitem keine Garantie für ein grosses Reifepotential. Hier kommt neben dem Können des Winzers auch etwas Magie ins Spiel: Es ist das Zusammenspiel aller Einflüsse und die Hochwertigkeit des Ursprungsmaterials einerseits. Andrerseits sind es aber auch softe Faktoren wie Tiefgründigkeit, Finesse, Spannung und Balance, die einem Wein ein langes Leben einhauchen. So besassen grosse rote Burgunder aus den 60er-Jahren auch in ihrer Jugend eher wenig Tannin, keine Restsüsse sowie moderate Säure und Alkohol. Und trotzdem gibt es Beispiele von noch jungen, frischen und lebendigen Exemplaren, welchen man nie eine solch monumentale Lebensdauer zugetraut hätte.

Best of Trinkreife – welche Weine eignen sich zur Lagerung?

Als der ultimative Lagerwein schlechthin – nur eine Begründung für dessen Weltruhm – wird Bordeaux angesehen. Insbesondere aus den Top-Appellationen des Médoc. Legendär sollen bei Château Lafite-Rothschild auch heute noch die Jahrgänge 1811 und 1870 sein. Schade, dass ich diese nie geniessen konnte. Weitere bekannte Regionen für Rotweine mit ausgezeichnetem Reifepotential sind neben dem schon genannten Burgund das provenzalische Bandol, Hermitage, Côte-Rôtie, Rioja, Barolo, Brunello di Montalcino und das kalifornische Napa Valley sein. Bei den Rebsorten eignen sich vor allem tannin- und extraktstarke Sorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah, Malbec, Tannat, Nebbiolo und Sangiovese.

Abgesehen von grossen weissen Burgundern, Riesling, Chenin Blanc und Grünem Veltliner besitzen Rotweine generell eine höhere Lebensdauer als trockene Weissweine. Es gibt aber erstaunliche Ausnahmen. Wer schon einen gereiften Dézaley (Chasselas) aus dem letzten Jahrtausend verkostet hat, weiss, was wir meinen: Die Weine zeigen eine burgundische Stilistik, Viskosität und enorme Komplexität.

Schliesslich eignen sich auch Süssweine sehr gut zur Einkellerung. Zum einen edelfaule Preziosen dank des hohen Zucker- und Säuregehalts. Zum anderen aufgespritete Weine wie Portwein und Madeira dank des erhöhten Extrakt- und Alkoholgehalts. Auch hier gibt es unzählige Beispiele aus den letzten Jahrhunderten, die auch heute noch allerhöchsten Genuss bieten sollen. So zum Beispiel der legendäre Vintage Port-Jahrgang 1900, Château D’Yquem 1811 und 1847 sowie deutsche Trockenbeerenauslesen bis zurück in die 1790er Jahre.

Leider werden wir alle wohl eher weniger schnell in den Genuss dieser zuvor genannten Weine kommen. Und doch bin ich mir sicher, dass auch in Ihrem Keller der ein oder anderen Schatz liegt, der in Ihrem Kopf Fragen aufwirft: Wie gross ist das Reifepotential? Wie lange kann der Wein gelagert werden? Oder wann kommt der Wein in seine Trinkreife? Die passenden Antworten dazu bietet unsere allumfassende Jahrgangs- und Trinkreifetabelle.

Wenn aus Verkäuferinnen in Weinläden «Vermittlerinnen der Weinkultur» an «Weinbegegnungsorten» werden

Martel Weinwelt - Wenn aus Verkäuferinnen in Weinläden «Vermittlerinnen der Weinkultur» an «Weinbegegnungsorten» werden

Von der Schule in die Wirtschaft: Sechs Studierendenteams der Ostschweizer Fachhochschule sind für ihre Praxisprojekte ausgezeichnet worden. Ganz an die Spitze schafften es junge Leute mit ihren Projekten für die Gebäudeversicherung St.Gallen und Zur Rose Suisse. Ausserdem debattierten gestandene Wirtschaftsleute über die Zukunft des Handels.

Seit 145 Jahren ist Martel im Weingeschäft tätig. Die Digitalisierung hat vieles geändert. So lancierte der St.Galler Weinhändler Mitte der 1990er-Jahre den ersten Online-Weinshop in Europa, wie Geschäftsführer Jan Martel am Montagabend in der St.Galler Tonhalle an der Ver­gabe des WTT Young Leader Award der Ostschweizer Fachhochschule OST sagte.

Die Digitalisierung hat auch den stationären Handel verändert. Martel spricht nicht mehr von Läden und Weinverkäuferinnen, sondern von «Weinbegegnungsorten» und von «Vermittlerinnen der Weinkultur». Oder: «Erlebniswelten» mit Personal in der «Gastgeberrolle und persönlicher Beratung», wie Martel im Gespräch mit Moderator und «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid sagte. Die Rechnung mit solchen stationären Läden gehe dann auf, wenn digitale Elemente in sie integriert werden.

Vorteile lokaler Detaillisten

Danach gesellten sich Heidi Bösch, Personalchefin der Mi­gros Ostschweiz, Martin Knöpfel, Direktor Wirtschaftsprüfung PwC, und der Thurgauer Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit, Daniel Wessner, dazu. Ihr Tenor: Online bietet viele Vorteile: Einkaufen jederzeit und überall, grosse Auswahl, hohe Transparenz.

Und doch hat der stationäre Handel Chancen, gerade auch lokal: Trümpfe seien regionale Produkte, persönliche Services, Frische (gerade bei Lebensmitteln), Qualität und kurze Distanzen. Zudem, so Wessner: «Gerade nach dem Lockdown treffen sich die Leute wieder, gehen hinaus, trinken einen Kaffee statt nur am Bildschirm zu sitzen.»

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Hammerwein Château de Chambrun 2016

Martel Weinwelt - Hammerwein Château de Chambrun 2016

Das Finden unseres jährlichen Hammerweines generiert Spannung und Freude zugleich. Es ist aber auch eine anspruchsvolle Herausforderung und ein bisschen Glück muss auch dabei sein. Zum Beispiel im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. So geschehen bei unserem Besuch auf Château Chambrun in Lalande-de-Pomerol. Nach der begeisternden Verkostung des Jahrgangs 2016 war klar: er ist auserkoren, unser Hammerwein 2021!

Mit 13.5 ha ist Château de Chambrun für bordelaiser Verhältnisse fast winzig. Die Reben besitzen ein Durchschnittsalter von beachtlichen 40 Jahren. Der Ausdruck «klein aber fein» passt hervorragend zu diesem Weingut. 2016 wird im gesamten Bordeaux als grosses Rotweinjahr angesehen. Ein elegantes Jahr mit schöner Frische und viel Frucht. Durch den trockenen Sommer und Herbst besitzen die Weine ein phantastisches Gerbstoffgerüst, die Qualität der Tannine und die phenolische Reife ist auf einem extrem hohen Niveau.

Bereits jetzt zeigt sich der Château Chambrun 2016 ziemlich offen, mit einer schönen Komplexität und einem klaren Aromenprofil. Es finden sich dunkle Fruchtnoten von Cassis, Pflaumen und Brombeeren. Das Holz ist schön eingebunden. Wir verkosten auch Aromen von Tabak, Zedernholz, etwas Kaffee und viel Würze. Der Wein besitzt feinkörnige, sehr reife Tannine und eine fein ziselierte Säure. So wirkt alles sehr elegant, ausgewogen und präzise gezeichnet, gleichzeitig spürt man die Kraft und die Energie dieses klassischen Bordeaux. Er endet in einem langen, fruchtbetonten Abgang.

«Martel» heisst wörtlich «Hammer» und dieser steht hier wortwörtlich für höchste Qualität zum unschlagbaren Preis. Das Angebot ist wie immer einmalig und limitiert, rasches Zuschlagen ist empfohlen – es kann schnell knapp werden.

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Château de Chambrun

Grüne Peperoni, blumige Noten und Vanille – wie kommen die Aromen in den Wein?

Martel Weinwelt - Grüne Peperoni, blumige Noten und Vanille – wie kommen die Aromen in den Wein?

Eine spannende Frage! Oft frage ich mich, woher genau dieser eine spezifische Duft des Weines kommt. Schliesslich ist die Basis überall die Gleiche: die Weintraube. Doch die leistet auf ihrem Weg ins Glas so einiges.

Die wissenschaftliche Erklärung

Auf einer wissenschaftlichen Ebene kommt man schnell zur Biochemie. Denn alles, was wir im Wein riechen, kommt von flüchtigen Duftmolekülen auf der Basis von Kohlenwasserstoff. Sie gelangen entweder über die Luft direkt durch die Nase oder über den Gaumen auf unsere Rezeptoren, welche die Informationen an unser Gehirn weiterleiten. Aber auch mit biochemischen Analysen und immer tieferen Erkenntnissen über die Duftmolekül-Struktur kann man heute nicht jeden Ursprung eines Duftes genau erklären. Ich glaube, es ist auch nicht wichtig, die Struktur eines jeden Moleküls zu verstehen. Mir hilft es aber die Sprache des Weines besser zu verstehen sowie seine Herkunft, die Philosophie und das Handwerk des Winzers eher zu «erschmecken».

Am Anfang steht die Traubenbeere

Grundsätzlich entstehen Aromen in verschieden Abschnitten während des «Lebens» eines Weins. Am Beginn steht die Traubenbeere, in welcher sich während der Reife Zucker, Farbe und auch Aromen (Primäraromen) bilden. Dieser Prozess kann durch ganz viele Faktoren beeinflusst werden. Beispielsweise durch das Wetter und die klimatischen Bedingungen, den Ertrag pro Rebstock und vor allem durch die spezifische Traubensorte. Gerade Aromarebsorten wie Muscat oder die Traminersorten akkumulieren schon in der Traubenbeere die vielen fruchtigen und floralen Noten, die sie auch später im Wein zeigen.

Ein nächster, wichtiger Zeitpunkt ist die Lese. Je nach Reifegrad der Traube beim Lesen zeigt der Wein später grünere, reif fruchtigere bis hin zu marmeladigen Noten. Beim Cabernet Sauvignon kennen sie vielleicht den Geruch von grüner Peperoni. Dieser entsteht durch Pyrazine, welche sich durch das Reifen der Beeren immer mehr abbauen.

Der Gärprozess als Geschmackslieferant

Wenn die Trauben gelesen sind, geht es im Keller weiter. Hier entstehen durch die alkoholische Gärung eine Vielzahl neuer chemischer Verbindungen (zum grossen Teil aus der Gruppe der Ester), welche eine wichtige Rolle im fruchtigen Aromaprofil (Sekundäraromen) vor allem in jungen Weiss- und Rotweinen spielen.

Je nach Art der Vinifikation (Gärtemperaturen, Gärdauer, Gärbehälter etc.) sowie die Wahl der Hefe können ganz unterschiedliche Aromen entstehen. Bei der malolaktischen Gärung beispielsweise wird u.a. Diacetyl gebildet, welches einen starken Duft nach Butter erzeugt. Man findet es oft in kräftigen Weissweinen, welche im Holzfass ausgebaut wurden.

Ein Geheimnis liegt im Ausbau

Kommt der Wein direkt mit seinen frischen und fruchtigen Noten in die Flasche? Oder verbringt er vielleicht Zeit in einem Holzfass, um die Aromenvielfalt mit röstigen, würzigen und holzigen Noten zu erweitern? Je nach Art und Herkunft des Holzes, Grösse des Fasses, Dauer der Reife, Alter der Fässer und der Intensität des Toastings kann sich die Aromatik deutlich unterscheiden. Als Schlüsselmolekül gilt das Oaklakton, welches wie das Vanillin von Natur aus im Eichenfass vorkommt und über das Holz in den Wein gelangt.

Der Weingeniesser als weiterer Schlüsselfaktor

Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Natur und der Winzer die Zügel in der Hand. Diese werden mit Abfüllung und Verkauf der Flasche nun aber an den Weingeniesser übergeben: Wann öffnen sie die Flasche? Lassen Sie den Wein reifen und somit ledrige, würzige und erdige Aromen (Tertiärnoten) entstehen? Bei welcher Temperatur wird der Wein serviert? Je nach Umgang mit dem Wein wird z.B. das ein oder andere Duftmoleküle mit der Zeit flüchtig und der Wein anders wahrgenommen. Nicht zu vernachlässigen ist in diesem Zusammenhang natürlich auch die Wahl der Gläser.

Zudem gilt es das eigene Geschmacksempfinden nicht ausser Acht zu lassen. Jeder Mensch riecht und schmeckt unterschiedlich. Während des Lebens baut sich jede Person ein eigenes, individuelles Geschmacksrepertoire auf, welches durch Erlebnisse und Training stetig ausgebaut wird. Bestimmt haben auch Sie ganz spezielle Düfte und Geschmäcker, welche sie sofort an einen bestimmten Moment oder ein besonderes Gefühl erinnern.

Sich darauf einlassen…

Die sensorische Wahrnehmung lässt sich schnell, sowohl durch optische Einflüsse als auch durch andere Personen beeinflussen. Ich finde es deshalb am Spannendsten, zuerst unvoreingenommen einen Wein zu probieren und mich ganz bewusst auf die eigene Geschmacks- und Geruchswahrnehmung einzulassen. Der Austausch zwischen Freunden und Kollegen sollte natürlich ebenso stattfinden – denn schliesslich ist dies mit einer der Gründe, wieso wir Wein in Gesellschaft geniessen – aber dieser sollte eben erst danach stattfinden.

Schlussendlich bin ich der Meinung, dass eben genau das komplexe Verständnis von einflussnehmenden sowie unerklärlichen Faktoren den Zauber des Weines ausmachen. Der Geniesser wird in seinen Bann gezogen und immer wieder dazu animiert, nochmals am Wein zu riechen und einen Schluck zu nehmen. Auch das ist es, was wir alle an diesem vielseitigen Aromenspiel lieben.

Quellen
Buch «Le souffle du vin» von Luigi Moio
Buch «Les Parfums du vin» von Richard Pfister
Buch «Wine Tasting» von Ronald Jackson

Wie wähle ich den passenden Wein aus und wie degustiere ich richtig?

Martel Weinwelt - Château Lafleur: Ein Schritt in die Zukunft – ohne Appellation

Der St.Galler Weinhändler Jan Martel erklärt, worauf Sie achten müssen.

«Bei Wein haben viele das Gefühl, dass man sich auskennen muss»: Ein Weinprofi bringt auf den Punkt, was Sie über Wein wirklich wissen müssen.

«Tannin», «Terroir», «trocken»: Wenn Fachleute über Wein sprechen, wirkt das oft steif und exklusiv. «Die typischen Fachbegriffe kann man getrost den Weinfachleuten überlassen», sagt der St.Galler Weinhändler Jan Martel. Denn bei den Konsumentinnen oder den Konsumenten sollte der Spass im Vordergrund stehen. Wer Wein liebt, aber oft etwas hilflos vor dem Weinregal steht, dem vermittelt Martel das Basiswissen verständlich und lässt das angestaubte Image des Weins hinter sich.

Wie wähle ich einen Wein aus?

Ob im Restaurant, für ein feines Essen daheim oder als Geschenk: Die Auswahl an Wein ist riesig. In den Regalen der Grossverteiler reiht sich Flasche um Flasche. «Das kann in der Tat eine grosse Herausforderung sein», bekräftigt Jan Martel und hat eine einfache Lösung für dieses Problem parat: ein Fachgeschäft besuchen. «Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen Weine, die auf Ihren Geschmack zugeschnitten sind.»

Online-Einkäufe sind eine gute Alternative, wenn die Zeit fürs Fachgeschäft fehlt. Viele Anbieter stellen ihre Produkte mit guten Kurzbeschreibungen vor oder bieten, wie Martel auch, Online-Videoberatungen an. Steht man unerwartet vor einem Weingestell im Grossverteiler und möchte spontan einen Wein kaufen, gehe das natürlich auch. Dann rät der Weinhändler, sich an den Kurzbeschreibungen auf den Rücketiketten der Flaschen oder am Weinregal zu orientieren. «Im Notfall hilft auch Google. Vielleicht zahlt man etwas Lehrgeld. Spannend ist es aber allemal», sagt Martel.

Ich habe aber keine Ahnung, welchen Typ Wein ich mag

Jan Martel empfiehlt, möglichst viele verschiedene Weine zu probieren. Ausserdem Einzelflaschen zu kaufen und Weindegustationen zu besuchen. Weinabos, bei denen Sie regelmässig mit verschiedenen Weinen beliefert werden, eigenen sich ebenfalls gut, um herauszufinden, welche Sorte man mag. Im Restaurant kann man zusätzlich unter Druck geraten: Neben der Wahl des Weines, der zum Gericht passen soll, muss man auch noch den Namen richtig aussprechen. Martels Tipp: «Gehen Sie das entspannt an und lassen Sie sich vom Personal beraten.»

Generell hätten bei Wein viele das Gefühl, dass man sich auskennen muss. Das sei aber gar nicht nötig. «Gehen Sie auf eine Entdeckungsreise und geniessen Sie.»

Wie öffne ich die Weinflasche richtig?

Jan Martel empfiehlt dazu einen simplen Flaschenöffner. Mit dem Messer zuerst die Kapsel unter der Wulst gerade abschneiden und entfernen. Dann die Spirale mittig ansetzen und ganz in den Korken eindrehen.

Nun können Sie den Korken in zwei Schritten sanft herausziehen. Dabei ist wichtig: Das letzte Stück sollten Sie vorsichtig herausdrehen, um ein Ploppen zu vermeiden. Damit kann man einen ruckartigen Druckausgleich in der Flasche verhindern, der im schlimmsten Fall das Aroma des Weins negativ beeinflussen kann.

Worauf muss ich beim Einschenken achten?

Entweder kann man ins stehende Glas einschenken oder man nimmt das Glas in die Hand und hält es dabei etwas schräg. Beim Einschenken sollten Sie behutsam vorgehen: den Wein vorsichtig und langsam ins Glas eingiessen, nicht wie Mineralwasser. Idealerweise füllt man das Glas maximal zu einem Drittel. Bei grossen Gläsern beschränkt man sich auf einen Viertel. «So bleibt genügend Platz im Glas für die Aromastoffe», sagt der Experte. Eine Hilfe beim Einschenken ist der «Drop Stop» – das runde Plättchen setzt man gerollt in die Öffnung und der Wein fliesst ruhiger und regelmässiger ins Glas.

Wie probiere ich Wein?

Einen Wein verkostet man in drei Schritten: Zuerst mit dem Auge, danach riecht man mit der Nase und zuletzt beurteilt man den Geschmack mit dem Mund.

Schritt 1

Jan Martel zeigt es vor: Das Weinglas hält er am Stiel und hält es schräg über einen weissen Hintergrund. Legen Sie zum Beispiel eine Serviette auf den Tisch oder nehmen Sie ein weisses Blatt Papier. Die Farbe und Klarheit erkennt man so am besten. Älterer Rotwein verliert mit den Jahren eher seine Farbintensität.

Schritt 2

Danach das Glas schwenken, um die Aromen herauszuholen, und am Glas riechen: So prüfen Sie den Duft des Weins. Am besten das Glas schräg halten und zwei-, dreimal nacheinander daran «schnüffeln» anstatt einmal tief Luft holen. Tipp: Vergleichen Sie den Duft jeweils mit, und ohne das Glas vorher zu schwenken.

Schritt 3

Zu guter Letzt einen kleinen Schluck nehmen, dabei darf auch ein Geräusch entstehen. Denn wenn Luft dazukommt, schmeckt man die Aromen besser. «Natürlich macht Übung den Meister. Aber meistens stellt man unangenehme Fehlgerüche wie Zapfen – hat man ihn schon einmal gerochen – schnell fest», sagt Jan Martel.

Wie verhalte ich mich im Restaurant?

Probieren Sie den Wein wie im vorherigen Punkt beschrieben. «Das können Sie ganz diskret machen, man muss dabei keine Show abziehen», sagt Jan Martel. Prüfen Sie, ob Sie einen Weinfehler, Korkgeschmack oder Oxidation (siehe Weinbegriffe am Schluss) feststellen. Merken Sie nach der Degustation, dass der Wein nicht ihren Geschmack trifft, ist das leider Pech. Zurückgeben sollte man nur Weine, die nicht in Ordnung sind. Falls Sie die Bedienung fragt, ob Sie am Zapfen riechen möchten, können Sie das auch ablehnen. Der Zapfen könne einen ersten Eindruck geben, manchmal täusche dieser Eindruck aber auch, weshalb es sich lohne, den Wein zu probieren.

Ausserdem: Halten Sie das Glas immer am Stiel. So bleibt das Glas sauber und der Wein erwärmt sich nicht durch die Körpertemperatur der Hand.

Was sagt mir das Etikett?

Je nach Land gelten unterschiedliche Bestimmungen dazu, was auf dem Weinetikett angegeben sein muss. Überall gilt es, den Alkoholgehalt, die Mengenangabe und den Jahrgang, falls vorhanden, anzugeben. Auch die Herkunftsbezeichnung sowie der Abfüller oder Produzent gehören zwingend aufs Label.

Der Aufbau ist nicht überall gleich: International unterscheidet man zwischen romanischem und germanischem Weinrecht. Bei Ersterem steht das Land, bei Zweiterem die Sorte im Vordergrund – so auch bei uns in der Ostschweiz.

Wie entscheidend ist der Jahrgang?

Wein ist ein Naturprodukt. Jeder Jahrgang erzählt eine eigene Geschichte und zeigt andere Charaktereigenschaften. Auf der Website von Martel gibt es eine interaktive Jahrgangstabelle: Die Kombination aus Land, Region und Jahr ergibt eine Note von 1 für herausfordernd bis 5 für herausragend. Ausserdem wird je nach Gebiet und für jeden Jahrgang erklärt, was die Gründe für die Benotung sind und wann man den Wein am besten trinkt. Schwache Jahrgänge werden gemäss Martel immer seltener, da die Winzer heute besser auf Extremsituationen reagieren können.

Ist teurer Wein besser?

Nicht unbedingt. Denn, sagt Jan Martel: «Ein hoher Preis bedeutet nicht automatisch hohe Qualität.» Der Weinprofi empfiehlt, grundsätzlich den Wein der Situation anzupassen. «An einem fröhlichen Abend mit Freunden spielt der Wein meist nicht die Hauptrolle», sagt er und rät in diesem Fall eher zu einem unkomplizierten, einfach verständlichen Tropfen. Weine für solche Gelegenheiten gibt es bei Martel zum Beispiel bereits ab zehn Franken.

Will man sich beim Genuss hauptsächlich dem Wein widmen und in ihn hineinhorchen, empfiehlt er, etwas mehr auszugeben. «Wenn man dafür bereit ist, kann ein richtig grosser Wein für Gänsehaut und Magie sorgen», sagt Jan Martel.

Von «Abgang» bis «Weinstein»: Jan Martel erklärt zehn Weinbegriffe

Abgang: Damit bezeichnet man, was nach dem Schlucken des Weines im Gaumen sowie auf der Zunge zurückbleibt und wie lange es anhält. Ein langer Abgang gilt in einem gewissen Sinn als Qualitätsmerkmal.

Adstringierend: Meint das Gefühl des Austrocknens, Zusammenziehens im Mund, vor allem durch die Gerbstoffe (Tannine) des Weines.

Dekantieren: Heisst der Vorgang der Belüftung des Weines durch Umleeren von der Flasche in eine Karaffe. Einzelne Weine, weiss oder rot, zeigen sich in der Jugend verschlossen. Solche Weine dekantiert man, damit sie zugänglicher werden und sich ihre Aromen besser entfalten. Alte, reife Weine werden ebenfalls gerne dekantiert, um den Wein vorsichtig vom Depot zu trennen.

Depot: Das sind Hauptsächlich Farb- und Gerbstoffe, die sich über die Jahre absetzen und einen Bodensatz bilden.

Grosse Weine: Das sind Weine, die anhaltend, komplex und vielschichtig in ihrem Duft und Geschmack sind, trotzdem können sie sich sehr subtil und fast «unscheinbar» präsentieren. Andere Weine hingegen springen uns mit ihrer Intensität und Konzentration direkt an. Bei genauerem Betrachten aber erscheinen sie manchmal eindimensional und uniform. Ein grosser, hochwertiger Wein soll seine Herkunft in Bezug auf die Trauben und das Gebiet widerspiegeln. Gleichzeitig ist er eine Freude für Körper, Geist und die Seele.

Korkton: Ein Korkton im Wein äussert sich durch einen muffigen, modrigen Geruch und einen bitter-gerbigen Geschmack, der im Abgang lange anhält. Der betroffene Wein zeigt sich dumpf, die Frucht verschwindet. Ausserdem werden Tannine und Säure markanter und der Wein verliert seine Harmonie. Die Hauptursache des Korktons im Wein ist die chemische Substanz Trichloranisol (TCA). Der Fehlgeschmack befällt den Wein über den Kork und ist damit kein Weinfehler im klassischen Sinn.

Körper: Oft wird der Körper eines Weines mit seinem Alkoholgehalt gleichgesetzt. Der Alkoholwert ist dabei aber nur ein Parameter von vielen. In Wirklichkeit entspricht der Körper dem Extraktgehalt. Damit sind alle nichtflüchtigen Inhaltsstoffe gemeint, die beim Erhitzen nicht verdampfen, sondern zurückbleiben.

Oxidation: Riecht ein Wein schal und matt, zeigt er im Geschmack ausgeprägt nussige Noten und wirkt «maderisiert» – hat also seinen Höhepunkt überschritten –, dann ist der Wein oxidiert. Dies geschieht durch zu starken Sauerstoffkontakt des Weins und kann auftreten, wenn eine Flasche zu lange im Anbruch ist oder wenn der Wein zu alt ist.

Terroir: Ein Begriff aus der französischen Weinkultur. Bezeichnet die Summe der Umweltbedingungen bezüglich Geologie, Klima, Topografie und letztlich gehört auch der Mensch als wichtiger Faktor dazu.

Trocken: Ist die Bezeichnung für Weine, die fast oder ganz durchgegoren sind und höchstens einen Restzuckergehalt von vier Gramm pro Liter haben. Die meisten gängigen Weiss- und Rotweine im Handel gehören in diese Kategorie.

Weinstein: Ist ein Gemisch aus schwer löslichen Salzen der Weinsäure. Die Kristalle beeinträchtigen die Weinqualität nicht, weshalb es sich auch nicht um einen Weinfehler handelt. Vorbeugen kann man diesem «Schönheitsfehler» mit einer Kaltstabilisierung (Kühlverfahren) vor der Abfüllung. Bei Alltagsweinen ist Weinstabilisierung heute Standard.

Den Originalartikel mit weiteren Bildern und Videos finden Sie hier.

Detaillierte Weinjahrgangstabelle

Martel Weinwelt - Detaillierte Weinjahrgangstabelle

Stolz präsentieren wir unsere neue in dieser Form einzigartig ausführliche und interaktive Weinjahrgangstabelle.

Viel zu oft werden grosse Weine zu früh ohne die entsprechende Trinkreife geöffnet. Oder sind Sie persönlich vielleicht unsicher, welchen Jahrgang Sie sich zulegen sollten? Wir möchten Abhilfe schaffen: Unsere Jahrgangstabelle geht weit über eine Punktevergabe hinaus.

Wir berücksichtigen die klimatischen Bedingungen, die Qualität des Traubengutes, die Erntemenge und klären über Besonderheiten des Jahrgangs auf. Wir bestimmen das Lagerpotenzial und geben Aufschluss, welche Stilistik beim Jahrgang zu erwarten ist. Komplex, diese Analyse. Aber präzis, verlässlich und unterstützt durch diverse Zitate unserer Winzer zum jeweiligen Jahrgang.

Probieren Sie es gerne selbst aus.

Jahrgangstabelle

Lesen Sie zu diesem Thema auch unseren Blogartikel: Jahrgangsunterschiede und die Krux mit den Jahrgangsbewertungen (mehr …)

Jahrgangsunterschiede und die Krux mit den Jahrgangsbewertungen

Martel Weinwelt - Jahrgangsunterschiede und die Krux mit den Jahrgangsbewertungen

Es gibt natürlich unzählige Weine, die Jahrgang für Jahrgang gleich schmecken und für den unmittelbaren Genuss bestimmt sind. Die Weine sind meist korrekt und sauber, es fehlt ihnen aber an Persönlichkeit und Tiefe. Davon soll in diesem Blog nicht die Rede sein. Vielmehr geht es um diejenigen Weine, welche Jahr für Jahr massgeblich von der Arbeit im Rebberg und im Keller beeinflusst sind.

Einfluss der Witterung auf die Güte eines Jahrgangs

Wie wir alle wissen, ist Wein ein Naturprodukt und die Qualität abhängig von verschiedenen Faktoren, vor allem dem Klima.

Während die Witterung in mediterranen, warmen Regionen, zumindest während des Vegetationszyklus, von Jahr zu Jahr mehr oder weniger gleich ist, nämlich warm/heiss und trocken, zeigt sie sich in unseren gemässigten Breitengraden bedeutend diverser. Jedes Jahr ist anders: einmal kühl- oder warm-nass, einmal kühl- oder warm-trocken. Durchschnittswerte von Temperatur und Niederschlag während der Vegetationsphase sagen jedoch wenig über den Charakter des Jahrgangs aus. Vielmehr ist der genaue Witterungsverlauf während des Zyklus von Relevanz. Auch der Einfluss auf bestimmte Rebsorten kann völlig verschieden sein. So sind häufig grosse Rotweinjahre in einer bestimmten Region kaum auch gross für Weisswein und umgekehrt.

Nachfolgend ein paar Beispiele

  • Regen und kühle Temperaturen während der Blüte verringern den Bewuchs und demzufolge auch den Ertrag, was zu mehr Konzentration führen kann
  • Regen kurz vor oder während der Ernte machen Weine extraktärmer (buchstäblich wässriger). Dazu lässt die Nässe die Trauben anfälliger für Botrytis (Fäulnis) werden
  • Trockenes Wetter im Sommer und Herbst erhöht wiederum den Extraktgehalt und lässt die Gerbstoffe in Ruhe ausreifen
  • Warme Temperaturen im Sommer und Herbst lassen die Zuckerwerte steigen
  • Bei (extremer) Trockenheit wirken die Gerbstoffe häufig etwas sperrig
  • Kühle Nachttemperaturen im Spätsommer und Herbst bewahren die Säure
  • Grosse Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht konzentrieren die Aromen, erhöhen die Aromenvielfalt und machen den Wein schliesslich ausdruckvoller
  • Moderate Wärme ohne grosse Hitzespitzen und gerade ausreichend Niederschlag führen zu harmonischen, ausbalancierten Weinen

Während die Winzer den klimatischen Gegebenheiten früher ziemlich schutzlos ausgeliefert waren, können Produzenten mit dem heutigen Wissen die negativen Folgen der Witterung abfedern, zum Beispiel durch gutes Laubmanagement, Ertragsbeschränkungen und die richtige Wahl des Erntezeitpunktes.

Jahrgangsbewertungen – Top oder Flop?

Ähnlich komplex wie die Witterungsverhältnisse sollte auch die Jahrgangsbewertung sein. Denn die Jahrgangsübersichten, welche lediglich reine Schulnoten, Daumen, Pfeile, oder Sternchen für Jahrgänge vergeben, werden dem Thema bei Weitem nicht gerecht. Der eine Weingeniesser mag kraftvolle, opulente, reiffruchtige Weine. Der andere präferiert elegante, leichtfüssige und frische Gewächse. Darum finden Sie in unserer neuen Jahrgangstabelle nicht nur alleinstehende Noten, sondern umfassende Antworten zur Stilistik, Erntemenge, zum Reifepotential und zu besonderen Witterungsverhältnissen eines jeden Jahrgangs.

Natürlich gibt es objektive Faktoren, die zu einem guten oder schlechten Wein führen (grüne Gerbstoffe, zu wenig Säure, zu viel Alkohol, geringe Lagerfähigkeit, usw.). Aber viele Faktoren sind eine Frage der Stilistik und des persönlichen Geschmacks. Geschmack ist komplex und divers zugleich, genau wie eine perfekte Jahrgangstabelle.

Zur Martel Jahrgangstabelle

Traditionsweingüter Deutschland & Italien

Martel Weinwelt - Traditionsweingüter Deutschland & Italien

Die Wildrebe tauchte bereits vor über 100 Mio. Jahren auf und gilt als eine der ältesten Pflanzen der Welt. Wein wurde aber erst viel später daraus gemacht. Im heutigen Italien begann die Weinproduktion vor mehr als 3‘000 Jahren. Die Römer brachten das in den ersten Jahrhunderten erarbeitete Weinwissen um die Zeit Christi in den deutschsprachigen Raum. Im 8. Jahrhundert regelte Karl der Grosse den Anbau der Reben, die Weinbereitung und den Verkauf. So erstaunt es nicht, dass sowohl Italien als auch Deutschland auf eine lange Weingeschichte zurückblicken und Tradition vorleben. Mit diesem Angebot präsentieren wir Ihnen inspirierende Weingüter von geschichtsträchtigen Orten dieser zwei Länder.

Aus Deutschland offerieren wir den kerngesunden Jahrgang 2020 der Extraklasse der Weingüter Schäfer-Fröhlich, Robert Weil, Schloss Lieser (Winzer des Jahres) und Maximin Grünhaus. Geht es noch besser? Wir glauben es nicht. Übrigens: Die Grossen Gewächse sind leider nur in Kleinmengen verfügbar. Das entsprechende Raritätenangebot folgt im Herbst 2021. Italien brilliert mit dem Piemont-Spitzen-Trio von Marcarini, Cogno und Oddero. Zudem stellen wir Ihnen zum ersten Mal unsere neuen Weingüter Contucci aus Montepulciano und Ridolfi aus Montalcino vor. Wir sind stolz auf die neuen Pfeiler in unserem Italien-Sortiment. Ein Versuch lohnt sich garantiert!

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Neu im Sortiment: Grassl Glass

Martel Weinwelt - Neu im Sortiment: Grassl Glass

Grassl ist ein innovativer und aufstrebender Anbieter hochwertiger Weingläser. Die Grassl-Designer verfolgen dabei einen neuen Ansatz: Sie entwickeln ihre Gläser basierend auf der Stilistik der Weine. Die Region spielt dabei eine untergeordnete Rolle und das richtige Glas sollte vom Weinliebhaber vielmehr entsprechend der Weincharakteristika ausgewählt werden. (mehr …)

(Zu) tief ins Glas geschaut – das Weinglas als essentieller Genussfaktor?

Martel Weinwelt - (Zu) tief ins Glas geschaut – das Weinglas als essentieller Genussfaktor?

Die Sonne strahlt und die Arbeit im Garten ist getan. In der Hand halte ich ein wohlverdientes Glas Weisswein, gefüllt mit kühlem, knackig frischem Riesling vom Weingut Robert Weil aus dem Rheingau: das Etikett in tiffanyblau, so blau wie der sommerliche Himmel über mir. In seltenen Fällen gönne ich mir auch ein Gartenbier, das trinke ich aus der Flasche. Wein trinke ich aus dem Weinglas und davon handelt dieser Beitrag.

Die ewige Faszination «Glas»

Der Begriff «Glas» stammt vom germanischen «Glasa» und bedeutet «das Glänzende, das Schimmernde». Im Grunde genommen, ist Glas geschmolzener Sand, Quarzsand Soda Kalk.

Glas wurde erstmals in der Bronzezeit hergestellt, das ist jetzt schon rund 3500 Jahre her. Die Ägypter gestalteten daraus Schmuck und Gefässe, die Römer haben dann – ganz in meinem Sinne – das erste Weinglas geschaffen. Damals war das Leben noch einfach, zumindest was die Art des Trinkens anbelangt: Es galt das Prinzip «one size fits all». Wo damals ein einziges Trinkgefäss zur Verfügung stand, werden heute für jeden erdenklichen Weinstil Gläser gefertigt. In der Auswahl des passenden Weinglases kann man sich lustvoll verlieren oder sich von Profis beraten lassen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Letzteres kommt Sie günstiger.

Der tiefe Einblick durch das Glas

Ein Blick in meinen Küchenschrank lässt mich auf mehr als zwei Jahrzehnte passionierte Tisch- und Trinkkultur zurückblicken. Das Glas ist das Fenster zur Weinwelt, die Lupe in dem Kosmos der vielfältigen Aromen, das Gefäss von Geschichten aus längst vergangener Zeit. Vor allem, wenn man beispielsweise einen Wein vom Weingut Once&Future im Glas schwenkt – ein Wein von Reben, die um 1889 gepflanzt wurden! Bei einem solchen Wein lässt einen das Weinglas zurück in die Vergangenheit blicken und erzählt erst die Geschichten, die einem bei der Benutzung eines beliebigen Wasserglases niemals zu Ohren, oder besser zu Nase, gekommen wären.

Mit dem Wein und dem Weinglas verhält es sich wie mit einem Orchester und dem Konzertsaal. Auch ein sehr gutes Orchester klingt in einem suboptimalen Konzertsaal nicht perfekt. Ein Top-Orchester im entsprechenden Weltklasse-Saal erzeugt hingegen Gänsehaut! Vorausgesetzt man mag die Musik, aber das ist ja beim Wein nicht anders: Wenn man den Wein im Glas nicht mag, dann hilft das passende Trinkgefäss dem Genuss auch nicht auf die Sprünge.

Das richtige Weinglas kann also nicht alles, aber vieles. So ist es ebenso ein wichtiger Bestandteil gepflegter Tischkultur in der Gastronomie und im heimischen Esszimmer. Aus einem Glas zu trinken, bereitet nur dann Freude, wenn es im Ursprung des Wortes glänzt. Aus diesem Grund wurde irgendwann auch der Sti(e)l erfunden: Man sollte das Glas mit Stil zum Mund führen können, ohne den Kelch mit Fingerabdrücken zu beschmutzen und das Glas somit seinem Zauber, dem Glanz, zu berauben.

Wie viele Gläser dürfen es sein?

Man kann sich im Universum der Weingläser herrlich verlieren und für jeden Weinstil das vermutlich passende Glas erstehen. Man kann sich das Leben aber auch einfacher machen. Mit zwei bis drei unterschiedlichen Gläsern sind Sie bereits gewappnet für alle Weine, die noch kommen werden.

Ein Glas für leichte Weissweine und unkomplizierte Schaumweine sowie ein etwas grösseres Glas für die schwereren Weissweine und Rotweine. Füllen Sie den schweren Wein dann auch mal in das kleine Glas und umgekehrt. Vergleichen Sie. Wenn Sie entdecken, dass sich beim Wein etwas verändert, kaufen Sie ein drittes Glas. Experimentieren Sie weiter. Sie werden feststellen, dass derselbe Wein in unterschiedlichen Gefässen anders riecht und sich auch am Gaumen anders präsentiert.

Als Faustregel gilt: Je tiefgründiger und opulenter der Wein, desto grösser darf das Glas sein, im Zweifelsfall wählt man besser ein etwas grösseres Glas. Gerade Weissweine und auch Schaumweine werden oft in zu kleinen Gläsern serviert. Der Wein kann sich so nicht richtig entfalten.

Zurzeit stehen die Gläser der Schweizer Firma Grassl an vorderster Front – sowohl in meinem Schrank als auch in meiner persönlichen Präferenz. Grassl Glas ist ein junges Projekt. Entgegen dem Trend für jede Traubensorte ein Glas zu entwerfen, hat die Firma Grassl Gläser für bestimmte Weinstilistiken entwickelt. Die mundgeblasene, fast schon schwerelose Vigneron-Serie begeistert durch pure Eleganz und besteht aus vier unterschiedlichen Gläsern für leichtere und schwerere Weissweine sowie Rotweine.

Immer noch in Griffweite stehen bei mir die bewährten ZALTO-Gläser. Das ZALTO-Universalglas ist definitiv ein Kandidat für die einsame Insel und die richtige Wahl für die Puristen unter uns, die die Weinwelt mit nur einem einzigen Glas entdecken wollen.

Die Harmonie von Glas und Wein

Mein Herz schlägt zur Zeit für das «Grassl Cru», ein traumhaftes, federleichtes Glas für die vielen grossartigen, tänzerischen Weine dieser Welt. Eingeweiht haben wir es bei uns zu Hause mit einem vibrierend schönen Pinot Noir aus dem Burgund vom biologisch-dynamisch bewirtschafteten Weingut Trapet. Ein Musterbeispiel von harmonischem Zusammenspiel zwischen Glas und Wein. Kann man also zu tief ins Glas schauen? Ja, aber nicht um des Trinkvolumen willen, sondern um tiefer ins Universum Wein eintauchen zu können. Santé!

Kontinentale Unterschiede und Veränderungen im Weinanbau – Fluch oder Segen?

Martel Weinwelt - Kontinentale Unterschiede und Veränderungen im Weinanbau - Fluch oder Segen?

Im Weinan- und ausbau werden die kontinentalen Gegebenheiten oftmals deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlichen Ursprungs. Zum einen sind es klimatische Voraussetzungen wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit, welche bestimmen, wie sich An- und Ausbau definieren. Zum anderen sind es Bodenbeschaffenheit und Höhenlage, aber sicherlich auch die verschiedenen Rebsorten und deren Alter, welche bestimmen, wie sich Anbau und Ausbau definieren.

Qualität des Traubenmaterials

Entscheidend, um am Ende des Rebjahres erstklassiges und reifes Traubenmaterial zu erhalten, sind vor allem Licht und Wärme. Dazu beitragen kann sicherlich die Hanglage des Weinberges, welche in südlicher Ausrichtung optimal ist. Um genügend Säure in den Trauben zu bilden, spielt auch die Thermik am Weinberg eine grosse Rolle. In der Nacht fallen die kalten Luftströmungen den Hang hinunter. Während des Tages steigt die warme Luft hinauf. Weil sie das Sonnenlicht reflektieren, wirken sich auch Gewässer wie Flüsse, Seen und Meere positiv auf die Qualität des Traubenmaterials aus.

Einfluss der Gewässer

Die deutschen Rieslinge, vor allem entlang der Mosel, sind ein perfektes Beispiel für die Ausrichtung, Thermik und Reflektion eines Gewässers. Unter fast optimalen Bedingungen reifen hier die mitunter besten Weissweine des Landes heran. Fruchtige, saftige Rieslinge mit frischer Säure und ausgeprägtem mineralischen Ausdruck begeistern Jahr für Jahr. Hatte man früher Bedenken, dass die Trauben nicht perfekt ausreifen, folgt heute – der eigentlich unerwünschte Klimawandel hat zumindest eine kleine positive Seite – ein Spitzenjahr aufs nächste. Konstante warme Temperaturen und erheblich längere Sonnenscheindauer sind dabei ausschlaggebend. Einzig vermehrte akute Niederschläge und Frost im Frühjahr gefährden den Ertrag.

Australische Weine

Fehlende Niederschläge und Trockenheit sind die Herausforderungen, welchen die Produzenten auf der Südhalbkugel der Erde ausgesetzt sind. In Australien ist es seit jeher schon sehr trocken. Niederschläge sind selten. Dementsprechend sind es vor allem Buschreben, die hier zum Einsatz kommen. Nicht dicht aneinander folgende, in Reih und Glied gepflanzte Stöcke, wie man sie aus unseren Gegenden kennt, sondern weiter auseinanderliegende, einzelne Reben. So wird gewährleistet, dass sie sich das Wasser und die Nährstoffe nicht gegenseitig streitig machen. Meist sind die Reben schon sehr alt. Denn je älter die Reben, desto niedriger und konzentrierter der Ertrag. Dadurch entstehen dichte, vielschichtige und langatmige Weine. Doch auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar. Ausserordentlich lange Trockenperioden führen zu extremem Wassermangel und zerstörerischen Buschbränden.

Argentinische Weine

In Argentinien profitieren viele Weingüter von ganz anderen Voraussetzungen für Qualitätswein. Die Stadt Mendoza liegt auf fast 750m über Meer und das Umland zum Teil sogar auf über 1000m über Meer. Ebendiese Höhenlage verleiht den Weinen Frische und sorgt dafür, dass der markante und kräftige Malbec sehr elegant auftreten kann. Ein perfektes Beispiel dafür ist das Weingut Achaval Ferrer. Die Einzellagen-Weine werden zum Teil auf über 1100m kultiviert. Überzeugen Sie sich selber durch den Quimera 2013 aus unserer 3 Kontinente Aktion. Es ist eben diese Frische, mit der der Quimera zu überzeugen vermag. Doch auch hier sind die Herausforderungen im Weinbau durch den Klimawandel immer mehr spürbar. Wassermangel durch Trockenheit, Frost und akute Niederschläge in Form von Hagel häufen sich und erschweren den Weinbau massgeblich.

Kalifornische Weine

In Kalifornien gibt es verschiedene Gegebenheiten im Weinbau, welche es den Produzenten ermöglichen, dem herrschenden Klima entgegenzuwirken. So sind es nicht nur Höhenlagen oder z.B. der täglich wiederkehrende Nebel der San Francisco Bay Area, welche die Reben kühlen und für Frische sorgen. Es sind auch sogenannte Field Blends, auch gemischte Sätze genannt, welche eine langjährige Tradition haben. Hier werden unterschiedliche Rebsorten gemeinsam auf einer Rebparzelle angebaut. Die Charaktere der einzelnen Rebsorten sorgen im Verschnitt für eine komplexe Aromatik und eine ausgewogene Mischung aus Kraft und Frische. Ein tolles Beispiel dafür sind die Zinfandel Blends der Ridge Winery. Beim Lytton Springs zum Beispiel ergänzen sich Zinfandel, Petit Sirah, Carignan und Mataro (Mourvèdre) zu einem begeisterndem Trinkerlebnis.

Wie in den vorangehenden kontinentalen Beispielen schon genannt, wird sich auch hier das Klima als die alles entscheidende Herausforderung herausstellen. Die stets wiederkehrende Trockenheit führt auch hier zu grossflächigen Bränden und massivem Wassermangel.

Was bringt die Zukunft?

Der Klimawandel scheint nun all diese Voraussetzungen gehörig durcheinander zu bringen. So ist es nicht nur die steigende Durchschnittstemperatur oder die längere Sonnenscheindauer, welche eher kühleren Weinregionen zu neuem Aufschwung verhelfen. Negative Folgen wie vermehrte akute Niederschläge in Form von Frost, Regen und Hagel sowie überdurchschnittliche Trockenheit und Temperaturen stellen etliche Weinregionen vor grosse Herausforderungen.

Es wird sich zeigen, wie die einzelnen Weinregionen mit diesen Herausforderungen umgehen können. Es bleibt zu hoffen, dass uns diese momentane Vielfalt im Ausdruck und Geschmack noch lange erhalten bleibt und für viele begeisternde Weinmomente sorgen wird.

 

Hintergrundinformation: Martel und die Neue Welt
Nebst einer Vielzahl von Weinen europäischer Herkunft importiert die Weinhandlung Martel, als erste Weinhandlung in Europa überhaupt, bereits seit Mitte der 60er-Jahre Weine aus den USA in die Schweiz. Weine aus Australien folgten bereits in den 80er-Jahren und bald danach gab es auch Weine aus Argentinien bei Martel zu kaufen.

Die unterschiedlichen Rebsorten und deren Herkunft bereichern das Martel Weinsortiment enorm und ermöglichen eine weitreichende und spannende Entdeckungsreise durch die vielfältige Welt der Weine.

Panini, Pirlo, Pinot Noir – wieso Wein eben doch zu Fussball passt

Martel Weinwelt - Panini, Pirlo, Pinot Noir – wieso Wein eben doch zu Fussball passt

«Ich habe einen schönen Roséwein aus meinem Keller mitgebracht. Stossen wir auf den Sieg an, Männer. Santé!». Haben Sie so einen Satz schon einmal gehört? Ich auch nicht – weder auf dem Fussballplatz noch nach einem gewonnenen Spiel der Lieblingsmannschaft vor dem Fernseher. Aber wieso eigentlich nicht? Landläufig hält sich hartnäckig das Gerücht, Wein passe nicht zum Fussball. Wieso Gerücht? Weil ich es für eben ein solches halte.

Die Faktenlage

Klar zeigen diverse Auswertungen, dass Bier weiterhin der grosse Verkaufsschlager in Stadien ist. Gemäss Expertenschätzungen wird bei 40’000 Zuschauern etwa 8’000 Liter Bier pro Spiel getrunken. Bei Spielen des FC Schalke 04 in der Bundesliga soll dieser Wert sogar bei 30’000 Liter Bier pro Spiel liegen – wenigstens hier sind die Knappen wohl auch nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga noch Spitzenreiter.

Ungleich weniger wird sicher vor dem Fernseher konsumiert. Fakt ist also: Bier gehört zum Fussball wie die Passion der Italiener bei der Nationalhymne, wie die Sportreporter-Legende Hans Jucker zu «Schiiss-Ponys» und wie Kein-Senf zur Olma-Stadionbratwurst. Doch welche Rolle spielt Wein in der Welt des Fussballs und was heisst das für die anstehende Europameisterschaft?

Der Aufstieg des Weines in die Super League der Gesellschaft

Schon lange ist Wein nicht mehr nur ein Getränk für Logenbesitzer. Ich behaupte: Wein zum Fussball-Schauen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dazu eine persönliche Anekdote: An der EM 2016 traf ich mich regelmässig zum Zweier-Public-Viewing mit einem galizischen Freund. Er fiebert mit seinem Heimatland Spanien, ich sowohl mit der Deutschen wie auch mit der Schweizer Nationalmannschaft – gemeinsam teilen wir die Passion zu Wein. Und so gab es an den entsprechenden Spieltagen mehrheitlich Deutschen Riesling, Spanischen Tempranillo und Schweizer Pinot Noir. Am Ende hatte zwar keine unserer drei Mannschaften den Titel geholt, jedoch konnten wir jeden Abend – obgleich er mit Sieg oder Niederlage endete – zufrieden mit atemberaubenden Weinerlebnissen nach Hause gehen. Zwei Nationen verbunden durch die Liebe zum Wein – vor dem Fernseher eine einfache und höchstgenussvolle Sache.

Das Zusammenwachsen zweier Kulturgüter

An den meisten Stadionständen findet man leider noch keinen Wein. Doch trotzdem wächst die Verbindung zwischen dem Wein und dem Fussball. So ist nicht nur Joan Lliberia vom Weingut Edetaria glühender Anhänger des FC Barcelona. Sie sollten ihn und seine Weine einmal kennenlernen – muy simpático. Hoffentlich bietet die nächste Tour des Vins dazu wieder Gelegenheit.

Nein, auch Wein-Sponsorings sind in der Welt des Fussballs gang und gäbe. So ist nicht nur Martel als St. Galler Unternehmen Weinsponsor des FC St.Gallen. Auch die päpstliche, vatikanische Nationalmannschaft lässt sich von dem norditalienischen Weingut Sankt Peter sponsern. Nachdem bereits die päpstliche Garde aus der Schweiz kommt, wäre es für mich nur sinnvoll, auch einen Schweizer Weinsponsor zu nehmen – aber mich hat leider niemand gefragt.

Wie man weiss, fiebert Papst Franziskus regelmässig bei den Spielen seiner argentinischen Nationalmannschaft mit. Nahezu ebenso mächtig als ehemaliger Vorsitzender des grössten Vereins der Welt (Deutscher Fussballbund) war Fritz Keller. Er ist gebürtiger Winzer am Kaiserstuhl. David Beckham besitzt ein Weingut im Napa Valley, Andrea Pirlo eines in den Hügeln von Brescia und gerade diese beiden Fussballer spielten am Ende ihrer Karrieren besser denn je. Ist das Altern eines Fussballers also ein ähnlich grosser Erfolgsgarant für hohe Qualität und Titel wie das Reifen eines erstklassigen Weines?

Die Parallelwelten Fussball und Wein

Mit dem Alter wird ein Fussballer eindeutig erfahrener. Er wird meistens langsamer, kann aber die Komplexität einer Taktik besser lesen, wird gelassener und gleicht Schwachstellen immer mehr mit anderen Eigenschaften aus. Ein gereifter Wein verliert zumeist ebenso ein wenig an Frische, wird komplexer sowie balancierter und (vermeintliche) Schwachstellen in jungen Jahren wie zu harte Gerbstoffe werden mit dem Alter weicher, runder. Einige Parallelen scheint es also zu geben, gerade auch in der Sprache dieser beiden Welten.

Ein Team funktioniert nur als Einheit, ähnlich verhält es sich beim perfekten Zusammenspiel zweier oder mehrerer Traubensorten in einer Cuvée. Dazu wird im Fussball oft von einer perfekten Defensive gesprochen. Gleichermassen kann ein Wein im Bouquet und im Gaumen durchaus defensiv oder verhalten wirken und trotzdem genau dem Anlass entsprechend perfekt sein. Nach längerer Zeit im Dekanter öffnet sich der Wein, ähnlich wie ein Fussballer das Spiel mit einem langen Ball verlagert und somit öffnet.

Wichtig ist in beiden Welten auch die Balance: Die Balance zwischen Struktur und Charme genauso wie das richtige Verhältnis zwischen zurückhaltender Verteidigung und Pressing. Pressing bedeutet Druck und so können auch Weine durchaus mit Druck, Kraft und Fülle daherkommen. Diese Weine werden oft erst einmal gelagert – die Erwachsenen sammeln also Wein, die Kinder Panini-Bilder und einige Fussballer reichlich gelbe Karten. Aber auch im Weinumfeld kann es zu Regelbrüchen und zu gelbwürdigen Meckerns kommen: Vor allem, wenn der Gast den Korkgeschmack bemängelt oder zu wenig Wein von Martel auf dem Tisch steht.

Welcher ist nun also der richtige Wein zum Fussball?

Auch wenn während des Spiels ein die Gemüter abkühlendes Bier bevorzugt wird, sollte zumindest nach dem Sieg mit Wein angestossen werden. Die Wahl des Weines ist hier entscheidend: Er sollte nicht zu komplex sein, denn die tertiären Noten würden in der Aufregung über die letzte Schiedsrichter-Entscheidung wahrscheinlich untergehen und das wäre zu schade. Beim Home-Public-Viewing auf der eigenen Terrasse empfiehlt sich sicherlich ein leichter Weisswein. Zieht es einen für die zweite Halbzeit ins Wohnzimmer, dann sollte es mit steigender Spannung auch ein Rotwein sein. Meine persönliche Empfehlung ist hier ein von der Primärfrucht geprägter Pinot Noir. In jedem Fall sollte er zu den persönlichen Vorlieben passen und der Genuss somit auch während der EM nicht auf der Strecke bleiben.

Fazit

Dieser Artikel zeigt: Wein hat in vielerlei Hinsicht mehr mit Fussball zu tun, als der Volksmund meint. Darüber hinaus verbindet er, genau wie der Fussball, die Menschen und das Gesellige. Man sagt: Fussball ist ein Spiel für alle Menschen und einem Spieler zuzuschauen, könne echter Genuss sein. Auch im Wein geht es oft um Vielseitigkeit und die Gaumenfreude steht an oberster Stelle. Die anstehende Fussball-Europameisterschaft findet in elf Ländern statt, drei davon sind grosse Weinnationen. Welche Argumente sprechen also gegen den Einkauf eines gewissen Vorrats an Wein vor und während der EM – und natürlich auch danach? So werde auch ich mich vorher eindecken und nach dem 2:1-Finalsieg der Schweizer Nationalmannschaft über Spanien sagen: «Hol’ den Schweizer Pinot aus dem Keller, mein galizischer Freund. Es gibt etwas zu feiern!»

Prost!

Nein, besser: Santé.

Mehr Schweizer Weine für einen möglichen Titelgewinn finden Sie hier:

Hopp Schwiiz

Quellen
Worldsoffood [2014]. Die Bierpreise in der Bundesliga – Teures Stadionbier

Handelsblatt [2017]. Der grosse Fussball-Durst

Vaticannews [2018]: Vatikan: Fussballmannschaft mit Weingut als Sponsor

Eder, C. [2020]: Il Maestro. Vinum

Martel und Burgund. Es muss nicht immer Grand Cru sein.

Martel Weinwelt - Burgund 2020

Es ist wieder die Zeit des Jahres, in der die Angebote für die neuen Burgunder-Jahrgänge im Briefkasten landen. Manche wünschen sich in diesem Moment, dass sie doch früher ihre Liebe zum Burgund und seinen Weinen entdeckt hätten. Es scheint, dass die Preise für die raren Burgunder Weiss- und Rotweine nur eine Richtung kennen – die Richtung nach oben. Für diese Tendenz gibt es verschiedene (und auch berechtigte) Gründe: Die Weine sind weltweit sehr gesucht. Denn die Winzer lernten in den letzten 20 – 30 Jahren besser mit ihren Rebflächen umzugehen. Sie haben Erträge reguliert und setzen auf naturnahen Rebbau – die Qualität ist insgesamt höher.

Die Weine stammen oft von winzigen Parzellen einer Lage. Dazu gab es viele quantitativ unterdurchschnittliche Ernten. So haben die Winzer leider nur 100 oder 1’000 Flaschen pro Lage, die sie anbieten können. Ein Beispiel ist «Clos de Vougeot», die sich als grösste Grand Cru-Lage im Burgund (50 Hektar) rund 85 Winzer untereinander aufteilen. Zum Vergleich hat ein bekanntes Weingut im Bordelais wie Château Lafite-Rothschild rund 100 ha Rebfläche.

Kurzum: Die Menge ist sehr limitiert. Die Anzahl der Weinfreunde, welche diese spannende Weinregion, in der die Weissweine mehrheitlich aus Chardonnay und die Rotweine aus Pinot Noir gekeltert werden, entdeckt und lieben gelernt haben, wird hingegen laufend grösser.

Ein Loblied auf die «kleine» Lage

Entsprechend gesucht sind die meisten Premier- und Grand Crus aus dem Burgund. Dabei geht es nicht nur um die Weine der Domaine de la Romanée-Conti, Armand Rousseau, Domaine Leroy oder Coche-Dury, sondern auch um die vielen aufstrebenden Domänen und Jungwinzer, welche die Keller nun von ihren Vätern übernommen haben. Im Schatten dieser bekannten Lagen gibt es aber viele noch etwas unbekanntere Regionen, Rebberge und Winzer, die in den letzten Jahren ihren Platz in der Burgunder Weinwelt gefunden haben. Nördlich von Gevrey-Chambertin in Richtung Dijon liegen zum Beispiel die Gemeinden Fixin und Marsannay. Lagen mit ähnlichen Böden wie in Gevrey. Hier haben auch Spitzenwinzer wie die Domaine Trapet oder Méo-Camuzet Rebflächen, die sie bearbeiten. Aber auch ein Newcomer wie Guillaume Tardy aus Vosne-Romanée keltert einen spannenden Fixin «La Place». Tardy hat auch Reben in Nuits St. Georges, einmal in der Premier Cru Lage «Argillas» aber auch in «Bas de Combe». Bas de Combe ist eine «einfache» Village-Lage und liegt im Norden der Appellation an der Grenze zu Vosne-Romanée. Direkte Nachbarn sind hier die Premier Crus «Les Chaumes» oder «Aux Malconsorts».

Nicht weit entfernt, rund 500 Meter, liegt der Grand Cru «La Tâche», ein Monopol der Domaine de la Romanée-Conti, der ein Vielfaches vom unbekannteren Nuits-St-Georges kostet. Selbstverständlich kann man diese zwei Weine nicht direkt vergleichen. Die Wahrscheinlichkeit ein paar Flaschen vom Nuits-St-Georges erstehen zu können, sind aber massiv grösser als vom weltweit gesuchten La Tâche. Eins ist sicher: Starke Emotionen wecken beide Weine.

Auch Chardonnay ist heiss begehrt

Ein weiteres interessantes Beispiel ist die Premier Cru Lage «Les Demoiselles» in Puligny-Montrachet. Dieser Premier Cru, der nur rund einen halben Hektar klein ist, liegt neben Chevalier-Montrachet und somit nur einen Steinwurf vom Montrachet-Rebberg entfernt. Im Vergleich mit anderen Premier Crus aus Puligny ist Les Demoiselles meist etwas teurer, aber immer noch massiv günstiger als eine Flasche vom berühmten Le Montrachet. Dieser gilt in der Fachwelt als der beste Wein aus der Chardonnay-Traube und ist legendär. Einer der Besitzer hier ist das Weingut Guy Amiot, welches bekannt für seine Spitzenweine aus Chassagne-Montrachet ist.

Von Trüffelhunden und Grapehuntern

Auf ein fast schon exotisches Erfolgsmodell setzt das Weingut Lucien LeMoine. Dieses besitzt nämlich keine eigenen Reben im Burgund. Gutsleiter Mounir Saouma könnte man daher praktisch auch als eine Art «Trüffelhund» oder «Grapehunter» bezeichnen. Er kennt das Burgund wie wenig andere und ist ständig auf der Suche nach Trauben aus den unbekannteren Spitzenlagen, um daraus Weine zu vinifizieren, die ihr Terroir widerspiegeln und berühren. Interessante Weine sind bei ihm zum Beispiel Chambolle-Musigny 1er cru Les Hauts Doix mit Trauben aus Lagen gelegen zwischen «Les Charmes» und «Les Amoureuses», oder Morey Saint-Denis 1er Cru Les Chaffots. Ein Wein aus Trauben oberhalb der Grand Cru-Lagen «Clos Saint Denis» und «Clos de la Roche». Pro Jahr produziert Mounir mit seiner Frau Rotem 30’000 Flaschen Wein, diese aber auf 100 verschiedene Premier- und Grand Cru-Lagen verteilt – jeder einzelne Lagenwein ein garantierter Gaumenschmeichler.

Es gibt sie also, die Trouvaillen und Geheimtipps an der Côte d’Or. Auch wir pflegen ein ausgewogenes Sortiment, gerade jetzt während der Burgund Arrivage 2019. Man braucht etwas Zeit und Geduld, diese Schätze zu entdecken, zu heben und seinen Favoriten unter den unbekannteren Lagen zu küren. Aber sind sie einmal gehoben, werden einen viele amüsante Weingeschichten und magische Weinmomente belohnen.

Burgund. Der Jahrgang 2019.

Martel Weinwelt - Burgund. Der Jahrgang 2019.

Gibt es ein Geheimnis um die Jahrgänge, die mit einer 9 enden? Zumindest im Burgund wird man das Gefühl nicht los. 1959, 1969, 1999, 2009 sind zu Legenden geworden und jetzt scheint sich 2019 in diese Reihe einzuordnen. 2019 war in jeder Hinsicht ein aussergewöhnliches Jahr. Sie erinnern sich bestimmt noch an den Hitzesommer bei uns. Im Burgund war es nicht anders. Hier übertrafen die Spitzenwerte 40 Grad! Die Region erlebte drei Hitzewellen und selbst während der Ernte Mitte September, zeigte das Thermometer tagsüber immer noch gut 30 Grad.

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Jahrgangsbericht Bordeaux 2020

Martel Weinwelt - Jahrgangsbericht Bordeaux 2020

Auch im zweiten Jahr der Pandemie ist im traditionellen Primeur-Geschäft in Bordeaux vieles anders: So wurden die normalerweise Ende März in Bordeaux organisierten Verkostungen zuerst verschoben und dann abgesagt. Auch eine organisierte Degustation für Fachpublikum in Zürich musste schliesslich annulliert werden. Ein paar wenige Weinhändler in der Schweiz, unter anderem Martel, erhielten schlussendlich von der Grand Cru Vereinigung (UGCB) mehr als 120 (!) Fassmuster. So konnten wir uns trotzdem zusammen mit vielen weiteren Proben, ein äusserst gutes Bild von der Qualität des Jahrgangs und der einzelnen Weine machen.

Eines vorneweg: Ein weiterer grossartiger Jahrgang kann besonders bei den Rotweinen erwartet werden. Aus unserer Sicht klar besser als 2018 kämpft der aktuelle Jahrgang mit 2019 um den Sieg. Letztendlich ist es aber eine Frage des persönlichen Geschmacks, welche Jahrgangsstilistik mehr zusagt. Vielleicht ist in diesem Jahr die Qualität etwas heterogener (vor allem im Médoc). So gibt es neben ganz grossen Weltklasseweinen auch einige Enttäuschungen. Darum ist eine Selektion sicher erforderlich. Hilfestellung dabei soll Ihnen dieser kleine Jahrgangsbericht bieten.

Preisentwicklung

Erfreulich ist, dass die Preise gegenüber dem Vorjahr mit 5% bis 20% nur leicht steigen. In Anbetracht der Qualität und der letztjährigen Preisreduktion von 20% bis 35% kann man beim Jahrgang 2020 – wie schon letztes Jahr – von immer noch fairen Preisen sprechen.

Rotweine

Generell besitzen die Rotweine eine mächtige Struktur mit einer aussergewöhnlichen Gerbstoffqualität. Diese wird dank Fülle und gleichzeitig Frische in eine schöne Balance gebracht. Sowohl am linken wie auch am rechten Ufer gibt es grandiose Weine.

Von den Appellationen im Médoc ist uns besonders St. Julien und ferner auch Pauillac positiv aufgefallen, wo hingegen Margaux eher etwas schwankend ist. Nichtsdestotrotz haben wir auch hier fantastische Weine verkosten dürfen. Neben den 1er Crus und Super Seconds finden Sie darum nachfolgend noch eine Auswahl an weiteren noch bezahlbareren Grand Cru Classés:

  • Margaux: Giscours, Issan, Marquis de Terme und Brane Cantenac
  • St. Julien: Ducru Beaucaillou, Gruaud Larose, Langoa Barton sowie Léoville Barton (fülligerer Stil als in anderen Jahren) und Léoville Poyferré
  • Pauillac: Haut Batailley, Clerc Milon und Lynch Bages
  • St. Estèphe: Lafon Rochet (nach einem Durchhänger letztes Jahr), Ormes de Pez und Montrose
  • Pessac-Léognan: Lespault Martillac (ein aufstrebendes Weingut, sehr empfehlenswert), Domaine de Chevalier und Pape Clément (gross in diesem Jahr)

Die Merlots vom Libournais haben uns äusserst positiv überrascht, allen voran St. Emilion. Die besten Weine verbinden Kraft, Konzentration, Spannung, Tiefe, Eleganz und Harmonie. Die Zeit der aufgepumpten, überextrahierten und überreifen Fruchtbomben ist glücklicherweise definitiv vorbei:

  • St. Emilion: Pavie Macquin (exzellent dieses Jahr), Pavie, Canon-la-Gaffelière, Troplong-Mondot, Tertre Rôteboeuf, Figeac sowie die köstlichen Best-Buys La Dominique und Tour Figeac
  • Pomerol: Petit Village (zum ersten Mal in unserer Selektion), Clinet, Vieux Château Certan und das «Schnäppchen» Beauregard

Weissweine

Trotz warmem Sommer sind die Weissweine in Pessac-Léognan dank einer saftigen Säure erstaunlich frisch. Gleichzeitig besitzen sie eine reife Frucht, Kraft und viel Konzentration. Neben dem Blue Chip Domaine de Chevalier, der sich auch dieses Jahr von seiner besten Seite zeigt, haben wir zum ersten Mal auch den weissen Pape Clément selektioniert – grossartig dieser Druck und sein Tiefgang. Als wahrer Best-Buy mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis können wir Lespault Martillac Blanc empfehlen.

Süssweine Sauternes/Barsac

Mengenmässig ein kleines Jahr hat uns auch die Qualität bei vielen Schlössern nicht überzeugt, da es vielen Süssweinen an Säure und infolge fehlender Edelfäule an Komplexität mangelt. Zwei Weine können wir Ihnen aber uneingeschränkt empfehlen: unser «Haus»-Sauternes Doisy-Védrines und der konzentrierte sowie gleichzeitig frische und spannungsgeladene 1er Cru Château Coutet.

Perfekte Sommerweine

Martel Weinwelt - Perfekte Sommerweine

Kennen Sie Nancy Sandra Sinatra? Ja, sie ist die Tochter von Frank. Nein, ich glaube nicht, dass sie Wein macht, zumindest keinen, den ich Ihnen an dieser Stelle empfehlen könnte. Bekannt ist die 81-Jährige eher wegen ihrer Lieder. «These Boots Are Made For Walkin’» – kennen Sie bestimmt. Mir summt sie aber eher «Summerwine» ins Ohr. Das Lied handelt von Verführung, Diebstahl, Verlangen. Ich hätte grosse Lust wieder einmal an irgendein Konzert zu gehen, aber eine gute Musikanlage ist der beste Anfang für ein kleines Hauskonzert mit den Nachbarn. Meine Stärke liegt weniger am Plattenteller und auch die Beantwortung der Frage, welches der ideale Sommerwein für ein solches Concert light wäre, fällt mir schwer – schliesslich fehlen mir für eine solche Empfehlung Ihre persönlichen Geschmacksvorlieben.

Für uns gibt es sowieso nicht den Wein des Sommers, darum selektionieren wir für Sie auch in diesem Jahr 20 ideale Entertainer. Es sind Weine aller Couleur. Weine, die nach Erdbeeren riechen. Aber auch Weine, die nach den Kräutern der Garrigue duften und dank ihrer Tiefe brillieren. Weine, die verführen. Keine Angst, wir möchten nichts stehlen und verlangen auch nichts, wir möchten mit diesen Weinen geben und zusätzlich ein bisschen Sehnsuchts- und Fernweh-Luft schnuppern.

Also, ab nach Kalifornien, zu Paul Draper. Oder nach Argentinien, zu Reben, die über hundert Jahre alt sind. Oder – herrlich und prächtig – nach Italien. Drei Weine, drei Kontinente. Der Montevetrano aus Kampanien, der Quimera aus Mendoza und der Lytton Springs aus dem Sonoma-Valley. Denken Sie auch an den nächsten Grillabend? Mir läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.

Der Sommer kommt und mit ihm die Freude, Ihnen unsere diesjährige Auswahl ans Herz legen zu können. Probieren geht über Studieren – und auch übers Singen. Santé.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Der internationale Popstar… auf der ganzen Welt zuhause

Martel Weinwelt - Der internationale Popstar… auf der ganzen Welt zuhause

Warum pflanzt man rund um den Globus die Traube Chardonnay?

Chardonnay hat als weisse Rebsorte einen ähnlichen Siegeszug gemacht wie Cabernet Sauvignon bei den Roten, Tendenz steigend. Dies entspricht in Bezug auf die weltweite Rebfläche von gut 200’000 ha den 5. Platz hinter Cabernet Sauvignon, Merlot, Airén und Tempranillo.

Was macht ihn so erfolgreich? Was sind die Vorzüge des Chardonnays?

Chardonnay ist eine der wenigen grossen Weisswein-Rebsorten dieser Welt mit einem hohen Qualitätspotenzial. Dies ist nicht allein auf Ihre geschmacklichen Qualitäten zurückzuführen, sondern auch auf die sehr hohe Anpassungsfähigkeit der Rebsorte an verschiedene Standortgegebenheiten. Die Rebe kommt mit Hitze und Trockenheit ebenso klar wie mit Kälte und Feuchtigkeit. Auch das Bedürfnis nach Sonne hält sich beim Chardonnay in Grenzen. Diese Toleranz ist ein grosser Vorteil – geht der Winzer bei Chardonnay-Pflanzungen doch meistens ein geringes Risiko ein.

Worauf achtet der Winzer bei der Rebsortenwahl? «Die neue Parzelle, die ich dieses Jahr anpflanze wird bestimmt über 80 Jahre lang im Ertrag stehen. Weit über meine Zeit hinaus! Ich muss also sehr exakt überlegen, wie ich bestocke: mit welcher Sorte, welchem Klon und auf welcher Unterlagsrebe, in welchem Abstand…» (Nicolas Sinoquet​​, Directeur Château Gruaud-Larose )

Wissenswertes zur klassischen weissen Traubensorte

  • Natürliche Kreuzung aus Pinot Noir x Gouais Blanc (= Heunisch)
  • Heimat Burgund (Frankreich) — dort gibt es eine kleine Gemeinde mit dem Namen «Chardonnay». Der Ort war Namensgeber für die Sorte, deren Namen auf der Weinbauausstellung 1872 in Lyon festgelegt wurde.
  • Treibt früh aus (deshalb Gefahr bei Spätfrost) und reift früh
  • Ist einfach zu kultivieren
  • Sehr gut geeignet für den Ausbau im Barrique
  • Passt sich sehr gut an bei unterschiedlichen Klimasituationen und Bodenverhältnissen

Chardonnay spiegelt lokale Bedingungen, Umstände und Verhältnisse sehr gut wider, was ihm ein hohes Mass an Originalität verleiht. Er bietet auch ein breites Spektrum an Verarbeitungsmöglichkeiten. Die Aromatik ist weniger ausgeprägt als diejenige eines Rieslings oder Sauvignon blancs. Dafür bringt Chardonnay den Charakter des Bodens und des Mikroklimas äusserst gut zum Ausdruck.

Chardonnay entdecken

Von mineralisch-elegant bis cremig-füllig: Chardonnay ist so vielfältig, wie berühmt. Entdecken Sie mit uns die beliebteste weisse Rebsorte der Welt!

Für einen Weinhändler wie Martel gilt es, die Rosinen unter den unzähligen Chardonnay-Angeboten zu entdecken. Weine, die das Charakteristische ihrer Herkunft auszudrücken vermögen, ohne vom Barrique-Aroma überdeckt zu werden.

Ruit Hora – Ein Juwel aus dem Bolgheri

Martel Weinwelt - Ruit Hora - Ein Juwel aus dem Bolgheri

In der toskanischen Provinz Livorno lebten vor über 1‘000 Jahren Bulgaren. Ein kleiner Ortsteil von Castagneto Carducci wurde nach ihnen benannt: Bolgheri. Erst zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden dort mit Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Syrah internationale Rebsorten gepflanzt. Aber bereits in den 70er-Jahren sorgte das junge Weinbaugebiet für Furore und schaffte es, dank Marchese Incisa della Rocchetta und dem Sassicaia, auf internationale Weinkarten. Bolgheri wurde auf einen Schlag zum Inbegriff für modernen Weinbau. Inzwischen ist es eine etablierte DOC von Weltruf.

Die Suche nach Wein aus Bolgheri

Eine gefühlte Ewigkeit haben wir nach dem passenden Weingut aus Bolgheri für Sie gesucht. Voller Stolz sind wir nun mit dem 1868 gegründeten, 18 Hektar kleinen Weingut Caccia al Piano eine starke Partnerschaft eingegangen. Das Weingut liegt traumhaft eingebettet an der Küste zwischen Mittelmeer und Hügelland. Somit bieten die Kombination aus mediterranem Mikroklima und Ton-/Kalkböden das ideale Terroir für exzellente Weine.

Der perfekte Essensbegleiter

Mit grosser Freude präsentieren wir Ihnen den hervorragenden Ruit Hora von Caccia al Piano, Jahrgang 2018. Bei der Degustation finden sich eine reife, dunkle Frucht von Waldbeeren, schwarzen Kirschen und frischen Pflaumen. Der Gaumen zeigt sich stoffig und dicht mit feinkörnigen Tanninen. Ausgestattet mit einer schönen Frische und Saftigkeit endet der Wein in einem langen, fruchtbetonten Abgang. Als Essensbegleiter ist er vielseitig einsetzbar.

Diese Aktion ist abgelaufen

Rosa, pink und lachs — Rosé-Weine seziert und transferiert

Martel Weinwelt - Rosa, pink und lachs — Rosé-Weine seziert und transferiert

Unbeschwerte Leichtigkeit, Erwachen und Erblühen, Versuchung, aber auch eine frische Brise verkörpern den Frühling und den Sommer und sind ebenso Inbegriff für Rosé-Weine.

Verführerische Natur

Rosa, pink und lachs begleiten uns ringsum. Die Natur erwacht in rosa, sinnlich die Kamelie, Kirsch- und Mandelblüte, zart die Tulpe, üppig und voll die Pfingstrose.  So ist es nicht verwunderlich, dass sie mit ihren rosaroten Blüten die Insekten verführen. Umgekehrt verführt das rosa-pinke Tierreich mit bezaubernden Vögeln. Reizend und prächtig sind sie, die Rosalöffler, Flamingos und Inka-Kakadus. Sogar Rosenquarz, Marmor, Granit und Sandstein können durch ihre Farbe weich und charmant wirken.

Rosé Blume Insekten Flamingo

Rosé-Wein genussvoll kombiniert

Genauso ist es mit den Rosé-Weinen. Sie können fragil, fast transparent und zart lachsfarben sein oder von intensivem Pink. Kombinieren Sie Rosé Ton in Ton. Rosé-Weine trumpfen wahrhaftig in der Vermählung mit asiatisch-orientalisch inspirierten Gerichten auf. Kombinieren Sie sie mit Granatapfel, frischen Feigen und Himbeeren. Setzen Sie mit roten Zwiebeln, Radieschen und mit der erdigen Rande pikante Kontraste. Zusätzlich bringen die unterschiedlichen Texturen Spannung ins Gericht. Einen fulminanten Auftritt feiert Rosato prickelnd mit Krustentieren, Pulpo und rosa Thunfisch oder zu herzhaftem Roastbeef.

Statt sich in der Provence in einem Lavendelfeld mit einem reichen Picknick zu vergnügen, werfen Sie ein paar Austern in die richtig heisse Glut. Nach wenigen Minuten öffnen sie sich und sind zum Genuss bereit. Der Duft von roten Beeren und die blumige Frucht harmonieren, dank der kaum spürbaren Gerbstoffe, hervorragend mit der Salzigkeit des Meeres. Cooles Pairing, easy drinking, lecker eating und doch ganz besonders.

Rosé-Wein Frühling

Rosa. Romantik vs. Männlichkeit.

Im heutigen westlichen Kulturverständnis verbinden wir rosa meist mit Weiblichkeit, Sanftheit und Romantik. Das war nicht immer so. Im Orient steht rosa noch heute für Männlichkeit. Genauso ist es bei den Rosé-Weinen. Auch da gibt es maskuline Typen. Manche Rosés, Rosato und Rosados verweilen länger auf der Maische, gewinnen dadurch an Struktur und präsentieren sich als lebendige Speisenbegleiter.

Lassen Sie uns pink und rosa psychologisch deuten. Lebensmittel dieser Farben geben sich verführerisch und süss. Die Farbe rosa ist eine Mischung aus weiss und rot. Weiss verkörpert Reinheit und Rot ist Sinnbild für Energie und Leidenschaft. Rosa beinhaltet also beides: Unschuld und Sinnlichkeit. Das ist die Verlockung des Rosés. Und ist er dann auch noch fein schäumend, erquickt er mich besonders.

Eine Befragung zu Farbassoziationen zeigt, dass die grosse Mehrheit der Befragten die Farbe Rosa mit Zartheit und Zärtlichkeit, Weichheit, Charme und Höflichkeit, aber auch Optimismus, Erfreulichem und Positivem verbindet. Eine Minderheit, hauptsächlich männliche Befragte, bringt die Farbe mit Hilflosigkeit und Schwäche in Verbindung. Last but not least wirkt auf viele die Farbe verklärt und träumerisch. Diese Liaison kann also den Rosés nur Charme verleihen.

Rosé ist populär wie nie zuvor

Lange ist es her, dass Rosé-Weine ganz allgemein als Synonym für minderwertig, charakterlos und günstig galten. Die Rosé-Weinbereitung hat an Aufmerksamkeit gewonnen und die Qualitäten haben vielerorts grosse Sprünge gemacht. Somit lässt sich diese Assoziation in die Vergangenheit transferieren. Rosé ist derzeit populär wie nie zuvor.

Geben wir uns freudig hin dem vie en rose und geniessen die Leichtigkeit des Seins, vivent les Rosés. Santé.

Fettnäpfchen und Todsünden im Umgang mit Wein

Martel Weinwelt - Die besten Martel-Stories

Grundsätzlich kann man im Umgang mit Wein nicht viel falsch machen. Und doch gibt es ein paar Dinge, die man nach Möglichkeit vermeiden sollte. Kürzlich hörte ich, dass man Wein im Mixer belüften kann. Eine Art Powerplay, um Tannine im Wein schneller weich zu machen. Das hat mich entsetzt und brachte mich auf die Idee, ein paar Gedanken zum Thema «Fettnäpfchen und Todsünden im Umgang mit Wein» zu notieren.

Einkauf

Beim Fachhändler oder doch lieber auf einer Onlineauktionsplattform?

Überall wo Geld zu verdienen ist, wird auch getrickst. Schade. Wo war die Flasche, bevor sie im Internet gelandet ist? Ist sie weit gereist, stand sie jahrelang im kuschelig warmen Wohnzimmer rum und ist in der Flasche wirklich drin was auf dem Etikett steht? Natürlich kann man Glück haben beim Kauf eines Schnäppchens. Aber genauso gut kann das auch schiefgehen. Beim Winzer, Fachhändler oder im gut sortierten Detailhandel gibt es Beratung. Der Kunde kann die Weine oft probieren und darüber diskutieren. Merkt man zuhause oder nach ein paar Jahren, dass einem der Wein doch nicht so mundet, können die Flaschen oft auch umgetauscht werden.

Unbedingt vermeiden sollte man, den Wein nur nach Etikett auszuwählen. Es gibt Chianti und Chianti. Nur weil Mouton auf dem französischen Wein draufsteht, muss es nicht zwingend der teure Mouton-Rothschild sein.

Im Burgund keltern oft verschiedene Winzer Wein aus einer bekannten Lage. Zum Beispiel der Grand Cru Clos de Vougeot, dessen 50 ha von rund 85 Winzern bewirtschaftet werden. Oftmals besitzen sie nur Kleinstanteile des Rebberges und entsprechend unterschiedlich kann ein Clos de Vougeot ausfallen, sowohl qualitativ wie auch im Preis.

Lagerung

Zu warm, zu hell und zu lang.

Wenn man die gekauften Flaschen etwas lagern möchte, sollte man auf möglichst konstante kühle Temperaturen, nicht zu tiefe Luftfeuchtigkeit, Dunkelheit und erschütterungsfreie Lagerung achten. Auch Weinprofis passiert es ab und zu, dass sie eine Flasche zu lange im Keller liegen lassen, diese also überlagern. Wein hat zwar kein Mindesthaltbarkeitsdatum, aber für eine wirklich lange Lagerung eignen sich die wenigsten Flaschen.

Die meisten Weine werden heute so gekeltert, dass sie nah bei ihrem Höhepunkt sind, wenn sie auf den Markt kommen. Denn wer hat heute noch den perfekten Keller, um Wein für mehrere Jahrzehnte sanft ihrer Genussreife entgegenschlummern zu lassen? Hat man keinen Keller, hilft oft auch ein kleiner Weinklimaschrank, der sich auch im Wohnzimmer dekorativ gut macht.

Genuss

Jedem Wein sein eigenes Glas oder doch die kleinen Gobelets aus der Romandie?

Gläser sind ein Thema, das man lange diskutieren kann und welches unter Weinfreunden immer wieder für Irritationen sorgt. Ein Glas kann zu klein sein, aber auch zu gross (feiner eleganter Weisswein im grossen Bordeaux Kelch). Für jeden Wein das passende Glas im Schrank zu haben, ist bestimmt nett, braucht aber sehr viel Platz im Gläserschrank. Meist reichen ein Champagnerglas, ein Weiss- und ein Rotweinglas. Gut ist eine kelchartige Form, damit sich die feinen Duftkomponenten nicht verflüchtigen und konzentriert erschnuppert werden können. Wichtig ist auch ein genügend langer Stiel, damit man nicht den Kelch mit der Hand anfassen muss. Dies gibt mit der Zeit unschöne Flecken und man wärmt den Wein unnötig auf. Die Temperatur ist wichtig. Oft trinkt man Weissweine zu kalt und Rotweine zu warm. Je nachdem bleibt der Wein «stumm» oder man riecht vor allem die alkoholischen Komponenten.

Man kann einen Wein auch mit den «passenden» Speisen in die Flucht schlagen. Schwer zu kombinieren sind unter anderem Salate mit Essig, Suppen oder Artischocken. Was oft auch nicht funktioniert, sind kräftige tanninreiche Rotweine zu Käse. Diese passen gut zu gereiften Hartkäsen, aber weniger zu Ziegenfrischkäse. Da verspricht ein mineralischer Sancerre mehr Genussfreude.

Fazit

Ob das Powerplay mit dem Mixer funktioniert, weiss ich nicht. Ausprobieren möchte ich das auf keinen Fall. Der Gedanke, ein Kulturgut wie edlen Wein – in das viel Zeit, Savoir-faire und Liebe gesteckt wurde – diesem Prozess auszusetzen, lässt mich erschaudern.

Da setze ich lieber auf die kompetente Beratung im Detailhandel, auf vernünftige Lagerung bis zur Trinkreife und auf den passenden genussvollen Moment. Nicht den richtigen Wein für jede Situation und Stimmungslage im Keller zu haben, ist für mich das grösste Fettnäpfchen, nein, sogar die grösste Todsünde im Erleben von Weinkultur.

Santé

Rosé-Zeit ist Martel-Zeit

Martel Weinwelt - Rosé-Zeit ist Martel-Zeit

Der Süden Frankreichs ist berühmt für seine Rosé-Weine und so lechzen wir dieser Tage nicht nur nach «Liberté» und «Savoir-vivre», sondern spüren es auch bereits in der Brust: das Rosé-Herzklopfen. Wärmere Tage, längere Abende, Freunde, ein Grillfest, frische Weine. Dennoch betrachten wir sie nicht durch die rosafarbene Brille. Denn, egal ob aus Südfrankreich, Süditalien, Spanien, aus Neuenburg, Österreich oder sogar der Champagne: Rosé-Zeit ist Martel-Zeit.

Und weil dem so ist, nehmen wir uns die Zeit und achten – abseits des allgemein geltenden Rosé-Hypes – besonders genau auf anhaltende Qualität. Diese ist bei der Familie Bisol, mit der wir bereits seit dem letzten Jahrtausend eng zusammenarbeiten, eindeutig gegeben. Neu in der Martel-Familie: der Jeio Prosecco Rosé brut. Feinfruchtig, leicht, frisch und würzig. Ein prickelnder Anblick, mild und rund im Abgang. Zugegeben, wir haben den Narren an dieser rosa-schillernden Form des Schaumweines gefressen. Aber nicht nur zum Apéro!

Rosé, Rosado und Rosato können durchaus körperbetont und selbstbewusst erscheinen. Eine Präsenz, die hervorragend zu Fischspezialitäten aus heimischen Seen, zu leichten, asiatisch inspirierten Gerichten oder zu einer (warum nicht?) selbstgemachten Pizza passt. Grilliertes Gemüse? Eine Tavolata? Unkomplizierter Genuss bei gleichzeitig vollem Geschmack. Aus unserer Sicht das ideale Pairing für Abende, an denen Gäste und Gastgeber ihre Beine getrost strecken können. Die Rosé-Zeit ist angebrochen – und mit ihr ein Stück «Savoir-vivre» für Zuhause.

Santé.

Château Lafleur à Pomerol und Martel

Martel Weinwelt - Château Lafleur à Pomerol und Martel

Wenn man 100 Weinliebhaber nach dem besten Weingut in Pomerol befragen würde, wäre Château Lafleur wohl ein heisser Anwärter auf den ersten Platz. Dieses Château nimmt aber auch weit über die Region hinaus einen einzigartigen Stellenwert im Kreis der führenden Weingüter der Welt ein.

Annäherung im Lockdown

Wir alle erinnern uns nur ungern an den ersten harten Lockdown im Frühling 2020 zurück. Trotzdem ist er in unserem Fall im positiven Sinn mitverantwortlich für die neue Partnerschaft mit Château Lafleur. In dieser unwirklichen und reisefreien Periode verbrachten wir mehr Zeit vor dem Bildschirm als gewöhnlich und so kamen wir digital miteinander in Kontakt.

Gemeinsame Leidenschaft

Aus diesem ersten Austausch zwischen dem Weingutsleiter Omri Ram und mir ergaben sich Emails, Telefongespräche und Videokonferenzen. Wir spürten sofort, dass wir die Leidenschaft für grossartige Weine, inspirierende Ideen und das langfristige Denken eines Familienunternehmens teilen. Schliesslich blicken sowohl Lafleur als auch Martel auf fünf Generationen Weingeschichte zurück – das verbindet.

Botschafter eines «monument historique»

Im Sommer 2020 war es dann Zeit für ein erstes Treffen in Pomerol. Das gute Gefühl füreinander bestätigte sich. Der Funken sprang über und wir entschieden, gemeinsame Wege zu gehen. So können wir Ihnen heute voller Stolz mitteilen, dass wir ab sofort Botschafter dieses «monument historique» sind und wir in dieser Funktion die Weine von Château Lafleur exklusiv für die Deutschschweiz und das Tessin vertreten. Mit dabei sind auch die Weine des zweiten Weingutes: Château Grand Village.

Nachfolgend erfahren Sie mehr über die Geschichte von Château Lafleur und über die grossartigen Weine. Zudem haben Sie die Möglichkeit, sich bereits für die Subskriptionen des Jahrgangs 2020 (findet im Sommer 2021 statt) anzumelden.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen und Freude beim Genuss.

Jan Martel

Château Lafleur

Die Geschichte von Château Lafleur

Gegründet wurde das Weingut Château Lafleur an dem Tag, als Henri Greloud 1872 ein bezauberndes kleines Stück Land in Pomerol kaufte. Über die Jahre wurde der Rebberg perfektioniert und gleich daneben ein Haus mit Keller gebaut. Das gesamte Anwesen erhielt den Namen Lafleur.

In der Folge entstanden in den Jahren 1945, 1947, 1950, 1961 oder 1982 legendäre Weine, die international für grosses Aufsehen sorgten. Das Interesse an den Weinen dieses magischen Weingutes ist bis heute ungebrochen und so führt mit Sylvie, Jacques, Julie und Baptiste Guinaudeau (Bild oben) bereits die fünfte Familiengeneration diese Erfolgsgeschichte fort.

Château Lafleur

Ein Blick in den Rebberg

Um eine bessere Vorstellung für die Komplexität dieser Weine zu bekommen, muss man einen genauen Blick in den Weinberg richten. Die Reben sind auf drei unterschiedlichen Böden gepflanzt: Im Nordwesten bestimmt sandigtoniger Kies den Boden, im Süden und Osten herrscht der tonige Kies vor und im Herzen des Weinberges findet man wiederum viel kiesigen Sand. Diese seltene Kombination auf einer Totalfläche von lediglich 4,5 ha aufgeteilt in 24(!) Parzellen erklärt zusammen mit dem hohen Anteil an Cabernet Franc einen Teil der Einzigartigkeit von Lafleur. Die lediglich rund 21‘000 Rebstöcke sind durchschnittlich 40 Jahre alt und Sie können uns glauben: Bei Lafleur kennt man jeden einzelnen Rebstock «persönlich». Passion und Perfektion sind nicht nur Worte, bei Château Lafleur werden sie mit höchster Präzision und Kontinuität gelebt – ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wird.

Die Weine

Neben den zwei grossen Pomerol Château Lafleur und Les Pensées produziert das Team rund um Omri Ram mit Leidenschaft je zwei weitere Weiss- und Rotweine (Grand Village).

Château Lafleur, Pomerol
Merlot, Cabernet Franc – 3.75 ha
Etwas untypisch für Pomerol sind beim Grand Vin von Lafleur
die mageren Kiesböden. So könnte man bei der Degustation
auf einen grossen Pauillac vom linken Gironde-Ufer schliessen:
Zurückhaltende, sehr noble Nase, der Gaumen extrem fein mit
dicht gewobenen Gerbstoffen, grosse Spannung und viel Tiefgang.
Kurzum: Eine Sleeping Beauty, die auch in 50 Jahren noch berührt.

Les Pensées, Pomerol
Merlot, Cabernet Franc – 0.7 ha
Bis 1999 war der Pensées der Zweitwein. Seither ist der Wein ein
eigener Cru vom Zentrum des Rebberges. Der Boden zeigt mit
seinem hohen, reichhaltigen Lehmanteil Pomerol-Charakteristika.
So ist der Pensées ein typischer Vertreter dieser Appellation mit
ausladender Pflaumenwürze und perfekt integriertem Holz. Seidige
Gerbstoffe, Dichte und betörende Sinnlichkeit erwarten Sie.

Les Perrières, Bordeaux Supérieur
Cabernet Franc, Merlot – 3 ha
Vielschichtig, ausgewogen, frisch, präzise und mit einer schönen
Dichte und Konzentration, so präsentiert sich der Les Perrières
2019. 59% Cabernet Franc, 41% Merlot. Der Wein stammt aus der
Appellation Fronsac, wo flache Tonböden auf massivem Kalkstein
liegen. Eine solche Umgebung liebt der Cabernet Franc.

Les Champs Libres, Bordeaux blanc
Sauvignon Blanc, Sémillon – 0.7 ha
Was für ein grossartiger Weisswein aus der Region Fronsac!
Vielschichtige Nase, kräuterig und dezente Frucht, dazu gut
eingebundenes Holz. Der Champs Libre besitzt ein tolles Säure-
Rückgrat, ist profund und begeistert mit seiner Mineralität, welche
sich in Form von Salzigkeit und Feuerstein-Noten zeigt.

Grand Village Blanc, Bordeaux blanc
Sauvignon Blanc, Sémillon – 2.3 ha
Der Grand Village Blanc 2018 überzeugt mit seiner reiffruchtigen
Aromatik, weicher Textur, sowie einer reifen, saftigen Säure. 75%
Sauvignon Blanc, 25% Semillon. Etwas schlanker als 2018 macht
der Grand Village Blanc 2019 richtig Spass: Aromen von Ananas
und Wiesenblumen, viel Frische, Spannung und eine beschwingte
Leichtigkeit! 74% Sauvignon Blanc, 26% Semillon. Top Value!

Grand Village Rouge, Bordeaux Supérieur
Merlot, Cabernet Franc – 14 ha
Der Grand Village Rouge aus dem Grossartigen Jahr 2016 zeigt
betörende Noten von blauen und schwarzen Früchten, Kraft und
Rasse und endet auf einem langen Abgang. 86% Merlot, 14%
Cabernet Franc. Der 2019er wirkt etwas kühler und rotfruchtiger in
der Aromatik, bezaubert mit einem herrlichen Trinkfluss und einer
tollen Gerbstoffstruktur. 81% Merlot, 19% Cabernet Franc.

Brutal autochthon: Der Blaufränkische von Roland Velich

Martel Weinwelt - Brutal autochthon: Der Blaufränkische von Roland Velich

„Ein Rotwein für Leute, die das Schmecken nicht verlernt haben“

Roland Velich zählt zu den großen Pionieren seiner Zunft. Aus dem autochthonen Blaufränkischen keltert der Winzer aus dem Burgenland seit bald 20 Jahren eine neue Art von Rotwein – kühl, vielschichtig und maximal elegant.

Roland Velich werkt in seiner großen, offenen Küche in seinem Haus im Burgenland. Er schiebt einen Zander aus dem Neusiedlersee in den Ofen. Eine Flasche Weisswein steht zum Lüften am Tisch, eine Flasche Rotwein auch – es ist ein älterer Jahrgang, 14 Jahre alt. „Viele denken, dass filigrane und schlanke Blaufränkische nicht gut altern können“, sagt Velich, der gewohnt ist, dass man seine sehr speziellen Weine mit den herkömmlichen Blaufränkischen der Region vergleicht. Aber das sei nur eines der vielen hartnäckigen Vorurteile gegen delikate und vielschichtige Rotweine.

Velichs Weingut heißt „Moric“. Der Winzersohn und ehemalige Croupier füllte 2003 die ersten Flaschen seines brutal autochthonen Blaufränkischen aus dem Jahr 2001 ab. Es war der erste Wein dieser Regionalweinbewegung, der international Furore machte. Die Etiketten zeigen weder Grafik noch Fotografie, sondern nüchterne Schrift, Schwarz auf Weiss.

Vor 20 Jahren hielt man es für ausgeschlossen, dass von einem Wein, dessen Label so aussieht wie die Beschriftung eines Elektrobausatzes, auch nur eine Flasche verkauft werden könnte. „Heute verkaufe ich mehrere Zehntausend Flaschen Blaufränkisch in viele Länder“, sagt Velich. „Oft auch an Kunden, die die Rebsorte gar nicht kannten oder nur ihre Marmeladevarianten.“

Viele Winzerkollegen zweifelten an seinem Tun, aber das war Velich stets herzlich egal. Erst recht egal war ihm, ob er sympathisch rüberkam – die Leute im Land nahmen ihn vor allem als Klugscheißer wahr. Velichs Heimat ist nicht die Republik, das Staatsgebilde, sondern die Region. „Was sich heute auf beiden Seiten der Grenze erstreckt, war früher ein rein ungarisches Weinbaugebiet“, erklärt Velich. „Österreich hat das nur geerbt. Und dann die falschen Weine favorisiert.“

Die Weinszene gab Velich keine Chance

Velich forderte vor Kollegen, dass man hier, im österreichischen Teil, aus dem Blaufränkischen (Lemberger) eine neue Art Rotwein keltern solle: kühl, maximal elegant und – wie sonst eigentlich nur Weißweine – auf den Transport der Salze des Bodens ausgerichtet; Weine also, wie sie hier vor der Kraftlackl-und-Fruchtbomben-Moderne der 1990er-Jahre über Jahrhunderte gekeltert wurden.

2001 gab es niemanden in der Weinszene, der diesem Konzept eine Chance gegeben hätte. Grund dafür war auch, dass die Tester des einflussreichsten Weinjournalisten Robert Parker ihre Höchstwertungen damals nur Weinen des genau gegenteiligen Rotweinstils gaben. So blieb Velich allein mit seinen Forderungen. Und er begriff, dass es nun an ihm war, Beweise folgen zu lassen.

„Ohne Skandinavien wäre nichts gegangen“, sagt Velich, dessen Morice man in vielen gehypten Restaurants der Nordic Cuisine findet. Schweden, Dänemark, Norwegen und die dortigen Sternerestaurants: Das war der Aufzug nach oben. Denn auf Skandinavien folgte England und auf England die USA. Der österreichische Markt spielte für Velichs Moric-Weine (etwa den Plateau Lutzmannsburg oder den Jagini) nie eine Rolle. Parker jedoch schon: Der eingefleischte Regionalist räumt dort heute oft 95 von 100 Punkten ab – und manchmal auch mehr.

Was hat Velich erreicht? „Ich glaube, ich habe sehr früh ein Thema angerissen, eine Weinart etabliert, die viele nicht am Schirm hatten – dass die kommt, dass es Leute gibt, die genau das trinken wollen.“ Ist es nicht Wein für eine Elite? „Nein“, sagt Velich, „es ist Wein für Leute, die das Schmecken nicht verlernt haben.“

Dieser Artikel erschien am 28. Februar 2021 in der Welt am Sonntag

Roland Velich

Gefangen im begeisternden Wein-Universum

Martel Weinwelt - Gefangen im begeisternden Wein-Universum

Empfehlungen folgen Anregungen, Diskussionen folgen Geschichten – und hinter allem steht der Wein.

Als Weinberater in unserem grosszügigen Geschäft am Bellevue, kann ich meine Liebe zum Wein vollends ausleben. Unsere Kunden und die damit einhergehenden, täglichen Kundengespräche sind wundervoll. Diese vielen Begegnungen mit Menschen, welche sich für Wein begeistern, sind inspirierend, anregend und bereichern meinen Arbeitsalltag ungemein. Der Austausch von Weinwissen innerhalb meines Teams ist selbstredend. Wir sind ein Haufen Wein-Verrückte, die sich stundenlang über alle erdenklich kleinen Dinge des Wein-Universums unterhalten können und sich entsprechend gegenseitig begeistern.

Des Weines überdrüssig? Keineswegs!

«Hat man vom ewigen Thema „Wein“ nicht ab und zu auch mal die Nase voll?» Ich kann Ihnen versichern: Mitnichten! Zumindest nicht ich. Jeder Tag bei Martel ist eine neue Herausforderung und Bereicherung zugleich – manche Wege des Weins sind unergründlich und vor allem unendlich. Steigen Sie also ein: Diskutieren, Entdecken, Geniessen.

Auf der Suche nach persönlicher Wein-Glückseligkeit

Als Herausforderung gestaltet sich auch immer wieder die Suche nach dem passenden Wein für mich selbst. Das ist schwieriger, als man meinen könnte. Unablässig finde ich mich in Situationen mit Kunden wieder, in denen ich denke: «Das könnte ich auch wieder einmal ausprobieren» oder «Das ist eine ausgesprochen gute Wahl». Auch möchte ich dem ein oder anderen Wein mal wieder «eine Chance geben». Doch die Weinwelt ist gross, ganz besonders bei einem so breiten und tiefen Sortiment wie bei Martel. Und zack: Schon liegt mir mein Kollege beharrlich mit einer Empfehlung im Ohr: «Diesen Riesling musst du haben» oder «Bei der Lage kannst du nicht verzichten». Ist das Hilfe oder vergrössert er damit nur das weite Spektrum der Möglichkeiten?

Nun denn, mein Weinkonsum bzw. die Entscheidung, für welchen Wein ich mich schliesslich entschliesse, ist sicherlich auch dem ein oder anderen oben genannten Gedanken zuzuschreiben. Meist sind es aber strategische Überlegungen, welche dem Kauf und dem Genuss vorangehen: Passt der Wein zum Essen? Habe ich den Jahrgang bereits einmal probiert? Ist er in der perfekten Reife, um ihn jetzt zu öffnen? Habe ich den Wein bereits in meinem Keller? Ist er der Gesellschaft angemessen? Mag ihn meine Partnerin? Was bin ich bereit auszugeben? Die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Sie sehen: Es ist für mich keineswegs eine leichte Aufgabe, sondern, wie bereits erwähnt, eine Herausforderung. Schlussendlich jedoch eine, die mir immer wieder Freude macht. Es gibt kaum Schöneres als eine nahezu perfekte Weinbegleitung zum Essen zu finden, einen Wein aus dem Keller zu holen, der auf dem Höhepunkt seiner Reife ist oder einen unbekannten Wein zu entdecken, der ausnahmslos zu begeistern vermag.

Auf der Suche nach geteilter Wein-Glückseligkeit

Am Schönsten ist es aber zweifelsohne, diese Wein-Erlebnisse mit Menschen teilen zu dürfen. Sich zusammen an einen Tisch setzen, eine Flasche öffnen, anstossen und einen fabelhaften Tropfen gemeinsam geniessen – diese Erlebnisse begeistern mich ebenso am Faszinosum «Wein».

In der momentanen Situation bleibt uns zwar nichts Anderes übrig, als uns auf die kommenden gemeinsamen Genussmomente zu freuen. Doch ich bin guter Dinge und so steige ich heute hinab und hole mir aus dem Keller eine schöne Flasche aus der aktuellen Tour des Vins-Aktion  – wohlwissend, dass die Zeit kommen wird, wo wir wieder gemeinsam Geniessen, Lachen und Erlebtes teilen dürfen.

Wines for Valentine’s

Martel Weinwelt - Wines for Valentine’s

«Liebe Valentina,

unser Familien- und Liebesleben wird derzeit auf die Probe gestellt. Eng an Eng, durch Dick und Dünn bewegen wir uns fort, von Tag zu Tag. Der Alltag mag uns zwar den Zauber nehmen und wir sind mehr Manager als Geniesser unseres gemeinsamen Lebens. Aber lass‘ es uns doch wieder einmal auskosten, das Leben. Den Rest schaukeln wir ab morgen. Gemeinsam mit Zuversicht, Frohmut und Liebe, wie bis anhin. Und genau dafür möchte ich dir über alles danken.

Dein Valentin

P.S.: Mich freut es, dass wir diesen besonderen Tag Mitte Februar seit unserem ersten Liebesjahr zum Fixpunkt gemacht haben: Wir führen uns vor Augen, was wir aneinander haben. Darum habe ich mir erlaubt, uns ein paar Festtagsweine bei Martel zu bestellen, die passenden Begleiter zu unserem Leben.

Unser Abenteuer hat mit Champagner begonnen. Ehren wir es mit einem Glas Grand Rosé brut von Champagne Gosset? Zu den Jakobsmuscheln, die ich sanft in Vanillebutter braten werde, wurde mir ein Chardonnay aus Malans empfohlen, aus dem Scadenagut von Peter Wegelin. Packen wir danach unsere Köfferchen und reisen – wie bei unserem ersten gemeinsamen Urlaub – in Richtung Gardasee? Wenn du magst, Amore, öffnen wir den Amarone von Tommasi. Ein bisschen klassisch ist er, genau wie wir: Natürlich, konzentriert, gehaltvoll und ja, reichlich sinnlich!»

Diese Aktion ist abgelaufen.

Wie ich mich in den Wein verliebte…

Martel Weinwelt - Wie ich mich in den Wein verliebte…

Zum Wein kam ich aus einer Not heraus. Im Anschluss an die Sekundarschule war die Verkehrsschule mein Ziel, Bahnhofsvorstand bei der SBB meine ambitionierte Vision. Doch mit der Aufnahmeprüfung in die Verkehrsschule klappte es nicht. So brauchte ich am Ende meiner Schulzeit im Frühling 1976 schnell eine Lehrstelle. Der Zufall meinte es gut mit mir: In meiner Schule war eine kaufmännische Lehrstelle ausgeschrieben. Weder kannte ich die St. Galler Weinhandlung, die diese Stelle in meiner Schule ausgeschrieben hatte, noch hatte ich bis anhin auch nur einen Tropfen Wein getrunken (klar, ich war ja noch nicht einmal 16 Jahre alt). Trotzdem und überraschenderweise wurde ich eingestellt. Das war der Beginn einer langen und lehrreichen Liebesgeschichte.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre – auch nicht in der Weinbranche

Offen gestanden: Die Anfangszeit meiner Lehre war nicht wirklich begeisternd und auch die – aus heutiger Sicht so spannende und reizvolle – Weinwelt interessierte mich damals wohl nur mässig. Wein und ich, das war nicht Liebe auf den ersten Blick. Wir gingen es langsam an. Nach und nach begann ich, mich aber dafür zu interessieren und so wurde das Jahr 1976 dann noch in weiterer Hinsicht schicksalhaft für mich und meine Liebe zum Wein.

Der Jahrgang, der alles veränderte

1976, der erste Burgunder-Jahrgang, den ich probieren konnte. Ich erinnere mich genau an diesen Frühlingssonntag 1978: Rosine und Bruno Ponnelle besuchten uns mit einem Haufen Muster im Gepäck. Mit der Kellerei Pierre Ponnelle bestritten wir damals das ganze Burgund-Geschäft. Am Morgen hatte ich mit der Knabenmusik die Prozession am Weissen Sonntag begleitet. Am Nachmittag setzte ich mich im Degustationsraum in eine Ecke, probierte und hörte vor allem zu. Es machte Klick: Offenbar war es damals um mich geschehen und seither haben mich das Burgund und seine Weine nicht mehr losgelassen. Ich war fasziniert von der Vielfalt dieser Weine, gewonnen aus der gleichen Traubensorte, Pinot Noir. Diese Faszination ist bis heute geblieben, nicht nur vom Burgund.

Die Degustation, die alles veränderte

1976 wurde gleich noch einmal entscheidend für meine Beziehung zu Wein. Denn das Jahr meines Einstiegs ins Weingeschäft war auch das Jahr, in dem der englische Weinhändler Steven Spurrier in Paris eine Vergleichsdegustation mit kalifornischen und französischen Weinen veranstaltete, heute besser bekannt als «Judgement of Paris». Kalifornische Weine machten völlig überraschend das Rennen. Nachdem bei der Revanche 1979 wieder kalifornische Weine obenauf schwangen, stiegen wir gross ins Geschäft mit kalifornischen Weinen ein. Die Begegnung mit diesen Weinen erweiterte meinen Horizont enorm.

Das Angebot, das alles veränderte

Als mir Walter Schug, er war Winemaker von Joseph Phelps Vineyards, dann auch noch anbot, bei ihm im Napa Valley eine Stage zu absolvieren, sagte ich begeistert und neugierig zu. Ich lernte viel bei dieser Arbeit, erfasste langsam die Zusammenhänge des Weinbaus und vor allem lernte ich, Wein besser zu verstehen. Einkaufsreisen rund um die Welt über die letzten 40 Jahre hinweg sowie Gespräche und Degustationen mit einigen der besten Winzer förderten meine Passion. So wurde die Beziehung zwischen dem Wein und mir über all die Jahre immer enger und intensiver. Das über Weiterbildungen angeeignete Wissen unterstützte meine Freude und meine Liebe dazu noch.

Klar gibt es Momente, an denen sich mir ein Wein als unnahbare Diva vorstellt, nicht zeigt, was er ist, er alles andere als gesprächig ist und tief unten im Glas sitzt. Aber oft umarmt er mich dann in ein paar Jahren dafür umso inniger und genau solche Momente sind das, was ich an dem Faszinosum Wein so unendlich schätze.

Martin Schwarz, Leiter Einkauf

Schloss Lieser: Die nächste Generation in den Startlöchern

Martel Weinwelt - Schloss Lieser: Die nächste Generation in den Startlöchern

Der deutsche Winzer Thomas Haag hat Schloss Lieser an die Spitze der Anbauregion Mosel geführt. Seine Tochter Lara wird das Familien-Weingut dereinst mit ihrem Bruder Niklas übernehmen. Sie stuft den Riesling als beste Weisswein-Sorte auf dem Planeten Wein ein.

Die Region Mosel ist wohl eine der spektakulärsten Landschaften. Steil- und Steilstlagen mit einer Neigung bis zu 80% prägen das Bild. Wer hier Weinbau betreibt, verrichtet Schwerarbeit, wird aber mit grandiosen Resultaten belohnt. Hier ist das Weingut Schloss Lieser zu Hause, das über neun sogenannte Grosse Lagen mit einprägsamen Namen besitzt: Piesporter Goldtröpfchen, Wehlener Sonnenuhr oder Brauneberger Juffer oder Graacher Himmelreich. Insgesamt sind es 24 Hektaren, praktisch ausschliesslich mit Riesling bepflanzt. Winzer Thomas Haag hat das traditionelle Gut vor mehr als 20 Jahren übernommen und es an der Spitze in der Mosel etabliert.

Jetzt steht die junge Generation in den Startlöchern. Tochter Lara und Sohn Niklas arbeiten im Familienbetrieb und werden dereinst die Verantwortung übernehmen. «Ich werde in diesem Jahr erstmals meinen eigenen Wein produzieren», freut sich die 28-jährige Lara Haag. Sie kehrte auf Umwegen ins Gut zurück, wollte ursprünglich Wirtschaftsingenieurin werden und kam dann bei einem Aufenthalt in Australien als Au-Pair auf den Geschmack des Weins.

Ideale Basis für eine zukünftige Winzerin

Es folgten entsprechende Ausbildungen wie ein Sensorik-Studium an der Fachhochschule in Geisenheim, Praktika in einer Berliner Weinhandlung sowie beim Schweizer Anbieter Martel in St.Gallen und Zürich sowie Aufenthalte in Kalifornien und Neuseeland. Schliesslich schloss Lara Haag das Diplom zur Weinakademikerin erfolgreich ab.

Die Deutsche liebt den bodenständigen Job. «Ich bin Bäuerin und arbeite mit einem Naturprodukt», hebt Haag die Vorzüge ihrer Tätigkeit hervor. Jetzt arbeitet sie nicht nur in den Rebbergen, sondern ist auf Schloss Lieser auch für das Marketing, den Vertrieb und den Export verantwortlich. Die vielfältigen Aufgaben kommen ihr entgegen, denn die Jungwinzerin kann nach eigener Schätzung nicht still sitzen und ist am liebsten immer aktiv.

Langweilig wird es Haag nicht, denn Schloss Lieser produziert auf blauen Schieferverwitterungsböden unzählige Weine in allen Kategorien und unterschiedlichen Stilistiken, trocken, rest- und edelsüss, Gutsweine, Ortsweine, Grosse Gewächse. Gerade an den Einstiegs-Tropfen sollte sich ein Winzer messen lassen, erklärt Lara Haag. Nur wenn im preisgünstigen Bereich die Qualität stimme, sei auch der Rest auf einem hohen Niveau.

Top-Bewertung in allen massgebenden Weinbuch-Führern Deutschlands

Diesbezüglich muss sich Schloss Lieser nicht verstecken: Kritiker haben die Kollektion der Grossen Gewächse aus dem Jahrgang 2019 als die beste an der Mosel ausgezeichnet. In allen massgebenden Weinbuch-Führern Deutschlands erhält der Familienbetrieb zudem die Top-Bewertung von fünf Sternen. Und stets dreht sich alles um den Riesling. Für Haag ist es die grösste Weisswein-Sorte auf dem Planeten Wein, weil sie die Herkunft auf die bestmögliche Art und Weise ausdrücken könne. Riesling überrasche stets mit vielen Facetten und sei einzigartig in Kombination mit den Schieferböden.

Lara Haag ist sich bewusst, dass sie in grosse Fussstapfen ihres erfolgreichen Vaters treten wird. Sie weiss aber auch, dass sie die Philosophie nicht wirklich ändern muss. Auch im Keller nicht, wo man keine Hexereien vollzieht, um Spitzenweine zu keltern: das heisst spontane Gärung im Stahltank, keine Zusätze, den Wein so naturbelassen wie möglich ausbauen und reifen lassen. Künftig plant Haag, in den Rebbergen noch verstärkter in die ökologische Richtung zu gehen. Wie gut die Weine von Schloss Lieser bereits heute schmecken, zeigt eine ausgewählte Trouvaille:

Riesling Kabinett Brauneberger Juffer 2019
Schloss Lieser, Fr. 19.80

Das ist ein leichtfüssiger, dezent restsüsser Weisswein mit einem bescheidenen Alkoholgehalt von 8,5%. Er ist so klar wie Bergwasser. Schöne Aromatik mit intensiven Fruchtnoten, leicht mineralisch, gut eingebundene Säure, elegant, gute Länge. Seine Eigenschaften machen ihn zum idealen Aperitif-Getränk.

Keller, P. (03.02.2021): Weinkeller;  NZZ am Sonntag Magazin

Glücklichmacher-Weine gegen Corona-Blues

Martel Weinwelt - Glücklichmacher-Weine gegen Corona-Blues

Backen. Lesen. Zocken. Dösen. Netflix. Man kann zu Hause im Büro ja so unendlich viel unternehmen und dennoch fühlt es sich an, wie das Musikalbum der britischen Band Jamiroquai: «Travelling Without Moving». Schon lange nicht mehr gehört? Hmmm. Wo ist der Plattenspieler nochmal?

Schon wieder verzetteln wir uns drinnen, während draussen der zähe Nebel in 50 Graustufen herrscht. Der Müssiggang des Rausschauens. Eat, Pray, Love – täglich grüsst das Murmeltier. Wie viele Brote kann der Mensch noch backen? Und wie oft können die Abenteuer von James Bond noch wiederholt werden? Die Antwort weht wohl im Wind, aber wer weiter so herumgrübelt, hat sie womöglich bereits: Die ersten Anzeichen des oft diagnostizierten Corona-Blues-Syndromes.

Lösungsansätze

Hilft Musik, vielleicht Blues, gegen den Corona-Blues? Nein. Experten empfehlen dagegen starken Tobak und frisches Obst – wir hätten noch eine andere Idee: Bitte verstehen Sie uns nicht falsch, aber den passenden Wein zu verkaufen, das bleibt auch zu dieser Zeit unsere Spezialität. Leidenschaftlich haben wir also debattiert, welchen Wein wir zu Hause zum Brotbacken oder zu einer Partie Schach öffnen würden. Hier kommen unsere Lösungsansätze für geschmacklich vergnügte Stunden:

Viña Oropéndola, Rueda DO, Viñedos Iberian
Hefe braucht Zeit, Zeit zum Gehen. Ideal für einen Schluck dieses präsenten Verdejo, der frisch, fromm und frei wie der gelb gefiederte Pirol daherkommt.

Finca Vallobera, Rioja DOC, Bodega Vallobera
Hier braucht es etwas Gehaltvolleres. «Mord im Weinkeller», zum Beispiel. Eine unterhaltsame Lektüre, bestehend aus zwölf Kriminalgeschichten.

Vigoria Merlot, IGT della Svizzera italiana, Kopp von der Crone Visini
Brettspiele sind wieder in und dieser Tessiner weiss eben auch, wie man mit Weile eilt. Ein Merlot fürs Hier und Jetzt (oder in zehn Jahren).

East Bench Zinfandel, Dry Creek Valley, Sonoma County, Ridge Vineyards
Eine Meisterpartie! Zu diesem Kalifornier empfehlen wir passend die packende amerikanische Netflix-Mini-Serie «Das Damengambit».

Nau, Cannonau di Sardegna DOC, Mora & Memo
Hier mussten wir nicht zweimal nachdenken. Wir haben ihn direkt für ihr zu Hause abgestaubt, damit er auf ihrer Tafel sofort eine saubere Figur macht.

Sybèle, Crozes-Hermitage AC blanc, J. L. Chave Sélection
Nein, kein Muskelprotz, aber trotzdem kann er sich sehen lassen. Übers Schönheitsideal von Wein könnte man beim Stemmen der Gewichte grübeln.

Egal, welche Aktivität Sie in diesen Tagen voller eingeschränkter Möglichkeiten auch ausüben: Diese Weine empfehlen sich und sind dazu noch echte Glücklichmacher-Weine gegen den Corona-Blues.

Diese Aktion ist abgelaufen.

Musik im Weinkeller – ein neuer Trend

Martel Weinwelt - Musik im Weinkeller – ein neuer Trend

Musik ist in unserem Leben stets präsent. Von Klassik über Pop bis Rock. Aber warum hören wir Musik und was macht Musik mit uns?

Musik kann uns zum Weinen bringen. Sie kann uns beim Sport zu Höchstleistungen antreiben. Sie beruhigt uns, macht uns glücklich oder ängstlich. Nur eines tut Musik nie: Sie lässt uns niemals kalt. Die gleiche Eigenschaft wird auch dem Wein nachgesagt.

Musik und Wein

Kann die Musik auch Wein beeinflussen? Einige Winzer sind davon überzeugt.

So zum Beispiel Mounir Saouma, der Produzent und Gutsleiter von Lucien Le Moine im Burgund und Rotem & Mounir Saouma in Châteauneuf-du-Pape. Bei meinem ersten Besuch im Burgund konnte ich in seinem Weinkeller in Beaune vorbeischauen.

Kaum öffnete sich das Weinkeller-Tor, wurde ich von einer Bach-Arie berieselt. So fragte ich ihn neugierig, während wir die ersten Weine degustierten, warum im Hintergrund die ganze Zeit klassische Musik laufe.

«Der Wein wird rund um die Uhr beschallt», erklärte mir Mounir. «Durch die Musik während des Reifeprozesses wird er harmonischer und ausgeglichener.» Der Winzer ist überzeugt, dass man den Wein während der Reifung in den Pièces, so wenig wie möglich «stören» (Bâtonnage) soll.

Bâtonnage mit Musik

Die Bâtonnage soll die klassische Musik mit ihren Schallwellen übernehmen. Die Schallwellen sind Schwingungen, die sich nicht nur durch die Luft, sondern auch in Flüssigkeiten, wie z.B. Wein in Holzfässern, ausbreiten können. Sie sollen helfen, die Hefen in der Schwebe zu halten. Somit haben sie eine Wirkung auf die Reifung des Weines. So jedenfalls lautet seine Hypothese.

Die Wirkung von Musik

Die Wirkung von Musik auf biologische Systeme ist kein Novum. Musik ist ein sehr intensives und emotionales Kommunikationsmittel. Als solches findet sie auch in der Humanmedizin Anwendung, z.B. in der Musiktherapie.

Sie wird auch in einem bestimmten Umfang bei Tieren angewendet. So ist die Beschallung von Milchkühen mit Musik zur Steigerung der Milchproduktion bekannt. Während man bei den Hefen und Bakterien davon ausgehen kann, dass sie kein Gehör haben, ist das bei Kühen natürlich anders.

Was sich da allerdings auf molekularer Ebene tut, ist völlig unbekannt und Gegenstand der Forschung. Vielleicht geben ja so einfache Systeme wie Gärhefen oder -bakterien (z.B. malolaktische Gärung) eines Tages wichtige Aufschlüsse über den Effekt der Musik in der Biologie.

Ein neuer Trend

Es gibt sogar Winzer, die noch einen Schritt weiter gehen und Lautsprecher direkt in den Reifebehälter anbringen.

Produzenten in Italien, Frankreich, Österreich und Südafrika lassen ihre Weinberge mit klassischer Musik beschallen. Dies soll die Pflanzen stärken und das Traubengut früher reifen lassen. Zudem bräuchten sie weniger Schutzmittel gegen Schädlinge und Krankheiten.

Leider muss ich die Liebhaber von Hardrock und Elektro Musik enttäuschen – praktische Versuche haben gezeigt, dass vor allem die klassische Musik für die Beschallung von Weinbergen und Weinkeller geeignet ist. Als Alternative liesse sich noch am ehesten Jazz anwenden.

Ob mit oder ohne Musik – am Ende entscheidet der ganz persönliche Geschmack. Meiner ist von der Erstklassigkeit der Saouma Weine überzeugt.

Genuss an oberster Stelle

Martel Weinwelt - Genuss an oberster Stelle

Jan Martel führt die Martel AG mit Hauptsitz in St.Gallen in fünfter Generation. Er übernahm das 144-jährige Familienunternehmen mit 32 Jahren. Martel, mit aktuell drei Standorten und 45 Mitarbeitern, ist eine der ältesten Weinhandlungen der Schweiz. «Dank» der Corona-Pandemie füllen viele Weinliebhaber ihre Regale – gerade auch im Hinblick auf die Festtage. Wie wählt man einen festlichen Wein aus und wie kredenzt man ihn richtig? Jan Martel erklärt, was einen Wein zum Festwein macht und welcher am besten zu welchen Speisen passt.

Jan Martel, 2020 ist Corona omnipräsent. Spüren Sie eine Zunahme bei den Online-Weinbestellungen?
Ja, dieser Verkaufskanal hat gewaltig an Fahrt zugelegt. Hauptauslöser war der Lockdown im Frühling. Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und verschiedene Erweiterungen implementiert. Gerade zur Weihnachtszeit empfehle ich, einmal die neue Suchfunktion nach Ihren Lieblingsrebsorten zu durchforsten und unseren neuen «Passt zu»-Filter anzuwenden. Dort finden Sie genau, welcher Wein zu welchem kulinarischen Genuss auf dem Weihnachtsteller passt. Martel betreibt übrigens den ältesten Wein-Webshop in ganz Europa und ist seit über 9000 Tagen online. Einenvergleichbaren Boom wie im 2020 haben wir noch nie erlebt.

Gibt es «Corona- oder Homeoffice-Favoriten» unter den Weinen, wenn man so sagen will?
Soll man im Homeoffice andere Weine geniessen als in einem Restaurant
oder bei Freunden? Ich würde den Wein eher der eigenen Stimmung anpassen. War es ein harter Arbeitstag, habe ich mich geärgert oder bin ich überglücklich wegen eines erhaltenen Auftrags? Gerade im «kontaktlosen» Arbeitsumfeld ist viel Abwechslung wichtig. Ich würde möglichst viele verschiedene Weintypen einkaufen und mich nach jedem Homeoffice-Tag neu inspirieren lassen.

«Gerade in diesen aufwühlenden Zeiten besinnt man sich auf die klassischen Weinwelten.»

Und im Hinblick auf die Festtage, was stellen Sie hier fest: Bestellen oder kaufen die Leute heuer mehr oder weniger als 2019?
Gastronomen sind aus verständlichen Gründen äusserst zurückhaltend mit grösseren Bestellungen. Im Gegenzug kaufen Privatkunden deutlich mehr Wein für den Heimkonsum ein – schon das ganze Jahr über. Auf die Festtage stellen wir fest, dass gezielter eingekauft und auf hohe Qualität geachtet wird. Viele Geniesser möchten es sich nach den schwierigen Monaten so richtig gut gehen lassen. Man wird im kleineren Familienkreis feiern – und das
mit einem umso grösseren Wein.

Welches sind hier die Favoriten?
Gerade in diesen aufwühlenden Zeiten besinnt man sich auf die klassischen Weinwelten. Also Frankreich, Italien, Spanien und nicht zu vergessen die Weine aus unserer eigenen Region. So habe ich mich kürzlich einer wunderbaren Aufnahme von Beethoven hingegeben und dazu einen inspirierenden, eleganten Burgunder genossen. Eine herrliche Kombination!

Und welche Schaumweine sind derzeit besonders gefragt?
Mindestens ein Schaumwein sollte immer im Kühlschrank stehen.
Z. B. ein Cava Gilmas oder ein Franciacorta von Villa für jede Gelegenheit und nicht nur zum Feiern. Bubbles make happy! Gefragt sind hauptsächlich Champagner und Prosecco, in der Ostschweiz ganz speziell der Champagne De Saint-Gall.

Welchen Wein würden Sie einem Kunden empfehlen, wenn er einen guten Festwein für die Feiertage sucht, aber nicht ein unendlich grosses Budget hat?
Zum Anstossen den Prosecco Crede von Bisol von den wunderschönen Hügeln des Veneto, zur Vorspeise den weissen Bordeaux von Enclos de Cérons und zum Hauptgang den Via Edetana aus der Nähe von Barcelona. Zu den Weihnachtsguetzli ist die Beerenauslese von Heidi Schröck gesetzt. Eine Auswahl, die zu praktisch jedem Festessen in der dunklen Jahreszeit passt.

«Viele Geniesser möchten es sich nach den schwierigen Monaten so richtig gut gehen lassen.»

Eine typische Situation: Das Festmenu ist geplant – nun stellt sich die Frage, welcher Wein am besten dazu passt …
Gelingt die optimale Kombination von Wein und Speise, kann sich der Genuss erhöhen, die Aromen vermählen sich und unterstützen oder steigern sich sogar. Geschmackliche Gegensätze können aber auch Spannung erzeugen. Fast alles ist erlaubt, und nichts, was schmeckt, ist verkehrt – der Genuss soll an oberster Stelle stehen. Ungeeignet sind einzelne Nahrungsmittel, die eine ideale Weinbegleitung verunmöglichen: Viel Säure oder Schärfe im Gericht oder bitterstoffhaltige Produkte wie Artischocken oder Spinat erlauben keinen gleichzeitigen Weingenuss. Der Wein wirkt dann metallisch.

Wenn ich mich als «Wein-Laie» nicht vor meinen Gästen blamieren will: Gibt es so etwas wie Universalweine, mit denen man praktisch nichts falsch machen kann?
Bei Unsicherheit empfiehlt sich der Gang zum guten Weinberater. Dieser ist Profi, setzt sich täglich mit diesen Themen auseinander und hilft gerne weiter. So kann garantiert nichts schiefgehen. Als Universal-Weisswein würde ich einen Weissburgunder empfehlen. Diese Sorte passt zu vielen Speisen. Bei Rotwein ist Rioja eine ideale Herkunft. Ein kräftiger Tempranillo, z. B. vom Weingut Roda, spricht viele Weinliebhaber an und lässt sich vielfältig einsetzten. Dies geschieht in Spanien in jedem Tapas-Lokal.

Wie wichtig ist eigentlich das Glas bei der Verkostung?
Ein gutes Weinglas hilft dem Wein, sich ideal zu entfalten. Ideal sind tulpenförmige Gläser mit ausreichendem Fassungsvermögen, sodass sich die Weinaromen darin entfalten können und gebündelt werden. Das Glas sollte transparent und ungeschliffen sein, damit sich Farbe und Klarheit des Weines beurteilen lassen. Es darf nur am Stiel angefasst werden, so erwärmt sich der Wein nicht zu schnell und der Kelch bleibt sauber. Damit man nicht für jeden Wein ein eigenes Glas kaufen muss, gibt es praktische Universalgläser auf dem Markt. Wir empfehlen Zalto und Grassl.

Worauf kommt es bei der Lagerung von Wein an?
Die Lagertemperatur sollte möglichst konstant sein und der Lagerort nicht zu feucht oder trocken. Ideal ist eine Temperatur zwischen 10 bis 15 Grad und 60 bis 75 % Luftfeuchtigkeit. Gut ist zudem, wenn die Weine im Dunkeln lagern, damit bei jenen in weissen Flaschen kein Lichtschaden entsteht.

Und wie hält ein offener Wein am längsten?
Ein qualitativ hochwertiger Wein sollte sich, einmal geöffnet, ohne Weiteres über zwei bis drei Tage trinken lassen. Sauerstoff und Wärme lassen den Wein schneller oxidieren. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, empfehle ich, eine angebrochene Flasche wieder mit dem Korken zu verschliessen und kühl zu lagern. Bei gereiften Weinen ist es etwas heikler: In Kontakt mit Sauerstoff entwickeln sie sich schnell weiter. In solchen Fällen hilft ein Coravin, ein Ausschanksystem, bei dem man die Flasche gar nicht (Kork wird mit Nadel durchstochen) oder nur kurz öffnen muss und der Wein seine Qualität problemlos für Wochen beibehält.

«Auf die Festtage stellen wir fest, dass gezielter eingekauft und auf hohe Qualität geachtet wird.»

Jetzt bietet Martel ja auch Weinkurse an, für die Grundlagen des «Weinwissens», damit man eben nie in peinliche Situationen kommt.
Unser Weinkurs ist für Jung und Alt, Frau und Mann. Ideal für jede Person, die unkompliziert mehr über das faszinierende Handwerk Wein erfahren möchte. Die Teilnehmer bekommen wertvolle Tipps, ein informatives Dossier und fühlen sich danach sicher und entspannter im Umgang mit Wein.

Auf welche Weine setzen Sie 2021?
Mehr Leute als sonst werden sich überlegen, wie sie sich selber einen besonderen Genuss bereiten können. Möglicherweise steigt aus Solidarität die Nachfrage nach Weinen aus der Schweiz und unseren Nachbarländern. Und wieso nicht gerade jetzt mit einem kalifornischen Wein auf das amerikanische Volk und das bevorstehende Umdenken im Weissen Haus anstossen?

«Bubbles make happy!»

Zum Schluss: Mit welchem Wein werden Sie persönlich Ihr Weihnachtsessen bereichern und mit welchem Schampus auf das neue Jahr anstossen?
Ich mache mich immer wieder auf neue Wein-Entdeckungsreisen. Meist gehe ich wenige Stunden vor dem Essen in den Keller und lasse mich vom Lustprinzip leiten. Das liebe ich. Sie müssen mich somit Anfang Januar nochmals fragen. Dann weiss ich es.

Beliebteste Weinhandlung der Schweiz

Martel Weinwelt - Beliebteste Weinhandlung der Schweiz

Das Fachmagazin Falstaff suchte mittels Leservoting den beliebtesten Weinhändler der Schweiz. Martel hat es auf den ersten Platz geschafft! Wir sind sehr glücklich über die Auszeichnung und bedanken uns herzlich bei unserem grossartigen Team und unserer geschätzten Kundschaft. Für uns ist dies Belohnung und Motivation zugleich.  

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Der World-Wine-Web-Pionier

Martel Weinwelt - Der World-Wine-Web-Pionier

Jan Martel übernahm mit 32 Jahren die Leitung von Martel AG in St.Gallen und führt seither das 144-jährige Familienunternehmen in fünfter Generation. Die Martel AG, mit aktuell drei Standorten und 45 Mitarbeitern, ist eine der ältesten Weinhandlungen der Schweiz. «Martel am Bahnhof» in der St.Galler Innenstadt zählt zu den schöns­ten Weinhandlungen der Ostschweiz; «Martel am Bellevue» in Zürich geht gar im Barguide 2020 als Top-Weinbar der Schweiz als Siegerin hervor. Doch wie geht es dem Weinhändler aktuell, mit Corona?

Jan Martel, anfangs Oktober haben die NZZ-Bellevue­ Leser Ihren «Californio Syrah Hyde Vineyard 2013» zu ihrem Syrah-Favoriten gekürt. Wie hoch in der Gunst der Weinliebhaber liegen Syrah-Weine allgemein?
Syrah ist eine der faszinierendsten Rotweinsorten der Welt. Winzer wie Jean-Louis Chave oder eben Hyde de Villaine er­zeugen langlebige Spitzenweine mit Struktur und einmaliger Aromatik. Solche Weine sind bei Weinfreaks sehr beliebt. Ob­wohl sich Syrah in den letzten Jahren weltweit unter die fünf wichtigsten Sorten gemausert hat, erstaunt es, dass die Sorte von vielen Konsumenten immer noch nicht entdeckt wurde.

«Da die Onlineverkäufe fast explodierten, konnten wir den Verkaufsausfall in der Gastronomie nahezu kompensieren.»

Und welche Rebsorte ist im Moment der absolute Renner?
Pinot Noir aus dem Burgund und der Schweiz sowie Nebbiolo aus dem Piemont sind bestimmt die heissesten Anwärter, wenn es um Spezialitäten geht. Trotzdem bleiben Cabernet Sauvignon, Merlot, Tempranillo und Chardonnay die Spitzenreiter.

Und davon welcher Wein?
Das ist sehr unterschiedlich. Viele Konsumenten suchen eher die fülligen, mächtigen Weine aus heissen Regionen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass auch immer mehr Personen auf der Suche nach Eleganz und eigenständigen Charakter sind. Und dann landet man zwangsläufig bei den grossen Burgundern.

Sie waren Mitte der 1990er Jahre die erste Weinhandlung Europas, die einen Onlineshop implementiert hatte. Können Sie sich noch an die erste Bestellung erinnern?
Selbstverständlich! Das Internet war noch komplett unbe­kannt, als wir online gingen. Martel betrachtete das Projekt als Experiment. Wir hatten keine Erwartungen, und so wa­ren wir sehr überrascht, als die ersten Bestellungen nicht aus der Schweiz, sondern von IT-Freaks aus Norwegen, Spanien und England eintrafen. Ihnen ging es nicht um das Produkt an sich, sondern viel mehr darum, zu erfahren, was da eigentlich passiert und ob auch ausgeliefert wird. Ein Jahr später, Goog­le war noch nicht geboren, listete Yahoo als Marktleader für Internet-Recherchen erst 49 Wein-Webshops weltweit auf. Eine rührend winzige Anzahl aus heutiger Sicht. Wer nämlich heute bei Google «Wein Webshop» eintippt, erhält in 0.49 Sekunden ungefähr 760 000 Einträge.

Was gab damals den Ausschlag, Ihre Weine auch online zu verkaufen?
Von Verkaufen konnte noch keine Rede sein. Viel mehr han­delte es sich um Neugier und Zufall. Mein Schwager war da­mals an der HSG tätig und suchte nach einem Produkt, das er in einem Online-Shop abbilden konnte. Seine Schwester und ich, heute sind wir verheiratet, vermittelten zur Weinhandlung. Onkel und Vater waren bereit für dieses Experiment, speziell da mein Onkel damals eine grosse ICT-Begeisterung hatte.

Hat sich diese Strategie bewährt, sprich bestellen heute die Menschen ihre Weine vorzugsweise online?
Mit Strategie hatte das damals wenig zu tun. Der Pioniergeist hat uns angesteckt und erst Jahre später entwickelten wir eine eigentliche Online-Strategie. Schrittweise wurde dieser Verkaufskanal professionalisiert und weiterentwickelt. Heute haben wir eine klare Strategie und arbeiten an der Zielerreichung. Und das hat sich sehr gelohnt, waren wir doch gerade in diesem Jahr mit Lockdown und anderen Einschränkungen bereit für das veränderte Einkaufsverhalten. Mittelfristig betrachten wir diesen Kanal als ausgezeichnet Ergänzung zu Ladenverkäufen, klassischen Papiermailings sowie Beratungen direkt beim Gastronomiekunden. Wir gehen davon aus, dass Weinliebhaber auch künftig an Degustationen und in unsere Ladengeschäfte kommen. Nur so können sie die Weine verkosten und das Einkaufserlebnis geniessen.

Ich kann mir vorstellen, dass wegen Corona die Bestel­lungen aus der Gastronomie stark zurückgegangen sind. Haben private Käufe dieses Minus aufgewogen?
Die Bestellungen aus der Gastronomie sind nicht nur stark zu­rückgegangen, sondern zeitweise gänzlich ausgeblieben. Da wir mehr als 50 Prozent unserer Weine schweizweit an Res­taurants und Hotels liefern, war dies ein harter Schlag. Da half der plötzlich viel grössere Wunsch in der Bevölkerung nach Weinkonsum im Homeoffice natürlich sehr. Private Käufer haben dieses Jahr auch deutlich hochwertigere Weine ein­gekauft. Man wollte sich etwas gönnen. Und da zeitweise die Verkäufe über den Onlinekanal fast explodierten, konnten wir den Verkaufsausfall in der Gastronomie zu einem grossen Teil kompensieren.

«Weingenuss ist keine exakte Wissenschaft.»

Wie sieht das Verhältnis Online-, Laden- und Prospektkauf bei Privaten heute aus – Sie setzen ja nach wie vor auch auf Postmailings?
Wir sind überzeugt, dass es langfristig sehr wichtig ist, auf verschiedene Verkaufskanäle zu setzen. Damit können wir das Risiko besser verteilen. Der Fokus auf Online nimmt stetig zu und ist etwa für einen Viertel der Verkäufe an Privatkunden zuständig. Rund 70 Prozent verteilen sich auf Ladengeschäfte, klassische Papiermailings und direkte Kundenanfragen.

Und im B-to-B-Bereich?
Die Gastronomie, also die anderen 50 Prozent, bestellt über den Betreuer, per Email oder telefonisch. Immer mehr auch mit automatisierten Bestellformularen – abgestimmt auf die eigene Weinkarte.

Bei vielen Weinen, etwa Bordeaux oder Burgunder, übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich. Wie teilen Sie Raritäten zu?
Grundsätzlich möchten wir allen Interessenten solcher Wein-Preziosen die Möglichkeit für einen Kauf bieten. Aufgrund der von Jahr zu Jahr steigenden Nachfrage nach diesen Raritäten ist das leider nicht immer möglich. Um möglichst viele echte Weinliebhaber zu erreichen, verteilen wir die Wei­ne in Kleinmengen und fokussieren uns auf Kunden, die die Weine für den eigenen Genuss kaufen möchten.

Diese stellen Sie also nicht online?
Online sind die Weine sichtbar, aber nicht bestellbar. Inter­essenten können uns ihre Wünsche angeben und wir versu­chen, diese dann zu erfüllen. Die geschieht individuell und nicht nach dem Motto «first come first served».

Mir wurde einst gesagt, dass ein guter Wein nicht mehr als 20 Franken kosten müsse. Stimmen Sie dieser Aussage zu?
Es gibt viele gute Weine für weniger als 20 Franken. Diese be­reiten uns allen viel Freude. Die Spitzenweine von den gross­en Terroirs der Welt kosten aber zwangsläufig mehr, da nur schon die Bodenpreise Dimensionen angenommen haben wie an der Bahnhofstrasse in Zürich oder an der Fifth Avenue in New York. Gute Weine müssen somit nicht unter 20 Fran­ken kosten, sie können aber.

Hand aufs Herz: Kann ein Wein für 2000 Franken wirklich hundert Mal besser sein als einer für 20?
Technisch betrachtet sicherlich nicht. Weingenuss ist aber auch keine exakte Wissenschaft. Nennen Sie mir die Mass­einheit für Qualität? Hat ein Kunstwerk von Pablo Picasso für Sie zehn Millionen Franken mehr wert als ein Bild Ihrer fünf­jährigen Tochter? Schlussendlich geht es um Angebot und Nachfrage. Weine in dieser Preisklasse bestechen mit gross­er Eleganz, Tiefe, Spannung und Erhabenheit. Diese Weine können emotionale Momente kreieren. Magische Erlebnisse, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst. Solche Schlüssel­momente im Leben haben ihren Preis.

Wein wird zunehmend auch als Kapitalanlage genutzt. Das verknappt das Angebot für Geniesser zusätzlich, spielt Ihnen als Händler aber in die Hände. Auf welcher Seite stehen Sie?
Wir sehen uns als Vermittler von Genuss und grosser Wein­kultur. Wenn das Produkt von passionierter Arbeit eines Winzerjahres nicht seiner eigentlichen Bestimmung, sprich dem Trinken und Geniessen, zugeführt wird, dann bedauere ich das sehr. Somit stehen wir klar auf der Seite der Geniesser. Wir lieben unser Produkt zu sehr, um alles dem möglichen Gewinn unterzuordnen.

Zum Schluss: Martel ist erstmals Sponsor des WTT Young Leader Awards, der am 8. Dezember über die Bühne gehen wird. Weshalb unterstützen Sie den Anlass?
Ausserordentliche Leistungen von Studenten haben mich schon immer fasziniert und begeistert. Zudem haben auch wir solchen Projekten viel zu verdanken – Stichwort Online-Handel! Peter Müller hat es mit seinen Argumenten geschickt geschafft, uns von diesem Engagement zu überzeugen. Ich bin mit Freude dabei. Auch im Beirat.

Und werden Sie ihn persönlich oder online verfolgen?
Aufgrund der aktuellen Gesundheitskrise werde ich – wie alle anderen Gäste auch – den Anlass online verfolgen. Und dies selbstverständlich mit einem guten Glas Wein in der Hand.

Bild: www.leaderdigital.ch/Marlies Thurnheer

Weinnamen und ihre Geschichten

Martel Weinwelt - Weinnamen und ihre Geschichten

Ein Weinetikett zu lesen, kann äusserst faszinierend sein. Trumpfen gewisse Etiketten dadurch auf, dass Formen, Figuren oder Zeichnungen um die Gunst des Kunden buhlen, so nennen sich andere Etiketten äusserst simpel einfach bei ihrem eigenen Namen. Dies wiederum können Fantasienamen sein, der Name des Produzenten oder aber und hier wird es interessant, der Name eines spezifischen Ortes beziehungsweise einer spezifischen Lage.

Man muss sich vorstellen, dass gerade Lagennamen unter Umständen auf eine lange Tradition zurückblicken und sich viele Geschichten, ja sogar Legenden um sie ranken. So entstanden – teilweise schon vor sehr langer Zeit – Namen, welche die Etiketten bekanntester Weine schmücken. Von zweien davon möchten wir heute etwas mehr erzählen.

Kröver Nacktarsch

Kröver Nacktarsch

«Was begeistert Alte loben, Moselwein, das edle Nass, wollt die Kröver Jugend proben, tief im Keller, Fass an Fass. Der Küfer sah`s mit Bangen und wurde grob und barsch, er haut den kleinen Rangen den blanken, nackten Arsch.»

So geht ein Gedicht welches von einem Wein, einer Lage berichtet welche sich im deutschen Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer befindet. Die Rede ist vom «Kröver Nacktarsch».

Die spezielle Bezeichnung hat ihren eigentlichen Ursprung im Altdeutschen. «Nuck» ist gleichbedeutend mit «felsige Erhöhung» und «Arsch» bedeutet «Hecke». Natürlich aber haben auch die Winzer ihre eigene Version über die Herkunft des Namens, welche besagt, dass der Berghang – in Zeiten noch vor der modernen Schädlingsbekämpfung – im Herbst oft recht nackt ohne Laub und Trauben dastand und daher kommt auch der Name Nacktarsch.

Damit jedoch nicht genug: es existieren auch eine Reihe von Legenden über die Herkunft des Namens und die bekannteste davon ist der Ursprung des oben zitierten Gedichtes. Folgendes war geschehen: Tagtäglich mussten die Buben mitansehen, wie ihr Vater sich am Moselwein erfreute. Eines Tages ergriffen sie die Gelegenheit, schlichen sich in den Keller und endlich konnten auch sie das köstliche Getränk geniessen. Wie es das Schicksal jedoch so wollte, wurden sie vom Küfer überrascht und die Strafe in Form von Schlägen auf das nackte Hinterteil erfolgte postwendend. Und so wird es auch auf dem Etikett dargestellt: Angetrunkene Buben, welchen der nackte Hintern versohlt wird.

Bienvenues Bâtard Montrachet

Bienvenues Bâtard Montrachet

Auch westlich unseres Landes findet man besonders schöne Namensexemplare. Wenden wir unseren Blick über die Grenze nach Frankreich, genauer gesagt ins Burgund. Eine Region, bekannt für Ihre «climats» und «lieu-dits». Auch hier findet man unzählige bedeutsame Namen und bestimmt hat jeder einzelne seine ureigene Geschichte zu erzählen.

Eine der spannendsten handelt vom Bâtard des Burgunds: Im tiefen Mittelalter lebte in der Region ein adeliger Ritter. Sein Name: Chevalier de Montrachat. Montrachat war der Name der Grand Cru Lage im 15. Jahrhundert, die heute Montrachet heisst und sich in den Gemeinden Puligny-Montrachet und Chassagne-Montrachet befindet.

Eines Tages kam der Chevalier am Kloster Clos des Pucelles vorbei und hörte aus dessen Gemäuern einen zauberhaften Gesang. Als er das Kloster betrat erblickte er eine wunderschöne Jungfrau. Aus der Verbindung der beiden wurde alsbald ein Junge geboren und man nannte ihn Bâtard (Bastard). Kurz darauf starb der Chevalier und der uneheliche Sohn trat an die Stelle seines Vaters. Begrüsst wurde er von den Bewohnern mit folgendem Ruf: «Bienvenue Bâtard»! Und dementsprechend finden wir heute «Bienvenues Bâtard Montrachet» auf dem Etikett dieses grossartigen Lagenweines wieder.

Unzählige weitere Bespiele lassen sich finden und die Entdeckung derselben verspricht vergnügliche Zeit mit Mythen, Legenden und historischen Fakten. Lassen Sie sich also nicht durch verwirrende oder belustigende Etiketten blenden – auch unter diesen Weinen findet man atemberaubende Qualitäten, manche davon auch bei uns im Online-Shop.

Everybody’s Darling – Californio Syrah Hyde Vineyard

Martel Weinwelt - Everybody's Darling – Californio Syrah Hyde Vineyard

Wenn man von Lyon her der Rhone in Richtung Süden folgt, erscheint bald einmal auf der rechten Flussseite eine einmalig faszinierende Landschaft mit extrem steil abfallenden in Terrassen angelegten Weinbergen. Willkommen in der prestigeträchtigen französischen Appellation Côte-Rôtie, der Wiege des Syrah!

Die edle Traube gehört heute zu den meistkultivierten Rebsorten der Welt. Rund 185’000 Hektaren Fläche zeugen davon auch in der Schweiz, namentlich im Wallis. Entgegen allen Legenden ist Syrah gemäss DNA-Analysen eine natürliche Kreuzung zwischen Mondeuse Blanche und Dureza, beide heute unbedeutend oder gar am Verschwinden.

Der grosse Pluspunkt der Varietät: Sie kann stilistisch äusserst vielseitig vinifiziert werden und die Merkmale einer Herkunftsregion perfekt ausdrücken. Ein Syrah-Wein aus dem Rhonetal riecht und schmeckt anders als ein Beispiel aus Australien oder Südafrika. Dies hat auch eine Blind-Degustation mit Lesern der NZZ in der Weinhandlung Martel in Zürich gezeigt. Als Publikumssieger ging der aromatisch komplexe, kräftige Californio Syrah Hyde Vineyard 2013 des Guts Hyde & de Villaine hervor. Der Syrah strahlt die typische Würze und Ledrigkeit der Sorte aus mit feiner Tanninstruktur und der Intensität eines grosse Rhôneweines. Herzlichen Glückwunsch!

Keller, P. (04.10.2020): Weinkeller – Everybody’s Darling; NZZ am Sonntag Magazin

Cuvette – ein Franciacorta sagt der Champagne den Kampf an

Martel Weinwelt - Cuvette – ein Franciacorta sagt der Champagne den Kampf an

Seit 20 Jahren arbeiten wir erfolgreich mit dem renommierten Weingut Villa in der norditalienischen Region Franciacorta zusammen. In der Schweiz leidet die Appellation ein wenig unter der Konkurrenz von Champagner und Prosecco, welche mengenmässig sehr mächtig sind. Qualitativ muss sich Franciacorta bestimmt nicht vor der Champagne verstecken. Nicht nur dass beide Schaumweine mit Flaschengärung vinifiziert werden. Genau wie Champagner darf man Franciacorta ebenso als einen Schaumwein mit Vielschichtigkeit und Tiefe bezeichnen.

Zudem besitzen Weine aus Franciacorta ein ausgesprochen individuelles Aromaprofil und eine eigene Stilistik. Die Weine sind reiffruchtiger und haben eine mildere Säure, mehr Körper und Dichte als Champagner.

Seit jeher haben wir nur einen Wein im Angebot und zwar den frischen Franciacorta DOCG  «Emozione». Bis jetzt! Denn bei unserem Besuch im letzten Spätherbst konnten wir das ganze Sortiment verkosten, inklusive alter Jahrgänge bis zurück ins Jahr 1994.

Besonders beeindruckt waren und sind wir vom Franciacorta DOCG «Cuvette», einem Brut aus einer 1.5 ha grossen, leicht erhöhten Einzellage gleichen Namens. Die Assemblage besteht aus 85% Chardonnay und 15% Pinot Noir. Sage und schreibe 5,5 Jahre war der Wein auf der Hefe! Dadurch sind herrliche Aromen von Brioche, Toast und gerösteten Haselnüssen entstanden. Zudem zeigt der Cuvette eine äusserst feine, cremige Perlage. Der Wein besitzt Kraft und Länge und ist perfekt ausbalanciert. Wenn man überdies den Preis dieses Crus mit demjenigen eines Champagners vergleicht, ist man zweifelsohne erstaunt, was für ein Meisterwerk hier gelungen ist.

Bordeaux Subskription 2019 zum Zweiten

Martel Weinwelt - Bordeaux Subskription 2019 zum Zweiten

Unser Subskriptions-Angebot kommt trotz Corona-Krise grossartig bei unseren Kunden an und somit sind teils nur noch kleine Mengen verfügbar. Beim ausgezeichneten Jahrgang 2019, der im Vergleich zu anderen Jahrgängen sehr preiswert ist, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Noch können Sie sich bis zum 31. Juli 2020 mit einer schönen Auswahl an Spitzenweinen eindecken.

Neben all den Grand Cru Classé-Weinen möchten wir Ihnen heute auch die Angebote der so genannt kleinen Châteaux (Petits Châteaux) ans Herz legen, welche wir direkt importieren. Dazu gehören Château Chambrun/Moncets, Mondorion, Grand Enclos de Cérons und Domaine de l’A. Darüber hinaus freuen wir uns sehr, ein neues Château aus dem Haut-Médoc vorzustellen, welches wir exklusiv in der Deutschschweiz anbieten:

Château Belle-Vue

Belle-Vue ist 2018 zu einem Cru Bourgeois exceptionnel aufgestiegen. Dies hat sicherlich mit der vorzüglichen Qualität der Weine zu tun. Die Weine sind konzentriert, dicht und mit einer herrlichen Gerbstoffstruktur. Dazu besitzen die Weine eine schöne Frische und Trinkigkeit und versprechen zudem ein grosses Reifepotential. Ungeduldige Weingeniesser können sich bereits jetzt mit dem vorzüglichen Jahrgang 2016 bei uns eindecken.

Hervorzuheben ist, dass der Grand Vin mit einem relativ hohen Anteil an Petit-Verdot assembliert wird (15%, neben 50% Cabernet Sauvignon und 35% Merlot). Zudem wird mit dem «Petit Verdot by Belle-Vue» komplett auf diese trendige Rebsorte gesetzt. Dieser Wein zeigt sehr schön das Potential von Petit Verdot: viel schwarze Frucht und reichlich Tannin, welches dank seiner hohen Qualität feinkörnig und geschmeidig erscheint. Auch hier kann mit einem formidablen Lagerpotential gerechnet werden.

Château Chambrun / Moncets

Hier kommen unsere Merlot-Liebhaber auf ihre Kosten. Schliesslich macht Merlot mindestens 94% an der Assemblage aus. Die Weinberge aus der Appellation Lalande-de-Pomerol liegen teilweise nur ein paar hundert Meter von Château Petrus entfernt! Mit dem 2019er ist Château Chambrun ein grosser Wein und der bis dato beste Jahrgang gelungen: eine kühle Aromatik gepaart mit einem druckvollen, dichten Körper und einem langen Abgang sind ein Versprechen für die Zukunft. Auch der preiswerte Château Moncets macht mit seiner rotfruchtigen, frischen und saftigen Art bereits jetzt richtig Spass.

Domaine de l’A

Die Domaine de l’A vom renommierten Flying Wine Maker Stephane Derenoncourt und seiner Frau Christine zeigen mit Ihren Weinen das Potential der bis anhin etwas vernachlässigten Appellation Côtes de Castilion. Ähnlich wie auf dem Plateau in St. Emilion liegen die Weinberge auf kühlen Lehmkalkböden. Cabernet Franc gewinnt zunehmend an Bedeutung, da dieser den Anforderungen des Klimawandels besser gewachsen ist als Merlot. Die Weine jedenfalls besitzen viel Balance und Komplexität!

Schliesslich können wir auch die folgenden zwei Weine aus dem Jahr 2019 vorbehaltlos empfehlen:

Château Mondorion aus St.Emilion zeigt viel Extrakt und dank Cabernet Franc eine angenehme Frische. In zwei oder drei Jahren werden die noch etwas antrocknenden Gerbstoffe viel Trinkgenuss bereiten.

Last but not least hat auch Grand Enclos de Cérons aus der Region Graves eine tolle Qualität im 2019 geliefert. Sowohl der belebende, saftige Blanc als auch der elegante, würzige Rouge machen bereits jetzt richtig Spass.

Während Bordeaux im Bereich der Grand Cru Classés ein recht kostspieliges Vergnügen darstellen, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei unseren «Petits Châteaux» schlicht grossartig. Dank Primeur-Preisen sind die Weine jetzt günstiger als zu ihrer Lancierung im 2022. Folglich finden Sie Angebote zwischen 15 und 30 CHF. Bei dieser überragenden Qualität ist das eine einmalige Gelegenheit!

Weinhandel kommt gut über die Runden

Martel Weinwelt - Meilensteine

Trotz eines temporären Totalausfalls der Gastronomie ist der Verkauf von Wein besser gelaufen als befürchtet. Das zeigt eine Umfrage.

Thomas Griesser Kym

Randvolle Lager und ein geringerer Traubenbedarf im laufenden Jahr: Mit diesen Schwierigkeiten kämpfen Weinkellereien wie beispielsweise Rutishauser in Scherzingen und viele Winzer (vgl. Ausgabe vom 23. Juni). «Ich verstehe das Problem», sagt Ueli Schiess, Patron der Caratello Weine AG in St.Gallen. Sein Vorteil: «Wir haben keine Tanks.» Und: Die Einbussen in der Gastronomie während des Lockdowns sind zu einem guten Teil durch Privatkunden wettgemacht worden.

So wie Schiess ist es in der Coronazeit vielen Weinhändlern ergangen, wenn man in der Ostschweizer Branche nachfragt. Mit dem Lockdown per 16. März war der Absatzkanal der Gastronomie über Nacht weggebrochen – «auf null», sagt Schiess, der auf italienische Weine spezialisiert ist und normalerweise 70 Prozent seines Umsatzes mit der Gastronomie erwirtschaftet. «Von einem Tag auf den anderen kam von Restaurants und Hotels aus der ganzen Schweiz keine Bestellung mehr herein», erinnert sich Jan Martel, der den St.Galler Weinhändler Martel in fünfter Generation führt. Die Gastronomie steht bei Martel für die Hälfte der Verkäufe. Ähnliches berichtet Frank Beck, Inhaber der Weinhandlung Giardino del vino SA in Frauenfeld: «Der Weinverkauf an die Gastronomie ist im Lockdown zusammengekracht.»

Ein Drittel des Umsatzes erarbeitet Beck normalerweise mit Gastronomie und Grosshandel. Floriert hat hingegen der Verkauf an Privatkunden. Geschlossene Restaurants, abgesagte Feste und Feiern, keine Anlässe wie Generalversammlungen, weit verbreitetes Homeoffice – all das hat dazu geführt, dass die Menschen mehr Wein zu Hause konsumiert haben. Martel sagt: «Wir sind deutlich besser durch die Krise gekommen als erwartet.» Und dies obwohl er ab Mitte März bis 10. Mai aus Vorsicht auch seine drei stationären Läden in St.Gallen und Zürich geschlossen hatte. Dafür habe er im Onlineshop ein «explosives Wachstum» erlebt und dort «massiv mehr Umsatz» verzeichnet. Damit habe Martel den Umsatzausfall durch die Ladenschliessungen kompensiert und obendrein einen Teil des Ausfalls der Gastronomie. Geholfen habe sicher auch, dass man alle Weinbestellungen gratis verschickt habe, ab der ersten Flasche. Normalerweise gilt für Gratislieferung ein Mindestbestellwert von 600 Franken.

Statt Trübsal zu blasen, «haben sich viele Kunden in den eigenen vier Wänden etwas gegönnt», resümiert Martel, «und dazu gehört oft auch ein guter Tropfen». Als Beleg dafür nennt er ausserdem eine «hohe Nachfrage nach Raritäten». Für Mitarbeitende im Aussendienst hatte Martel Kurzarbeit beantragt. Dieses Instrument hat auch Beck von Giardino del vino und Schiess von Caratello geholfen. Beck sagt, «über alles gesehen haben wir etwas weniger verkauft als üblich, aber der Privatverkauf ist relativ gut geblieben». Sein Fazit: «Wir hatten mit mehr Einbussen gerechnet.» Schiess sagt, das Mehr an Privatverkäufen und das eine oder andere ungeplante Geschäft im Grosshandel mit Wiederverkäufern, die teils früher bestellt hätten als sonst, hätten die meisten Einbussen in der Gastronomie ausgeglichen. Und die verbliebene kleine Lücke habe man dank Kurzarbeit überbrückt.

Noch positiver tönt es vom Bioweingut Lenz in Uesslingen-Buch nördlich von Frauenfeld. Karin und Roland Lenz vinifizieren in Iselisberg aus 34 Traubensorten über 40 Weine, alle in Bioqualität, und sie setzen auf pilzwiderstandsfähige neue Sorten. Ihre Weine vermarkten sie zur Hälfte an Wiederverkäufer wie Fachhändler oder Gastronomen, wobei Letztere aber wenig ausmachten und man im Fachhandel gut über die Runden gekommen sein. Den Verkauf an Privatkunden, der anderen Hälfte des Geschäfts, habe man «massiv gesteigert», sagt Karin Lenz. «An einzelnen Tagen haben wir bis zu 300 Prozent mehr verkauft als üblich.» Kurzarbeit war kein Thema. «Wir haben genug Arbeit gehabt.» Karin Lenz sagt gar: «Geschäftlich haben wir von der Krise profitiert.» Zu den Lenz-Kunden gehört unter anderem Delinat. Gegründet 1980 von Geschäftsleiter Karl Schefer in Speicher, hat der St.Galler Weinhändler 250 Weine aus biologischem Anbau im Sortiment. Marketing- und Verkaufsleiter Michel Fink sagt, im ersten Monat des Lockdowns habe man im Vorjahresvergleich doppelt so viele Onlinebestellungen erhalten. Das fällt ins Gewicht, macht doch Delinat in der Schweiz 80 Prozent des Umsatzes im Versandhandel und in Deutschland und Österreich nahezu 100 Prozent. Da fallen die geringeren Frequenzen in den acht Weinbars und -shops, die man gleichwohl «stark gespürt» habe, weniger ins Gewicht. Laut Fink hat Delinat auch von einem zweiten Faktor profitiert, «der nochmals steigenden Nachfrage nach ökologisch hergestellten Produkten». Fink sagt zudem: «Insgesamt gehören etablierte Onlinewettbewerber zu den Gewinnern der Krise.»

Das sieht auch Martel so. 1995 habe man den europaweit ersten Webshop für Wein eröffnet, diesen Kanal stets gepflegt und ausgebaut. «In der Coronazeit hat er nun noch stärker an Bedeutung gewonnen.» Martel äussert sich überzeugt: «Wir haben Marktanteile gewonnen.» Mittlerweile sind die Beizen unter Einhaltung von Abstandsregeln wieder offen, Homeoffice wird graduell reduziert, erste Feste und andere Anlässe werden wieder geplant. Damit einher geht auch ein Rückgang der Onlineumsätze der Weinhändler, doch lägen sie noch immer auf einem höheren Niveau als vor Jahresfrist. Parallel dazu ziehen die Bestellungen aus der Gastronomie an, allerdings «nur sehr langsam», wie etwa Fink beobachtet. Schiess von Caratello sagt, «wir helfen bestehenden Gastronomiekunden bei ihrem Neuanfang im Fall von Liquiditätsproblemen, etwa mit verlängerten oder gestaffelten Zahlungsfristen». Doch: «Die meisten brauchen das gar nicht.»
Beck von Giardino del vino sagt, bei der Planung grosser privater Feste seien die Leute noch zurückhaltend, aber: «Vor kurzem ist eine erste Bestellung für einen Geburtstag hereingekommen.»

Seinen Laden hatte er vorübergehend erst halbtags geöffnet. Martel beobachtet, dass seit der Wiederöffnung seiner Läden am 11. Mai «viele Kunden gerne wieder vorbeikommen». Denn: «Eine Weinhandlung ist ein Begegnungsort, und Wein ist mit Emotionen verbunden.» Wie es weitergeht, hängt laut Karin Lenz stark von der Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts ab. «Hier herrscht noch viel Ungewissheit.»

Das weiss auch Jan Martel. Mut macht ihm der Ausblick auf die Sommerferien: «Viele Schweizer Hotels sind, wie ich von unseren Kunden höre, sehr gut gebucht, besser als im Vorjahr.» Und grade in den Ferien gehöre für viele Gäste oft ein guter Schluck Wein dazu.

Sommelier Mitgliederportrait Thomas Bürkli

Martel Weinwelt - Sommelier Mitgliederportrait Thomas Bürkli

Die Gastronomie war die erste Liebe von Thomas Bürkli, in fast all ihren Facetten: vom Koch, über den Barman, nach der Hotelfachschule war er schliesslich Direktionsassistent im Hotel Alpin Nova Schönried und F&B Manager im Eröffnungsteam des Hotel Hof Weissbad. Dann wurde die Faszination Wein immer stäker, unter anderem mit einem Stage bei Neipperg in Saint-Émilion und schliesslich der Weinhandel, wo er zunächst Geschäftsführer des Caveau Mövenpick Zürich Seefeld war, bevor er sein «Wein Zuhause» bei Martel St.Gallen fand.

Interview mit Thomas Bürkli
von Nadja Oehrlein und Bruno-Thomas Eltschinger
Bild: Holger Jacob

Welche Aufgaben umfasst Ihr Tätigkeitsbereich bei Martel?
Ich betreue Gastronomiekunden im westlichen Teil der Schweiz. Gleichzeitig kümmere ich mich auch um Aufgaben auf unserer Homepage und im Marketing.

Die Spezialisierung auf die Gastronomie – «genau Ihr Ding» oder ein Zufall?
Gastronomie und Hotellerie sind seit über drei Jahrzehnten mein Hobby und gleichzeitig mein Beruf. Früher «on the job» und jetzt als Zulieferer und Berater.

Haben Sie auch aus diesem Grund die Weiterbildung zum Sommelier absolviert?
«Eine» offizielle Weiterbildung zum Sommelier habe ich nicht gemacht. Learning on the job im Service, dann Theorie in der Hotelfachschule Thun und bei vielen Weinreisen sowie Winzerbesuchen konnte ich das Theoretische vertiefen.

Was fasziniert Sie ­ nach wie vor ­ an Ihrem Beruf?
Der Kontakt mit Menschen in der Gastronomie und zu den Winzern. Man kann jeden Tag noch etwas dazulernen. Die Weinwelt ist extrem lebendig.

Was sind für Sie die wichtigsten drei Eigenschaften eines Sommeliers?
Einfühlungsvermögen, offener Weinhorizont, Unabhängigkeit

Sind Sommeliers eher Entertainer oder Verkäufer, die Gästen etwas «andrehen» sollen?
Weder noch, für mich ist ein Sommelier jemand, der seinen Gast ernst nimmt und für ihn und mit ihm zusammen den passenden Wein findet.

Warum soll Sommelier ein Trendberuf sein?
Herkunft und Eigenschaften des Angebotenen ist dem heutigen Gast oft sehr wichtig. Der Sommelier ist für mich der «Bote», der das perfekt transportieren kann, nicht nur beim Wein, sondern auch bei den Speisen.

Was darf ein Sommelier nie sagen?
Dieser Wein passt nicht zum gewählten Gericht.

Was ist die schwierigste Aufgabe eines Sommeliers?
Abzuschätzen, wie risikofreudig der Gast bei der Auswahl ist und wieviel er bereit ist auszugeben für die Flasche oder die Weinbegleitung. Und das innert nützlicher Frist.

Welches war das prägendste Erlebnis in Ihrer Laufbahn?
Das Prägendste gibt es nicht bei mir, es waren viele kleine Puzzleteile, die mich auf diese Laufbahn gebracht haben.

Welchen heutigen Sommelier bewundern Sie?
Marc Almert.

Welches Restaurant in der Schweiz hat heute den besten Sommelier und wie heisst er?
Ich habe mit sehr vielen, sehr kompetenten Sommeliers in der Schweiz zu tun. Da gibt es kein Ranking.

Wie gross ist das Weinsortiment, das Sie betreuen?
Rund 1’600 verschiedene Weine von über 200 Winzern.

Ist es anstrengend berufshalber immer Wein trinken zu müssen?
Nein. Ich darf Wein trinken.

Spielt ökologischer Weinbau bei Ihren Kunden eine grosse Rolle?
Biologisch, biologisch-dynamisch spielen eine Rolle aber keine grosse.

Wie verkaufen Sie Naturwein oder Orange-Wein Ihren Kunden?
Wir führen wir nur vereinzelte Flaschen im Sortiment.

Welche Rolle spielen Parker-Punkte für das Sortiment und für Ihre Kunden?
Heute eine kleinere. Vor zehn Jahren wurde dem noch viel mehr Gewicht gegeben als heute. Die Vielfalt an verschiedenen Beeinflussern ist heute viel grösser als damals. Diverse Weinapps, Influencer in den Sozialen Medien und Weingurus wie Parker teilen dieses Feld unterdessen auf. Und der Weinkäufer verlässt sich auch wieder mehr auf seinen eigenen Geschmack.

Nach welchen Kriterien empfehlen Sie Ihren Kunden die Weine?
Was für ein Hotel, was für ein Restaurant, was für Gäste, in welchem Ort, wie ist der Ausbildungsstand der Serviceleute. Sehr individuell auf jeden Fall.

Was sollte Ihrer Meinung nach an erster Stelle stehen: zuerst die Weinauswahl und dann ein entsprechendes Gericht dazu zubereiten – oder das Gericht festlegen und dann den Wein dazu auswählen bzw. sich empfehlen lassen?
Ich finde beides spannend.

Was interessiert Ihre Kunden bei Weinen am meisten?
Wer hat den Wein gekeltert, zu was trinkt man ihn am besten und wie lange kann der noch im Keller liegen.

Was macht Ihre Kunden bei Wein unzufrieden?
Korkschmecker.

Was ist das Geheimnis eines guten Weines?
Ein Wein muss mich berühren, er soll mir beim Reinschnuppern seine Geschichte erzählen, etwas über das Jahr, über die Region und über die Menschen, die ihn gemacht haben. Tolle Weine sind diejenigen, die sich über Stunden entwickeln und bei jedem Riechen, bei jedem Schluck etwas Neues zeigen.

Was ist für Sie ein preiswerter Wein?
Jeder Wein kann preiswert sein, wenn er mich berührt, wenn er Emotionen weckt. Je älter ich werde, desto weniger Wein trinke ich mengenmässig dafür hochwertiger.

Welche Flasche Schweizer Wein verkaufen Sie sehr gerne?
Tenuta Luigina Gemma del Est

Welches sind Ihre Weinfavoriten für Schweizer Weine?
Walliser Spezialitäten

Welcher ist für Sie der beste Schweizer Schaumwein?
Auf dem Gebiet kenne ich mich zu wenig aus. Deswegen trinke ich in der Regel Champagner.

Welche Trends sehen Sie im Weingeschmack junger Leute?
Bei Sevicemitarbeiter-Schulungen sehe ich, dass eher die stoffigen, reiffruchtigen Weine ankommen. Wir haben aber auch viele junge Weinfreunde bei unseren Burgundveranstaltungen, die sehr interessiert und offen sind. Einen richtigen Trend sehe ich da nicht, sondern unterschiedliche Geschmäcker und Interessen.

Welche Weingebiete oder Regionen sind die zukünftigen positiven Überraschungen?
Der Norden Portugals vielleicht mit den autochthonen Rebsorten, die dort wachsen.

Wer produziert die besten Weingläser und warum?
Vielleicht Zalto? Der Kontakt mit dem Wein ist sehr direkt bei diesem Glas, ein Hauch von Nichts zwischen mir und dem Weinerlebnis. Relativ stabil für die filigrane Eleganz. Aber heute gibt es diverse Weingläser, die wohl ähnlich toll sind, wie zum Beispiel ein Gabriel Gold oder andere.

Von welchem Wein haben Sie am meisten in Ihrem privaten Weinkeller?
Ganz viel Burgund, rot und weiss, deutsche Rieslinge und noch etwas Ridge Monte Bello.

Welche zwei Weine würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
La Tâche 1989 und Felseneck oder Halenberg Grosses Gewächs 2008 von Tim Fröhlich (am liebsten beides in der Magnum).

Welche Winzer sind Ihnen die liebsten und warum?
Handwerker, die jeden Tag im Rebberg stehen und versuchen, die bestmöglichen Trauben von ihren Reben zu erhalten.

Welches ist Ihr persönliches Lieblings-Weinland, ausser der Schweiz, in Europa?
Frankreich

Wieviel kostete der teuerste Wein, den Sie jemals bestellten? Wie heisst er?
Im Restaurant? Schwierig, da ich im Restaurant eher mittelpreisige Weine bestelle. Kürzlich im Burgund ein Clos des Lambrays 2015 für 450 Euro.

Was ist Ihr Hobby?
Wein, Segeln, Wandern

Ihre Lieblingsmusik?
Von klassisch bis Dire Straits. Ich bin sehr offen.

Ihr Lieblingsessen?
Klassische französische Küche aber auch tolle Pasta

Mit welcher Persönlichkeit auf der Welt würden Sie eine Flasche Petrus trinken?
Mit meiner Frau, weil sie Merlot mag oder mit Jean-Claude Berrouet, wenn sie keine Lust hat.

Was ist Ihr Lebensmotto?
Lebe jeden Tag, wie wenn es Dein letzter wäre.

Haben Sie einen grossen Traum?
Ich lebe meinen Traum

Was halten Sie für Ihren grössten Vorzug bzw. Ihren grössten Fehler?
Ich bin recht flexibel und manchmal etwas ungeduldig.

Was halten Sie für Ihre grösste Tugend, was für Ihr grösstes Laster?
Laster? Ich kaufe zu viel Wein ein.

Welchen Luxus leisten Sie sich gelegentlich?
Eine Zigarre auf dem Balkon

Welcher Versuchung widerstehen Sie nicht?
Einer schönen Friandiseauswahl nach dem gepflegten Mahl.

Was bringt Sie auf die Palme?
Leute, die behaupten es gäbe keinen Klimawandel.

Welches Kompliment hören Sie am liebsten?
Das war eine super Weinbegleitung und wir haben etwas gelernt.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Autowaschen und dann später kochen.

Sie gewinnen eine Million Franken, was würden Sie damit tun?
An der Börse vernünftig anlegen und von der Dividende Wein kaufen.

Was schätzen Sie am Schweizer Sommelierverband besonders?
Austausch mit Kollegen, interessante Kontakte.

thomas bürkli So oder so

Jahrgangsbericht Bordeaux 2019

Martel Weinwelt - Jahrgangsbericht Bordeaux 2019

Wir haben es geschafft: Trotz Corona-bedingter Einreisebeschränkungen konnten wir Anfang Juni nach Bordeaux reisen. Nicht wie üblich mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto. Die Mühen haben sich aber dessen ungeachtet gelohnt. Wir sind von der Qualität des Jahrgangs 2019 schlicht begeistert. Auch wenn wir bereits mit recht grossen Erwartungen nach Bordeaux gereist sind, wurden diese sogar übertroffen – umso mehr als sich die Preise äusserst positiv entwickelt haben.

Preisentwicklung

Was bereits vor dem Start der Primeur-Kampagne gemunkelt wurde, ist eingetroffen: Gerade speziell bei den Cru Classés sind die Preise gegenüber 2018 meist um 20% bis 35% gesunken. Eine solche Preissenkung ist bei einem so hervorragenden Jahrgang absolut aussergewöhnlich und lässt die Weinherzen höher schlagen.

Rotweine

Bei den Grands Châteaux kann unisono von einem grossartigen Jahrgang gesprochen werden. Dies sowohl im Médoc als auch auf der rechten Seite der Gironde, im Libournais. Was besonders auffällt, ist die Balance zwischen reiffruchtigen Aromen und einer belebenden Frische. Mit anderen Worten: Nicht wenige Weine besitzen kühlende Noten von Minze und Menthol.

Die Weine der Grands Châteaux zeigen durchs Band eine hervorragende Gerbstoffqualität und keine Spur von Unreife oder Rustikalität. Bei den Petits Châteaux ist die Qualität etwas heterogener. Aber auch hier gibt es viele geniale Weine zu einem vernünftigen Preis.

Darüber hinaus zeichnen sich viele Crus Classés durch eine grosse Spannung und Tiefe aus und haben uns dementsprechend emotional berührt. Dazu gehören im Médoc sicherlich

  • Montrose in St. Estèphe
  • Mouton-Rothschild, Pichon Baron und Pontet-Canet in Pauillac
  • Léoville-Barton, Léoville-Poyferré und Gruaud-Larose in St. Julien
  • Margaux, Rauzan-Ségla und Brane-Cantenac in Margaux

Fast auf gleichem Niveau aber zu günstigeren Preisen können wir Clerc-Milon, Talbot und Malescot St. Exupéry, La Lagune, Sociando-Mallet und Belle-Vue wärmstens empfehlen.

Etwas überraschend war die hohe Qualität in den «Merlot-lastigen» Appellationen St. Emilion und Pomerol. In den letzten Jahrgängen zeigten diese Weine häufig marmeladige, ja gar überreife Aromen mit einer etwas ermüdenden Opulenz. 2019 hingegen wurden wir von ernsthafteren, klassischen Weinen mit stützenden, gleichsam fast seidigen Gerbstoffen in den Bann gezogen, die aber ihre Herkunft nicht verbergen. So werden Sie in diesem Jahr mehrere zusätzliche Angebote aus dem Libournais finden. Ganz toll degustiert haben wir

  • Canon, Canon-la-Gaffelière, la Mondotte, Quintus und Troplong-Mondot aus St.Emilion
  • Gazin und Beauregard aus Pomerol

In Pessac-Léognan schliesslich hat uns bei den Rotweinen neben den ganz grossen Namen Haut-Brion und Mission-Haut-Brion vor allem Domaine de Chevalier begeistert.

Weissweine

Nur selten sind im Bordeaux grosse Rotweinjahre auch sehr gute Weissweinjahre. Die Weissweine aus Pessac-Léognan besitzen 2019 eine saftige, fein ziselierte Säure, ein vielschichtiges, ausdrucksstarkes Aromenbild und gut integriertes Holz. Neben dem äusserst konstanten Domaine de Chevalier und dem raren Mission-Haut-Brion ist uns der Best-Buy Larrivet-Haut-Brion positiv aufgefallen.

Süssweine

Während im Vorfeld der Primeur-Kampagne über mangelnde Botrytis bei den Süssweinen moniert wurde, erlebten wir mit Sauternes und Barsac demgegenüber eine weitere Überraschung. Dank mehr Säure sind die Weine frisch und lebendig. Sie machen nach dem ersten Schluck richtig Lust auf mehr. Besonders aufgefallen ist uns, neben Doisy-Védrines, der grossartige Suduiraut, dem mit wohldosierter Süsse, toller Balance und einer beeindruckenden Spannung ein grosser Wurf gelungen ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir total begeistert sind und die Weine wärmstens empfehlen können. Sie sind voller Energie und werden grosse Trinkfreude bereiten. Santé.

Zum Angebot

Bordeaux 2019
Jan Martel und Philippe Gallusser beim Degustieren der Bordeaux Primeurs 2019
Bordeaux 2019

Pionier der ersten Stunde – 9000 Tage online

Martel Weinwelt - Pionier der ersten Stunde - 9000 Tage online

Die St. Galler Weinhandlung Martel hatte einen der ersten Webshops überhaupt und erlebte die Entwicklung im E-Commerce während den vergangenen 25 Jahren folglich hautnah mit. Aber: Kann ein solch emotionales Thema wie «Wein» überhaupt online transportiert werden?

9000 Tage: Also mehr als 24 Jahre sind vergangen, seit der Online-Shop der WeinhandlungMartel im Internet aufgeschaltet worden ist. Man schrieb das Jahr 1995, das «neue Netz» war den meisten noch völlig unbekannt und die ersten Bestellungen trafen von IT-Freaks aus Norwegen, Spanien und England ein. Geschäftsführer Jan Martel erinnert sich: «Das waren wahrscheinlich keine Weinliebhaber, sondern sie versuchten herauszufinden, ob der Shop wirklich funktioniert und die Produkte tatsächlich ausgeliefert werden.» Ein Jahr später, Google war noch nicht geboren, listete Yahoo als Marktleader für Internet-Recherchen erst 49 Wein-Webshops weltweit auf. Eine rührend winzige Anzahl aus heutiger Sicht. Wer nämlich heute bei Google «Wein Webshop» eintippt, erhält in 0.49 Sekunden ungefähr 758 000 Einträge.

Doch wie kam Martel überhaupt dazu, 1995 einen Webshop für Weine zu eröffnen? «Mein Schwager war damals an der HSG tätig», erzählt Martel. Dieser suchte nach einem Produkt, das er in einem Online-Shop abbilden konnte.» Obwohl damals die meisten Händler und Verkäufer dem Internet gegenüber noch skeptisch eingestellt waren, konnte Martel die damaligen Geschäftsführer – seinen Vater und seinen Onkel – davon überzeugen, bei diesem Projekt mitzumachen.

Familienunternehmen mit langer Tradition

Jan Martel übernahm die Geschäftsleitung der Weinhandlung Martel im Jahr 2005. Er repräsentiert die bereits fünfte Generation männlicher Nachfolger von Margarethe und Ferdinand Martel, die 1876 die Vertretung einer Mainzer Weingrosshandlung übernommen und damit das Familienunternehmen gegründet hatten. Die St.Galler Firma ist eine der ältesten Weinhandlungen in der Schweiz. Heute ist sie an drei Standorten in St.Gallen und Zürich präsent und beschäftigt 45 Mitarbeitende. Das Privat- und das Firmenkundengeschäft halten sich in etwa die Waage und weisen ein konstantes Wachstum auf. Martel ist sehr zufrieden: «Gerade in den vergangenen vier Jahren konnten wir in einem schrumpfenden Markt erheblich zulegen. Zumindest bis zur Coronakrise: Wie viele andere Unternehmen wurden und werden wir von den Auswirkungen der ausserordentlichen Lage gefordert.»

Werbung on- und offline

Martel ist weit davon entfernt, nur noch auf den Verkauf übers Internet zu setzen. Er erklärt: «Der Online-Bestellkanal gewinnt zwar an Wichtigkeit – gerade als wir wegen der Coronakrise unsere drei Ladengeschäfte schliessen mussten – doch Wein ist und bleibt ein emotionales Produkt. Und gerade bei emotionalen Produkten halten die Menschen gerne Papier in den Händen.» Regelmässig werden darum klassische Mailings per Post verschickt. Diese und die Newsletter sollen die Kundschaft, die sich gern beraten lässt, einerseits in einen der drei Läden bringen oder sie dazu bewegen, den Online-Bestellkanal zu nutzen.

Das Unternehmen ist auch in den Sozialen Medien aktiv, legt aber Wert darauf, dabei nicht allzu penetrant aufzutreten. «In den vergangenen zwölf Monaten veröffentlichten wir 120 Posts auf Facebook und 90 auf Instagram und erreichten teils eine Reichweite von bis zu 40 000 Usern.» Auch die Zusammenarbeit mit Influencern wurde schon ausprobiert. Martel ist aber der Meinung, dass man sich im Moment auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren sollte und hat diesen Marketingkanal temporär wieder stillgelegt.

Tricks und Tipps im Online-Handel

«Das Betrugsrisiko in unserem Geschäft ist relativ klein», sagt Martel. Mehr zu schaffen machen ihm die Zahlungsausfälle. «Wenn jemand mit der Kreditkarte bezahlt, ist dieses Risiko an die Bank ausgelagert. Doch wenn jemand auf Rechnung bestellt, tragen wir das gesamte Inkassorisiko.» Dank einer strengen Kreditprüfung des Bestellers vor Auslieferung konnten hier die Ausfälle auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Wegen der frühen Internetpräsenz von Martel durfte die Firma die ganze E-Commerce- Entwicklung mitmachen und ist mit ihr gewachsen. Martel: «Am Anfang hatten wir natürlich kaum Bestellungen, dafür kostete unser erster Online-Shop gerade einmal 5000 Franken.» Heute muss man für Layout, Software, Sicherheit, Grafik, Lizenzen und dergleichen mit einem Vielfachen davon rechnen. «Zudem muss man sich bewusst sein, dass im Netz niemand auf einen gewartet hat. Das Angebot ist enorm.» Zuerst müsse darum das Produkt stimmen, denn nur einen schönen Shop zu haben, das bringe nichts.

«Das Produkt oder die Dienstleistung muss top und die Verkaufsstrategie sauber und klar sein; das ist die Basis.» Wenn das stimme, dann – so die Empfehlung von Martel – kann man sich an die Suchmaschinenoptimierung machen und so sein Google-Ranking verbessern. Dafür ist auch das Schalten von Online-Werbung bei Google & Co. nützlich: Denn bei 758 000 Einträgen hat kaum einer die Geduld, alle Weinhändler durchzuklicken.

Bordeaux unter 30 Franken

Martel Weinwelt - Bordeaux unter 30 Franken

Wer ein bisschen stöbert, stösst in BORDEAUX auf sensationelle
PREIS-LEISTUNGS-SCHNÄPPCHEN. Die gute Nachricht:
Wir haben Ihnen die Suche bereits abgenommen!

Die Bordeaux-Subskription 2019 läuft auf Hochtouren. Der Jahrgang ist fantastisch, die Preise fallen, was will man mehr? Na ja, vielleicht etwas zum jetzt trinken? Bordeaux für unmittelbaren Genuss und wenig Geld. Das war unsere Mission: Ihnen aus der Fülle an roten Bordeaux, welche aktuell am Markt erhältlich sind, die Preis-Leistungs-Perlen herauszupicken. Rund 50 Weine unter 30 Franken haben wir blind degustiert. Die meisten stammten aus den Jahrgängen 2015 und 2016, aber auch Jüngeres und Älteres war dabei. Ein buntes Sammelsurium also. Doch die Sieger der Verkostung zeigten ein paar spannende Gemeinsamkeiten.

Erstens: Zwischen den Jahrgängen 2015 und 2016 gewann fast systematisch der 16er. Dabei gilt sein Vorgänger als Strahlemann, ein reifes Sonnenjahr, welches den Geniesser schon jung um den Finger wickelt. Es stellt sich heraus, dass 2016 das ganz genauso kann – dabei aber noch etwas mehr an Substanz zeigt.
Zweitens: Fast alle Weine unseres Sieger-Line-ups stammen aus eher
unglamourösen Appellationen. Warum? Ganz logisch: Weil so fantastische Qualität aus einer Edel-AOC wie Pauillac oder Pomerol direkt das Doppelte kosten würde!
Drittens: Es ist auffällig, bei wie vielen unserer Favoriten ein Weinpromi die Finger im Spiel hatte, seien es renommierte Consultants wie Eric Boissenot oder Stéphane Derenoncourt oder die Besitzer bekannter Crus wie die Familie Borie. Talent und Erfahrung setzen sich halt immer durch.
Zuletzt noch: Wir bitten um Nachsicht für die inflationäre Verwendung des Wortes «Frische» in unseren Weinbeschreibungen. Doch genau das zeichnet heute, in Zeiten des unübersehbaren Klimawandels, einen Spitzen-Bordeaux aus. Kraft und Struktur kann Bordeaux schon immer im Schlaf. Doch die Topgewächse machen einem den Mund zudem so wässrig, dass man kaum den nächsten Schluck abwarten kann.
Ein Glück, sind unsere Empfehlungen so günstig! Trinken Sie los.

Die Weine aus dem Martel Angebot

Châteu L’Eden 2016
Médoc
Liebling des Marmite-Panels

Garten Eden
Darf man das sagen? Wir tun’s einfach: Das hier ist ein Bordeaux mit fast burgundischem Vibe! Was für ein Leichtfuss: Er grüsst mit rotfruchtiger, subtil floraler Nase, zeigt nur ganz diskrete Holzwürze. Am Gaumen unglaublich frisch, ein supercharmanter Wein mit seidigem Tannin, irre viel Duft und vibrierender Säure. Château L’Eden ist ein absoluter Newcomer, 2016 ist der allererste Jahrgang dieses Guts. Mit der Gründung erfüllte sich Fabien Faget, hauptberuflich Technischer Direktor des Überflieger Cru-Bourgeois Château Meyney, den Traum von der eigenen Scholle. Die Rebstöcke zählen indes über 40 Jahre.
Unser Tipp: Sechs Flaschen kaufen und ab jetzt jedes zweite Jahr eine trinken. Wir prophezeien, das kommt gut.

Grand Enclos du Château de Cérons  2015
Graves

Das fliesst
Graves besitzt das ausgewogenste Terroir von Bordeaux. Cabernet und Merlot fühlen sich hier gleichermassen wohl. Die Weine punkten in der Regel nicht mit Kraft oder Konzentration, sondern mit Trinkfluss. So auch dieser Wein des
denkmalgeschützten Château de Cérons. Im warmen Jahrgang 2015 zeigt er dunkle Frucht und dichte Gerbstoffe, zugleich hat er eine wunderbare Leichtigkeit und Frische bewahrt.

Die Jahrgänge

2019 ★★★★★
Schlicht ein Traumjahr.
Und: Die Preise fallen!
Zugreifen.

2018 ★★★★★
Elegant, präzise, wunderschön. Ein Jahrgang, der
Geschichte machen wird.

2017 ★★★(★)
Zweigeteilt. Saint-Emilion
und Pomerol litten unter
Frost und mangelnder
Reife, das Médoc erzeugte tolle Klassiker.

2016 ★★★★★
Ganz grosses Jahr.
Ultraklassisch. BilderbuchBordeaux.

2015 ★★★★(★)
Ein warmes, generöses
Jahr mit viel Charme. Teils
ein wenig überreif.

2014 ★★★★
Ein kühles, aber ausgewogenes Jahr. Unaufgeregt gut.

2013 ★★★
Vom Wetter gebeutelt,
man merkt’s vielen Weinen an. Jetzt trinken.

2012 ★★★★
Schwierige Bedingungen,
doch viele sehr gelungene Weine!

2011 ★★★
Gut hinschauen beim
Kauf, die Qualität reicht
von mittel bis prächtig.

2010 ★★★★★
Von allem reichlich:
Alkohol, Säure, Tannin.
Aber perfekte Balance.
Imposant.

Marmite 05/20, Britta Wiegelmann

Martel moves outside

Martel Weinwelt - Martel moves outside

Martel moves outside – ein guter Wein braucht Luft und auch uns Menschen tut es nach den langen Wochen zu Hause gut, mal wieder etwas Luft zu schnappen. Die neuen Aussensitzplätze bei Martel am Bahnhof sind der zentrale Ort in St.Gallen, an dem man sich zu einem Glas Wein und feinen Häppchen treffen kann.

Das sonnige Wetter haben wir bestellt und die Apéroweine kühl gestellt. Unsere Sommerweine eignen sich perfekt zum Anstossen. Bis bald.

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Bordeaux 2019 – Ein vergessener grosser Jahrgang und fallende Preise?

Martel Weinwelt - Bordeaux 2019 – Ein vergessener grosser Jahrgang und fallende Preise?

Mit Freude geben wir Ihnen erste Informationen zum Primeur-Angebot 2019 bekannt. Eines bereits vorneweg: wir dürfen gespannt sein!

Auch die Weinwelt wird durch die Wirren der Corona-Krise wirtschaftlich nicht verschont. Gerade das Bordeaux hat es hart getroffen: Jeweils Ende März werden Händler aus aller Welt zur Primeur-Verkostung eingeladen, um sich in Bild von der Qualität des Jahrgangs zu machen. Bei der Kampagne selektionieren die Weinhändler die aus ihrer Sicht besten Weine und bieten sie ihren Kunden anschliessend in Subskription an. Weine wohlgemerkt, die erst 2021 an die Kunden ausgeliefert werden.

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Burgund 2018

Martel Weinwelt - Burgund 2018

Unsere Winzer im Burgund sind sich einig:

«2018 ist ein einzigartiger Jahrgang» Jean-Louis Trapet

«Ein Jahr der Extreme» Christophe Roumier«Un grand millésime de garde» François Millet, Domaine Comte de Vogüé

«Ein sonniger Jahrgang mit bemerkenswerter Terroir-Signatur» Philippe Pacalet

«Wer die Weichen rechtzeitig richtiggestellt hatte, kelterte frische, klare, präzise Weine» François Carillon

«100 Tage Reife ab Blüte ist Geschichte, das war für die 80er Jahre! Die Strategie im Rebberg musste und muss weiter angepasst werden.» Denis Bachelet 

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Mamete Prevostini – ein Bergwein zeigt Harmonie und Finesse

Martel Weinwelt - Mamete Prevostini – ein Bergwein zeigt Harmonie und Finesse

Ein Spitzenproduzent aus dem Veltlin

Seit vielen, vielen Jahren sind wir auf der Suche nach einem Weingut aus dem italienischen Veltlin. Doch keines ist auch nur annähernd in eine engere Auswahl gekommen. Die Weine waren uns entweder zu rustikal oder zu dürr.

Endlich sind wir fündig geworden. Mit Mamete Prevostini konnten wir schliesslich einen Spitzenerzeuger in unser Produzenten-Portfolio aufnehmen.

Nebbiolo

Barolo- und Barbaresco-Fans aufgepasst: Der Familienbetrieb setzt ganz auf die Karte Nebbiolo. Die Rotweinsorte wird seit Anfang des 19. Jahrhunderts im Veltlin angebaut und fühlt sich hier, nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, pudelwohl. Sommerwärme, grosse Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, sowie generell wenig Regen und gute Belüftung zeichnen das Klima des Veltlins aus. Ähnlich wie im Barbaresco wachsen die Reben auf sandigen Böden.

Während viele Weine aus der Region von markanten Gerbstoffen und Säure geprägt sind, zeigen die Weine von Mamete eine aussergewöhnliche Feinheit und Eleganz. Erfreulich sind die im Vergleich zum Piemont äusserst attraktiven Preise.

Nachhaltiger Betrieb

In den Neunziger Jahren übernahm Mamete den Betrieb von seinen Eltern und Grosseltern. Im familieneigenen Gasthof boten sie den Wein direkt aus dem Fass an.  Mit viel Können und Fingerspitzengefühl revolutionierte er den Betrieb und stellte seitdem auf nachhaltigen Betrieb um. Heute bietet er eine ganze Palette von vorzüglichen Rotweinen an. Wir haben uns für deren drei entschieden, welche die Vielseitigkeit von Mamete’s Weinen aufs Schönste aufzeigen.

Die Weine von Mamete Prevostini

  • Sassella Marena 2016, Valtellina superiore DOCG

Der Marena ist bei uns der Einstiegswein aus der bekannten Lage Sassella mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis. Der Wein hat einen wunderbaren Trinkfluss, ist sehr saftig und zeigt Noten von Sauerkirschen und einen Hauch von Mandeln.

  • Inferno La Cruus 2016, Valtellina superiore DOCG

Der La Cruus wird an schwer zugänglichen Steillagen in der renommierten Lage Inferno angebaut. Der Wein ist kräftig, dicht und voll. Er zeigt ein vielschichtiges, rotfruchtiges Bukett mit herrlichen Aromen von frischen Erdbeeren. Hat daher Potential für eine längere Reife.

  • Corte di Cama 2016, Sforzato di Valtellina DOCG

Hier kommen auch Amarone-Freunde auf ihre Kosten. Gleich wie im Valpolicella werden beim Sforzato die Trauben nach der Lese traditionellerweise in kleinen Kistchen zwei bis drei Monate luftgetrocknet. Dabei verlieren sie bis zu 40% ihres Gewichts, deshalb werden Aromen und Zucker konzentriert. Das Resultat ist ein intensiver, feurig-mächtiger Wein mit viel Frucht, Noten von Rosinen und samtenen Gerbstoffen. Gleichzeitig wirkt der Wein frisch und saftig. Kurzum ein grosser Wein, der auch in 10 Jahren viel Freude bereiten wird.

Wir freuen uns sehr, mit Mamete Prevostini einen grossartigen Partner im Veltlin gefunden zu haben!

Impressionen

Mamete Prevostini
Mamete Prevostini
Mamete Prevostini

Friulano, ein ganz grosser Weisswein aus Italien

Martel Weinwelt - Friulano, ein ganz grosser Weisswein aus Italien

Das Weingut

Bei meiner letztjährigen Italien-Reise im November durfte ein Besuch des renommierten Weingutes Ronchi di Manzano im malerischen Friaul nicht fehlen. Corona war noch kein Thema und Social Distancing ein Fremdwort, das kaum jemand kannte. Umso herzlicher war darum die Begrüssung mit der Familie Borghese. Die Mutter Roberta führt mit Ihren beiden Töchtern Lisa und Nicole das Gut mit viel Liebe und Hingabe.

Die Rebsorte

Obwohl bis anhin nicht im Sortiment, möchten mir die Borgheses ihre von Generation zu Generation weitergegebene Herzensangelegenheit näherbringen:  die Rebsorte Friulano. Der Besuch der bis zu 70-jährigen Rebanlage ist beeindruckend. Dicht an dicht stehen die knorrigen Rebstöcke auf einem sehr kalkhaltigen, sandigen Boden mit hervorragender Drainage, einzigartig und im Friaul Ponca genannt. Für Ackerbau völlig ungeeignet, für die autochthone Rebsorte Friulano dagegen das perfekte Terroir. Nur hier zeigt die sonst unscheinbare Sorte ihr ganzes Potential – Mineralität, Tiefe und Langlebigkeit. Bei der anschliessenden Verkostung wird mir klar: dieser Wein muss unbedingt ins Martel-Sortiment!

Der Wein

Der Friulano 2018, ein Spitzenjahrgang im Friaul übrigens, überrascht mit seiner strohgelben Farbe. Er zeigt herrliche Aromen von Birnen, gelben Früchten und, typisch für Friulano, von Mandeln. Im Gaumen wirkt er dicht, cremig, mit viel Schmelz und einer sagenhaften Frische, die den Wein aufs Schönste ausbalanciert. Ich hatte während des beeindruckenden Besuchs das Glück, auch Jahrgänge bis zurück in die Neunziger Jahre zu verkosten. Und alle, wirklich alle, waren noch wunderbar frisch, komplex und herrlich mineralisch. Ob jetzt trinken oder erst in vielen Jahren ist eine Frage des Geschmacks. So oder so, der Friulano von Ronchi di Manzano ist ein perfekter Begleiter von einem edlen Steinbutt oder Krustentieren. Auch mit einem feinen Perlhuhn kann er es ohne Weiteres aufnehmen.

Impressionen aus dem Rebberg

Friulano Ronchi di Manzano
Friulano Ronchi di Manzano
Friulano Ronchi di Manzano

Rosé-Zeit bei Martel

Martel Weinwelt - Rosé-Zeit bei Martel

Wir haben an der Uhr gedreht: Ende März zu Beginn der Sommerzeit und jetzt zu Beginn der Sonnenzeit: Bei Martel ist Rosé-Zeit!

In bester Qualität und selbstverständlich ohne Zeitverschiebung liefern wir ihnen kostenlos die untenstehenden Rosé-Weine nach Hause. Wir von Martel lieben diese Weine und so möchten wir auch Sie in das richtige Rosé-Feeling versetzen. Wie das geht?

Lassen wir die Sonne scheinen, es warm sein. Sie haben den Grill behutsam angefeuert und Snacks, Kräuter, Salat, Gemüse, Oliven, Fisch sowie Poulet sind bereitgestellt? Gut. Wo war das Meer? Es kommt mit unserer von Martel-Experten auf Herz und Nieren getesteten Rosé-Selektion zu Ihnen nach Hause. Dazu geben Sie beim Musikdienst Ihrer Wahl «La Mer» und «Charles Trenet» ein. Schon bei den ersten Tönen stellt sich das Rosé-Feeling ein. Wie in der Provence: Der Wind säuselt, das Eis in ihrem Eiskübel knackt, Rosmarinduft in der Nase, der Puls wird langsamer, das Zirpen lauter, man streckt die Beine, zückt den Korkenzieher und zack: Auszeit-Zeit. Rosé-Zeit, Vorsommerzeit. Boules-Zeit. Ein herrliches Spiel – auf dem Kies und auch im Glas.

Die zarten Rosé-Weine passen hervorragend in die Saison, weil sie uns entkrampfen, mit ihrer leichten, fruchtigen, frischen und ausgewogenen Art. Und Sie sind eben genau nicht Weder-Fisch-noch-Vogel. Tempi passati – längstens haben sich aufrichtige Rosé-Weine ihren Platz an der Sonne zurückerobert, engagierte Winzer das Image dank kontinuierlicher Qualitätsarbeit umgekehrt. Rosés sind hip et chic. Die Unterschiede? Eine zu entdeckende Geschmackssache. Lust auf Rosé, Rosado oder Rosato?

Die Aktion ist abgelaufen.

Erster Online-Weinshop in Europa und heute attraktiver denn je

Martel Weinwelt - Erster Online-Weinshop in Europa und heute attraktiver denn je

Lange ist es her. Zu einer Zeit, als Worte wie World Wide Web oder Online-Shop nur fragende Blicke auslösten.

Im Juni 1995 schaltete Martel als Pionier seinen Online-Shop auf. Das Internet war noch völlig unbekannt und so erstaunt es nicht, dass die ersten Bestellungen von IT-Freaks aus Norwegen, Spanien oder England getätigt wurden. Sie versuchten herauszufinden, ob der Shop wirklich funktioniert und die Weine tatsächlich ausgeliefert werden.

Ein Jahr später, Google war noch nicht geboren, listete Yahoo als Marktleader für Internet-Recherchen erst 49 Wein-Webshops weltweit auf. Eine rührend winzige Anzahl aus heutiger Sicht.

Entstanden ist der Martel-Weinshop auch dank einer Liebesgeschichte. Mein Schwager Andreas Göldi war damals an der HSG tätig und suchte nach einem Produkt, um es in einem Online-Shop abzubilden. Nicht einfach zu finden, denn das neue Medium war den meisten Personen noch suspekt. Wein bot sich für ihn aber geradezu an. Über seine Schwester, meine heutige Frau, versuchte er Kontakt zur Weinhandlung herzustellen. Nach harten Preisverhandlungen überzeugte er uns von diesem Experiment und Martel erhielt seinen Internetauftritt.

Inzwischen ist www.martel.ch seit über 9’000 Tagen online. Informativ, zuverlässig und immer topaktuell. Der älteste Wein-Webshop in ganz Europa!

Neu und attraktiv

  • Ein professioneller «Passt-zu-Filter». Neben Herkunft, Winzer und Anbauart können Sie neu eine Weinauswahl passend zu Ihrem Ostermenu finden.
  • 12 Weine fürs Homeoffice
  • Gutschein print@home als Ostergeschenk in letzter Minute.

Wir liefern alle Weine in der ganzen Schweiz gratis und ohne Mindestbestellmenge aus. Weinkultur steht im Vordergrund, bereits seit 1876 und online seit 1995.

Soul Food

Martel Weinwelt - Soul Food

In den letzten Wochen verbringen wir alle ziemlich viel Zeit zu Hause. Ich geniesse das abendliche, zweisame Ritual in der Küche. Kreativität ist gefragt, denn zurzeit geht niemand einer jeden Verlockung wegen einkaufen. Für mich ist jetzt Soul Food-Zeit. Jetzt brauchen wir Seelenfutter, wohlig, herzhaft und bodenständig. Kein Schnick-Schnack, sondern Essen mit Glücklichmacher-Effekt.

Tradition und Trend

Ursprünglich kommt Soul Food aus der afroamerikanischen Tradition der Südstaaten, bescheiden und ausgehend von dem was zur Verfügung steht, sättigend und wohltuend. Aber Soul Food lässt sich vielfältig übersetzen. Mir kommen viele Assoziationen in den Sinn – intensive Farben, aromatische Gewürze, Iran, Marokko, aber selbstverständlich auch Italien. Eine von A-Z frischgemachte Pasta ist für mich Soul-Food und Sinnlichkeit pur.

Soul Food liegt im Trend und ist seit Langem in der Spitzengastronomie, im Sinne von Ursprünglichkeit, Ehrlichkeit und Authentizität, angekommen. Ich erinnere mich an einen der ersten Chef Alps in Zürich mit Massimo Bottura. Er kochte einen Risotto Cacio e Pepe, Parmesan und Pfeffer. Eigentlich so simpel, so pur und so enorm aromatisch, dass er mir unvergesslich geblieben ist und genau das ist Soul Food.

Risotto Cacio e Pepe

Die Zubereitung des Risottos möchte ich niemandem vorenthalten. Ein Stück Parmesan wird langsam und sanft gekocht, bis sich der Käse auflöst und dann wird das Ganze über Nacht stehen gelassen. Am Morgen hat sich das Protein am Boden abgesetzt, während der cremige Part oben aufschwimmt und das verblüffend intensive Parmesanwasser in der Mitte liegt. Mit diesem, und nur mit diesem, wird der Reis gekocht, keine Zwiebel, kein Wein. Am Schluss rührt er einen Löffel der cremigen Masse unter und wir mahlen einen edlen schwarzen Pfeffer darüber. Basta.

Ist ja klar, dass der Spitzenkoch doch noch irgendetwas anders gemacht hat. Massimo Bottura verwendete keinen frisch gemahlenen Pfeffer, sondern ein Destillat von sechs exquisiten Pfeffern, das er über das fertige Gericht sprühte. Dazu empfehle ich einen Franciacorta brut Emozione 2014 von Villa.

Iranischer Soul Food

Den besten iranischen Soul Food esse ich bei einem guten Freund. Ich liebe den köstlichen weissen Reis mit Tahdig, der knusprigen Joghurt oder Kartoffelkruste und dazu eines der iranischen Nationalgerichte wie Khoregt-e Fesenjoon, ein Eintopfgericht aus Walnüssen Granatäpfeln und Hühnerfleisch. Herrlich dazu ein Glas Grauburgunder, Bedecke deinen Himmel Zeus… 2016 von Jürgen von der Mark oder seinen Engertstein Pinot Noir 2016

Noch mehr Soul Food – Lieblingsbücher

Und was ist mit dem Soul Food im übertragenen Sinne? Musik, gute Bücher, und liebe Freunde.

Wenn ich an gut Bücher denke, kommen mir als erstes Kochbücherin den Sinn. Da fällt mir ein besonderer Schmöker ein. Ein Tipp für Kochbegeisterte. Für alle jene, die  jetzt viel Zeit haben, neugierig sind und sich gerne inspirieren lassen: Der Geschmacks Thesaurus von Niki Segnit aus dem Bloomsbury Verlag. Das Buch ist unglaublich inspirierend. Und dies ist auch der Wein, den ich dazu empfehle. Riesling SL 2017 von Schloss Lieser. Ein tiefer Alkoholgehalt gepaart mit wenig Restsüsse machen ihn zum idealen «Glas zwischendurch».

Zum Philosophieren. Das funktioniert auch mit sich allein. Ein Buch das nicht neu ist, es begleitet mich aber seit vielen Jahren, weil es für mich eine besondere Perle ist. Am Hang von Markus Werner. Fischer Verlag.

Zum Roman des Schweizer Schriftstellers ein Glas eines Schweizer Winzerpaares. Meridio 2018 von Kopp von der Crone Visini.

Wein und Musik

Oder doch einfach mal ein gutes Glas Wein und Soul Musik geniessen:

Ode. Brad Mehldau Trio, 2012. Nonesuch
Visible World. Jan Garbarek, 1996. Decca/ECM

Musikalischer Hochgenuss. Dazu Cornas 2016 von Philippe Pacalet. Eine feine Adresse.

Soul Food
Soul Food

Gin. Kreativität trifft auf Tradition.

Martel Weinwelt - Gin. Kreativität trifft auf Tradition.

Wir haben Neuigkeiten aus der kreativen Schweizer Spirituosen-Szene. Vor knapp zwei Monaten sind wir auf ein spannendes St.Galler Start-up Unternehmen gestossen. Der junge Konditor Benjamin Brunner hat im Alleingang eine Gin-Manufaktur gegründet – mit dem sinnigen Namen St.Galler Bibergin.

Die Gins sind lokal gebrannt und handgefertigt. Die meisten Zutaten sind biologisch zertifiziert und haben, wenn immer möglich, eine lokale Herkunft.

Die erste Edition, der Bibergin Season No.4, ein klassischer Dry Gin, schmeckt tatsächlich wie ein typischer St. Galler Biber/Biberli. Die Komposition besteht unter anderem aus Botanicals wie Zimt, Ingwer, Piment, Orangen sowie Haselnüssen und Mandeln. Er ehrt das kulinarische Erbe des St. Galler Bibers, das bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Wer den Gin nicht pur trinken möchte, ist mit dem Gents Swiss Roots Tonic Water bestens bedient.

Sein neuster Wurf, der Spitzengin Season No.1, ist ein New Western Dry Gin. Es ist eine Reminiszenz an Brunners Urgrossmutter, die in Nachtarbeit nebenbei für eine Stickerei gearbeitet hat, um das karge Einkommen der Familie aufzubessern. Und natürlich auch an die weltberühmte St. Galler Textilindustrie. Der Hals der formschönen Flasche wird durch Spitzen verziert, welche Brunner zusammen mit der traditionsreichen Stickereifirma Forster Rohner aus St.Gallen konzipiert und mit 10’000 Stichen pro Stück hergestellt hat. Der florale Geschmack passt herrlich zum hereinbrechenden Frühling mit Botanicals wie Rosen, Lavendel und Veilchen.

Wir sind schlicht begeistert von den innovativen Produkten des kreativen Jungunternehmers. Er hat uns kürzlich verraten, dass bereits im Frühsommer ein weiterer Gin lanciert wird (das wäre dann No.2) – passend zur Jahreszeit mit mediterranen Noten von Lindenblüten, Majoran und dem hierzulande noch wenig bekannten Quendel. Wir sind gespannt und freuen uns auf eine inspirierende Zusammenarbeit!

Beide Gins sowie das Tonic Water sind im Martel-Online Shop erhältlich.

Perfekte Weine fürs Home-Office

Martel Weinwelt - Perfekte Weine fürs Home-Office

Eins ist klar: «Wer arbeitet, trinkt nicht. Denn wer trinkt, arbeitet unkonzentriert und lebt gefährlich». Beides kann sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten. Von dem ausgenommen sind Berufe, die Unkonzentriertheit und «Livin’ On The Edge» explizit als «Inspiration» bezeichnen: Schriftsteller, Musiker, Künstler oder auch Weinakademiker. Für alle anderen geht Alkohol am Arbeitsplatz prinzipiell gar nicht. Darum erschuf Gott das Home-Office. Der Hort der grauen Zone. Schlecht ausgeleuchtet widerfährt ihm dieser Tage Höchstbeachtung inklusive Sympathieboni. Führende Wirtschaftsverbände haben angekündigt, dass «das Büro» nach Corona nicht mehr derselbe Ort sein wird. Büros wären teuer, unpraktisch und eben: Es geht ganz gut ohne. Das ist die gute Nachricht für alle, die den blauen Kugelkopfteppich im Büro und die zwischenmenschlichen Kontakte in der Kaffeeküche eh nie mochten, andererseits ist das nicht so gut für jene, die zu Hause einen muffligen Ehepartner sitzen haben.

Egal. Das Home-Office hat sich behauptet. Aber das Home-Office verlangt von jedem einzelnen von uns auch verdammt viel Solidarität und Selbstdisziplin! Die Ratgeberliteratur dazu ist förmlich explodiert und selbstverständlich haben wir für Sie in aufwendiger Recherche alles Relevante gelesen und exklusiv eine kurze, kostenlose und sachdienliche Zusammenfassung aus der Sicht eines Weinhändlers erstellt. Wenn die Sonne aufgeht, steht man auch fürs Home-Office zunächst auf (Körperhygiene beachten). Zweitens: Man zieht sich einigermassen nett an (wegen der Video-Calls). Drittens: Man schafft Tagesstrukturen. Viertens: Man richtet eine Büroecke ein, dazu gehört auch ein eingerahmtes Föteli der Familie. Fünftens: Businesslunch! Und dazu ein Glas Wein, womit wir bei des Weinhändlers Kerngeschäft wären.

Nein, nicht jeder Wein eignet sich nämlich als Home-Office-Tropfen, Bordeaux und Burgunder zum Beispiel aufgrund Ihrer Schwere. In unzähligen Skype-Verkostungsrunden haben wir daher eine Top-Selektion der 12 besten Home-Office-Weine für Sie getroffen. Alles «Wines with Benefits», Weine also, die man auch sonst gerne haben könnte, die jedoch gerade jetzt doppelt so viel Sinn stiften:

Nehmen wir den Féchy La Colombe von Raymond Paccot. Ein Wein, so klar wie eine sauber programmierte Excel-Tabelle. Pur und fehlerlos. Seine floralen Aromen erübrigen zudem den teuren Home-Office-Blumenstrauss und seine klare Frische wird sich auch auf Ihren Geist übertragen. Weiter wirkte auch der Weissburgunder aus dem Südtiroler Kloster Muri-Griess erhellend auf unsere Expertinnen und Experten. Was die Wenigsten wissen: Dieser Wein ist von den Benediktiner-Mönchen dort seit Jahrhunderten als Home-Office-Wein erprobt und er erfreut sich selbst in engen Klausen einer breiten Beliebtheit. Ein Wunder, dass die Mönche ihn aus dem Kloster exportieren. Nun gab ein anderer Fakt den Ausschlag zur Annahme in unsere Selektion. Dieser Wein bringt Ihnen «erstaunlichen Reichtum». Dank ihm ist Ihre Zukunft zu Hause gesichert.

Genau wie unseren «Coup de Coeur», den wir Ihnen empfehlen, wenn Sie sich am Mittagstisch prophylaktisch aufs nächste Key-Account-Essen vorbereiten müssen. Braten Sie sich ein Entrecôte (Café de Paris) blutig, dazu ein Potpourri von gebuttertem Gemüse und selbstgemachten Bandnudeln mit Kräutern der Provence sowie dieses beste Beispiel der Herzlichkeit von der Winzer-Ikone Jean-Louis Chave. Dieser «Diener der Natur» verhilft Ihnen mit grösster Sicherheit zu «tiefen, echten» und lang anhaltenden Kundenbeziehungen.

Der Nachmittag im Home-Office verläuft danach gewohnt fehlerfrei, fokussiert und hoch effizient. Schnell noch die Bettwäsche aus der Waschmaschine in den Tumbler umschichten und falls die Motivation gegen 17.30 Uhr nachlassen sollte, gibt es von unserer Seite ein unerwartetes Upgrade für erfolgreiche Businessleute: «First-Class» Prosecco superiore Valdobbiadene von Bisol. Edel. Brillant. Nuanciert. Genauso endet ein weiterer erfolgreicher Tag im besten Home-Office der Welt – mit einem Apéro. Santé!

Diese Aktion ist abgelaufen. 

Der Treffpunkt für Geniesser…

Martel Weinwelt - Der Treffpunkt für Geniesser...

…in St.Gallen und Zürich. Sie sind auf der Suche nach dem perfekten Ort für Weingenuss in gemütlicher Atmosphäre? Egal ob in unmittelbarer Nähe zum Zürichsee oder direkt in der St.Galler Innenstadt – mit den Genusspunkten an unseren Standorten am Bellevue und an der St.Galler Poststrasse hat Ihre Suche ein Ende.

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Eine Weinreise ins Burgund

Martel Weinwelt - Eine Weinreise ins Burgund

Im Weinhimmel

Bei vielen weinbegeisterten Fans weckt das Burgund grosse Sehnsüchte. Es gilt seit Jahren als qualitativer Massstab. Mit 28 334 Hektar Produktionsfläche macht die Region jedoch gerade einmal 3 % der Weinbaugebiete Frankreichs aus.

Wenn man vom Burgund als Weinregion spricht, kommt man nicht um den Begriff Terroir herum. Denn hier verleiht die Lage den Weinen seinen Namen im Gegensatz zu Bordeaux (das Château) oder dem Elsass (die Traubensorte).

Diese Parzellen (Climats) besitzen jeweils eine eigene Geschichte und zeichnen sich durch besondere geologische und klimatische Bedingungen aus (Bodenbeschaffenheit, Exposition etc.). Die Bewertung eben dieser Weinlagen und deren Einteilung in Qualitätsklassen hat im französischen Burgund eine uralte Tradition. Erste Klassifizierungen reichen bis in das Mittelalter zurück und stammen von den Zisterzienser-Mönchen.

Das System der Einteilung der Weinparzellen in Qualitätsstufen nimmt einen grossen Stellenwert ein. Es ist aber für die meisten Weinkonsumenten sehr verwirrend.

Qualitätsstufen Burgund
Quelle: https://www.beaune-tourismus.com/entdeckungen/die-burgunder-weine/die-verschiedenen-weinbaugebiete-burgunds/die-herkunftsbezeichnungen

Ganz klar ersichtlich ist, dass die Qualitätsstufen «Premier Cru» und «Grand Cru» zusammen gerade einmal 11.5 % der Produktion ausmachen. Die Nachfrage übersteigt hier bei weitem die Produktion. Dies erklärt sogleich auch die Preisentwicklung einzelner Weine dieser Qualitätsstufen in den letzten Jahren.

Die unglaublich vielen verschiedenen Lagen und unzähligen Produzenten bilden zusammen ein eigenes Universum, in welchem man sich begeistert verlieren darf.

Im Burgund zuhause

Das Burgund hat für Martel seit Jahren einen ganz speziellen Stellenwert. Selbstredend, dass sich die ganze Reisegruppe schon riesig auf die dreitägige Weinreise freut.

Montagmorgen machen wir uns zu acht auf den Weg ins verheissene Land. Gemeinwohl als die Wiege des Pinot Noirs und des Chardonnays bekannt und das erklärte Ziel eines jeden Weinenthusiasten.

Das Burgund liegt gerade mal dreieinhalb Stunden von Zürich entfernt. Somit treffen wir bereits gegen Mittag in Beaune ein, um uns vor dem Nachmittag mit einem Mittagessen zu stärken.

Die Region zeigt sich von seiner bitterkalten Seite. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt weht ein steter Wind, der die Kälte noch spürbarer macht. Die Luft ist mit einem leichten Dunst aus verbranntem Holz durchsetzt. Bei genauen Hinschauen sehen wir überall Menschen in den Weinbergen die Reste vom Rebschnitt verbrennen.

Domaine François Carillon

Schon am frühen Nachmittag erwartet uns ein erstes Highlight im kleinen Dorf Puligny-Montrachet. Die Domaine François Carillon erzeugt auf etwa 16 Hektaren vor allem Weissweine. Inmitten der besten Lagen um die beiden Dörfer Puligny-Montrachet und Chassagne-Montrachet werden hier Weine gekeltert, die sich auf höchstem Niveau bewegen. Feingliedrige und doch tiefsinnige Tropfen, die durch Länge und Komplexität begeistern. Wir lauschen gespannt den Ausführungen des Kellermeisters Thomas Pascale, welcher für die Vinifikation zuständig ist. Erfahren viel Wissenswertes über Technik und Spannendes über seine Arbeit nach der Lese. Beeindruckend wie sich die verschiedenen Lagen deutlich voneinander unterscheiden.

Unser erster Eindruck vom Jahrgang 2018 ist äusserst vielversprechend und lässt viel Positives erwarten.

François Carillon
Kellermeister Thomas Pascale, François Carillon

Domaine Chanzy

Eine kurze Autofahrt führt uns für unseren zweiten Besuch in das weiter südlich gelegene, verschlafene Dörfchen Bouzeron.

Sehr sympathisch werden wir von Loïc Cornuau empfangen, der uns sogleich auf die geschichtsträchtigste und hochwertigste Lage Bouzerons, dem „Clos de La Fortune“ führt. Hier wird die alte Rebsorte Aligoté doré angebaut, welche vor der Reblaus-Epidemie um das Jahr 1900 in weiten Teilen des Burgunds sehr verbreitet war.

Eine Brise weht uns ins Gesicht und wir sind bald froh, dass die spannenden Ausführungen Loïcs über die Geschichte des Hauses zurück auf der Domaine eine Vorsetzung finden.

Das traditionsreiche Weingut unter neuer Führung bietet auf etwa 64 Hektaren tolle Weine zu erschwinglichen Preisen an. Hier werden Chardonnay, die bereits erwähnte Aligoté und ein wenig Pinot Noir angebaut. Die Weine stammen sowohl aus der weniger bekannten Côte Chalonnaise, aber auch aus den nördlichen, bedeutenderen Appellationen des Burgunds. Vom unkomplizierten aber charaktervollen Wein bis hin zum Premier Cru mit Eleganz und Finesse lässt sich bei Chanzy alles finden. Es bleibt eine äusserst spannende Degustation in Erinnerung, die uns mit Ihrer grossen Diversität begeistert.

Domaine Chanzy
Keller der Domaine Chanzy

Domaine Michel Niellon

Bereits kurz vor 9 Uhr sind wir auf der Domaine Michel Niellon in Chassagne-Montrachet zu einem ersten Date am zweiten Tag verabredet. Lucie Coutoux die Enkelin von Michel Niellon empfängt uns auf der Domaine.

Sogleich kriegen wir ein erstes Glas vom frisch abgefüllten Chassagne-Montrachet Village 2018 eingeschenkt. Was uns im Glas begegnet, haut uns wortwörtlich aus den Socken. Tiefgründig, mineralisch und betörend duftend in der Nase, breitet sich der Wein mit viel Druck im Gaumen aus. Wir sind hin und weg!

Auf Nachfrage ob wir die Erklärungen lieber auf Englisch hätten, verneinen wir vehement. Lucies Schilderungen von Ihrer Arbeit in den Weinbergen auf Französisch sind schlicht zu bezaubernd und begeisternd. Die englische Sprache würde dieser Leidenschaft im Ausdruck kaum gerecht.

Das Highlight

Was folgt sind beeindruckende Lagenweine aus verschiedenen Premier Cru Lagen und schlussendlich als absolutes Highlight der Chevalier-Montrachet aus der gleichnamigen Grand Cru Lage. Schlicht Weltklasse, was wir präsentiert bekommen. Die Weine der Domaine Niellon begeistern uns – dem Hitzejahr 2018 wiedersprechend – mit fantastischer Frische, cremiger Finesse und unverkennbarer Mineralität. Letztere ist es auch, die solche Spitzenweine aus dem Burgund von anderen Chardonnays auf der ganzen Welt unterschiedet. Es ist fantastisch die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten der einzelnen Lagen deutlich auseinander halten zu können. Wenn es darum geht, das Burgund verstehen zu lernen, können wir mit Nachdruck jedem Weinbegeisterten empfehlen mit diesen Weinen einmal anzustossen! Wir sind entzückt!

Michel Niellon
Das Martel-Team mit Lucie Coutoux auf der Domaine Michel Niellon

Domaine de la Pousse d’Or

Hingerissen und freudestrahlend sind wir auf dem Weg zu einem weiteren Spitzenweingut.

Die Domaine de la Pousse d’Or liegt an beeindruckender Lage im kleinen Dorf Volnay. Das Weingut kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Gründung datiert bereits im 16. Jahrhundert zur Zeit des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Seit 1997 ist das Weingut im Besitz von Patrick Landanger und wird nun von seinem Sohn Benoît geführt.

Während der Führung durch den Gär- sowie durch den imponierenden Fasskeller erfahren wir viel Spannendes über die rigorose Qualitätsarbeit, welcher nachgegangen wird.

Biodynamie

Das Demeter zertifizierte Weingut vinifiziert seine Weine nach strengen biodynamischen Richtlinien. Seit drei Jahren werden zudem neben den altbewährten Holzfässern, Amphoren beim Ausbau benutzt. Diese stammen aus Italien und verleihen den Weinen eine unverkennbare, zusätzliche Frische im Vergleich zu den herkömmlichen, in Holzfässer ausgebauten aus der gleichen Lage. Die anschliessende Degustation im ältesten Kellerbereich zeigt uns dies eindrucksvoll auf. Ein Vergleich ist absolut empfehlenswert!

Bei der Verköstigung der weiteren Weine zeigt sich eine aussergewöhnliche Qualität. Auffallend vielschichtig und äusserst elegant präsentieren sich die Pinot Noirs aus den verschiedensten Lagen des Burgunds. Namentlich aus den eigenen Premier Cru Lagen Clos d’Audignac, Clos de la Bousse d’Or, Clos des 60 Ouvrées sowie den namhaften Grand Cru Lagen wie Bonnes-Mares, Clos de la Roche oder Corton.

Eines ist sonnenklar: Für alle Weinfans, die auf beständige Spitzenqualität setzen, neugierig auf ungewohnte Vinifikation sind und denen biodynamischen Arbeiten sehr wichtig sind, bietet die Domaine de la Pousse d’Or Weine zum Verlieben!

Domaine de la Pousse d’Or
Amphoren im Keller der Domaine de la Pousse d’Or

Domaine de L’Arlot

Frisch gestärkt vom Mittagessen freuen wir uns alle schon auf unseren nächsten Besuch bei der Domaine de l’Arlot.

Das Weingut befindet sich im Dörfchen Prémaux-Prissey, das zur bekannten Appellation Nuits-Saint-Georges gehört.

Die Geschichte des Hauses geht auf den Unternehmer Jean-Charles Vienot zurück, welcher Ende des 18. Jahrhunderts als Besitzer eines Hauses und Weinbergs fungierte. Als unternehmungslustiger Mann baute er Mauern um das Anwesen herum und schuf so den Clos de l’Arlot.

Gemeinsam mit Adeline Piette, welche für den Export zuständig ist, beschreiten wir das Anwesen und die dazugehörigen Rebberge. Zu dem bereits erwähnten Clos de l’Arlot, gesellen sich weitere Weinparzellen sowie sich ein traumhaft schöner, überwucherter Park in einem alten Steinbruch. In mitten des kleinen Parks steht eine riesige Zeder sinnbildlich für die historische Vergangenheit des Hauses.

Auch hier wird klar, dass Geschichte und Tradition unweigerlich einen grossen Teil der Identität des Weingutes darstellen. Dazu gesellen sich die Hauptakteure der Domaine de l’Arlot: Ihre Weine.

Die Weine der Domaine de l’Arlot

Sie stammen aus dem bereits erwähnten Clos de l’Arlot, den Parzellen rund um die Domaine, dem weiter nördlich liegenden Clos des Forêts sowie den Lagen Les Suchots und Romanée-Saint-Vivant im Dorf Vosne-Romanée.

Mit Blick auf den Clos de l’Arlot prüfen wir im neuen Degustationsraum die Weine auf Herz und Nieren. Fantastisch wie klar und elegant sie sich präsentieren. Mit Frische, Schmelz, Vielschichtigkeit und Nachklang stehen Sie da und scheinen jeder Kritik zu trotzen. Es scheint fast so, als hätten Sie sich die alte Zeder zum Vorbild genommen. Fabelhaft.

Domaine de l'Arlot
Domaine de l’Arlot

Domaine Alain Burguet

Als Abschluss des zweiten Tages unserer Burgund Reise steht ein Besuch bei der Domaine Burguet in Gevrey-Chambertin auf dem Programm.

Eric Burguet empfangt uns in der Einfahrt, des unscheinbar im Dorf versteckten Weingutes. Nach kurzem, aber herzlichem Hallo führt er uns vorbei an Gärtanks umgehend hinab in den Keller. Hier werden die Weine schon mal unter lauter Mitwirkung von Rock’n’Roll vinifiziert.

Im Keller greift Eric zwar nicht zur Gitarre, doch sogleich zur Pipette und schenkt uns den Wein direkt vom Fass ein. Wir probieren die verschiedenen Lagenweine der Domaine. Sehr sympathisch und erzählfreudig, erläutert er uns die verschiedenen Charaktere der einzelnen Weine und die Eigenschaften der einzelnen Dörfer. Letztere geben den Weinen eine eigene Identität, welche sich unverkennbar im Geschmack ausdrückt. Gebannt lauschen wir Erics spannenden Ausführungen und nicken anerkennend.

Das heisse Jahr 2018

Das Jahr 2018 ist wohl jedermann als sehr heiss in Erinnerung geblieben. Demensprechend hört man laute Befürchtungen, dass die Weine wahrscheinlich mit zu hohem Alkohol und zu reifer Frucht erscheinen werden. Dem ist bei weitem nicht so. Was wir probieren dürfen, hat sehr wohl eine reifere Frucht, jedoch immer gepaart mit einer ausbalancierten Säure und einer tragenden Frische. Es sind gaumenfüllende Weine, die jetzt schon sichtlich Spass machen. Wir sind uns einig, dass die Weine einmal in die Flasche abgefüllt an jedem Tisch für Begeisterung sorgen werden.

Das Burgund begeistert nicht nur mit seinem Weinen, sondern sicherlich auch durch seine Küche. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir mit gesundem «Gepäck» unseren letzten Tag der Burgund Reise in Angriff nehmen.

Domaine Alain Burguet
Eric Burguet, Domaine Alain Burguet

Domaine Ponsot

Rose-Marie Ponsot und ihr Neffe William Ponsot empfangen uns in Morey-Saint-Denis auf einem Weingut der Superlative.

Die Domaine Ponsot stellt, seit der Gründung durch William Ponsot im Jahr 1872, eines der gewichtigsten Weingüter des Burgunds dar. Nicht nur konnte der Anteil an Rebflächen stetig erhöht werden, auch wurden die Weine bereits in den dreissiger Jahren auf der Domaine selbst abgefüllt. Vor dem zweiten Weltkrieg machten dies nur etwa zehn Weingüter im Burgund. Zudem wurde bereits 1934 mit der Vermarktung in den USA, Frankreich und anderen europäischen Ländern begonnen.

Hippolyte Ponsot, Neffe und Patenkind, war in den Jahren 1935 und 1936 einer der Initiatoren der Klassifizierung der Burgunderreben als Appellation d’Origine Contrôlée (A.O.C.).

Die Burgunderreben

Viele der Reben, welche heute im ganzen Burgund angepflanzt werden, finden Ihren Ursprung in der Grand Cru Lage Clos de La Roche. So war es in den 60er Jahren Jean-Marie Ponsot, der die Klonzucht von Burgunderreben in ebendieser Lage vorantrieb.

Bis 2017 führte Laurent Ponsot gemeinsam mit seiner Schwester Rose-Marie erfolgreich das Weingut, um sich dann mit seinem eigenen Weingut zu verwirklichen. Rose-Marie Ponsot wurde alleinige Geschäftsführerin und übernahm mit Hilfe von Alexandre Abel die Leitung des Unternehmens. So viel Geschichte beeindruckt merklich und lässt uns freudig staunen.

Wir geniessen eine ausgiebige Führung durch den Gärkeller und den Fasskeller – dieser beeindruckt mit einem freien Blick auf das Gestein, welches unter den Reben liegt. Letztere dringen bis zu sieben Meter durch den blanken Kalkfels, um sich die nötige Feuchtigkeit zu holen. Bemerkenswert ist auch, wie klein die Gesamtproduktion ist. Die Domaine Ponsot produziert maximal 40.000 Flaschen. Im Jahr 2019 sind dies aber gerade mal 24.000 Flaschen. Davon bestehen 79% der Produktion aus Grand Cru, 13% aus Premier Cru und der Rest auf Village Weinen.

Die Verkostung im Degustationsraum findet mit Weinen des Jahrgangs 2017 statt. Was uns im Glas begegnet, ist schlicht meisterhaft und absolute Weltklasse. Wenn es den Sitznachbarn vor Begeisterung schüttelt und man selbst Hühnerhaut kriegt, weiss man, besser geht’s kaum! Diese unglaublich betörende Aromenvielfalt und beispiellose Länge, diese stets spürbare, einzigartige Mineralität und tänzelnde Säure im Gaumen machen uns sprachlos.

Natürlich haben diese Preziosen ihren Preis, jedoch scheint mir dies ob der äusserst geringen Menge und der himmlischen Qualität ein Must-Have für jeden Burgund Enthusiasten zu sein. Zumindest einmal im Leben soll es jedem gegönnt sein eine dieser Preziosen zu kosten. Das ist Burgund in absoluter Vollendung!

Domaine Ponsot
William Ponsot

Philippe Pacalet

Jetzt gilt es uns wieder zu sammeln, denn eine weitere wahre Perle erwartet uns direkt in der Stadt Beaune. Hier hat Philippe Pacalet sein Zuhause. Im Jahr 2001 beschloss er, sich mit seinem Wissen und seiner Erfahrung in Beaune niederzulassen um Weine zu produzieren. Speziell ist, dass er keine eigenen Reben besitzt, sondern diese zukauft. Im Burgund gibt es dafür den Ausdruck «Négociant».

Er erntet sein Traubengut selbst und auch der biologische Anbau der Reben wird sorgfältig überwacht und unterliegt strengen Auflagen.

Statt Philippe seiner werden wir von seinem Kellermeister Johan Cola empfangen. Nach kurzem Rundgang werden wir in den Keller geführt, wo uns eine ausgedehnte und gleichermassen beeindruckende Degustation erwartet. Die noch im Fass ruhenden Weine des Jahrgangs 2018 stehen in kleine 3/8 Fläschchen abgefüllt, in Reih und Glied vor uns auf einem grossen improvisierten Tisch bereit. Nicht weniger als 16 verschiedene Weine veranschaulichen deutlich mit welch grossem Engagement Philippe Pacalet versucht die unterschiedlichen Regionen und Dörfer des Burgunds greifbar zu machen.

Beeindruckende Unterschiede

Auch hier sind unverkennbar die einzelnen Lagen voneinander unterscheidbar und beeindrucken uns auf Anhieb. Unverhofft gesellt sich Philippe Pacalet doch noch kurz zu unserer Runde und begrüsst uns mit schelmischem Lachen und seinem unverkennbaren Lockenkopf in seinem Keller. Was sich mit Sicherheit sagen lässt ist, dass seine Weine durch ihre Eigenständigkeit und Brillanz imponieren.

Sie sind wunderschöne expressive Geschöpfe, die mit herrlich duftendem Aroma und vibrierender Säure betören. Zweifellos gehören seine Weine zu den aussergewöhnlichen Geschöpfen des Burgund und es lohnt sich mit Sicherheit Philippe Pacalets Wein-Universum zu erforschen.

Philippe Pacalet
Philippe Gallusser und Alen Boulter mit Philippe Pacalet

Domaine Jean Tardy & Fils

Die Zeit vergeht wie im Fluge und schon steht unser letzter Besuch auf unserer Burgund Reise auf dem Programm. Die ganze Reisegruppe ist schon neugierig was uns Spannendes erwartet.

Unscheinbar, versteckt neben der Hauptstrasse nach Vosne-Romanée befindet sich die Domaine Jean Tardy & Fils.

Guillaume Tardy, Besitzer und Gutsleiter, empfängt uns am Hintereingang seines Wohnhauses. Nichts lässt erahnen, das sich direkt unter dem Haus der Fasskeller befindet, wo die Schätze des Hauses reifen. Wie schon zuvor, verlieren wir auch hier keine Zeit und finden uns schon nach wenigen Schritten im Keller wieder.

Wir dürfen nacheinander alle Weine des Jahrgangs 2018 der Domaine direkt aus dem Fass probieren. Verteilt auf die Dörfer Chambolle-Musigny, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges und Gevrey-Chambertin besitzt die Domaine Tardy seit 2007 eigene Reben auf einer Fläche von insgesamt 4.5 HA.

Weine zum Verlieben

Was uns begegnet sind Weine mit vielschichtigem Aroma, wunderschöner Fruchtigkeit, feiner Würze, prägnanter Mineralität und begeisternder Gaumenfülle. Wir sind hingerissen ob so viel Präzision und Finesse. Das sind Weine zum Verlieben.

Es ist nicht verwunderlich, dass diese Weine in ganz Frankreich für Begeisterung sorgen. Auch in der Schweiz hat sich bereits eine treue Fangemeinde entwickelt und die Domaine Tardy ist bei weitem kein Geheimtipp mehr. Zum Ende der Degustation hin lässt uns Guillaume wir noch einen Nuit-Saint-Georges Premier Cru 2017 aus der Lage « Aux Argillas» probieren. Wunderschön wie sich der Wein bereits jetzt präsentiert und dennoch ist offenkundig, für was für ein langes Leben er geschaffen ist.

Einen grossartigeren Abschluss können wir uns alle nicht vorstellen. Wir schauen auf eine beeindruckende Reise zurück, die uns allen vor Augen führt, mit welch feinsinnigen und talentierten Weinproduzenten wir zusammen arbeiten dürfen.

Domaine Jean Tardy & Fils
Guillaume Tardy

Wir freuen uns alle schon riesig darauf diese Erfahrungen und Aussichten mit möglichst vielen weinbegeisterten Menschen zu teilen. Santé!

Frisch verliebt. In Riesling.

Martel Weinwelt - Frisch verliebt. In Riesling.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen der Traubensorte Riesling und mir. Weine mit markanter Säure schmeicheln mir zu wenig. Und dann diese nicht leicht verständlichen Abstufungen mit den Prädikaten Kabinett bis Eiswein – trocken, restsüss, edelsüss, leicht oder schwer? Kompliziert.

Riesling fühlt sich in klimatisch kühlen Weinbaugebieten am wohlsten und die besten Resultate erzielt man dort in Steillagen. Die wohl bekanntesten Beispiele kommen aus Deutschland, der Heimat der Sorte. Zu den ausgezeichneten Anbaugebieten zählen die Mosel, der Rheingau, die Pfalz, die Nahe und Rheinhessen. Also auf nach Deutschland, um die Gegend zusammen mit weiteren Team-Mitgliedern zu erkunden und sich – wie die meisten bei Martel – mit dem Riesling anzufreunden.

Maximin Grünhaus

In der Nähe von Trier – die älteste Stadt Deutschlands – liegt im Tal der Ruwer das imposante Gut Maximin Grünhaus, notabene das älteste Weingut Deutschlands. Die ersten urkundlichen Erwähnungen datieren aus dem Jahr 966!  Damals gehörte das Gut zur Beneditinerabtei Sankt Maximin. Aus dieser Zeit stammen auch die Namen der Weinbergslagen Abtsberg (der Wein für den Abt), Herrenberg (für die Gäste) und Bruderberg (für die Mönche). Einzigartig ist, dass sie alle an ein und demselben Südhang liegen. Was die Weine hauptsächlich unterschiedlich macht, ist die Bodenbeschaffenheit. Seit 1882 wacht die Familie von Maximin von Schubert über die Geschicke von Maximin Grünhaus. Die Freundschaft unserer beider Familien geht Jahrzehnte zurück, in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg.

Hier im Ruwer-Tal ist es etwas kühler als in den meisten Mosel-Regionen. Daher rührt die typische Würzigkeit der Grünhaus-Weine. Zudem wird auch die mineralische Komponente durch die Kühle besser erlebbar. Diese zeigt sich besonders in der Abtsberg Spätlese 2018, die mich auch mit dem natürlich tiefen Alkoholgehalt (8% Vol) begeistert.

«Der Riesling ist eine Diva». Langsam finde ich Gefallen an dieser Traubensorte, denke ich, während ich durch den 1 km (!) langen Schlosskeller schlendere.

Maximin Grünhaus
Maximin Grünhaus. Natur pur.

Schloss Lieser

In Lieser an der Mittel-Mosel hat Thomas Haag vor über 25 Jahren das Weingut Schloss Lieser aus dem Dornröschenschlaf geweckt und es über all die Jahre zu einem der Besten der Region geformt. Seine Handschrift ist deutlich, seine filigranen, zarten Weine sind mittlerweile legendär und so spielt Schloss Lieser ganz klar in der Champions League.

Thomas Haags Begeisterung ist ansteckend. Als Qualitätsfreak verfolgt er eine sehr naturnahe Bearbeitung der Weinberge. Sein Credo ist «So wenig wie möglich, so viel wie nötig», um seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt gerecht zu werden. Thomas Haag keltert Traum-Rieslinge mit Leidenschaft, hohem Anspruch und einer grossen Erfahrung. Kein Wunder, wurde er 2015 von Gault-Millau zum «Winzer des Jahres» gekürt und von Wein-Plus mit «beste Jahrgangskollektion 2017» geehrt. Und Good News: mit Tochter Lara und Sohn Niklas steht die nächste Haag-Generation bereits in den Startlöchern.

Freude macht das Grosse Gewächs Niederberg Helden 2018. Eine Rarität aus ältesten Rebbeständen (die VdP-Lagenklassifikation Grosses Gewächs lehnt sich an das Burgund an und entspricht einem Grand Cru). Ein sehr feiner Wein, getragen von einer raffinierten Säure, mit viel Rasse. Trotz der Wärme und der entsprechend hohen Reife des Jahrgangs ist der Wein schlank und die Aromatik noch zurückhaltend. Der Wein verlangt nach Flaschenreifung.

Schloss Lieser. Thomas und Lara Haag
Schloss Lieser. Thomas und Lara Haag

Schäfer-Fröhlich

Von der Mosel an die Nahe. Jede Region hat ihre eigenen Besonderheiten: die Rebfläche hier ist gerade mal halb so gross wie an der Mosel und die Bodenstruktur ist mit Schiefer, Porphyr, Sandstein, Lehm etc. enorm vielfältig. Steillagen gibt es natürlich auch, z.B. der Felsenberg. Die Familie Fröhlich betreibt in Bockenau bereits seit über 200 Jahren Rebbau.  Den grossen Durchbruch schaffte Tim Fröhlich Mitte der 2000er Jahre. Seit jeher aber steckt er seine ganze Kraft und Energie in die kargen und steilen Reblagen; achtet geradezu pedantisch darauf, makellos gesunde Trauben ernten zu können. Denn nur so kann er daraus authentische und terroirbetonte Weine keltern. Er vertraut dabei ganz auf Spontangärung, für die er als Spezialist gilt (wie auch sein Freund Thomas Haag). Was so entsteht, ist Natur pur. Unglaublich, was so ein kleines Stück Erde in Kombination mit seiner Rebe hervorbringt. Faszinierend, wie deutlich die Rieslingtraube auf die unterschiedlichen Böden reagiert.

So zeigen sich seine 2018er von fein und seidig bis wild und messerscharf. Aber immer kompromisslos und mit Eleganz vom Feinsten. Oder wie Robert Parker vor Jahren schon bestätigte: «There isn’t a more exciting winery to watch out for in Germany today.»

«Ein Riesling darf nicht zu easy sein, sondern komplex, anspruchsvoll und straight.» meint Tim, aber auch «Ein Glas Riesling muss Lust auf das nächste Glas machen.» Das machen sie. Und wie. Das Felseneck ist die herausragende Grosse Lage mit bis zu 70 Prozent steilen Südhängen. Der felsige Boden ist vielschichtig mit unter anderem blauem Devonschiefer und Quarzit. Der Elite-Riesling brilliert mit einer unübertrefflichen Feinheit und Präzision, vielschichtiger Aromatik und Mineralität.

Schäfer-Fröhlich. Tim Fröhlich und Martel Team
Schäfer-Fröhlich. Tim Fröhlich (3 v.l.) mit dem Martel Team

Robert Weil

Da ich nun mein Herz endgültig an den Riesling verloren habe, darf natürlich auch ein Besuch auf dem Kult-Weingut im Rheingau nicht fehlen. Auf Robert Weil erzeugt man seit 1876 weltweit beachtete Rieslinge. Damals war der Kiedricher Riesling von Weil einer der Lieblingsweine von Kaiser Wilhelm II. Mittlerweile hat Wilhelm Weil, der Urenkel des Gründers, das Weingut in die Moderne geführt. Weil-Rieslinge überzeugen mit Eleganz, Komplexität und einer unnachahmlichen Stilistik. Das ist deutsche Riesling Kultur. Hier bekommt man Herkunft und Terroir vom Feinsten.

«Ein Riesling soll die Kehle runterlaufen.» Wunderbar. Kiedrich Turmberg ist eine Erste Lage. Der 2018er duftet herrlich würzig, zeigt die jahrgangstypsiche warme und reife Aromatik. Weil aber trotz der heissen und sonnigen Witterung die Wasserversorgung bestens geklappt hat, zeigt er seine typische Mineralität, die ihm viel Zug verleiht. Da hätte auch der Kaiser seine Freude daran gehabt.

Robert Weil Keller
Im Keller von Robert Weil

Frisch verliebt. In Riesling.

Es gibt kaum eine andere Traubensorte, die die Böden präziser und wohlschmeckender in Wein übersetzt. Und es gibt keine andere Sorte, aus der man eine solche Vielfalt an Weinen keltern kann. Von knochentrocken über feinherb mit leichter Restsüsse bis zu vollsüssen Trockenbeerenauslesen. Egal ob zu Spicy Food, Käse oder zum frischen Apéro. Riesling passt. Und Riesling ist im Trend. In Deutschland erlebt man momentan einen regelrechten Riesling Hipe. In deutschen Szenebars trinken die Girls neuerdings Kabinett statt Cocktails. Ach Riesling. Ein Glück, habe ich dich doch noch entdeckt.

Unsere Rieslinge

In Italien bei Grassi und Bisol. Zwei Kurzportraits.

Martel Weinwelt - In Italien bei Grassi und Bisol. Zwei Kurzportraits.

Roccolo Grassi

Die Vorfreude auf einen ausgezeichneten Jahrgang 2019 wächst beim Anblick der trocknenden, bereits leicht rosinierten Trauben beim renommierten Weingut Roccolo Grassi. Nur komplett gesundeste Trauben kommen in die kleinen, stapelbaren Kistchen, die Selektion ist dementsprechend aufwendig.

Doch beginnen wir von vorne. Marco Sartori führt zusammen mit seiner Schwester den von den Eltern übernommenen Betrieb mit Umsicht, viel Leidenschaft und einer grossen Liebe zum Detail.

Hervorragend ist das Terroir der Weinberge von Roccolo Grassi mit seinen vulkanischen Böden . Eine Seltenheit im Gebiet des Valpolicella. Anders als bei den meisten Supermarkt-Weinen stammen die Trauben nicht aus der Ebene, sondern aus den recht steilen, ausgesprochen malerischen Hügeln rund um das verschlafene Dorf Mezzane di Sotto.

Zudem: Hauptziel des detailversessenen Burgund-Liebhabers Marco sind nicht Opulenz und Fülle. Er verucht, trotz Konzentration und hohen Alkoholwerten, so viel Frische in den Wein zu bringen, wie nur irgendwie möglich. Und das ist Marco mit dem grossen Jahrgang 2015 beim Amarone bravurös gelungen: Trotz grosser Konzentration und 17% (!) Alkohol, zeigt er eine ungeahnte Balance und Eleganz. Und dies ohne einer Spur von Überreife. Die noble Tanninstruktur und die extreme aromatische Nachhaltigkeit versprechen ein Lagerpotential von mindestens 20 Jahren.

Auch beim Valpolicella Superiore 2015 kommt Vorfreude auf die Lieferung zu uns in die Schweiz bereits diesen Dezember auf. Eine reife, klar definierte Frucht, feinkörnige Gerbstoffe, ein schöner Körper und viel Schmelz . So ist Valpolicella ein vielseitiger Essensbegleiter, aber auch für sich genossen eine exzellente Wahl.

Rebberge Roccolo Grassi
Die Rebberge von Roccolo Grassi
Marco und Francesca Sartori
Marco und Francesca Sartori

Bisol – Prosecco di Valdobbiadene

Die traumhafte Lage inmitten der Weinberge hat dem Städtchen Valdobbiadene völlig zu Recht 2018 den Titel UNESCO-Weltkulturerbe eingebracht. Ganz anders als die schier unendlichen Monokultur-Flächen in der Po-Ebene für den Prosecco DOC zeigt sich die Landschaft in der Kernzone ungemein vielseitig: Weinberge und Oliven-Haine an den Hängen und auf den Kuppen, in den Tälern Wälder und Gärten mit Obstbäumen und Haselnusssträuchern.

Dank besonders guter Sonneneinstrahlung, verschiedenster Bodentypen mit hervorragender Drainage, sind die Prosecci aus Valdobbiadene ungemein vielschichtiger, lebendiger und tiefgründiger als die Vertreter aus der Tiefebene.

Die Krönung aller Weinbergslagen ist der ungemein steile, süd-exponierte Cru Cartizze. Die Produktionskosten übersteigen hier diejenigen in der Ebene um ein Vielfaches. Das Resultat ist ein Produkt von grosser Eigenständigkeit und Feinheit. Die meist leicht süsslich ausgebauten Schaumweine sind ein perfekter Begleiter eines weihnächtlichen Panettone-Schmauses.

Bisol
Bisol
Bisol Rebberg Cartizze
Bisol Rebberg Cartizze

Grassi und Bisol Weine im Shop

Zalto «Denk‘Art»: Inkarnation von Feinheit und Eleganz

Martel Weinwelt - Zalto «Denk‘Art»: Inkarnation von Feinheit und Eleganz

Schon der Anblick überrascht. Und dann besonders, wenn es in der Hand liegt. Die Meisterstücke von Zalto heben sich von allen anderen Gläsern ab, einmalig sind die außerordentliche Dünnwandigkeit, Balance und die Eleganz. Perfektion ist der Grundsatz des Hauses, seit jeher werden Zalto Gläser in aufwändiger traditioneller Handwerkskunst hergestellt. Sie erinnert an das Filigrane venezianischer Glaskunst der Renaissance. Winkel und Neigungen der Linien basieren auf Vorbildern aus der Natur, dem Universum und Gefässformen, welche sich seit Urzeiten optimal bewährten.

Die Weine entfalten sich denn auch für alle Sinne perfekt. In der Summe aller Eindrücke bieten Zalto-Gläser eine Welt für sich. Trotz ihrer extremen Feinheit sind sie erstaunlich robust, elastisch und waschmaschinentauglich. 

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Good News von der Côte d’Or oder: Vive la Bourgogne, vive 2019!

Martel Weinwelt - DRC Degustation Jahrgang 2020

Martel geniesst das weinkulturelle Privileg, «im Burgund zuhause» zu sein. Und wenn im Hause eine Geburt ansteht, steigt natürlich die Spannung. Jetzt nach einer Ernte um Mitte September und rund 6 Wochen Entwicklungszeit der Weine vernehmen wir die neusten Nachrichten zum jüngsten «Kinde» 2019. Und diese lassen das Burgunder Herz höherschlagen.

2019 war ein extremes Jahr und solche verheissen  in der Regel nicht unbedingt Gutes. Es stand ganz im Zeichen von Sonne, Hitze und Trockenheit. Doch offenbar fand ein kleines Wunder statt: im 2019 schaffte es die Wesensart der Burgunder Climats, mögliche negativen Auswirkungen der exzessiven Hitze quasi «wegzuputzen».

Die Menschen litten, während das Laubkleid übers ganz Jahr in sattem Grün verblieb. Noch verblüffender war, dass die Reife nicht blockiert wurde, sondern munter voranschritt. Offensichtlich haben die Rebstöcke – selbstverständlich liegen hier die liebevoll en bio gepflegten Pflanzen deutlich im Vorteil – ihre eigene Intelligenz und Lernfähigkeit. Mit anderen Worten: sie haben seit dem legendären Hitzejahr 2003, das den Start in eine neue klimatische Epoche einläutete, sich anzupassen gelernt. Damals litten sie ausserordentlich, mit dem entsprechend unbefriedigenden Resultat.

Der erfahrene Grand Seigneur und Weingutsleiter Aubert de Villaine von der Domaine de la Romanée-Conti berichtet uns nun begeistert: «2019 war sogar noch extremer als 2003, aber nichts dergleichen im 2019: die Reifung verlief regelmässig und perfekt. Selbst die jungen Reben erreichten generöse, jedoch nicht exzessive Gradationen. Gleichzeitig erreichte auch die nicht minder wichtige phenolische Reife ein Optimum. Fazit: eine Ernte von sagenhafter Qualität, mengenmässig wegen der kleinen und eher saftarmen Beeren zwar nicht gerade generös, aber respektabel. Trotz dieser extremen Bedingungen werden wir mit Weinen von grosser Rasse und Frische beschenkt!»

Feine Nachrichten also – vive la Bourgogne!

Martel erneut ausgezeichnet! Schweizer Sieger!

Martel Weinwelt - Martel erneut ausgezeichnet! Schweizer Sieger!

Die Falstaff Community hat die besten 1’050 Bars aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bewertet. Martel am Bellevue wurde zum Schweizer Sieger in der Kategorie Weinbar in einer Vinothek gewählt!

Wir sind richtig stolz!

Falstaff schreibt: «Es dauerte Jahre, bis Jan Martel, Besitzer des gleichnamigen Weinhandelsunternehmens aus St.Gallen den perfekten Ort für eine Weinhandlung in Zürich gefunden hatte. Eine Wartezeit die sich lohnte, denn er fand etwas unmittelbar am Zürcher Bellevue, in bester Lage. Nicht nur für Martel, sondern auch für die Stadt Zürich wurde eine neue Ära eingeläutet. Die Weinauswahl begeistert, im Offenausschank gibt es eine Vielzahl an hervorragenden Tropfen, dazu kleine Häppchen und kompetente Beratung.»

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Öffnungszeiten

Bordeaux – Hot Spot der Weinkultur

Martel Weinwelt - Bordeaux - Hot Spot der Weinkultur

Die letzte Juniwoche verheisst nichts Gutes für unsere Reise ins Bordeaux: Eine gewaltige Hitzewelle rollt auf Westeuropa zu. Es werden über 40°C erwartet in der Stadt. Ganz so schlimm wurde es schliesslich nicht, teilweise 39, 40°C. Immer wieder zeigte sich, warum die Region auch in Zeiten der Klimaerwärmung so gut geeignet ist für den Weinbau: Teilweise begann der Tag herbstlich anmutend mit Nebel und recht kühlen Temperaturen – der nahe Atlantik lässt grüssen!

Der Fokus unserer Reise war der Besuch unserer Lieferanten, mit welchen wir direkt in Kontakt stehen und teils langjährige Beziehungen pflegen.

Domaine de L’A

Christine, die Frau des bekannten Weinconsultant Stephane Derenencourt führt uns mit ihrem Cabrio durch ihre Weingärten in Castillon. Sehr ähnlich zum herausragenden Terroir des Plateaus von St.Emilion haben wir auch hier kühle Lehmkalkböden. Die Derenencourts vergrössern nach und nach den Anteil von Cabernet Franc, welcher noch mehr Frische in den Wein bringt. Die Vertikale von 2013 bis 2018 des Domaine de l’A zeigt das Reifepotential und die Qualität dieses Weins: viel Frische, feinkörnige Gerbstoffe und ein komplexes Aromenbild. Wir sind beeindruckt, was für tolle Weine hier Jahr für Jahr vinifiziert werden!

Bordeaux Domaine de l'A
Le terroir (Foto: Domaine de l’A)

Château Chambrun/ Château Moncets

Wir werden von Julien Noel, dem Co-Geschäftsleiter und passionierten American Football-Spieler, herzlich empfangen. Die Weine der beiden Châteaux haben wir erst im letzten Herbst ins Martel-Sortiment genommen. Umso mehr sind wir gespannt, dieses Gut vor Ort kennenzulernen. Die Rebberge liegen nur einen Steinwurf entfernt von der legendären Appellation Pomerol. Bei der Besichtigung der Rebanlagen erklärt uns Julien, dass besonders 2017 und teilweise auch dieses Jahr viele Rebstöcke vom Spätfrost betroffen waren. Ein Problem, das im gesamten Libournais in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten ist – die Folge von einem viel zu frühen Vegetationsbeginn und verspäteten Kaltlufteinbrüchen.

Das in die Jahre gekommene, von einem herrlichen Park umgebene Château Moncets, soll in Kürze aufwendig renoviert werden und in ein ganz dem Weintourismus verschriebenen Hotel verwandelt werden, mit Château Petrus ganz in der Nähe.

Dank Investitionen einer finanzkräftigen, belgischen Familie und dem begeisternden und tatkräftigen Julien, wird das Potential aus den Weinen richtiggehend herausgekitzelt. Die Weine besitzen eine herrliche Saftigkeit und eine tolle «pomerol’sche» Struktur, welche nach etwa zwei oder drei Jahren voll zur Geltung kommt. Gerade die Jahrgänge 2015 und 16 begeistern uns sehr.

Bordeaux Château Moncets Château Chambrun
Château de Chambrun und Château Moncets

Château Mondorion

Thiebault Cruse ist trotz seiner Abstammung aus einer bekannten Bordelaiser Négoce-Familie ein Quereinsteiger in Sachen Wein. Hat er doch mehr als sein halbes Berufsleben für einen amerikanischen Grosskonzern gearbeitet. Seinen Traum nach mehr Bodenhaftigkeit und Nachhaltigkeit hat er sich mit dem Erwerb von Château Mondorion erfüllt. Seine Weine zeigen neben einer schönen Eleganz auch viel Körper und Druck. Mit 2015 und 2016 können wir uns auf 2 Top-Jahrgänge freuen! Wir hatten zudem die Möglichkeit, Thiebaults neue Errungenschaft zu verkosten: Château Beau-Soleil, ein nur 4ha grosses Weingut im Pomerol. Wir sind von der Qualität und dem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis beeindruckt und entscheiden uns voller Freude, den Wein in unser Sortiment aufzunehmen!

Bordeaux Château Mondorion
Château Mondorion

Château l’Eden

Auch unser nächster Besuch bringt uns zu einer Neuentdeckung, welche erst seit kurzem bei Martel exklusiv erhältlich ist: Chateau l’Eden, ein 7 Hektar grosses Weingut, am nördlichen Zipfel des Médoc’s gelegen. Das nahe Meer und die kaum mehr als ein Steinwurf entfernte Gironde erbringen ein wohltemperiertes, ausgeglichenes Klima. So macht Bordeaux richtig Spass: unkomplizierte Beerenfrucht, gut stützende Gerbstoffe und ein herrlicher Trinkfluss!

Bordeaux Château l'Eden
Fabien Faget vom Château l’Eden

Château Thieuley

Schon jahrzehntelang stehen die Weine von Thieuley im Martel-Regal. Daraus ist eine lange freundschaftliche Beziehung zur Familie Courselle entstanden. Bei unserem Besuch auf dem südöstlich von Bordeaux gelegenen Weingut hatten wir die Möglichkeit, auch ältere Jahrgänge zu verkosten. So zeigt beispielsweise der weisse 2011 mit seiner herrlich exotischen Frucht und seiner feinen, von der Säure getragenen Struktur, wie gut Bordeaux reifen kann. Ein Wein wohlgemerkt, der nicht mehr als CHF 13 kostet!

Bordeaux Château Thieuley
Der Keller des Château Thieuley

Grand Enclos de Cérons

Der sympathische und scharfsinnige Kosmopolit Giorgio Cavanna empfängt uns bei glühender Hitze in seinem kühlen Landhaus. Er ist Italiener und wohnt teils in Genf, teils hier auf dem Weingut. Auch hier verkosten wir uns durch verschiedene Jahrgänge, vom mineralischen Weisswein zum ausbalancierten Roten bis hin zu den dichtgewobenen Süssweinen aus der direkt neben Sauternes/Barsac gelegenen Appellation Cérons. Wir sind begeistert von der hohen Qualität und den schön herausgearbeiteten Jahrgangsunterschieden!

Bordeaux Château de Cérons
Giorgio Cavanna vom Château de Cérons

Der Jahrgang 2018

Neben den freundschaftlichen Besuchen mit unseren Winzern hatten wir auch die Möglichkeit, auf verschiedenen Châteaux den Jahrgang 2018 zu verkosten. Viel wurde erzählt von diesem sonnenverwöhnten und heissen Jahr, darum nur kurz: Die Weine zeichnen sich durch viel verführerische Frucht, perfekt ausgereifte Gerbstoffe, Kraft und Konzentration aus. So weit so gut, was den Jahrgang aber hervorragend macht, sind seine überraschende Frische, Präzision und Eleganz!

Am Ende dieser eindrücklichen Reise bilanzieren wir, dass das Bordeaux nach wie vor ein Hot Spot der Weinkultur ist. Das Niveau ist generell sehr hoch. Wir entdecken viele unterschiedliche Stile und doch zieht sich ein roter Faden durch die Weine: die meisten zeichnen sich durch eine typische bordelaiser Charakteristik aus. Bekräftigt werden wir in unserer Ansicht, dass ausgezeichneter Bordeaux keineswegs teuer sein muss. Auch Weine aus weniger renommierten Regionen zeichnen sich durch Vielschichtigkeit, Balance und gutem Reifepotential aus. Neben den Grand Cru Classés besitzen die Weine eines der besten Preis-/Leistungsverhältnisse der Welt!

Martel. Wenn die Sonne den Wein kühlt.

Martel Weinwelt - Martel. Wenn die Sonne den Wein kühlt.

Als führende Weinhandlung mit Ladengeschäften in St.Gallen und Zürich sowie Partner der Schweizer Gastronomie ist permanente Lieferbereitschaft für das Familienunternehmen Martel eine Grundvoraussetzung für einen perfekten Service. Dies bedingt ein Flaschenlager von beachtlichem Volumen: im Martel-Lagerhaus in St.Gallen Neudorf ruhen eine Million Flaschen Wein unter tadellosen Bedingungen, inklusive einer kühlen Raumtemperatur von konstanten 14 Grad Celsius. Naheliegend, dass die Energie der aufs Lagerdach brennenden Sommersonne sich bei einer geschickten Umnutzung zu einem Segen verwandeln kann.

Dies ist nun Realität: das Lagerhausdach schmückt seit wenigen Tagen eine Photovoltaikanlage von 538m2. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Solar St.Gallen erstellt. Die erwartete Jahresproduktion von 88’000 kWh entspricht einer jährlichen Einsparung von 35 Tonnen CO2!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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Servus Österreich. Beeindruckende Winzerbesuche.

Martel Weinwelt - Servus Österreich. Beeindruckende Winzerbesuche.

Weingut Johann Donabaum

In einem Seitental der Wachau in Spitz, in einem kleinen Weinbaudorf im Spitzergraben, liegt das Familienweingut Johann Donabaum. Seine 8ha Weissweinreben liegen auf 27 verschiedenen Parzellen. Da sind sehr steile, karge Hänge, wie Offenberg, mit Schiefer-Marmorboden, wo Riesling Reben angepflanzt werden. Oder Kirchweg im Nachbardorf Wösendorf, wo Grüne Veltliner Reben am Bergfuss mit Sedimentationsgestein, Löss und Lehm gedeihen. Eindrücklich – alle Weine von Johann sind präzise, elegant und wiederspiegeln perfekt ihre Herkunft, die Erde aus der sie geboren wurden.

Martel Blog Österreich Johann Donabaum
Johann Donabaum

Weingut Bründlmayer

Ein Besuch beim Traditionsbetrieb Bründlmayer ist eine eindrückliche Sache und der Winzerkoryphäe Willi Bründlmayer zu begegnen immer eine Bereicherung. Bei der Kellerbesichtigung zeigt sich die hohe Qualität, welche da seit Jahren in die Flasche kommt. Ein Weingut, das sich auch nach Jahren erfolgreichen Schaffens stetig weiterentwickelt. Als Beispiel: die Glasflaschen werden vor dem Füllen mit Wein gespült, damit kein Fremdgeschmack etwas am edlen Inhalt verändert. Besondere Berühmtheit hat auch der Sekt von Bründlmayer. Da seine Frau aus Paris stammt, liegt das Vorbild Champagner auf der Hand. Die Grünen Veltliner wie Kamptaler Terrassen, Berg Vogelsang und Lamm wirken glasklar und nie überladen. Es sind Weine mit Charakter und Eigenständigkeit.

Martel Blog Österreich Willi Bündlmayer
Willi Bründlmayer

Weingut Mayer am Pfarrplatz

In der Stadt Wien wird auf 662ha Weinbau betrieben. Zum Abschluss des Tages dürfen wir die traumhafte Aussicht vom Nussberg auf die Weltstadt Wien geniessen. Paul Kiefer vom traditionsreichen Weingut Mayer am Pfarrplatz, welche seit 1683 Wiener Wein keltern, führt uns durch die Rebgärten hoch über der City. Erste Priorität der Wiener Winzer, die eigentliche Spezialität, ist der Gemischte Satz. Dieser macht bei Mayer 60% der Produktion aus. Er beinhaltet mindestens drei Rebsorten, keine Sorte darf über 50% ausmachen, alle müssen gemeinsam in den Weingärten stehen, gelesen, gepresst und vergoren werden. Die Weine zeigen Frucht, belebende Säure und Mineralität. Perfekt, um sie sofort zu geniessen und speziell zum Wiener Schnitzel.

Martel Blog Österreich Mayer am Pfarrplatz
Selfie mit Paul Kiefer

Weingut Heike und Gernot Heinrich

Wir fahren ins Burgenland zum Weingut Heike und Gernot Heinrich. Auf diesen Besuch sind wir besonders gespannt, da das Winzerpaar sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Spezialisten für Wein aus biodynamischem Anbau entwickelt hat. Ein topmoderner Betrieb, vereint mit dem Reichtum der Natur – 50 Schafe weiden im Winter zwischen den Reben. Kräutermischungen zur Bodenvielfalt werden gepflanzt – das ist Bio-Demeter-Weinbau vom Feinsten.

Die Kellerführung von Gernot begeistert uns. Wir lernen viele Zusammenhänge der Weinherstellung kennen. Vom Traubenmost, über die Vergärung und Hefelagerung bis hin zum Ausbau und dem Sauerstoff. Bei der anschliessenden Degustation reicht die Palette von seinen Weinen ohne Schwefel, die Freyheit-Linie, bis hin zu einem der kultigsten Weine Österreichs dem Salzberg. Alle Weine zeigen eigenständigen Charakter, sind puristisch, tief mit Frische und Struktur. Sehr eindrücklich auch, auf dem Leithagebirge bei Winden zu stehen und die gesunden Reben in voller Pracht zu betrachten.

Martel Blog Österreich Heike und Gernot Heinrich
Gernot Heinrich mit dem Martel Team

Weingut Heidi Schröck

Eine kurze Weiterfahrt zu den Söhnen von Heidi Schröck, Johannes und Georg, welche das Weingut gemeinsam mit ihrer Mutter führen.

Empfangen werden wir mit einem gekühlten Glas Furmint, einer faszinierenden Kostbarkeit, welche die Schröcks mit viel Hingabe hegen und pflegen. Auf einem Aussichtspunkt hoch über dem hübschen Städtchen Rust, ist dieser Wein ein besonderer Genuss. Was will man mehr…

Zurück im kühlen Keller degustieren wir das Werk von Johannes direkt ab Fass, der junge Winzer keltert die Weine auf dem schmucken Hof seit 2017. Natürlich fehlten auch die Süssweine nicht, die Ruster Spezialiät und Paradedisziplin der Schröcks. Wir kommen in den Genuss einer beeindruckenden Kollektion und eines faszinierenden reiferen Jahrganges des Ruster Ausbruch.

Martel Blog Österreich Heidi Schröck
Gruppenbild mit Johannes und Georg Schröck

Weingut Kollwentz

In Grosshöflein besuchen wir das Weingut Kollwentz. Andreas Kollwentz führt das Weingut in der 5. Familiengeneration. Wir bestaunen den renovierten Kellerbau, wo noch weitere Investitionen geplant sind. Die Ordnung und Sauberkeit in diesem Betrieb sind eine Freude. Andi erklärt uns die verschiedenen Bodenstrukturbilder der Weine, anhand der unterschiedlichen Parzellen. Anschliessend dürfen wir eine grossartige Degustation geniessen – wie vielschichtig diese Weine sind! Kraft, Würze und Klarheit wiederspiegeln das Terroir perfekt. Zum Abschluss noch die gereifte Variante des legendären Steinzeilers. Ein Langstreckenläufer – Bravo.

Martel Blog Österreich Andi Kollwentz
Andi Kollwentz

Weingut Neumeister

In Eisenstadt im Vulkanland (Steiermark), nimmt uns Christoph Neumeister, der frischgebackene Falstaff Winzer des Jahres 2019, in Empfang.

Nach kurzer Fahrt zu den Reben – alle bio-zertifiziert – bestaunen wir die Einzellage Klausen mit 65% Steigung. Das ist pure Handarbeit, Knochenarbeit. Eindrückliche Bilder, die haften bleiben. Bei der anschliessenden Kellerbesichtigung sehen wir das Schwerkraftsystem, ähnlich wie bei anderen Winzerkollegen. Tief unten im Keller stehen grosse Fässer gefüllt mit Sauvignon Blanc auf der Hefe ruhend, der viel Ruhe und Zeit braucht um der Sorte die würzigen Aromen zu entlocken. Neumeister interessiert sich mehr für das Tiefgründige im Wein und weniger die vordergründigen kurzlebigen Fruchtaromen. Bei der Degustation zeigt sich die herrliche Finesse und klar definierte Säurestruktur. Bei den reifen Jahrgängen gefällt die Eleganz mit Frische und Mineralität. Neumeisters haben sich ein Paradies geschaffen. Hier gibt es nicht nur faszinierende Weine zu entdecken. Mit dem angeschlossenen Gourmetlokal und dem «Schlafgut Saziani» lässt es sich hier sehr gut aushalten.

Martel Blog Österreich Christoph Neumeister
Christoph Neumeister

Weingut Moric

In Lutzmannsburg besuchen wir unseren Blaufränkisch-Spezialist Roland Velich auf dem Weingut Moric. Bei der Fahrt dahin, fragt man sich zuerst, ob hier überhaupt Reben wachsen. Am Waldhang hinter dem Dorf sieht man nur einige winzige Parzellen aufblitzen. Oben auf dem Hochplateau angekommen, stehen wir mitten im Rebenmeer. Von hier aus bietet sich ein spektakulärer Weitblick. Roland Velich’s Philosophie «Ich will Originale schaffen, welche die Herkunft ausdrücken», können wir hier eindrücklich nachvollziehen. Diese Blaufränkisch-Originale gelingen ihm mit viel Handarbeit, Zeit und Rebstock-Liebe (denn pro ha erntet er nur gerade 1000 kg Trauben). Seine Weine zeigen tiefgründige Würze, faszinierende burgundische Eleganz, klare Fruchtaromen, perfekte Reife und Vielschichtigkeit.

Martel Blog Österreich Moric Roland Velich
Roland Velich

Frauenabend. Cheers.

Martel Weinwelt - Frauenabend. Cheers.

Ach, wie ich sie liebe, die Frauenabende. Man nehme vier Freundinnen, gutes Essen, einen schönen Wein und das Feuerwerk beginnt. Entgegen der Meinung vieler Männer, unterhalten wir Frauen uns aber nicht nur über Mode, Kinder und «Bachelorette». Die Themen sind vielfältig und inspirieren immer wieder von neuem. Sich zu sehen, sich einmal fest zu drücken und zu diskutieren, stärkt die Freundschaft und entschleunigt den Alltag.

Nebst dem gedanklichen Austausch und dem Lachen steht der Genuss im Vordergrund. Immer mehr. Wir lieben Essen und wir lieben Wein. 

Wein für Frauen

Zum Thema «Wein für Frauen» hat man schon unzählige Geschichten gehört. Gemäss diesen Klischees bevorzugen Frauen leichte und süsse Weine. Klar, ich mag Moscato, Prosecco und Rosato. So richtig Spass machen mir aber kräftige Sonnenweine aus heissen Regionen, was eigentlich klassische Männer-Weine sind. Gender-Klischees schwingen auch im Weinglas mit. Umso besser, diese einmal zu hinterfragen. Oder an einem Frauenabend zu diskutieren.

Apéro

Paradebeispiele sind meine Freundinnen Cinzia und Mara. Sie – als gebürtige Süditalienerinnen – können dem perlenden Prosecco so rein gar nichts abgewinnen. Sie schwärmen dafür für Grappa und verfügen über ein immenses Wissen rund um den Tresterbrand. Aber halt! Wir sind ja noch beim Apéro. So entscheiden wir uns für einen St.Galler Weisswein für die vier St.Gallerinnen. Der Kerner Buchberg von Roman Rutishauser ist ein kräftiger Weisswein mit sanfter, saftig filigraner Säure. Ein Wein voller Leben, also passend für unseren Mädelsabend. Ein heiterer Genuss, natürlich auch für Nicht-St.Galler.

Wer probiert?

Wein war früher ganz klar eine Männerdomäne. Dies ändert sich aber fortlaufend. Viele Frauen entdecken schon früh ihre Leidenschaft für das Kulturgut Wein und wissen ganz genau, was ihnen schmeckt und wozu der ausgewählte Wein passt. Gegenwärtig werden rund 60% aller Weinkäufe von Frauen getätigt! Witzig, dass dies bei einigen Gastronomen noch nicht angekommen ist. Als reine Frauengruppe hört man da Erstaunliches: «Möchten Sie in die Weinkarte schauen oder soll ich lieber etwas empfehlen?». Oder dann der überaus besorgte Blick beim Öffnen der Flasche: «Welche der Damen möchte denn probieren?» Den Probeschluck bekommt übrigens immer diejenige Person, die den Wein bestellt hat.

Rotwein zum Essen

Zum Hauptgang begeben wir uns meist auf Muschelsuche, denn wir lieben die mediterrane Küche. Ein Teller Spaghetti alle vongole macht uns glücklich. Ausser Brigitte. Unsere Sportlerin braucht gerne einmal ein Stück Fleisch und wählt den passenden Rotwein dazu. Diesen lieben wir aber alle. Einer unserer Favoriten ist immer wieder der Castello La Leccia Chianti Classico. Aromatisch. Pur. Souverän.

Da wir enorm viel zu besprechen haben, bestellen wir eine weitere Flasche Rotwein, und hier komme ich zum Zug. Wie zuvor erwähnt, mag ich es gehaltvoll. Darum fällt meine Wahl auf den Guayquil. Der Name des argentinischen Rotweins bedeutet in der Sprache der Huarpe-Indianer «El Elegido», der Auserwählte. Die Edelselektion, bei der jede der Rebsorten ihre besten Eigenschaften hinzufügt, ist vielschichtig und intensiv, dennoch aber frisch und charmant. Man schmeckt die wahre Kraft der Natur.

Ebenso sonnig und entspannt wie der Genuss dieses Glases, geht der Frauenabend weiter. Langsam sind wir wieder «up to date» und die Stimmung ist bestens. Das Schöne an unseren Gesprächen und das Schöne an der Weinwelt sind ihre Vielfalt. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Cheers!

Martel Frauenabend Selfie
Ja, wir machen auch Selfies. Eine Tradition. Fast nichts bringt uns mehr zum Lachen.

Christoph Neumeister ist Winzer des Jahres

Martel Weinwelt - Christoph Neumeister ist Winzer des Jahres

Das Wein- und Gourmetmagazin Falstaff hat Christoph Neumeister zum österreichischen Winzer des Jahres gekürt. Wir gratulieren von Herzen zu dieser ehrenvollen Auszeichnung.

Der Falstaff Bericht

Mit über 200 teilnehmenden Winzern, die im imperialen Ambiente der Wiener Hofburg ihre besten Weine präsentierten, war es die bisher grösste Weissweingala der Falstaff-Geschichte. Sie bot den einmaligen Rahmen, um den diesjährigen Falstaff Winzer des Jahres auszuzeichnen. Der wohl begehrteste Titel der Österreichischen Weinwelt geht 2019 in das steirische Vulkanland – an Christoph Neumeister vom gleichnamigen Weingut in Straden. Falstaff Wein-Chefredakteur Peter Moser begründet die Entscheidung der Redaktion mit einem konservativen Zugang zur Vinifizierung – im gänzlich positiven Sinne: Die rund 30 Hektar Rebfläche rund um Straden werden seit 2008 biologisch bewirtschaftet.

Für Christoph Neumeister muss dabei der Weg bis zum fertigen Wein immer ehrlich und nachvollziehbar sein. Vom spontan vergorenen und eineinhalb Jahre ausgebauten Sauvignon bis hin zum im Holzfass gereiften Morillon sind seine authentischen, ausdrucksstarken Weißweine auch weit über die Landesgrenzen hinaus begehrt und der Titel Winzer des Jahres mehr als verdient.

Christoph Neumeister Winzer des Jahres Rebberg
Hervorragende Reblagen
Christoph Neumeister Keller
Eine moderne Vorzeigekellerei

Die Top Weinbars in Zürich. Martel am Bellevue erneut ausgezeichnet.

Martel Weinwelt - Die Top Weinbars in Zürich. Martel am Bellevue erneut ausgezeichnet.

Das Wein- und Gourmetmagazin Falstaff schreibt in seiner Sonderausgabe «Food Zürich» über die Top Weinbars der Stadt. Es freut uns sehr, dass Martel am Bellevue wieder zu den schönsten gehört.

«Zürich ist schon lange ein Hotspot für Weingeniesser – doch besser als heute war es noch nie: In diesen Bars gibt es erstklassigen Weingenuss.

Martel am Bellevue

Im Herzen Zürichs kann man nicht nur nach Lust und Laune Weine kaufen, sondern diese auch in wunderschönem Ambiente direkt geniessen. Mehr Wein geht nicht!»

Martel am Bellevue Genusspunkt
Genusspunkt mit Aussicht
Hier wird Weinkultur und Genuss erlebbar

Harlan Estate – drei Jahrzehnte Extraklasse

Martel Weinwelt - Weindegustationen

Die Aussicht vom Zürcher Primetower im Restaurant Clouds ist atemberaubend. Und mit der Aussicht auf ein einmaliges Weinerlebnis noch umso schöner. Der Anlass war innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft und die Warteliste länger als die Liste der Teilnehmer. Harlan ist ein starkes Magnet für Liebhaber grosser Weinkultur.

Nach einer kurzen Einführung durch Jan Martel liess François Vignaud, stellvertretender Direktor von Harlan Estate, einen Blick hinter die Kulissen zu. Obwohl das Weingut nach europäischen Massstäben noch sehr jung ist, gehört es heute zweifellos zu den besten Weingütern weltweit.

François Vignaud mit Jan Martel
François Vignaud mit Jan Martel

Die Geschichte von Harlan Estate

Bill Harlan, ein erfolgreicher Immobilienhändler und grosser Weinfreund hatte in den 1980er Jahren die Vision, einen kalifornischen Premier Cru zu kreieren. Die zu dieser Zeit im Napa Valley ansässigen Weingüter hatten ihre Rebflächen mehrheitlich in der Ebene, zwischen dem Highway 29 im Westen und dem Silverado Trail im Osten des Tals. Bill hatte auf seinen Reisen durch die europäischen Weingebiete gesehen, dass die besten Weinlagen immer Hang- oder gar Berglagen sind. Entsprechend suchte er solche Lagen und fand diese schliesslich in den Hügeln westlich von Oakville im Herzen vom Napa Valley. Dort gründete er 1984 Harlan Estate. 97 Hektar wildes Buschland mussten zuerst gerodet und bepflanzt werden. Sie liegen auf einer Höhe zwischen 68 und 374 Metern über Meer. Heute wachsen auf rund 16 Hektaren Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot. Die Trauben werden von Hand in den frühen Morgenstunden gelesen und vergären traditionell mit den eigenen Hefen im grossen Fass. Der Wein wird dann während rund 18 Monaten in neuen Barriques aus französischer Eiche ausgebaut. Die Nachfrage nach den rund 20’000 Flaschen, welche so jährlich im Durchschnitt entstehen, ist riesig.

Der erste Jahrgang

Der erste produzierte Jahrgang war 1987. Dieser wurde aber wie die nachfolgenden nicht kommerzialisiert. 1996 wurde als erster Jahrgang 1990 auf den Markt gebracht. Martel ist seit dem ersten Jahrgang Botschafter von Harlan in der Schweiz! Heute ist Bill Harlan daran, sein Lebenswerk an die nächste Generation weiterzugeben. Eine hochspannende Phase, die von François Vignaud begleitet wird.

Die Degustation

Harlan hat den Weg zur Perfektion schnell gemeistert. Die Jahrgänge 94, 95 und 96 zeigen viel Eleganz, sind harmonisch und bereits jetzt unvergesslich. Aus dem nächsten Jahrzehnt folgten 2004, 2005 und 2006. Drei Weine mit viel Kraft und etwas opulenter. Wilde Pubertät. Und zum krönenden Abschluss folgten 2012, 13 und 14. Eine klare Verschmelzung von Eleganz und Kraft verbunden mit Tiefgang, Spannung und Grösse.

Die Favoriten der anwesenden 35 Weinfreunde waren der 1994er und die Serie mit den jüngsten Jahrgängen. Es wurde intensiv und lebhaft diskutiert. Alle 9 Weine am gleichen Abend. Sicher für alle Teilnehmer unvergesslich.

Das Team vom Clouds Restaurant servierte im Anschluss ein köstliches Essen bei dem munter weiter diskutiert wurde.

Cheers!

Impressionen

Harlan Estate Degustation Clouds Zürich
Harlan Estate Degustation Clouds Zürich
Harlan Estate Degustation Clouds Zürich

Autour du Rhône

Martel Weinwelt - Autour du Rhône

Mounir Saouma

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Diesem Ratschlag folgend, machen wir uns schon um 6 Uhr morgens auf den Weg Richtung Châteauneuf-du-Pape. Unser erster Besuch führt uns nach Orange zu Mounir Saouma. Bekannt auch unter dem Pseudonym Lucien Le Moine im Burgund, keltert er hier in der Appellation Châteauneuf-du-Pape Weine aus eigenen Reben. Grenache, Mourvèdre, Syrah, Cincault und weitere Rebsorten wachsen auf besten Parzellen. Es ist eine wahre Freude Mounirs Enthusiasmus zu spüren. Seinen, mit viel Schalk und Humor gespickten Ausführungen zu zuhören macht richtig Spass. Kompromisslos folgt er der Philosophie, das Terroir, die Rebsorte sowie das Klima in den Weinen zu reflektieren. Nach alter Tradition und entgegen der üblichen Vorgehensweise, lässt er seine Weine unberührt bis zur Abfüllung. Das heisst eine ungewohnt lange Lagerung in den Fässern, ohne Schwefelzugabe, ohne Aufrühren des Hefesatzes und ohne Filtration. Begeistert verkosten wir seine Weine direkt aus den Fässern. Es ist wahrlich ein Genuss, diese tiefgründigen und vielschichtigen Preziosen zu ergründen.

Mounir Saouma Fabiano Di Bacco
Mounir Saouma mit Fabiano Di Bacco
Rhone Mounir Saouma Rebberg
Die Rebberge von Mounir Saouma

Domaine du Vieux Télégraphe

Eine kurze Fahrt bringt uns zur Domaine du Vieux Télégraphe. Frédéric Brunier empfängt uns auf dem traditionsreichen Familienweingut der Spitzenklasse. Bereits in 5. Generation widmen sich die Bruniers dem Rebbau im Châteauneuf-du-Pape sowie im Gigondas. Das Klima – der Mistral pfeifft uns hier gehörig um die Ohren – sowie die Bodenbeschaffenheit sind Grundpfeiler des Charakters dieser aussergewöhnlichen Weine. Gemeinsam besuchen wir das legendäre Hochplateau «La Crau». Hier ist der Boden übersät mit grossen, runden Steinen, den sogenannten Galets. Sie speichern die Wärme und geben diese den Reben wieder ab. In der anschliessenden Degustation wird eindrücklich klar, dass sich die Weine auch für eine lange Lagerung bestens eignen. Wir sind hingerissen von der Eigenständigkeit dieser wunderbaren Terroirweine.

Châteauneur-du-Pape Vieux Télégraphe Rebberg Steine
Das Hochplateau «La Crau» mit den imposanten Galets.

Château des Sarrins

Unser Ziel am folgenden Tag liegt weiter südlich in der Provence. Mit dem Weingut Château des Sarrins hat sich der bekannte Champagnerproduzent Bruno Paillard in der Provence ein kleines Schmuckstück geschaffen. Hier werden nach biodynamischen Richtlinien Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cabernet Sauvignon sowie Carignan angebaut. Dazu gesellt sich die weisse ortsansässige Rebsorte Rolle. Das Hauptaugenmerk gilt der Herstellung von Rosé. Während der Degustation lassen wir uns durch seine Frische, Finesse und sein blumig-fruchtiger Chrakater bezaubern. Fast magisch, wie in diesem Moment die Sonne durch die Wolken drückt. Als Schönwetterwein macht der Château des Sarrins Rosé seinem Namen alle Ehre. Da darf der Sommer ruhig kommen!

Provence Château des Sarrins
Was für eine Aussicht! Château des Sarrins.

Château de Pibarnon

Eine gute Stunde entfernt befindet sich der nächste Halt auf unserer Weinreise. Château de Pibarnon liegt in der kleinen Appellation Bandol am Rande des Mittelmeers. Das einzigartige Mikroklima, die fantastische Lage und das Gespür für die Rebsorte Mourvèdre machen die Weine hier zu Spitzenprodukten. Auf spektakulären Terrassen baut Eric de Saint Victor die Rebsorte auf über 50 Hektaren an. Über 3000 Sonnenstunden pro Jahr sind die Grundlage für die ideale Entwicklung dieser spätreifenden Rebsorte. Sowohl die Roséweine, wie auch die Rotweine bestechen durch Ihre Eleganz, Vielschichtigkeit und Länge. Zweifellos Weine, die uns alle schwer beeindrucken. Wir werden es nicht missen wollen uns ein paar dieser Tropfen zu sichern.

Château de Pibarnon Eric de Saint Victor Martel Team
Das Martel-Team mit Eric de Saint Victor

Jean-Louis Chave

Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg zu einem absoluten Highlight unserer kleinen Tour des Vins. In Mauves, an der nördlichen Rhône gelegen, empfängt uns Jean-Louis Chave zu einem Besuch auf seiner Domaine. Hinter einer unscheinbaren Häuserfassade verbirgt sich das Zuhause einer der ältesten Weinbaufamilien Frankreichs. Die Kellergewölbe riechen nach Geschichte und lassen uns ehrfürchtig staunen. Hier wurden im Krieg noch Weine eingemauert und so vor der Besatzung in Sicherheit gebracht. Jean-Louis Chave ist detailversessen; er kennt jeden Stein und jede Pflanze auf seinen Parzellen. Eindrücklich zeigt er uns wie sich die Rebsorten Syrah, Marsanne und Roussanne auf unterschiedlichsten Böden ausdrücken können. Schlicht überwältigend und brillant! Seine Hermitage Weine gehören nicht umsonst zu den grössten Errungenschaften der Weinwelt. Hier will man nicht mehr gehen müssen. Dennoch sind wir alle mehr als glücklich mit der Zeit, die sich Jean-Louis Chave für uns nimmt. Auch im Wissen einen wahren Schatz in unserem Sortiment haben zu dürfen, verabschieden wir uns dankbar und begeistert.

Jean-Louis Chave Martel Team Keller
«Die Kellergewölbe riechen nach Geschichte und lassen uns ehrfürchtig staunen.»
Jean-Louis Chave Erin Chave
Ein tolles Team. Jean-Louis und Erin Chave.

Emanuel Darnaud

In der Nachbarsgemeinde La Roche-de-Glun befindet sich gleich der nächste Stopp auf unsere Reise. Emanuel Darnaud empfängt, uns während drinnen im Weinkeller gerade ein neuer Stahltank verschweisst wird. Kurzerhand wird ein Fass vor die Hallen gerollt und dient uns fortan als improvisierter Degustationstisch. Emanuel hat sich vor allem der Rebsorte Syrah verpflichtet. Er baut diese in den Appellationen Crozes-Hermitage und Saint Joseph an. Hier dürfen wir ebenfalls alle seine Weine direkt aus den Fässern probieren. Bemerkenswert wie sich auch hier die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit sowie das Klima im Wein reflektiert. Aussergewöhnlich tiefsinnig, elegant und mit einer frischen Säure brillieren Emanuels Weine. Sie lassen jede Mahlzeit zu einem Festessen werden und sollten auf keiner Tafel fehlen.

Emanuel Darnaud
Emanuel Darnaud

René Rostaing

Wie sich Syrah ganz anders zeigen kann, erleben wir eine Stunde nördlich auf der Domaine von René Rostaing. In der nördlichsten Appellation des Rhonetals, der Côte-Rotie, werden wir vom Kultwinzer auf seinem Weingut empfangen. Mit über 70 Jahren ist René Rostaing immer noch voller Tatendrang und Hingabe. Wir erfahren eindrücklich wie die Besonderheit dieses Weingebietes zustande kommt. Extreme Steillagen, ein warmes Klima und vor allem Schiefer im Boden unterscheiden diese Weine deutlich von allen bisher gekosteten. René Rostaings Côte Blonde, La Landonne und Ampodium sind traumhafte Weine die ihresgleichen suchen. Mit überragender Präzision, Vielschichtigkeit und Länge betören sie unsere Sinne. Chapeau!

Rebberge René Rostaing
Die steilen Rebberge…
René Rostaing
… von René Rostaing

Oddero: reizvolle Piemonteser Weinhochkultur mit feiner Klinge

Martel Weinwelt - Oddero: reizvolle Piemonteser Weinhochkultur mit feiner Klinge

Ein Weingut von dieser Ausstrahlung und Historie kennenzulernen und auch noch ins Portfolio aufnehmen zu können, dies ist ebenso ein Glücksfall wie ein Privileg. So freuen wir uns, dass wir unsere «Barolo-Families» zu einem hoch substanziellen Trio erweitern können, alles notabene sympathische und mustergültige Familienbetriebe. Wer durch die Hanglagen zum auf einer stattlichen Krete thronenden Barolo-Dorf La Morra zufährt, sieht im vorgelagerten Weiler Santa Maria ein wunderschönes, imposantes Weingut: Oddero. Die Wurzeln der Poderi e Cantine Oddero reichen bis ins 18. Jahrhundert. Seit den 90er Jahren sind Cantina und 35ha Rebland fest in kompetenter Hand von Mariacristina Oddero, der heute mit der 7. Generation Sohn Pietro und Nichte Isabella tatkräftig zur Seite stehen.

Oddero Piemont Barolo Mariachristina Oddero
Mariachristina Oddero
PIemont Oddero Barolo Pietro Oddero Jan Martel
Pietro Oddero mit Jan Martel

Die Odderos geniessen nicht per Zufall weitherum und in der massgeblichen Fachpresse einen hervorragenden Ruf. Das Portfolio an Spitzenlagen ist ebenso eindrücklich wie fast konkurrenzlos. Jeder Wein hat seinen individuellen Charakter. Man arbeitet traditionell, sehr terroirbetont, innovativ. 2008 startete Mariacristina die Konvertierung zum biologischen Anbau, die meisten Rebberge sind heute zertifiziert. Auf eine sorgfältige Behandlung der Böden wird höchste Beachtung gelegt und besonders sympathisch: die Oddero-Rebberge sind nicht nur Traubengärten, sondern auch ein blumengeschwängertes Bienenparadies. Pietro Oddero lässt – nach der spektakulären und vielseitigen Weinpalette –auch stolz seine verschiedenen Honigsorten degustieren. Ein Glücksfall und speziell reizvoll, Nebbiolo-Weine mit ihrem eher maskulinen, tanninreichen Charakter mit femininer Note interpretiert zu geniessen. Yin und Yang!

Piemont Oddero Honig
Oddero – auch ein Bienenparadies

Abstecher zu Olivier Bernstein ins Burgund

Martel Weinwelt - Olivier Bernstein - Angebot 2022

Frühstück in St.Gallen, Degustation der 2018er von Olivier Bernstein mit anschliessendem Lunch in Beaune und das Abendessen wieder in der Schweiz. Dies ist möglich, dank einer hervorragender TGV-Verbindung. Der Abstecher ermöglichte mir einen inspirierenden Gedankenaustausch mit einer der faszinierendsten Winzerpersönlichkeiten des Burgunds.

Wir erinnern uns alle noch an das vergangene Jahr. Es war heiss. Teils sehr heiss. Gerade deshalb war es wichtig, genügend Säure in den Pinot Noir Trauben zu halten und vor allem den perfekten Erntezeitpunkt zu bestimmen. In solchen Jahren fühlt man sich als Winzer wie ein Spieler im Casino. Olivier Bernstein: «J’ai envie de dire que c’est un millésime de vigneron mais aussi de vinificateur. Les fermentations avaient envie de trainer et il ne fallait pas les laisser faire.»

Das Team rund um Bernstein hat einen hervorragenden Job gemacht. Die Weine zeigen eine wunderbare Frische. Dies trotz hoher Reife der Trauben. Sie sind pur, klar und bereits sehr präzise und gut strukturiert mit intensiver, rotbeeriger Frucht. Elegant und fast tänzerisch, vom Burgunder Village bis zu den Grand Crus. Eine echte Überraschung bei einem solch herausforderndem Jahrgang. Traumhaft.

Ungeduldig warten wir auf die Lancierung dieses Jahrgangs im Frühjahr 2020.

Unser Bernstein Sortiment

Burgund Olivier Bernstein
Burgund Olivier Bernstein Jan Martel
Jan Martel mit Olivier Bernstein
Burgund Olivier Bernstein Rebberg Pinot Noir Jahrgang 2018
Burgund Beaune Naturparadies
Ein wildes Naturparadies: nur 3km von der verrücktesten Weinregion der Welt entfernt.

Bordeaux 2018: Degustation der Primeurs im Frühjahr 2019

Martel Weinwelt - Bordeaux 2018: Degustation der Primeurs im Frühjahr 2019

Ob Burgund oder Bordeaux, unglaublich wie sich gegenwärtig die generösen Jahre häufen. Innerhalb eines Jahrzehntes zählt man heute 5 Jahrgänge mit einem Überfluss an Sonne und Wärme. Früher gab es vielleicht einen. Es herrscht eigentlich Einigkeit, dass der Klimawandel grüssen lässt. Allerdings hat man auch schnell gelernt, auf die neuen Verhältnisse zu reagieren. Innerhalb der Möglichkeiten wenigstens…! Wenn man mit dem nötigen Fingerspitzengefühl je nach Rebsorte und Parzelle den optimalen Erntezeitpunkt fand und wählte, konnte man im 2018 von einem wunderbaren zweiten Halbjahr profitieren, was zu hervorragenden Konditionen für die gesamte Ernte führte. Und die war lang: vom August (für die Weissen) bis in den Oktober hinein (für die spät reifenden Sorten wie den Cabernet Sauvignon). Davor, vom Winter bis mitten in den Sommer hinein, sah das Bild genau gegenteilig aus.

Es gab zwei grosse Probleme: der Frost betraf nur einige Bereiche, aber dort war man ihm schutz- und machtlos ausgeliefert. Aber alle hatten mit dem Mehltau zu kämpfen. Eine besonders fiese und prekäre Attacke fiel just auf das 2018er Weekend de France schlechthin am 14. und 15. Juli, wo sich ausgerechnet der französische Nationalfeiertag und Fussball-WM-Final mit dem siegreichen Frankreich und Kroatien die Hand gaben.

Leonville Barton Bordeaux Degustation
Domaine de Chevalier Bordeaux Degustation

Das Wetter

Jean-Philippe Masclef von den Domaines Clarence Dillon (Haut-Brion etc) fasste 2018 so zusammen: «Die erste Halbzeit hatten wir les pieds dans l’eau, in der zweiten la tête dans le ciel Mit anderen Worten: es begann nass und dauerbewölkt, bis sich die Situation ab Mitte Juli schlagartig umkehrte, und es ohne Unterbruch drei Monate lang nur noch strahlende Sonne gab. Wer schadlos durch dieses Jahr der Kontraste kam, konnte jubilieren.

Haut Brion Bordeaux Degustation

Der Jahrgang 2018

In vieler Hinsicht ähnelt 2018 dem glorreichen Jahrgang 2016, wenn auch nur in Sachen Jahresverlauf und Stil der Weine. 2018 zeigt sich in der Breite weniger homogen. Die Rotweine zeigen hohe Konzentration, welche noch verstärkt wurde durch den warmen Herbst. Dieser entzog den Beeren Wasser und löste so eine Art Amarone-Effekt aus.

Grosses leisteten die Weingüter, welche die Lektionen aus den Jahren wie 2003 gelernt haben und so die Frische und Harmonie bewahren konnten und die Gradationen in Grenzen halten. François Mitjavile schwärmt betreffend seines Terte Roteboeuf (St-Emilion) und Roc de Cambes (Côtes de Bourg) von der schönen Ausreifung im Herbst, «qui présente un éclat, une grâce et légèreté aromatique. Vivaldi!» Die konzentriertesten Weine mit viel weichen Tanninen und tiefdunkler Farbe und Frucht im kalifornischen Stil lassen nicht überraschenderweise in Superlativen schwärmen.

Château Calon Ségur Bordeaux Degustation

Der Jahrgang 2017 im Burgund

Martel Weinwelt - Der Jahrgang 2017 im Burgund

Ende März besuchten wir einige unserer Winzer im Burgund, um die Einkäufe des Jahrgangs 2017 abzuschliessen. Es waren herrliche Tage mit viel Sonne, blauem Himmel, blühenden Magnolienbäumen und vor allem auch mit fröhlichen, gut gelaunten Winzern. Denn anders als in den Vorjahren konnte die Mehrheit der Betriebe endlich wieder eine normale Ernte einbringen. Und auch die Qualität des Jahrgangs ist überzeugend, sowohl bei den Weiss-, als auch bei den Rotweinen.

Frühling im Burgund

Domaine de l’Arlot, Nuits St. Georges

2017 brachte äusserst charmante Burgunder hervor. „Toute en finesse et en élégance“, wie sich Géraldine Godot von der Domaine de L’Arlot ausdrückt. « Und endlich wieder ein Jahrgang, der das Lächeln in die Gesichter der Winzer zurückbringt». Die Rotweine, mit feiner und doch intensiver Frucht, erinnern in etwa an 2014. Die Weine aus einfachen Pinot Noir Lagen sind eigentlich schon jetzt trinkbereit. An Charme sind sie wirklich kaum zu überbieten und dennoch lassen Weine aus den grossen Lagen nichts zu wünschen übrig an Konzentration und Tiefe. Und sie haben in der Regel etwas mehr Gewicht als der schon zitierte Jahrgang 2014. Ausschlaggebend dafür waren vor allem viel Sonnenschein und dann aber auch genügend Regen zum richtigen Zeitpunkt. So konnte man in den ersten Septembertagen super gesundes Traubengut ernten.

Domaine de l'Arlot Géraldine Godot
Domaine de l’Arlot Géraldine Godot

Domaine Comte Georges de Vogüé, Chambolle-Musigny

Alles in allem können wir uns auf einen guten bis sehr guten Jahrgang freuen, «ausgeglichen und saftig» und «La délicate minéralité sur la fin de bouche satinée, laisse présager un potentiel de grande garde » wie François Millet von der Domaine Comte Georges de Vogüé sagt.

Domaine Comte Georges de Vogüé François Millet
Domaine Comte Georges de Vogüé François Millet

Domaine de la Pousse d’Or, Volnay

Das Burgund ist an sich eine Weinregion, in der die Tradition hochgehalten wird. Das heisst aber nicht, dass man nicht Neues ausprobieren würde. So baut Benoit Landanger auf der Domaine de la Pousse d’Or in Volnay (er hat das Zepter von seinem Vater Patrick übernommen) drei seiner Weine zum einen traditionell in der Pièce aus, zum andern in Amphoren, wie man sie auch in anderen Regionen antrifft. Es sind die Volnay-Weine aus den Premier Cru Lagen Les Caillerets, Clos de la Bousse d’Or und en Caillerets «Clos des 60 Ouvrées».  Es wird für uns alle interessant und lehrreich sein zu sehen, wie unterschiedlich der Charakter der Weine sein wird.

Domaine Pousse d’Or Benoit Landanger
Domaine Pousse d’Or Benoit Landanger

François Carillon, Puligny-Montrachet
Domaine de Villaine, Bouzeron

François Carillon in Puligny-Montrachet macht Versuche mit Fässern in Zigarrenform. Pierre de Benoist, Domaine de Villaine in Bouzeron, baut seine Weissweine (Aligoté und Chardonnay) in grossen Fudern aus und seinen neuen Keller hat er nach den Regeln des «Goldenen Schnitts» gebaut.

François Carillon
François Carillon
Domaine de Villaine, Pierre de Benoist
Domaine de Villaine, Pierre de Benoist

Laurent Ponsot, Gilly les Citeaux

Erfolgreiches gibt es auch von Laurent Ponsot zu berichten. Vor zwei Jahren, im Februar 2017, hatte er die Domaine Ponsot in Morey Saint Denis verlassen und sich zusammen mit seinem 40jährigen Sohn Clément quasi selbständig gemacht. Gestartet war er damals mit Weinen aus sechs Appellationen. Heute sind es schon deren 26! Er ist heute Winzer und Négociant und nennt sich stolz «Négociant haute couture». Seine Weine strahlen dieselbe Eleganz und Finesse aus und sie zeigen die unvergleichliche Cremigkeit, wie wir sie von der Domaine Ponsot her kennen. Alles andere als traditionell aber ist sein Etikett, es kommt sozusagen aus der Zukunft!

Laurent Ponsot
Laurent Ponsot
Laurent Ponsot Etikette
Laurent Ponsots futuristische Meursault Charmes Etikette

Domaine Ponsot, Morey Saint Denis

Auf der Domaine Ponsot hat sich nach dem Weggang von Laurent kaum etwas verändert, auch wenn heute Alexandre Abel die önologische Verantwortung trägt. Wie sollte es auch, meint Rosemarie Ponsot. «Wir machen nicht Weine, wir setzen lediglich die Sprache des Weinbergs um.»

Domaine Ponsot Alexandre Abel
Domaine Ponsot Alexandre Abel

Wo sich Himmel und Hölle treffen

Martel Weinwelt - Wo sich Himmel und Hölle treffen

Die Region ist Geschichte. Die gesamte Kulturlandschaft gehört zu den ganz grossen Europas, reich an Tradition. Eines der bekanntesten Gebäude im Zentrum ist das Hôtel-Dieu, ein Krankenhaus und Pflegeheim aus dem späten Mittelalter für die Armen der Stadt. Es wurde vor mehr als 550 Jahren gegründet. Die umliegende Landschaft ist geprägt von unzähligen Rebbergen, deren Geschichte oftmals noch viel weiter zurückreicht. Zusammen bilden sie eine der grössten und bedeutendsten Weinbauregionen Frankreichs. Mythos, Legende und Extraklasse der hier produzierten Weine faszinieren rund um den Globus. Ich spreche vom Burgund. Einem Buch mit sieben Siegeln.

Aber worauf ist diese grosse Faszination zurückzuführen, die das Burgund auf Weinliebhaber auf aller Welt ausübt? Es ist die buchstäbliche Eleganz und der Reichtum an Finesse dieser Weine. Ein Charakterzug, den es sonst in dieser Ausprägung nicht gibt. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Reblagen sind erstaunlich. Auch wenn sie nur durch einen kleinen Weg oder eine Mauer getrennt sind, sprechen die Weine eine andere Sprache. Auf kleinstem Raum wechseln die Bedingungen für die Reben. Das Burgund gilt denn auch als die eigentliche Wiege des Terroirs. Die frühreifen Sorten Chardonnay und der filigrane Pinot Noir sind hier beheimatet.

Grosse Burgunder

Grosse Burgunder sind elegant und betörend. Unerreicht. Solche Weine stammen aus einem guten Jahr, von einem begnadeten Winzer und aus einer dieser sagenumwobenen Lagen. Sie sind gut strukturiert und dabei meist leicht und bekömmlich. Kommt die Balance von Jahrgang, Winzer und Lage aber nicht zustande, beispielsweise wegen fehlender Sonnenstunden, kann das Resultat – sprich der Wein – eine herbe Enttäuschung werden. Dies umso mehr, als diese Weine trotzdem viel kosten.

Als Weingeniesser suchen Sie natürlich den Hochgenuss, sprich den Himmel auf Erden. Die Suche nach den wirklich grossen Burgundern braucht zwar viel Zeit und eine intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gewächsen, die Faszination ist jedoch unbeschreiblich gross. Ansteckung garantiert.

Ausprobieren: Kochen Sie ein traditionelles Oeuf Meurette (pochiertes Ei in Rotweinsauce mit Zwiebelkompott und Brot) als ideale Begleitung zu Ihrem Burgunder.

Winzerbesuche – Ribera del Duero 2018

Martel Weinwelt -

Ribera at it’s best

Peñafiel

Bodegas Leda – José Masaveu und Cesar Colas; Tudela de Duero

Die Weinkellerei Leda ist die einzige verbleibende Kellerei im Herzen von Tudela del Duero. Die Keller sind sehr alt und verwinkelt und wurden einst sogar als Dorfgefängnis genutzt. Obwohl das Weingut nur 300m vom Fluss Duero entfernt ist, gehört es nicht mehr in die DO Ribera del Duero. Der Kellermeister Cesar Colas sieht dies als Vorteil. Da sie keine eigenen Rebberge besitzen, können sie auf die ganze Region Castilla y León zurückgreifen und auch in schwierigen Jahren genügend qualitativ hochwertige, biologisch produzierte Trauben von alten Rebstöcken kaufen.

Martel - José Masaveu, César Colas
Mit José Masaveu und César Colas

Für den Mas de Leda werden Trauben von 20 – 40 jährigen Rebstöcken verarbeitet, bei relativ kühler Temperatur fermentiert und in gebrauchten Eichenfässern ausgebaut.  So entsteht ein herrlicher fruchtdominierter Wein.

Der Viñas Viejas wird nur aus Trauben von 80 – 100 jährigen Rebstöcken gekeltert. Man arbeitet mit sehr kleinen Erträgen von maximal 2500 kg pro Hektar. Das Vergären erfolgt mit höherer Temperatur und im Zusammenspiel mit dem Einsatz von neuen Barriques.  So entsteht ein schön strukturierter Wein mit unvergleichlicher Tiefe und Kraft.
Eine wahres Boutique Weingut. Klein und fein.

Reben

Tr3smano – Pedro Aibar; Ribera del Duero

Tr3smano liegt im Herzen der Milla del oro. Die drei Besitzer, Familie Ruiz , Fernando Remirez de Ganuza und Pedro Aibar starteten im Jahr 2014 ihren Traum vom Weingut im Ribera del Duero. Ihr Motto lautet Tradition, Authentizität, Leidenschaft und Avantgarde. Dieses Motto wiederspiegelt sich sehr schön im Weingut. Direkt neben dem avantgardistischen Neubau mit top ausgestatteten Weinkeller stehen ein 1500 jähriger Olivenbaum sowie die Ruinen der alten Lagares.

Martel - Pedro Aibar
Pedro Aibar mit dem 1500 jährigen Methusalem

Die Leidenschaft und Authentizität erkennt man in den sehr hohen Qualitätsansprüchen und der rigorosen Selektion (teilweise werden nur 30 % der Trauben einer Reblage verwendet, der Rest wird nicht geerntet oder als Offenwein verkauft). All diese Faktoren und der Umstand, dass Trauben aus verschiedensten Lagen der Ribera del Duero verwendet werden, führen zu einem finessenreichen Tr3mano, welcher auch die Jahrgangstypizität wunderbar wiederspiegelt. Aus einer speziellen Lage auf 1000 M.ü.M. mit ca. 90 jährigen Reben kommt der Tm. Ein sehr limitierter Wein mit grossem Alterungspotential. Der grandiose 2016er wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 verfügbar sein. Wir sind stolz mit Tr3mano ein wahres Kleinod und (noch) Geheimtipp im Sortiment zu haben.

Martel - Jaro

Bodegas del Jaro – Alvaro Trigueros; Ribera del Duero

Fasziniert von der Einzellage Chafandin hat Borja Osborne 1999 kurzerhand das ganze Weingut Jaros gekauft, es umfasst 66 zusammenhängende Hektaren, wovon 46 mit Reben bepflanzt sind. Es liegt auf der gegenüberliegenden Flussseite von Tr3smano, direkt zwischen Hacianda Monasterio und einzelnen Reblagen von Vega Sicilia.

Martel - Bodegas del Jaro

Chafandin liegt auf einer Anhöhe und verfügt über einen einzigartigen, roten Boden mit grossen Steinen ähnlich den Galets im Châteauneuf-du-Pape. Es sind dies die ältesten Reblagen über welche Jaros verfügt. Alle anderen wurden 1999 mit Tempranillo sowie mit wenig Merlot und Cabernet Sauvignon bepflanzt. Seit dem Jahrgang 2015 wird Cabernet Sauvignon und Merlot nur noch für den Sembro verwendet, alle anderen Weine sind reinsortige Tempranillo. Alle Weine werden in 300l Fässern ausgebaut um einen ausgewogenen Holzeinfluss zu erreichen.

Das Flaggschiff ist der Sed de Cana. Es ist eine Fassselektion der Einzellage Chafandin und wird nur in speziellen Jahren produziert. Ab dem Jahrgang 2015 erfolgt nach dem Ausbau im Holz ein weiteres Jahr im Betonei, dies verleiht ihm zusätzliche Eleganz.

Martel - Ribera del Duero

Bodega la Horra – Victor Charcan; Ribera del Duero

Das Bodega La Horra liegt im Diamante del oro gleich neben dem gleichnamigen kleinen Weindorf La Horra. Das Schwesterweingut der Bodega Roda im Rioja versteckt sich zwischen Feldern und Wäldern und wäre ohne Hilfe fast nicht zu finden. Ein magischer Ort. Da die Bodega La Horra erst seit 2008 existiert, ist das Weingut sehr praktisch eingerichtet und besteht aus nur zwei Lagerhallen.

Martel - Bodega la Horra

Ein „richtiges“ Weingut ist demnächst geplant. Die Besitzer legen sehr viel Wert auf die genetische Vielfalt im Rebberg. Vor nunmehr vier Jahren hat man eine kleine Rebschule angelegt. Das Ziel ist die Sortenvielfalt zu erhalten und die besten Klone für das Weingut zu produzieren. Jeweils 10 Stöcke von mittlerweile über 200 verschiedenen Tempranilloklonen wurden angepflanzt. Vinifiziert werden zwei Weine: Corimbo und Corimbo Uno. Von beiden Weinen konnten wir eine Vertikale degustieren. Beide weisen eine hohe Qualität auf und wiederspiegeln den jeweiligen Jahrgang wieder.

Martel - Pago de Carraovejas

Pago de Carraovejas – Paulo Cardoso; Ribera del Duero

Zum Abschluss unserer Reise in die Ribera del Duero besuchten wir das Weingut Pago de Carraovejas direkt am Ortsrand von Peñafiels. Was 1987 mit einem provisorischen Hangar angefangen hat ist heute zu einem sehr repräsentativen Weingut mit eigenem Gourmet Restaurant gewachsen. Das Weingut ist perfekt auf Gäste eingerichtet. Mit 200 ha ist es auch das grösste Weingut in unserem Ribera del Duero Portfolio.

Es ist erstaunlich, mit welcher Perfektion im Keller gearbeitet wird. Alles ist peinlichst sauber und es wird konsequent nur mit Schwerkraft gearbeitet. Im hauseigenen Labor wird alles genauestens geprüft und analysiert. Angefangen bei den Reben, über die Barriques, die Korken und die Flaschen bis hin zu den Weinen nach und während der Gärung. In den Ebenen sind Windräder aufgestellt welche bei Frostgefahr für eine Vermischung der Luftschichten sorgen, dadurch konnte letztes Jahr jeglicher Spätfrost verhindert werden.

Martel - Pago de Carraovejas

Ab dem Jahrgang 2015 werden nur noch drei Weine vinifiziert. Die Einzellagen Anejòn und Cuesta de las Liebres sowie Pago de Carraovejas. Im Pago de Carraovejas ist der frühere Crianza und die ehemalige Reserva vereint. Der Wein wird 12 Monate in neuen Barriques ausgebaut und besteht aus 90% Tempranillo mit etwas Cabernet Sauvigon und Merlot. Cuesta de los Liebres ist das Herzstück des Weinguts. Es ist eine steile Lage (bis 40% Neigung) direkt hinter dem Weingut. Dieser Wein besteht aus 100% Tempranillo. Die Rebstöcke werden in einem speziellen Erziehungssystem mit vertikalem Holz, einer sogenannten „hochgezogener Vase“ angebaut. Durch den 24 monatigen Ausbau im französischen Barrique entsteht ein sehr kräftiger, dichter Wein, duftend nach dunkler Frucht und Schokolade. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, von der Weinwerdung bis zur Besucherbetreuung wird hier die perfekte Genuss-Show geboten.

Ribera del Duero

Die Weinregion Ribera del Duero liegt ca. 200 km nördlich von Madrid im nördlichen Teil des spanischen Hochplateaus. Die DO Ribera del Duero erstreckt sich über 23000 Hektaren und wird inoffiziell in drei Unterregionen eingeteilt: • Milla del oro ( 10 Meilen zwischen Pingus und Pago de Carraovejas) • El Diamante del oro (um das Weindorf La Horra) • El Triangulo (die kühlsten Lagen um das Dorf Gumiel de Izán)
Vorwiegend wird Tempranillo angebaut (in kleinen Mengen auch Cabernet Sauvignon, Merlot, Garnacha und Malbec), welcher auf bis zu 1000 Metern über Meer gedeiht. Das Klima ist sehr kontinental mit grossen Tag- und Nachtschwankungen von teilweise mehr als 20°C.
Auf Grund dieser extremen Bedingungen unterscheidet sich die Tempranillovariante in der Ribera del Duero, Tinta fina oder Tinto fino mit einer dickeren, widerstandsfähigeren Traubenhaut von derjenigen in der Rioja.

Team Martel
Das Martel Team mit Alvaro Trigueros von Jaro

Mineralität

Martel Weinwelt - Mineralität

Modewörter schleichen sich immer wieder in unser Vokabular ein. Sie werden zu festem Bestandteil unserer Sprache, nehmen ein Übermass an Bedeutung an oder polarisieren stark. So auch der seit einigen Jahren inflationär benutzte Begriff der Mineralität im Wein. Was ist eigentlich damit gemeint und wie ernst sollte man die Bezeichnung dieses Sinneseindrucks nehmen?

Wenig fruchtbare Bodentypen haben vielfach einen höheren Gehalt an Schiefer, Vulkangestein, Granit, Kalk oder Kreide. Die Wurzeln der Pflanze reichen meist tief (10 Meter und mehr) in den Untergrund und nehmen dort Nährstoffe und Spurenelemente auf. Auch wenn es analytisch nicht bewiesen ist, wird teilweise angenommen, dass die Beeren so „Mineralität“ aufnehmen und sie im Wein erlebbar wird. Dies auch wenn die im Erdreich vorkommenden Mineralien für den menschlichen Gaumen eigentlich geschmacksneutral sind.

Trotzdem erinnern viele Weine in ihrem aromatischen Profil an nassen oder heissen Stein. Sie können auch geschmackliche Eindrücke hinterlassen wie kreidig, salzig, seidigschmirgelnd und stoffig. Einzelne Verkoster bezeichnen solche Weine mit dem Begriff Spannung. Diese Empfindungen sind wissenschaftlich nicht auf die Mineralität der Böden, sondern höchstwahrscheinlich auf den im Wein enthaltenen Schwefel und die Polyphenole (aromatische Verbindungen) zurückzuführen. Auch können geringe Erträge und der damit verbundene höhere Anteil an Trockenextrakten einen mineralischen Eindruck erwecken. Mineralität wird vielfach auch als Sammelbegriff für Empfindungen abseits von Säure, Alkohol, Frucht, Tannin oder Zucker verwendet.

Fazit: Der Begriff Mineralität wird für die unterschiedlichsten sensorischen Wahrnehmungen verwendet. Viele davon können nicht nachgewiesen werden und beruhen auf sehr persönlichen Eindrücken. Sie haben aber eines gemeinsam: Mineralität im Wein ist positiv belegt und lässt eine höhere Qualität vermuten.

Winzerbesuche – Deutschland 2018

Martel Weinwelt - Inhaltselemente

Ein hochkarätiges Winzer-Quartett aus den besten deutschen Weinregionen

Weingut Maximin Grünhaus – Familie von Schubert; Ruwer

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Atmen

Martel Weinwelt - Atmen

Zeit zum „Atmen“

Ob Zuhause, unter Weinfreunden oder im Restaurant, heute werden viele Rotweine möglichst früh geöffnet. Auch wenn der Wein erst für den Hauptgang gedacht ist, wird er schon vor dem Verzehr der Vorspeise entkorkt und ohne Verschluss hingestellt. Schlecht ist das natürlich nicht. Geschieht es aber mit der Begründung, dass der Wein „atmen“ müsse, liegt ein Irrtum vor.

Um das Atmen des Weins wird seit einigen Jahren ein unangebrachtes Aufheben gemacht. Der Wein kann sich bei geöffneter Flasche nicht innerhalb einer Stunde durch Atmung spürbar verändern. Der Grund dafür leuchtet ein: Dem Weinvolumen einer ganzen Flasche steht lediglich eine Oberfläche von 2-4 cm2 im Flaschenhals gegenüber, die mit Luft in Kontakt tritt. Das führt praktisch zu keiner Sauerstoffaufnahme. Sensorisch ist auch für den Profi keine Veränderung des Weines feststellbar. Die gemachte Meinung hält sich aber trotzdem hartnäckig unter Weingeniessern.

Ganz anders sieht es beim Einschenken in ein Weinglas oder eine Karaffe aus. Das Eingiessen führt dem Wein viel Sauerstoff zu und kann ihn reifer und runder werden lassen. Steht der Wein gar einige Zeit in einem grossen Dekantierer, können junge Gewächse durch das „Atmen“ zugänglicher werden. Das „Atmen“ macht allerdings nur bei Charakter- und Spitzenweinen Sinn. Denn bei Basisqualitäten gibt es schlicht und einfach nichts, das sich durch diesen Prozess verbessern könnte. Ältere Weine sind empfindlicher
und können nicht immer gut mit dem „Luft-Schock“ umgehen. Das Umgiessen sollte deshalb erst kurz vor dem Service stattfinden. Es dient dann vor allem zur Trennung von Wein und Sediment. Stumpfe und muffige Weine können dank Sauerstoff teilweise trotzdem noch blumig werden. Ein Versuch lohnt sich fast immer.

Ich möchte Sie nicht vom frühzeitigen Öffnen Ihrer Weinflasche abhalten. Wichtig ist aber, dass Sie dies nicht wegen dem „Atmen“ des Weines tun. Braucht der Wein Sauerstoff, müssen Sie ihn entweder dekantieren oder frühzeitig ins Glas einschenken. Santé.

Die Kreidekeller der Champagne

Martel Weinwelt - Die Kreidekeller der Champagne

Das kleine aber weltberühmte Anbaugebiet der Champagne liegt südöstlich von Paris. Zur Zeit der Römer lebten hier keltische Belger. Diese bauten die Siedlung Dorocorter, runde Burg. Heute ist Reims eine wunderschöne Schaumwein-Stadt mit eleganten Geschäften und hübschen Bistros. Die uralten und beeindruckenden Bauten im Herzen von Reims gehören inzwischen zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Damit eine solche Stadt entstehen kann, brauchte es viel Baumaterial. Dieses fand sich vor über 2‘000 Jahren direkt vor Ort in den weichen Kreidesteinböden. Diese Böden wurden im wahrsten Sinne des Wortes in eine Art Appenzeller Käse verwandelt. Tausende Tagelöhner schufteten im Kreideabbau das wertvolle Baumaterial ab. Zurück blieb ein riesiges
Netzwerk an Grotten, Hohlräumen und langen unterirdischen Gängen durch das Kreidegestein. Diese Gewölbe-Unterwelt geriet, wie der Weinbau übrigens auch, nach dem Abzug der Römer in Vergessenheit. Die Grotten wurden von Spinnen und Fledermäusen besiedelt und blieben während Jahrhunderten ungenutzt bis im Mittelalter die Benediktiner den Weinbau neu entdeckten und aus Zufall zum Schaumwein fanden. Das klassische Champagner-Verfahren entstand.

Da es dazumal noch keine Klimaanlagen gab, erinnerten sich die Mönche der vor vielen Jahrhunderten erstellten Grotten und Stollen im Untergrund. Die Fledermäuse wurden verscheucht und die natürlich kühlen Räume als Weinkeller genutzt.

Die geheimnisvollen Keller entstanden wegen benötigtem Aushubmaterial für den Bau des Ortes und waren lange vor dem Schaumwein da. Sie prägen den Mythos Champagner seit Jahrhunderten. Der Ur-Vater der „méthode champenoise“ Dom Pierre Pérignon meinte einst: „Ich trinke Sterne.“ Sterne aus jahrtausendalten Kreidekellern. Und was trinken Sie morgen?

Besuch eines Weingutes

Martel Weinwelt - Besuch eines Weingutes

Haben Sie auch schon ein Weingut besucht? Gestern sass ich mit Winzern aus verschiedenen Ländern am Tisch. Wir haben über Wein gesprochen, welchen genossen und über die Weinwelt philosophiert. Spannende Themen wurden angeschnitten und plötzlich landeten wir – zu später Stunden – beim Thema Weingutsbesuch. Jeder konnte einige lustig Anekdoten erzählen und schnell erstellten wir eine Liste mit Verhaltensregeln:

On time! Nicht nur bei uns in der Schweiz ist Pünktlichkeit wichtig. Auch Winzer haben geplante Tagesabläufe und Besucher sollten diese respektieren. High Heels und Flip Flops? Viele Besucherinnen sind sich nicht bewusst, dass es sich beim Weingut um eine Farm, einen Landwirtschaftsbetrieb handelt. Nur mit guten Schuhwerk übersteht man den Rebberg-Rundgang durch eine steile Hanglage unverletzt. Zudem werden die folgenden Punkte als wichtig erachtet:

  • Besucher sollten sich vorgängig über das Weingut informieren und den Termin vorbereitet angehen. Die wichtigsten Eckpfeiler wie Weinstile, Traubensorten und Namen der Personen sowie Weine sollte man kennen.
  • Auch wenn man nicht alle technischen Details versteht, sollte man während den Erklärungen aufmerksam zuhören und Fragen stellen. Teilen Sie Ihre Eindrücke mit.
  • Werden mehrere Weine verkostet, darf der Degustations-Schluck mit gutem Gewissen ausgespuckt werden. Entsprechende Behältnisse stehen immer zur Verfügung. Winzer betrachtet das nicht als Beleidigung, sondern schätzen es sehr, wenn die Besucher nicht angeheitert sind. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt Tropfen, die kann man einfach nicht mehr hergeben.
  • Organisieren Sie einen Fahrer oder bestimmen Sie vorgängig, wer auf das Trinken verzichten soll.
  • Vergessen Sie die Zeit nicht und bleiben nicht länger als vereinbart.
  • Kaufen Sie mindestens eine Flasche Wein (oder ein T-Shirt).

Es ist wunderschön auf einem Weingut. Der Besuch hinterlässt meistens einmalige und unvergessliche Eindrücke. Geniessen Sie es.

Prost

Martel Weinwelt - Prost

Santé, Cheers oder Salute! Wir sitzen mit einem Glas Wein am Tisch und prosten uns zu. Mit dieser Tradition sind wir aufgewachsen und sie besteht in vielen Kulturkreisen seit Jahrhunderten. Im tiefen Mittelalter kam es regelmässig vor, dass sich verfeindete Personen mit vergiftetem Wein aus dem Weg schafften. Nicht jeder konnte sich seinen eigenen Vorkoster leisten und so löste man im Wirtshaus das Problem mit einem kräftigen Anstossen. Dadurch schwappte auch Wein von einem Becher in den anderen. Wer also am Tisch mit seinen Kameraden anstiess und gemeinsam trank, konnte nichts Böses im Schilde führen. Man meint es gut mit den Tischgenossen.

Heute schwappt beim gesellschaftlichen Zuprosten kein Wein mehr von einem Glas ins andere. Dafür haben sich verschiedene Rituale rund ums Zuprosten im Laufe der Zeit entwickelt und festgesetzt. Wir halten das Weinglas am Stiel und lassen die Gläser am Bauch mit einem sanften „Klirr“ zusammenstossen. Dabei schauen wir uns in die Augen und ergänzen dies allenfalls mit einem Trinkspruch. So weit, so gut. Sind aber an einem Tisch verschiedene Generationen und Kulturen vertreten, kann es ziemlich schwierig werden. Einzelne Paare lassen das Glas klirren und küssen sich anschliessend. Andere achten tunlichst darauf, dass sich die Gläser nicht überkreuzen. Traditionsbehaftete Italiener setzen das Glas vor dem Trinken nochmals auf dem Tisch ab, andernfalls drohe Unglück. Viele Spanier verweigern das Anstossen mit nichtalkoholischen Getränken aus dem Glauben, dass dies zu sieben Jahren schlechtem Sex führe. Im geschäftlichen Umfeld oder grösseren Gruppen wird zudem je länger je weniger angestossen. Man erhebt das Glas und blickt seinem Gegenüber in die Augen.

Kürzlich sass ich mit Weinfreunden aus aller Welt an einem grossen Tisch. Kulturmix pur. Wir genossen verschiedene Weine und bei jeder neuen Flasche startete das Prost-Theater von neuem: glückliche und verwirrte Blicke mischten sich, Geklirre links und Anstossverweigerer rechts. Es kann gedeutet werden, Fauxpas hier, Verwirrung und Staunen dort. Gelächter.

In unserer Multikulti-Gesellschaft empfehle ich Ihnen am Tisch ein herzliches aber schlichtes Anstossen mit dem ersten Glas Wein. Einmal genügt, keine Wiederholungen und sie erleben einen pannenfreien Abend. Prosit – es nütze!

Martel am Bellevue ausgezeichnet

Martel Weinwelt - Martel am Bellevue ausgezeichnet

Das Weinmagazin Falstaff hat Martel am Bellevue zur besten Weinbar in einer Vinothek in der Schweiz gekürt und mit drei Gläsern ausgezeichnet. Wir freuen uns sehr darüber!

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EY Entrepreneur Of The Year

Martel Weinwelt - EY Entrepreneur Of The Year

EY zeichnet in über 70 Ländern starke Unternehmerleistungen aus und verleiht den Titel Entrepreneur Of The Year. Der Wettbewerb ist weltweit der grösste dieser Art und gilt als renommierteste Auszeichnung für unternehmerisches Schaffen.

Es erfüllt uns mit Freude und grossem Stolz, dass es Jan Martel unter die drei Finalisten der Kategorie «Family Business» geschafft hat.

Lesen Sie das Interview mit Jan Martel im Unternehmermagazin Leader:

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«Ganz ehrlich: ich kriege jedes Jahr Bauchschmerzen»

Martel Weinwelt - "Ganz ehrlich: ich kriege jedes Jahr Bauchschmerzen"

Wie kommen Gastronomen an rare Weine? Wer hat Vorrang? Sind Weinhändler bestechlich? Das Interview mit einem der wichtigsten Player, Jan Martel, im Wein-Business.

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Neue Burgunder Perle: Olivier Bernstein

Martel Weinwelt - Neue Burgunder Perle: Olivier Bernstein

Mit rund 30 absoluten Spitzenwinzern aus dem Burgund dürfen wir uns nicht nur «im Burgund zuhause» fühlen, ein Sortiment dieser Breite, Tiefe und mit unerreichten Höhen ist kaum zu übertreffen.

Seit rund 10 Jahren scheint ein neuer Stern am Burgunder Weinhimmel, ein ganz besondere Persönlichkeit mit einem genialen Händchen: Olivier Bernstein. Seine Palette von rund einem Dutzend Top-Lagen wird nun unser Portefeuille bereichern.

Wir stellen sie erstmals und exklusiv für die Schweiz mit dem grandiosen Jahrgang 2016 vor. Es sind rare Kostbarkeiten, welche Liebhaber- und Sammlerherzen höher schlagen lassen.

Haben Sie Interesse an diesem Angebot? Falls Sie unsere Exklusivofferten bis anhin noch nicht erhalten, können Sie sich gerne hier anmelden.

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Grosse Ehre: Martel am Bellevue erscheint im Retail Design International

Martel Weinwelt - Grosse Ehre: Martel am Bellevue erscheint im Retail Design International

Grosse Ehre: Martel am Bellevue im Retail Design International 2018

Der Bildband mit eindrucksvoller Architekturfotografie und informativen Texten gibt einen aktuellen Überblick zu Innovationen und zukunftsweisenden Retail Design Objekten aus aller Welt. Martel ist eines von lediglich 52 Konzepten, das vorgestellt wird.

Wir sind stolz, dass unser Wein-Begegnungsort in diesem Standardwerk der Design Branche präsentiert wird.

Eröffnung von Martel. Wein am Bellevue.

Martel Weinwelt - Eröffnung von Martel. Wein am Bellevue.

Das 1876 gegründete St. Galler Weinhaus Martel eröffnet Ende 2016 im Herzen von Zürich die einzigartige Erlebnis-Weinhandlung „Martel am Bellevue“.

«Martel am Bellevue» ist ein Begegnungsort für Weinliebhaber, wo nicht nur Weinanlässe und Degustationen stattfinden, sondern wo sich Weinfreunde auch einfach auf ein Glas Wein treffen können. Hier wird Weinkultur und Genuss erlebbar. Die Erlebnis-Weinhandlung an der Rämistrasse 14 bietet auf 250 m2 grosszügige, charaktervolle Flächen in einem denkmalgeschützen Ambiente mit Warenumschlagplätzen direkt vor der Tür. Und dies an zentralster, bestens erreichbarer Lage im Herzen von Zürich.

Einwandfreie Weingläser

Martel Weinwelt - Einwandfreie Weingläser

Das richtige Glas für den gewählten Wein zu finden ist schon fast eine Wissenschaft für sich. Die Auswahl an Weingläsern ist riesig. Ideal sind tulpenförmige Gläser mit ausreichendem Fassungsvermögen, so dass sich die Weinaromen darin entfalten können und gebündelt werden. Gute Gläser sind transparent und ungeschliffen, damit sich die Farbe und Klarheit des Weines unbeeinflusst beurteilen lässt. Zudem bereitet ein dünnwandiges Glas einen sinnlicheren Weingenuss als ein dickwandig-schweres Glas.

Wollen Sie sich auf eine möglichst kleine Auswahl konzentrieren, kommen Sie mit drei Gläsersorten aus: Schaumwein-, Weiss- und Rotweinglas. Das Schaumweinglas sollte mit einem Moussierpunkt versehen sein, so dass die Perlen schön aufsteigen. Eventuell ergänzen Sie Ihre Auswahl durch ein grösseres Rotweinglas für gehaltvolle Gewächse. Je edler der Wein, desto edler darf das Glas sein. Bitte vermeiden Sie aber übergrosse Weinkelche.

Form und Qualität des Glases garantieren allerdings noch keinen Hochgenuss. Immer wieder erlebe ich, dass ich aus Weingläsern trinken muss, die ganz seltsam riechen oder gar richtig stinken. Das feine Weinaroma wird in solchen Fällen von muffigen oder abgestandenen Aromen des Glases zugedeckt und vernichtet damit jedes Weinglück. Es gibt verschiedene Ursachen für diese schlechten Begleitaromen. Meistens stammen sie von Lebensmittelresten im Sieb/Besteckkorb der Abwaschmaschine sowie Spülmittel-Rückständen. Gute Pflege der Abwaschmaschine und richtig dosierter Einsatz des
Reinigungsmittels hilft schon stark. Noch besser ist das Waschen der Gläser von Hand und
nur mit heissem Wasser. Auch ein alter muffelnder oder frisch gestrichener Schrank gibtsein Aroma an die Gläser ab. Stehen die Gläser gar auf dem Kopf im Schrank, wird die im Kelch gefangene Luft mufflig.

Fazit: Achten Sie auf die richtige Glaswahl ohne es zu übertreiben. Reinigen Sie die Gläser sorgfältig und lagern Sie sie aufrecht an einem möglichst geruchsneutralen Ort. Schnüffeln Sie am leeren Glas bevor Sie es mit Wein füllen. Sollte es übel duften, hilft nur eine erneute Reinigung oder das Avinieren (Ausspülen mit etwas Wein). Cheers.

Bisol – Leuchtturm im Prosecco Land

Martel Weinwelt - Bisol - Leuchtturm im Prosecco Land

Frühlingsangebot mit sensationellem Smart-Buy-Preis

Wer den Bisol Crede kennt, liebt ihn und bleibt ihm treu. Wer noch nicht das Vergnügen hatte, der darf sich freuen. Denn dieses sympathische Familienweingut mit seinen wunderbaren Rebbergen und einem brillanten Spumante erntet durchwegs Begeisterung.So brilliert der Crede mit lebhafter Frucht, fein-perlend, pur, mit zarten Noten (weisse Blüten, grüner Apfel). Milder als ein Champagner, im Abgang edel-trocken brut. Ein veritabler Frühlingswein, ein Genuss für Fest- und Alltag.

«Unser tägliches Engagement ehrt und würdigt die Herzzone des Prosecco. Valdobbiadene ist unser Epernay, wir orientieren uns klar an der grossen Reputation der Champagne», umreisst Gianluca Bisol seine Philosophie. Er vertritt in 21. Generation (!) dieses Familienweingut, das dieses Jahr auch mit dem Diplom Ecofriendly ausgezeichnet wurde.

Profitieren Sie vom attraktiven Smart-Buy-Preis!

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Aus der Vergangenheit

Martel Weinwelt - Aus der Vergangenheit

In den Schweizer Bergen gibt es ein Hotel, das seinesgleichen sucht. Seit über hundert Jahren thront es auf einem Hügel am Silsersee. Wenn man durch die Eingangstüre geht, fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine. Nach wenigen Sekunden befindet man sich Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückversetzt; Architektur, Stil der Möbel und das gesamte Ambiente. Märchenhaft, faszinierend und absolut einmalig.

Vor wenigen Tagen durfte ich an diesem bezaubernden Ort über himmlische Weine referieren. Solche Weine passen in dieses Haus. Ganz bestimmt. Um Mitternacht leerten sich die Hallen und die Hotelgäste gingen zu Bett. Richtig alleine in der wunderschönen Lobby fühlt man sich trotzdem nie. Denn neben den guten Hausgeistern, die man dort immer spürt, beschützt der Nachportier Adriaan aufmerksam und mit Charme das ganze Haus. Aus Erfahrung wusste ich, dass ich mich bestimmt nicht unbemerkt an ihm vorbei in die dunkle Nacht schleichen kann. Und so war es auch, er erwartete mich am Eingang, und wie immer in solchen Situationen, wird man mit einem Morgenstern-Gedicht verabschiedet. Für mich hat er das folgende ausgesucht:

Verzicht, das ist der Wein, das ist die Waffe.
Von diesem Safte wirst du stark und still,
und wenn dein Wunsch sich nicht ergeben will,
sieh zu, dass dir dies Schwert den Frieden schaffe.

Mit diesem Wein im Kruge lebst du gut.
Mit dieser Waffe wirst du mächtig sein.
Verzicht – so sticht ein Stahl ins Herz hinein.
Verzicht – so löst den Krampf der Rebe Blut.
(Morgenstern, Melancholie, 1906)

Auf dem Heimweg dachte ich an die verkosteten Weine und an Adriaan. Den Mann, der dafür sorgt, dass man selbst beim Verlassen dieses Hotels am Waldrand stets auf Überraschungen gefasst sein kann.

Ausprobieren: Ein edler Süsswein passt nicht nur zum Dessert. Versuchen Sie es einmal zum Hauptgang, z.B. zu geschmortem Geflügel. Nicht alltäglich, aber bestimmt einen Versuch wert.

Winzerbesuche – Australien 2016

Martel Weinwelt - Winzerbesuche - Australien 2016

Australien ist tatsächlich Down Under, am anderen Ende der Welt und sehr weit weg. Deswegen nicht weniger, vielleicht gerade deshalb sogar speziell aufregend. Natürlich muss das Naheliegende und das Normale das Lokale sein: Essen und Trinken aus der Region, oder zumindest aus der näheren Nachbarschaft.

Allerdings gibt es aussergewöhnliche Spezialitäten und vor allem auch Mentalitäten aus ferneren Kontinenten, welche den Horizont erweitern und uns gastronomisch verwöhnten Westeuropäer bereichern. Die Welt ist ja heute klein, und die Wurzeln und die Geschichte Wein-Australiens sind natürlich auch europäisch. Das Barossa Valley und McLaren Vale als die überragenden Weinregionen Australiens bieten tatsächlich unvergleichliche Erlebnisse. Die Gastfreundschaft ist eindrücklich, herzerwärmend – und lädt umgekehrt sehr ein, den australischen Charakterweinen auch an unseren Tafeln Gastrecht zu gewähren.

Martel - Rockford
Rockford

Was macht die Weine einmalig und unverwechselbar? Das grosse Plus vieler phänomenaler australischer Shiraz: das Alter der Reben. Älter als alle Syrahreben in Europa, denn letztere haben wegen ihrer Aufpfropfung auf reblausresistenten Unterlagsreben von Natur aus eine viel kürzere Lebenserwartung. Im Barossa-Valley erlebt man dicke Rebstock-«Monster», welche nach 100 bis 150 Jahren Alter noch munter reiche Frucht tragen – wörtlich, aber auch im übertragenen Sinn: im Reichtum der Aromatik.

Martel - Mark Lloyd, Coriole
Mark Lloyd, Coriole

Anders als in Europa gehen die Winzer hier auch in einer herrlichen Mischung aus Unbeschwertheit und Nonchalance, dabei aber durchaus auf höchste Qualität, zu Werke. Findet man uns in der Elite schon fast Feinstarbeit in Uhrmacherpräzision, erzeugen die Aussies mit einer erfrischende schmissigen Grosszügigkeit und Lockerheit Wein. Die 2016er Ernte, eine exzellente, ist just Anfang März bereits unter Dach und Fach. Wobei unter Dach durchaus auch im Freien sein kann, wenn sich die Maische in open fermenters im Prozess des Weinwerdens befindet.

Martel - Noon
Noon

Unbeschwerter geht man auch mit der Vergangenheit um, mit Traditionen. Jeder nach seinen Ideen. Von modernem New World Style bis zum Charme von Good Old England und good old times winemaking.

Im folgenden unsere eigenständigen Weingüter, welche wir im Sommer mit einem topaktuellen Spezialangebot präsentieren:

Rockford: Der hoch anspruchsvolle Robert O’Callaghan ist ein Star, gleichzeitig völlig bescheiden und komplett immun gegen Trends und Moden. Seine jüngsten Weine könnten brillanter nicht sein, gleichzeitig traditionell/historisch und absolut up to date. Unser Barossa Valley Flaggschiff mit australischem Top-Ten Status. Ausserhalb Australiens kaum zu finden – wir zählen zu den Ausnahmen.

Chapel Hill: ein Traumweingut mit Meerblick auf wunderbarer Hügellage. Super-Weinteam unter Führung des dynamischen und charmanten Michael Fragos.

Coriole: mit dem erfahrenen Mark Lloyd erlebt man Intellekt ebenso wie die lockere Rustikalität eines Weinbauern. Balancierte, souveräne Weine bis hinauf zur Wein-Ikone Lloyd’s Reserve, einem Shiraz-Rebberg von 1919.

Noon: kleine Boutique-Winery von Drew und Rae Noon. Intensive, kraftvolle Raritäten abseits des Mainstream.

Maxwell: Mark Maxwell ist ein Original, eine Mischung aus «kurligem» Haudegen und klugem Innovator. Alles wirkt improvisiert, doch bieten die Maxwell Weine hohe Schule in tadelloser Konstanz.

Martel - Maxwell
Maxwell

Nach der Eroberung der hiesigen Weingaumen vor rund 25 Jahren, dem damaligen Boom und der anschliessenden «Beruhigung» konstatieren wir, dass unsere australischen Winzer heute voll am Puls der Zeit sind: sie wissen ihren südaustralischen Weinregionen, welche klimatisch mit den heissen Mittelmeerregionen zu vergleichen sind, komplexe, finessenreiche Weine zu entlocken, welche Intensität in lebendiger Frische wiedergeben. Es ist Zeit, Australien (wieder) zu entdecken… Yep!

Martel - Weintrauben

Vins de concours

Martel Weinwelt - Vins de concours

Weine werden bewertet und erhalten Punkte, Medaillen oder Preise. Verkostet werden sieentweder von Amateuren, Weinprofis oder gemischten Gruppen. Die Amateure stehen für die Meinung der Konsumenten. Die Önologen, Weinjournalisten und Händler für die Fachmeinung. Meistens handelt es sich um Blindverkostungen, damit Name und Renommee eines Weines die Verkoster nicht beeinflussen.

Bekannte Weinkritiker haben einen starken Einfluss auf die Konsumenten. Sie sind mächtig und viele Personen stützen sich ausschliesslich auf ihre Beurteilungen. Es erstaunt deshalb nicht, dass Winzer ihre Weine den persönlichen Vorlieben solcher Journalisten und Weinkritiker anpassen. Dies hat den grossen Nachteil, dass der entsprechende Wein sein Gesicht verliert nur um beispielsweise kräftiger als seine Mitstreiter zu sein. Wer am lautesten schreit, wird von der Masse gehört. Das Resultat wird als Urteil verstanden und nicht weiter angezweifelt. Auf der Strecke bleiben meist Persönlichkeit, Charakter und ehrliche Schönheit.

Problematisch ist auch die Tendenz, dass speziell die Jungweine ab Fass beurteilt werden oder wenn sie frisch auf dem Markt sind. Und dies obwohl sie erst für den Konsum in einigen Jahren bestimmt sind. Dabei ist es beim Wein ähnlich wie beim Menschen: Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell und auf individuelle Weise. Es ist ausserordentlich schwierig, bei einem Kleinkind vorherzusagen, welchen Weg es als erwachsene Persönlichkeit einschlagen wird.

Befreiend empfinde ich in diesem Zusammenhang die Aussage des grossen Winzers Jean-Marie Fourrier: „Ich kümmere mich nicht um Moden. Wenn der Wein nach einigen Jahren trinkbereit ist, haben diese sowieso wieder gewechselt.“ Wer Persönlichkeit hat, muss sich nicht Trends unterwerfen.

Natürlich haben die Kritiker auch ihre Berechtigung. Einige von ihnen sind gar brillant. Der Winzer sollte seine Weine einfach nicht nur nach ihnen ausrichten. Und das gilt auch für uns. Jeder Geniesser sollte seinen persönlichen Geschmack selber finden und sich höchstens durch die Aussagen anderer inspirieren lassen. Und diese Inspiration kommt definitiv nicht von einer Punkteskala oder einer Rangliste. Etwas Sinnliches und Lebendiges wie Wein hat Emotionen und Individualität verdient.

Ausprobieren: Champagner wird meist in schmalen Kelchen serviert. Versuchen Sie einmal einen hochwertigen Champagner aus einem grösseren Weissweinglas. Die Aromen entfalten sich fantastisch.

Weine für die nächste Generation

Martel Weinwelt - Weine für die nächste Generation

Unvergessliche Erinnerungen verbindet man gerne mit schönen Weinerlebnissen: Sommerferien in Australien mit einem Tagesausflug auf ein Weingut, eine Gourmet-Reise nach Südfrankreich mit einem würzigen Gigondas zur Hauptspeise oder die Flitterwochen in Rom mit einem belebenden Frühstücks-Spumante. Wein begleitet viele schöne Momente – macht sie gar magisch. Er eignet sich auch ideal als Geschenk – mit einer passenden Geschichte oder dank seines Jahrgangs auch als Jahreserinnerung.

Wir gehen gerne in unseren Keller und betrachten eine Flasche Wein, die gleich alt ist wie wir oder uns an Erlebtes erinnert. Solche Weine zu geniessen, bereitet aussergewöhnliche Freude. Vor allem wenn wir feststellen, wie spannend und interessant sich der Wein aus unserem Geburtsjahr präsentiert. Dies schmeichelt uns ganz besonders. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele Weingeniesser bereits an ihre Nachkommen denken und für sie aus dem Geburtsjahr einige Flaschen Wein kaufen und diese beispielsweise zum 20.
Geburtstag ihrem Kind schenken.

Rotweine aus den Regionen Bordeaux, Burgund oder Piemont werden bevorzugt eingekellert. Diese stehen im Ruf, lange und gut zu reifen. In der Tat haben viele grosse Weine aus diesen Regionen ein speziell gutes Lagerungspotenzial. Dies trifft allerdings nicht generell zu. Der Jahrgang an sich, aber auch der Winzer geben diesen Weinen eine Individualität, einen eigenständigen Charakter, der seine Qualitäten zuweilen in jüngeren Jahren weit attraktiver als im Alter zur Geltung bringt. Für die privilegiertesten Lagerweine gibt man allerdings gerne viel Geld aus. Dies ist mit ein Grund, auf eine perfekte Lagerung zu achten.

Kommen wir zurück zur Auswahl: Warum immer die klassische Wahl treffen, wenn doch der Beschenkte mit 20 Jahren zumeist noch weinunerfahren ist? Er hätte vielleicht mehr Freude an einem edelsüssen Weisswein aus den Sorten Riesling, Sauvignon blanc oder Furmint statt an einem reifen roten Bordeaux. Solche Spezialitäten von Spitzenwinzern betören Laien wie Kenner. Unvergleichliche Erlebnisse bieten auch reife Jahrgangs-Champagner und passen würden übrigens auch die im Trend liegenden Tempranillos aus dem Rioja-Gebiet. Solche Weine schmeicheln einem jungem Gaumen ganz bestimmt.

Ausprobieren: Sie haben Gäste und servieren ein Mehrgangmenu. Jeder Gang
unterscheidet sich vom vorherigen. Trotzdem trinken Sie den ganzen Abend den gleichen Wein. Warum? Versuchen Sie einmal verschiedene Rotweine nacheinander. Ist die Flasche leer, einfach einen neuen Wein auftischen. Das sorgt für Abwechslung und spannende Gespräche.

Herkunft

Martel Weinwelt - Herkunft

Herkunft. Beim Wein wird oft die Herkunft betont. Ist es denn von Bedeutung, woher ein Wein stammt? Die Weinrebe ist keine wählerische Pflanze. Sie gedeiht auf den unterschiedlichsten Böden und kommt mit Wärme, Kälte, Sonne und Regen sehr gut klar. Die verschiedenen Sorten offenbaren jedoch je nach Umfeld völlig unterschiedliche Geschmacksprofile in denen auch die Winzer ihre Spuren hinterlassen. Für den Geniesser bietet sich so ein grosses Erlebnisspektrum, selbst bei identischer Traubensorte. Charakterweine sind hochstehende Botschafter ihrer Herkunft und machen diese im Glas erkennbar.

Aber warum ist das wichtig? Grosse Vielfalt ist der Schlüssel zum Kulturgut Wein. Weine können wunderbare Geschichten erzählen: So beispielsweise jener Wein, der mitten in den Anden, in einem abgelegenen Talkessel auf 2’600m ü. M. heranwächst – umgeben von Hunderten von Kakteen. Der Rebberg, aus dem er stammt, wird von purem Andenwasser genährt, und ist dank fehlender Ungeziefer und sonstiger Erreger wahrscheinlich so ökologisch wie nirgends sonst auf der Welt. Das ist nicht einfach ein Getränk. Das ist Wein pur: kräftig, rau und trotzdem klar strukturiert. Ein grosser Malbec aus Argentinien. Wie anders präsentiert sich da ein Rebberg in der Bündner Herrschaft. Wenige Hundert Meter über Meer, in einem wunderschönen Tal, umgeben von einmaligen Bergketten und mit ausgeprägten Jahreszeiten. Das Umfeld eignet sich für Traubensorten wie Pinot Noir. Da braucht es eine andere Bewirtschaftung der Rebflächen als im südamerikanischen Hochland. Kultiviert auf Bündner Boden bringen diese Pinots elegante, lebendige und einmalige Weine hervor die es in dieser Art nirgends sonst gibt. Es handelt sich auch in diesem Beispiel um einen Herkunftswein. Ein Original.

Sie können sich mit jedem „ehrlichen“ Wein, der seine Herkunft betont, in ein neues Abenteuer stürzen. Ist das nicht aufregend, spannend und abwechslungsreich? Vielleicht achten Sie künftig noch mehr auf Herkunft und Einmaligkeit. Ich verspreche Ihnen, Sie werden bereichert.

Ausprobieren: Rotwein und Käse gilt oft als Traumpaar. Aber versuchen Sie doch einmal einen kräftigen Weisswein zu einer Käseplatte. Sie werden erstaunt sein über die Harmonie von Speise und Wein, denn beim Weissen stören die Tannine die Verschmelzung der Produkte nicht. Und warum nicht gleich Weisswein und Käse von derselben Herkunft zusammen geniessen?

Wein und Zeit

Martel Weinwelt - Wein und Zeit

Für die Einladung heute Abend brauchen Sie noch eine gute Flasche Wein. Sie finden diese meist bei einem Fachhändler, im Supermarkt oder vielleicht sogar beim Winzer selber – wenn er denn am Weg liegt. Da die meisten Weine jung in Umlauf geraten und viele Konsumenten die Weine auch nicht mehr über Jahre lagern möchten, trinken wir meist relativ junge Weine. Viele Winzer haben diesen Trend erkannt und sorgen dafür, dass ihre Naturprodukte bereits nach der Abfüllung trinkbereit sind. Und sie sind es meist tatsächlich. Kein Problem also, und trotzdem stellt sich die Frage, ob Sie, liebe Leser, nicht doch spezielle Weine etwas länger lagern wollen.

Vor wenigen Tagen habe ich eine fast vergessene Flasche aus meinem Keller geholt. Ein Wein, den ich über die Jahre verfolgt und seine Entwicklung miterlebt habe. Trotzdem sind bereits wieder fünf Jahre seit dem Genuss der letzten Flasche vergangen. Somit war ich gespannt auf diesen 1992er. Meine allerletzte Flasche. Hat er nochmals fünf Jahre gehalten, hat er sich allenfalls sogar positiv weiter entwickelt oder ist der Zenit bereits überschritten? Als ich den Korken aus der Flasche zog, übermannte mich ein fast unbeschreibliches Gefühl: Erstaunen gepaart mit grosser Freude. Die wunderbaren Aromen füllten sofort den Raum. Der Wein war eine Offenbarung. Ein Traum, der meine Frau und mich sprachlos werden liess. Aussergewöhnlich betörend und mit einem völlig anderen Geschmacksprofil als die vielen jungen Weine, die wir sonst trinken. Subtil und komplex, statt knackig und fruchtig.

Es ist mir völlig bewusst, dass wir nicht ausschliesslich gereifte Weine trinken können. Aber für gewisse Momente, lohnt sich die Investition in die Zukunft ganz bestimmt. Ich kann Ihnen nur raten, eine Anzahl ausgewählter Flaschen länger reifen zu lassen und ihrem Wein damit Zeit zu schenken. Spannung, Überraschung und Freude steigen, wenn Sie solche Weine nach sanfter Ruhe aus dem dunkeln Keller holen.

Ausprobieren: Sushi sind bei uns sehr beliebt und bereichern die Speisekarte. Aber welcher Wein passt zu dieser japanischen Spezialität? Versuchen Sie einmal einen trockenen Sherry. Diese Kombination ist perfekt und erfreut den Gaumen.

Winzerbesuche – Argentinien 2013

Martel Weinwelt - Winzerbesuche - Argentinien 2013

Die Erweiterung des Weinhorizontes ist ein permanentes, spannendes Erleben und Erfahren. Und Kontraste machen das Ganze würzig und eindrücklich. Alles erlebt man in extremis in Argentinien.

In the middle of nowhere ist die richtige Bezeichnung für das unvergleichliche Erlebnis eines Weingutbesuches bei Tacuil. Schon die Hauptstadt der Weinregion, Salta, liegt für uns (fast) am Ende der Welt.

Doch was dann kommt, ist eine Grenzerfahrung: nicht weniger als fünf Stunden dauert die Autofahrt in Weiten und Höhen des Calchaqui-Tales. Die erste Stunde bis zum Eintritt ins Vor-Andengebirge lässt noch nichts ahnen von dem, was kommt: mit zunehmender Höhe und immer grösser werdenden Kandelaber-Kakteen – die mächtigsten erreichen über 10 Meter und erinnern an Wild-West-Romantik und Lucky-Luke-Romane – verabschiedet sich der gewohnte Standard einer asphaltierten Strasse.

Eine staubige Rumpelpiste mit wellblechartigen Rippen versetzt die Karosse in ein permanentes Vibrieren. Man geniesst diesen Luxus angesichts der Tatsache, dass in den Regenzeiten Strassen zu Flussbetten werden, insbesondere wenn sie gleich in solchen angelegt wurden. Nach drei Stunden ohne die beruhigende Wirkung auch nur einer einzigen Gaststätte oder Tankstelle landen wir im abgelegenen Molinos. Auf der Passfahrt hierher überquert man den Piedra del Molino auf 3457m, die Welt hier ist von berückender Schönheit, die Wüste lebt (tatsächlich).

Molinos ist ein kleines, ruhiges, bescheidenes Dorf indianischen Ursprungs, wie eine Art Fussgängerzone ohne Einkaufsmöglichkeiten, der einzige Ort auf der seit Salta markierten und beschilderten «Ruta del vino», knapp unter 2000m über Meer. Einen Rebstock sieht man auch hier nicht. Immerhin aber beglückt einen eine wunderbare Gaststätte vis-à-vis der hübschen Kirche: die Hacienda de Molinos und ihre phantastische lokale Küche. Eine wundersame Oase gleichsam, entstanden aus einer ehemaligen spanischen Residenz.

Eine weitere Stunde führt einen endgültig ins diesseitige Jenseits oder ins jenseitige Diesseits. In Abwesenheit jeglicher zivilisatorischen Selbstläufer wie Strom oder Telefon und nach einer Runde Irrfahrt (weil der letzte Wegweiser beim letzten Regen weggespült wurde!) führt uns eine steile Rampe in einen völlig isolierten Talkessel: wer sich vor der Welt verstecken will, hier müsste es sein! Der verrückteste Ort der Welt, um Wein zu machen, und inoffiziell der höchste der Welt auf über 2597 m.ü.M. ! Die Spanier haben die Weinkultur hier in diesem Hochland begründet, 1850 wurde hier der erste Malbec aus Frankreich eingeführt und Raúl Dávalos und seine Verwandten haben den hiesigen Weinbau zu einer grossen Passion entwickelt. Nur mit Leidenschaft kann man denn auch diese «Verrücktheit» am Ende der Welt erklären. Das gleiche lässt sich natürlich auch von uns sagen, die wir den Tacuil-Wein bis in die Schweiz importieren! Begeisternder, charaktervoller Malbec aus dem Kaktusland.

Auf der Rückfahrt geniessen wir das nahe Bergschauspiel mit den 6- bis 7-Tausendern der Anden, welche auch die Kulisse von Mendoza prägen, der Weinhauptstadt Argentiniens. Szenenwechsel also 1000km südlich: Eine Millionenstadt und ihre sie umgebenden Weinberge, vergleichbar Bordeaux, nur dass die Region hier eine Wüste ist, mit heissen Tagen und kühlen Nächten. Dank einem bereits von den Ureinwohnern entwickelten, fein verästelten Bewässerungs- und Kanalsystem werden Stadt und Weinberge zu einer grünen Insel, natürlich alimentiert aus den klaren Bergflüssen, welche aus den nahen Anden durch die Region fliessen.

Drei Trümpfe können wir hier ausspielen mit unsern drei Spitzenadressen:

Achaval-Ferrer war das erste argentinische Weingut in unserem Sortiment. Es war und ist eine Art Rolls Royce aus Mendoza und ein qualitatives Vorbild, mitgeprägt vom enthusiastischen italienischen Önologen Roberto Cipresso. Das Weingut strahlt heute die Aura einer Edelwinery des Napa Valley aus. In der Stilistik geht man eigene Wege mit einmaliger Frische und Eleganz. Da die Mendoza-Weine zu hohem Alkoholgehalt neigen, werden die Erntemengen extrem tief gehalten, sodass die Trauben bedeutend früher reifen und so eine viel frühere Ernte ermöglichen. Reife, aber nicht zu zuckerhaltige Trauben. Die Krone der Palette und wohl auch der argentinischen Weinkultur bilden die Spitzenlagen der Bodega, Bella Vista und Altamira. Weltklasse.

Altocedro ist das Werk des engagierten und visionären Winemakers Karim Mussi Saffie, der mit seinen Partner-Investoren aus der Schweiz und einem wunderbaren Fundus an alten Rebstöcken phantastische Qualitäten erreicht. Erst kürzlich hat Karim ein wunderschönes historisches Weingut im Unterbereich Maipu übernehmen können, wo nun ihre Malbecs & Co. vinifiziert werden. Wir erleben ein spannendes Tasting und freuen uns auf die neuen Gewächse.

Huarpe! Eines unserer erfolgreichsten Weingüter überhaupt und regelmässiger Bestseller an unserer Tour des Vins. Entscheidend mitverantwortlich ist der warmherzige, sympathische José Toso, der mit seiner Fachkompetenz und seiner Erfahrung unsere Kunden in bestem Deutsch (José studierte in Deutschland) begeistert.

José und seine Frau Anna zeigen uns die herrlichen Rebberge aus dem Erbe der italienisch-stämmigen Toso-Familie, im Hintergrund glänzt die Schneehaube des mächtigen, fast 7000m hohen Aconcagua-Massivs unter der Sonne… das Wort Weinparadies ist wahrlich kein Übertreibung. Eine Guayquil-Vertikale zum Grillabend bildet dann das Tüpfchen auf dem i und den Schluss(höhe)punkt einer intensiven Argentinien-Tour.

Impressionen